Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1894)
- Date
- 1894-05-18
- Page
- Seite 237 (sequence 9)
- Language
- German
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- Rashi 2× ep/1002670
- Homer 1× ep/1025156
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Jahre die Rhetorik mit solchem Beifalle, daß selbst der Kaiser Marc Aurel ihn hörte und bewunderte- (In seinem achtzehnten Jahre schrieb er seine noch heut geschätzten Bücher). Aber in seinem vierundzwanzigsten Jahre verlor er, ohne daß eine bestimmte Krankheit ihn befallen, seine Geisteskraft, so daß er von anderen unbedeutenden und unwissenden Menschen sich nicht unterschied. Dies forderte den Spott seiner ehemaligen Rivalen heraus, die das bekannte homerische Epitheton auf ihn anwandten. Homer rede init Recht von enta nztQÖtvza geflügelten Worten, denn dem Hermogenes wären sie wie „Federn" entflogen. Antiochus aber der Sophist sagte ’.lE()/j.oytvijg b iv naial yeQtov, sv ös ygQÜoxovoi ■näig Inter pueros senex et inter senes puer; „Unter den Knaben war er ein Greis (ein Weiser), unter den Greisen ist er ein Kind". An solche Wunderkinder, deren erstaunlich frühe Reife ein ebenso frühes körperliches und geistiges Hinwelken zur Folge hat, ist aber bei unserm Sprichworte nicht zu denken. Es kommt in ihm, wie die Schriftstellen, mit denen es begründet wird, deutlich zeigen, nur die Wehmuth zum Ausdrucke, über die im Alter abnehmende Kraft und Leistungsfähigkeit. Wenn im Talmud von solchen Aufsehen erregenden Erscheinungen in der Kinderwelt nur wenig zu finden, so erklärt sich das leicht aus der gesunden Anschauung, die er von dem Parallelismus der körperlichen und geistigen Entwickelung der Menschen hat. Unsere Alten standen in diesem Punkte auf dem Boden der Peripatetiker, nach deren Lehre das allmähliche Wachsthum des Körpers auf die Seelenfunktionen den erheblichsten Einfluß übt. Aus Wunderkindern werden darum nach einem alten deutschen Spruche selten Wundermenschen; das Wunder entflieht, das Kind bleibt. „Mich widert an", lautet ein sprichwörtlich gewordenes Wort eines alten römischen Dichters: „odi puerulos pracoci sapientia“ der Knaben vorschnell frühe Reife, und Cato Censor. sagt bei Plinius „Senilis juventus praematurae mortis est signum“ (vgl. Tac. Annal. 1,30) was auf unser deutsches Volkswort hinauskonimt „Kluge Kinder leben nicht lange". Bei Shakespeare, der, wenn er auch weder Latein noch Griechisch verstand, doch durch Uebersetzungen die Klassiker wohl kannte, begegnen wir derselben Meinung — „Klirzem Sommer pflegt ein schöner Lenz voranzugehen", lind alisführticher in dem Abschiede, den Laertes von seiner Schwester Ophelia nimmt, „denn die Natur aufwachsend, nimmt nicht blos am Körper zu; wie dieser Tempel wächst, So wird der innere Dienst an Seel und Geist Auch weit mit ihm." Lesen wir darum in Abod. Sar. 56, 3, daß ein sechsjähriges Kind an einer halachischen Diskussion sich betheiligt, ja, einen von den Weisen anerkannten Bescheid giebt, ir6 -uax iTJ’ü 1V2 w rw2 üT wm «pir Kinn so ist dieser phänomenale Fall schon darum als ein ganz exceptioneller anzusehen, weil aus hygienischen Gründen kein Lehrer vor dem sechsten Lebensjahre ein Kind in seine Schule aufnehmen durfte. Rab sagte zu R. Sam. b. Schilath, einem verdienten Jugendbildner: Unter sechs Jahren niinm kein Kind auf — >*?2pfI xS ITW “Ott *V3£2 (Ketub. 50 a); wer diese Warnung nicht befolgt, der gefährdet des Kindes körperliche Entwickelung?) So lehrt R. Ketina, hierin ganz mit den heut herrschenden pädagogischen Anschaunngen übereinstimmend: w pö flir© 132 MX 2'32ttN ho lr’Jtt 13^X1 THfiX pl Wer seinen Sohn vor sechs Jahren der Schule übergiebt, fügt ihm einen schweren, kaum heilbaren Schaden zu (vergl. Raschi zur Stelle: (w^>1>1 21“>tt flltt^ X1N pIDtt Zu den wenigen, namhaften Männern des jüdische» Alterthums^) die trotz ihrer frühen Geistes-Reife zu dauerndem litterarischen Ruhm gelangten, zählt der Geschichtsschreiber Josephus. Er spricht in seiner Selbstbiographie (Kap. 2) mit großer Selbstgefälligkeit von dem bedeutenden Wissen, über das er bereits im vierzehnten Jahre verfügte, so daß die Oberpriester und Ersten der Stadt zusammen gekommen wären, um sich von ihm über Fragen des Gesetzes belehren zu lasten. Daß Josephus, besten große Begabung ja Niemand in Abrede stellen kann, von seinem zehnten Jahre, wo der Mischna-Unterricht begann, bis zu seinem vierzehnten Jahre wohl im Stande war, sich eine erhebliche Kenntniß der den alleinigen Unterrichts- Gegenstand in den höheren Schulen bildenden Traditionslitteratur anzueignen, ist weiter nicht befremdlich. Seine Vertrautheit mit dem jüdischen Schriftthum leuchtet auch klar hervor aus den vielen von ihm angeführten Schrifterklärungen, die mit den talmudischen meist y Die Lösung des Widerspruches zwischen dieser Bestimmung und der in der Mischna Aboth 5, 23, die den Unterricht mit fiinf Jahren zu beginnen heißt, ist auf doppelte Art versucht worden. Einmal, indem man auf Horajoth 13b Xltfbm X3TI?n und Chul. 84a 13X |132 pH3 (vgl Raschi z R. pnT '“I StP 1“lH “>NX p!TO '“I (p^im rontro rrn n^ipn roiam rrn gestützt, annahm, daß die körperliche Verfassung in der Periode der Mischna einen so frühen Unterricht der Kinder wohl zuließ, während die später eingetretene Decadence dazu führte, ihn erst im sechsten, ja bei besonders schwächlichen Kindern (vgl. Bab. bathr. 21a "t pD "l pD lffiK wozu Tosaf (ttfirCD?" pr) erst im siebenten Jahre zu ertheilen. Richtiger aber ist wohl die zweite Erklärung, die schon in ETAtt (Ausg. Warschau S. 119) sich findet, daß diese Mischna ursprünglich gar nicht dem Tractate Aboth angehörte, sondern erst später (von Samuel dem Kleinen") hinzugefügt wurde. Auch den erkennt aber Reifmann mit 28P! 'PT S. 19) Recht nicht als den Verfasser dieser Mischna an; hätten die Talmudlehrer eine Mischna dieses Inhalts bereits vor sich gehabt, so würden sie sicherlich sich mit ihr auseinandergesetzt und uns die Gründe genannt haben, die sie zur Abweichung von den alten Anordnungen bestimmten. Rappaport hält, was befremdlich, R. Jeh. b. Tema trotzdem für den Autor dieser Mischna. (vgl. Er. Mil. S. 226 unten.) 2) Wunderkinder in des Wortes eigentlichster Bedeutung begegnen wir in der jüdischen Geschichte erst, wie Löw schon in seinen „Lebensaltern" S. 149 bemerkt hat, zu einer Zeit, als diese vernünftigen pädagogischen Grundsätze längst verlassen waren, im sechzehnten Jahrhundert. An der Spitze derselben steht Leon da Modena (Rabbiner in Venedig, geb. 1571, gest. 1648) der sein Leben selber beschrieben (ppTTP "ps). (Leon da Modena von Geiger Qijjp pl JPHIIT "N'O nntosnn rons ’rrm nttanrn nittbn -pro 'xni2 ns 'man ropö bs nm 112 rnr xim ronntt*? ron-iött pi p2vi rrcnaro ♦X1PIPT plH „Im Alter von drei Jahren erkannte ich Gott und den Werth der Wissenschaften, trug den Wochenabschnitt aus Pentateuch und Propheten