Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1894)
- Date
- 1894-05-18
- Page
- Seite 235 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Engels „Lobrede auf König Friedrich II.", gehalten im Joachimsthalschen Gymnasium am 24. Januar 1781, galt zu ihrer Zeit als ein Prachtstück oratorischer Kunst. Das merkwürdigste Stück des Briefes ist aber die Philippika gegen Goethe. Der Artikel, der Friedländers Hellen Zorn entfachte, stand im Brockhausschen Konversations-Lexikon, bekanntlich dem ersten seiner Art, dem damals einzigen (Leipzig 1816). Sein Verfasser, der sich d. d. Unterzeichnete, ist mir nicht bekannt. Der Ton des Artikels, aus dem Friedländer einzelne charakteristische Proben anführt, .ist, wie man aus diesen entnehmen kann, ziemlich enthusiastisch, was um so merkwürdiger ist, da damals eine derartig begeisterte Stimmung für Goethe keineswegs allgemein war. — Der am Schluß des Briefes vor der Nachschrift erwähnte Baron v. Starck ist der seit dem Jahre 1811 geadelte Darmstädter Hofprediger Joh. Aug. Starck (1741—1816), der namentlich in den achtziger Jahren des 18. Jahrhunderts viel genannt und durch die Berliner Aufklärer wegen seines wirklichen oder vermeintlichen Kryptokatholizismus denunzirt und verfolgt wurde. Die Schrift, um die es sich hier handelt, ist entweder die 4. Auflage der seit 1809 mehrfach edirten Schrift „Theoduls Gastmahl" oder ein 1816 (mit der Jahreszahl 1817) erschienener Neudruck der Abhandlungen „über die alten und neuen Systeme". — Ehr. Fr. v. Ammon (1766—1849) war seit 1818, nach Reinhardts Tode, Oberhofprediger in Dresden, der bisher ziemlich freisinnig, gerade damals 1816/17 eine starke Schwenkung nach rechts machte und Schleiermacher bitter zu befehden begann. — Der in der Nachschrift genannte L. Robert ist schon oben erwähnt. Was Friedländer bei dieser Gelegenheit über die Darstellung der Juden in Werken der schönen Litteratur sagt, trifft ja leider, nach achtzig Jahren, wieder ziemlich zu. — Garlieb Merkel (1769—1850) war, wie schon in der Einleitung erwähnt, während seines ersten Berliner Aufenthalts 1799 ff. mit Friedländer bekannt gewesen. Damals hatte er eine Zeit lang in Gemeinschaft mit Kotzebue den „Freiniüthigen" herausgegeben, eine Zeitschrift, die viel Aufsehen gemacht und viele Leser gefunden hatte. Als er, nach langjähriger Abwesenheit, 1816 nach Berlin zurückkehrte, gab er im Verein mit F. W. Gubitz eine neue Zeitschrift „Ernst und Scherz oder der alte Freimüthige" heraus, konnte aber bei den veränderten Zeiten und deni so völlig anders gestimmten Publikum nicht durchdringen und mußte nach neun Monaten das journalistische Unternehmen wieder aufgeben. Auf den Brief vom 10. September 1816 antwortete Böttiger bereits am 30. Bei seiner Sinnesart mußte ihm Friedländers Ausfall gegen Goethe recht sein; er wünschte Merkels Bundesgenoffenschaft. Er machte Friedländer ferner auf die von Oken in Jena herausgegebene Zeitschrift „Isis" aufmerksam, ohne sie völlig zu billigen; erbat sich von ihm fernere Nachrichten, besonders von der damaligen Berliner Kunstausstellung, und erzählte von seiner Bekanntschaft mit einer trefflichen Sängerin, der Frau des österreichischen Gesandten Bombelles, der Tochter der bekannten Reisenden und Dichterin Friederike Brun, und erwähnte ein scherzhaftes Gedicht, das er dieser zum Geburtstag gesendet. Auf dieses Schreiben antwortete Friedländer mit folgendem Briefe: Hl. Friedländer an Böttiger. Charlottenburg, 2. November 1816. Sie haben mich, mein hochverehrter Freund, mit Ihrer sehr angenehmen Zuschrift vom 30. September und mit den beigefügten geistreichen Sonetten an die Gräfin B. ungemein erfreut. Und sie waren mir desto willkommener, da ste mich in den Banden des Podagra angetroffen, das mich 60 volle Tage in die Stube gebannt und an den Lehnsessel gefesselt hielt. Erst seit 24 Stunden kann ich auf- und abgehen; mein Kopf war aber stets heiter, und nie war ich zum Genuß geistiger Unterhaltung aufgelegter. — Dies zur Entschuldigung meines langen Stillschweigens. Unsere Freundin Elisa erwarte ich in der Mitte dieses Monats in Berlin, wohin ich auch dieser Tage hinziehe, um allda die Wintermonate zuzubringen. Diese Edle hat mir oft angelegen, einige Anekdoten von Mendelssohn und seinen Freunden, die ich ihr gelegentlich erzählt, aufzuschreiben, weil sie ihr des Aufbehaltens würdig schienen. Da ist mir denn eingefallen, einige in das „Morgenblatt" einrücken zu lassen, wenn Sie sie nicht allein interessant finden, sondern auch die Besorgung gütigst übernehmen wollen. — Ueber das Anziehende solcher Sächelchen kann man seinem alleinigen Urtheil nicht trauen, weil sich so viel Individuelles einmischt. Wieviel kommt nicht auch auf den Bortrag an! — Auch macht ich meinen Namen nicht darunter setzen, besonders weil ich mit der ersten Anekdote einen gewissen, leicht zu errathenden Zweck beabsichtige. Eben so wenig weiß ich, ob der Redakteur des M. B's fie von mir aufnehmen wird; ich kenne ihn nicht. — Also mein würdiger Freund, hier sind deren zwei. Scheinen sie Ihnen nicht ganz werthlos, und Sie wollen sich damit befassen, so machen Sie damit, was Sie wollen. Schalten Sie damit wie mit Ihrem Eigenthum, ändern Sie den Stil, streichen Sie aus oder werfen Sie ste ins Feuer! sie find Ihnen völlig preisgegeben. Nimmt sie die genannte Zeitschrift auf, so lassen Sie mir wohl gelegentlich einen Abdruck zukommen. — Von Ihrer Aufmunterung, mein geschmackvoller Freund, wird es abhängen, ob ich mein Gedächtniß anstrenge, um mehr solche Siebensachen aufzufinden, die sich vielleicht nur zur gesellschaftlichen Unterhaltung und nur für solche Freunde eignen, die jene Männer, wovon die Rede ist, gekannt haben. Antworten Sie mir bald und erhalten Sie mir Ihre Gewogenheit, die mir ungemein schätzbar ist. — Auch der würdige Ammon muß mich nicht vergessen. — Meine Krankheit hat Schuld, daß ich ihm nicht wiedergeschrieben, auch, unter uns gesagt, geht es mir wie weiland K. Saul, der auch den göttlichen Propheten nicht besuchen wollte, weil er nichts mitzubringen hatte, nicht einmal FjQ3 PplP P31S Nochmals Gott befohlen! Stadtrath Friedländer. Die in dem Briefe erwähnte Elisa ist die schon obengenannte Elisa von der Recke, die auch in Böttigers Anwort (15. Nov. 1816) eine wichtige Rolle spielt. In dieser Antwort wird Friedländer aufgefordert, der „unvergleichlichen Freundin" Verschiedenes aus Rochlitz' damals erschienenen Taschenbuch vorznlesen (Friedländer war ein sehr guter Vorleser; vgl. Hirt an Goethe 1797, Goethe-Jahrbuch XV, 1894, S. 69) und ihr zur Vollendung ihres Reisetagebuchs zuzureden, von dem Böttiger die ersten Bände herausgegeben hatte. Den neuerschienenen Theil von Goethes Selbstbiographie — gemeint ist der erste Band jener „Italienischen Reise", die noch heute allen Urtheils-