Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1894)
- Date
- 1894-04-27
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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58. Jahrgang. *tr. 17. ^XV CKtettl^JItt^llOt^ ßerÜn’ 27‘ ÄprU 1894' Weikage gur „Akkgemeinen Zeitung öes IuöenLHums'°. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. ^2-Berlin, 25. April. Dr. Eduard Glaser ist von seiner vierten Arabienreise mit reicher Ausbeute zurückgekehrt. Er hat über seine Reise in der Jubiläumsfestsitzung der Geographischen Gesellschaft in München am 17. d. M. berichtet und wurde bei dieser Gelegenheit zum Ehrenmitgliede ernannt. Seit einigen Tagen weilt Glaser vorübergehend wieder in Berlin. * Berlin, 23. April. Professor Dr. WilhelmLöwenthal ist am 20. d.M. hier an einem Herzschlag in Folge eines Jnfluenzaanfalles plötzlich verstorben. Ein noch nicht langes, aber überaus bewegtes Leben hat damit seinen Abschluß gefunden. Zu Rybnik im Jahre 1850 von jüdischen Eltern geboren, war Löwenthal von Hause aus Mediziner, hatte nach längerem, wissenschaftlichen Zwecken gewidmetem Aufenthalt im Kaukasus hier in Berlin die „Bürgerzeitung" übernommen und machte auch als Erfinder eines Sparmarkensystems von sich reden. Dann übersiedelte der Heimgegangene nach der Schweiz, wo er als Professor in Lausanne thätig war. Aber nicht lange darauf sehen wir ihn als Beauftragten des Baron Hirsch in Argentinien, um dort die Verhältnisse zwecks Ansiedlung russischer Juden zu studiren. Nachdem er sich mit Baron Hirsch entzweit, wendet sich das Interesse des vielseitigen Mannes einem neuen Gegenstände zu. Er glaubt, ein Mittel gegen die Cholera entdeckt zu haben, und die französische Regierung giebt ihm in Tonking Gelegenheit zu praktischen Versuchen. Schließlich zeigt der Wegweiser seines Schicksals wieder nach Berlin. Hier, wo er Mitinhaber des Verlages des „Berliner Adreßbuchs" war, widmete Löwenthal sich der Förderung humanitärer Anstalten und stand auch zu Gunsten der Frauenbewegung in der ersten Reihe der Kämpfer Eine Zeit lang agitirte er auch für eine konfessionslose Religion, und in den letzten Jahren beschäftigte er sich besonders rührig mit pädagogischen Fragen. Nun ist der unermüdliche Wanderer gar schnell zur ewigen Ruhe gelangt. LL Berlin, 24. April. Der Schulbesuch der jüdischen Kinder ergiebt nach den Osterprogrammen der verschiedenen hiefigen Lehranstalten folgende Zahlen: Das Friedrichs-Gymnasium zählte am 1. Februar d. I. 474, die Vorschule 175 Schüler, davon 179 und 79 jüd. — Das Französische Gymnasium wurde am 1. Februar d. Js von 416 Schülern besucht, davon 190 jüdisch. — Das Dorotheenstädtische Realgymnasium hatte zum Schluß des letzten Schuljahres 690 Schüler, davon 119 jüdische. — Das Königstädtische Realgymnasium hat seine Schülerzahl im letzten Jahre von 738 auf 755 vermehrt, wovon 209 jüdisch. — Im Luisenstädtischen Realgymnasium befanden sich am 1. Februar d. I. 702 Schüler, wovon 165 jüdische. — Die vierte städtische Realschule hatte am 1. Februar d. I. 463, 41 jüdische. - Die fünfte städtische Realschule hatte im letzten Winter 473 Schüler, 11 jüd. — Die Viktoria-Schule war am 1. Februar d. I. von 629 Schülerinnen besucht, von denen 267 jüdischer Religion waren. — Die Luisenschüle hatte am 1. Februar d. I 855 Schülerinnen, 266 jüd. — Im Gymnasium in Steglitz war die Schülerzahl am 1. Februar d. I. 561, 8 jüd. — Der Besuch des königlichen Realgymnafiums belief sich am 1. Februar d. I. aus 566 Schüler, 46 jüdische. — Die Sophienschule war am 1. Februar d. I. von 818 Schülerinnen besucht, 358 jüd. — Das königl. Friedrich-Wilhelms-Gymnasium und die königl. Vorschule zählten am 1. Februar d. I 1267 Schüler, 714 im Gymnasium, 553 in der Vorschule, davon waren 70 und 54 jüdisch — Das Askanische Gymnasium wurde am 1. Februar d. I. von 776 Schülern besucht, wovon sich 181 in der Vorschule befanden; 159 jüdisch. — Das Falk-Realgymnafium hatte nach seinem Jahresbericht vom 1. Februar d. I im Gymnasium 656, in der Vorschule 177 Schüler, 165 und 46 jüdische. — Die Luisenstädtische Oberrealschule zählte am 1. Februar d. I. 681, davon 158 in der Vorschule; es waren 40 und 11 jüd. — Die Siebente städtische Realschule (Mariannenstraße) hatte am 1. Februar d. I. 417 Schüler, davon waren 11 jüd. — Die königl. Elisabethschule wurde am 1. Februar d. I. von 590 Schülerinnen besucht, 121 jüd. — Das Leibniz-Gymnasium zählte am 1 Februar d. I. in den Gymnasialklassen 478, in der Vorschule 173 Schüler, 87 und 28 jüd. — Das Lesfing-Gymnasium hatte am 1. Februar d. I. 463, die Vorschule 148 Schüler, 16 und 10 jüd. — Die Margarethenschule zählte nach ihrem ersten Jahresbericht am 1. Februar d I 797 Schülerinnen, 351 jüd. — Das Humboldts-Gymnasium zählte am Schluß des Winterhalbjahres 536 Schüler, darunter 136 in der Vorschule; es waren 29 und 14 jüdisch. - Nach dem Jahresbericht des Königlichen Luisen-Gymnasiums war die Anstalt mit der Vorschule am 1. Februar von 989 Schülern besucht. Die Schülerzahl im Gymnasium beträgt 687, von denen 39 jüd.; in der Vorschule 302, 29 jüd. — Das Andreas-Realgymnasium hatte am 1. Februar d. I, 667 Schüler, davon 162 in der Vorschule; es waren 61 und 22 jüd. — Im Prinz Heinrichs-Gymnasium wurden 595 Schüler gezählt, wovon 166 die Vorschule besuchten, 43 jüdisch. — Das königliche Wilhelms- Gymnasium wurde am 1. Februar d. I. von 909 Schülern besucht, darunter 200 in der Vorschule, 343 jüdisch. — Die Schülerzahl des Königstädtischen Gymnastums war am 1. Februar d. I. 614; 156 Schüler saßen in der Vorschule, 216 jüdisch. — Die Charlottenschule hatte am 1. Februar d. I. 881 Schülerinnen, davon 335 jüdische. * Berlin, 23. April. Nach dem Jahresbericht der israelitischen Volksküche für das zweite Geschäftsjahr (1893) wurden entnommen von Besuchern (ohne Unterschied der Konfession) 565,866 Portionen- Hauptsächlich sind begehrt gewesen: Mittagessen zu 10 Pf. in 142,014 Portionen, zu 15 Pf. in 50,894, Bouillon zu 5 Pf. in 57,384, Kaffee zu 3 Pf. in 42,798, Suppen zu 5 Pf. in 69,742, Kartoffeln und Häring in 45,337 Portionen. An nothleidende Arme wurden vertheilt 98,784 Portionen. Hauptsächliche Bedarfsartikel waren: Rindfleisch 66 Ztr., Rinderfett 33% Ztr., Weizenmehl 851/2 Ztr., Kartoffeln 1757V2 Ztr., Würstchen 59,384 Stück, Fische 16l/2 Ztr., Salz 40 Ztr., Bohnen 330% Ztr,, Erbsen 262% Ztr. Um auch dem Aermsten Gelegenheit zu geben, sich Mittags zu sättigen, ist der Preis einer Portion Mittagessen auf 5 Pf. herabgesetzt worden. Zuwendungen für den Wohlthätigkeitsfond der Volksküche werden erbeten an die Verwaltung zu Händen des Herr Hermann Abraham hier. Alte Jakobstraße 57/59. Könitz, 23. April. Eine weitere Kreise interessirende Angelegenheit hat vor der hiesigen Strafkammer ihren Abschluß gefunden. In Schlochau wurde im August vorigen Jahres, einer Verfügung des Regierungspräsidenten gemäß, wonach jedes Schlachtthier vor der Blutentleerung zu betäuben sei, das Schächten nach jüdisch-ritueller Vorschrift von der Polizei verboten. Als aber die Schächter der dortigen jüdischen Gemeinde auch ferner nach den Satzungen der Religion schlachteten, wurden sie wegen Uebertretung angeklagt. In der Verhandlung vor dem Schöffengericht in Schlochau führte der Vertheidiger, Rechtsanwalt Mogk, in überzeugender Weise den Nachweis, daß die genannte Regierungspolizeiverordnung nicht rechtsgiltig sei. Diesen Ausführungen trat auch der Gerichtshof bei, und da durch ein rabbinisches Gutachten für erwiesen erachtet wurde, daß das Schächten eine religiöse Vorschrift und Kultushandlung sei, wurden die Angeklagten freigesprochen. Gegen dieses Urtheil hatte der Amtsanwalt Berufung eingelegt. Aber auch die Strafkammer in Könitz, die sich am 16. d. Mts. mit dieser Angelegenheit beschäftigte, trat den Ausführungen des Bertheidigers, die Polizeiverordnung sei rechtsungiltig, bei, indem sie annahm, daß nach § 61 des Polizeigesetzes vom 11. März 1850 für den Regierungs- Präsidenten zu Marienwerder kein Anlaß vorlag zum Erlaß seiner Anordnung. H. H. Mirotv i. M., 22. April. Am 15. d. M. feierte der Kultusbeamte der hiesigen jüdischen Gemeinde, Herr A. Philippson, sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Am 15. April 1869 trat derselbe sein ■ t ] z 1