Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1894)
- Date
- 1894-04-27
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
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&rjparjpr. ■■* ^V'4 "' 197 daß auf sin auch die Bedeutung als Vorbeter übertragen und später sogar ganz herrschend wurde. Dies wiffen schon die Tosafot zu Berachoth 34a, welche den talmudischen N12L N^V als Vorbeter mit dem späteren jtn als Vorbeter identifiziren, dagegen den talmudischen sin von diesem streng unterscheiden." Aas schwarze und das blaue Buch. Ein Beitrag zur jüdischen Apologetik von Dr.D. Leimdörfer intzamburg. r& H. (c>(^fc7ic gefällt Euch das, geliebte Brüder? Ihr wißt, vaßes verstockte Bösewichter giebt, die eine Plage der Menschheit sind. 0 Wißt Ihr aber auch, daß es verstockte Narren giebt, die für die Menschen eine eben solche Plage sind, weil sie unheilbar sind. — „Schaut rechts und links, sagt unserSchwarzer,wo findet Ihr Juden, die arbeiten? Seht Ihr deren unter den fleißigen Arbeiter» bei den Neubauten, bei der Eisenbahn, beim Wallabtrage», am Deich, auf dem Hammerwerk?" Wie wenig weiß doch Herr Carlo von dem, was um ihn her vorgeht! Weiß denn Herr Carlo nicht, daß die Juden alle Arbeiten, sobald sie zünftig sind, in Hamburg und dessen Gebiet gar nicht treiben dürfen? Die Juden bitten ja, flehen ja die Behörden fortwährend an, daß man ihnen erlaube» »löge, gleich ihren christlichen Brüdern Handwerke treiben zu dürfen, Maurer, Zimmerleute, Schlosser, Schmiede, Schneider, Schuster, Profesfionisten sein zu dürfen. So viel ich weiß, hat der Vorstand der jüdischen Gemeinde höheren Orts um die Erlaubniß gebeten, daß Juden anl Abtragen der Wälle Mitarbeiten möchten, cs ist diese Bitte aber unberücksichtigt geblieben. Unzünftige Gewerbe betreiben die hiesigen Juden mit der größten Emsigkeit: Juden sind Posamentirer, Tapezierer, Stubenmaler, Buchbinder, Buchdrucker. Um arbeiten jit können, im Schweiß ihres Angesichts, um ehrlich durch ihrer Hände Werke Weib und Kinder ernähren zu können und nicht auf den Handel beschränkt zu sein — darum eben wollen die Juden ja emanzipirt und den Christen gleichgestellt sein! Darum eben fordern sie ja Bürgerrechte. Wollen sie etwa den Christen gleichgestellt sein, um hohe Staatsämter zu erhalten? Um Senatoren zu werden? — Der Staat soll ihnen gestatten, ihre Kraft zu nutzen zu ihrem Unterhalt und zum Heil der Stadt und deren Bewohner, soll ihnen erlauben, die geistigen wie die physischen Kräfte zu bearbeiten, damit sie sich redlich und anständig ernähren und ihren Mitbürgern nützen können! Und so lange unser« jüdischen Mitbewohnern das nicht erlaubt wird, so lange begeht man das schreiendste Unrecht gegen Tausende von brauchbaren Menschen, die im Staate alle Lasten mittragen, alle Pflichten mit erfüllen müssen. Der Schwarze meint zwar, es wäre genug, daß man die Juden nicht mißhandele und nicht todtschlage (S. 18). Aber ist das die Sprache eines Menschen? eines Christen? Zeugen solche Behauptungen nicht von einer unchristlicheii, diabolischen Natur, die alles Bessere „Larifari" nennt? Nehmt Euch in Acht — ich rathe es Euch, Ihr Juden — vor dem Herrn Carlo! Er ist weit grimmiger als der Judenfresser in Altona, von dem er eine zweite vermehrte Auflage ist; er scheut sich nicht iS. 20), in seinem schwarzen Buche aller Welt zuzurufen: Ich hasse sie! sie sind mir zum Ekel. Na, er ist ganz wüthend, der kleine Hamann l! wie ihn Börne nennen würde. Und hat doch wieder so ein butterweiches Herz! denn, fügt er geschwind hinzu: „ich hasse nur die Masse." das Volk.Israel, die Jude». In dem Juden sehe ich einen unglücklichen Mitbruder, ja, ich habe sogar einen Juden zum Freund, der mir für keinen Christen feil ist (S. 20). Also es ist doch nicht so arg mit Carlo's Judenhasse!! Denn von 9 Millionen Juden, die es auf der Erde giebt, haßt er nicht mehr als — acht Millionen neunmalhundert und neuundneunzig Tausend! neunhundert und neunundneunzig. Nicht mehr. Einen liebt er, das ist sein Freund. Wie rührend, man sollte gar nicht glauben, daß ein Herz, das von 9 Millionen Menschen Einen lieben kann, so viel Gift und Galle in sich faßt, wie der kleine schwarze Hamann auf 4 Seiten (20—24) ausspritzt. Und mit welcher beispiellosen Arroganz stellt der Mensch Behauptungen auf, an welche kein Welchen Wahrheit ist! Das Judenthum, das die Quelle Eures Christenthums, liebe Brüder, geworden, zeiht er der Unmoralität (24). Trotzdem, daß er „alle Juden haßt" entblödet er sich nicht zu sagen, die Juden werden die christliche Grundlehre, „liebet Eure Feinde", nie begreifen (S. 24). Hast du sie begriffen, der du dich Christ nennst? öffentlich verkündest du ja: Du hoffest Millionen von Menschen, nicht etwa wegen ihrer Lasterhaftigkeit, nein, sondern wegen ihres „Knoblauchgeruchs", wegen ihrer „mauschelnden Sprache", wegen des widerlichen Vornehmthums ihrer Reichen, wegen der Arroganz ihrer sogenannten Gelehrten (S. 20). Hat der allergemeinste Jude etwas Aehnliches in Beziehung auf Christen je ausgesprochen? Und dieser Mensch behauptet, der Jude begriffe nicht die Lehre: Liebet Eure Feinde! eine Lehre die der Jude tagtäglich zu üben Gelegenheit hat! — Und welche niedrige Begriffe von den Staatsbehörden, welche empörende Voraussetzung (S. 22) rc.: „Daß, im Falle die Juden hier emanzipirt werden, die angesehenen Juden Senatoren und Staatsbeamte werden würden, denn sie haben Geld und das regiert die Welt, folglich auch Hamburg." Pfui der Niedrigkeit! Also 24 Senatoren, 4 Bürgermeister, 4 Syndici werden sich bestechen lassen, um einen reichen Juden, blos weil er reich ist, zum Senator zu wählen?" (Siehe S. 23.) Zu dem durchaus nicht platonischen Dialoge Carlo's mit dem einen jüdischen Freunde, wobei Ersterer die Naturmerkwürdigkeit einer „Universalgalle" aufweist, sagend, „ich schreibe nicht mit eigener Galle, es ist die Galle der Geschichte, der Wahrheit und der Volksmeinung" (S. 24) bemerkt unser Siegesmund: „Also die Geschichte hat eine Galle? — Ist durchaus nicht wahr! Die Geschichte ist das „Weltgericht", der Richter aber darf keine Galle haben, sonst kann er nicht gerecht, nicht unparteiisch sein. Ich möchte Herrn Carlo einmal ein paar Worte aus der Geschichte vorlesen, etwa von den Kreuzzügen oder von der Bartholomäusnacht und ihm zeigen, wie ruhig die Geschichte alle diese Gräßlichkeiten verträgt. — Thränen hat die Geschichte für solche Gräuel, Thränen, blutige Thränen, aber keine Galle. Diese kommt auf Ihre Rechnung, Herr Carlo! Und die Wahrheit, wäre diese gallsüchtig? Nein, diese Verläumdung geht zu weit. Die Wahrheit wägt mit der größten Ruhe und Kaltblütigkeit jedes Wort, jede Silbe, jeden Buchstaben ab und redet und urtheilt von keinem Dinge, das sie nicht kennt, das sie nicht versteht, das nicht in der That vorhanden ist und wenn sie redet, so öffnet sie den Mund mit Weisheit, sie redet zwar ernst und gewaltig, aber so, daß sie alle Welt überzeugt. Gallsüchtig ist die Wahrheit durchaus nicht. Gallsüchtig ist nur die Verläumdung, die Lüge und Jeder, der ihr huldigt, Herr Carlo! — Endlich soll die Volksmeinung auch eine Galle haben. Herr Carlo scheint Pöbel und Volk zu identifiziren. Aber das Volk ist durchaus nicht gallsüchtig, auch gegen die Juden nicht, denn gerade das Volk, der Kern der Nationen, hat sich für die bürgerliche Gleich; stellung der Juden verwendet bei Königen und Fürsten in Baden, Württemberg und erst kürzlich wieder in den Rheinprovinzen. Und gewiß, das Volk, der Kern der Einwohner, wird