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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-04-20 · Heft 16 (20.4.1894) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 16 (20.4.1894)
Date
1894-04-20
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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K '#'r.+ * «.‘4rlb - . l.. .» WWHWWW^WWWMMBMMW^' Anspruch. Es ist zu erwarten, daß dieselben auch späterhin den religiösen Sinn und die Theilnahme für geistige Bestrebungen im Judenthunr sich bewahren werden So ist gerade die Entwickelung unseres Vereins eine Bestätigung dafür, daß die erwähnte Anregung allgemein befolgt zu werden verdient. g. Bad Königsdorff-Jastrzeml*, 16. April. Die israelitische Kinderheilstätte im Soolbade Königsdorff-Jastrzemb, die seit den vier Jahren ihres Bestehens in zielbewußter Weise eine immer erhöhte segensreiche Wirksamkeit entfaltet, kann auch auf das vergangene Jahr mit Genugtuung und Befriedigung zurückblicken. Am 14. Mai des vergangenen Frühjahrs wurde die Heilstätte zur Aufnahme der Pfleglinge geöffnet, die Behandlung der Pfleglinge war in den Händen des Badearztes Dr. med. Kuhn, da Herr Dr. Karfunkel im März 1893 in Breslau verstorben ist. Die Anstalt wird dem Entschlafenen ein ehrendes Andenken bewahren. Sie hat in der zurückgelegten Saison 72 Kinder, und zwar 30 Knaben und 42 Mädchen, in vier auf einander folgenden Serien beherbergt. Nach ihrer Heimath entstammen die Kinder aus den Provinzen Echtesten, Posen, Brandenburg und dem Königreich Sachsen. 23 Kindern wurden Freistellen gewährt, 27 wurden gegen Zahlung der Hälfte der Selbstkosten und 22 gegen Entrichtung eines' Satzes, der annäherungsweise den Selbstkosten gleich kam, ausgenommen. Die Kurzeit der Pfleglinge betrug in der Regel 4 volle Wochen; bei mehreren wurde dieselbe bis zu 6 Wochen, bei einzelnen bis zu 8 Wochen verlängert. Jedem Kinde ist Wohnung, volle Verpflegung, erziehliche Aussicht, ärztliche Behandlung, Bäder, Arznei und Sonstiges an Kurmitteln zu Theil geworden. Die Zahl sämmtlicher Verpflegungstage belief sich auf 2420. In diesen Zahlen spricht fich die hervorragende Gemeinnützigkeit des Werkes aus. K. Hannover, 9 April. Tie Lehrer-WittwenundWaisen- Kas se für die israelitischen Lehrer der Provinz Hannover zahlt nach dem Ergebniß der abgeschlossenen Jahresrechnung pro 1893,94 auch in diesem Jahre 36 pCt. des versicherten Diensteinkommens. Die zur Vertheilung stehende Summe beträgt 4448 M 60 Pf, die der Kasse zuflossen aus den Zinsen des unangreifbaren Fonds 1815 M. 23 Pf; aus Beiträgen von Mitgliedern 589 M. 37 Pf., von Gemeinden 518 M., von Privaten 1494 M, wovon ein Drittel zum unangreifbaren Fonds geschlagen werden, also zur Vertheilung 996 M., aus Spenden 530 M. Zwölf Lehrer bezw. deren Wittwen und Waisen erhalten 4322 M. Der Plan des um die Gründung der Kasse hochverdienten seligen LandrabbinerA Dr. Meyer, durch Gewährung einer Unterstützung von zwei Dritteln des versicherten Diensteinkommens auskömmlich für die emeritirten Lehrer und deren Wittwen und Waisen zu sorgen, mußte bei den hohen Ansorderungen, die mit den Einnahmen in keinem Verhältnisse standen, leider schon seit einigen Jahren aufgegeben werden. — Dem soeben erschienenen Jahresberichte über die Neligionsschnle der Synagogengemeinde, dem eine beherzigenswerthe Abhandlung des scheidenden Oberlehrers, Herrn Direktor Dr. Kroner, gleichsam wie ein letztes Mahnwort „Unterricht und Leben" vorangeschickt ist, entnehmen wir, daß im Jahre 1893/94 die Schule von 200 Schülern besucht wurde, die auf eine Präparande, fünf Mädchen- und fünf Knabenkassen und eine Selekta vertheilt sind. Aus dem Lehrerkollegium schied Ostern 1893 Herr Dr. E. David und folgte einem Rufe als Rabbiner nach Düsseldorf; nach den Sommerferien trat Herr Dr. Lange aus Halberstadt als Lehrer ein. — An der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer fand am 5. April unter Leitung des Herrn Geheimen Regierungs- und Provinzial-Schulraths Wendland und des Herrn Landrabbiners Dr. Gronemann die Entlassungsprüfung statt. Die zehn Abiturienten bestanden sämmtlich das Examen, sechs vvn ihnen wurden nach abgehaltener Lehrprobe auf Grund ihrer guten schriftlichen Arbeitest und ihrer guten Schulzeugnisse von der mündlichen Prüfung dispensirt. Zum Schluffe drückte der Provinzial-Schulrath in einer Ansprache an die nun ins Lehramt tretenden Jünglinge seine volle Befriedigung über das Resultat der Prüfung aus, ermahnte sie in ernsten, ergreifenden Worten zu treuer Pflichterfüllung im Berufe und stellte ihnen den aus seiner Stellung scheidenden Herrn Direktor Dr. Kroner, wegen seiner stets bewiesenen Pflichttreue und rastlosen Thätigkeit, als nachzustrebendes Vorbild hin. K. Hannover, 16. April. Die vielseitige Wirksamkeit des Herrn Seminardirektors Dr. Kroner hat mit der öffentlichen Prüfung an der Religionsschule ihren Abschluß gefunden; derselbe hat uns nach achtundeinhalbjähriger Thätigkeit verlassen, um sein Amt als Rabbiner und theologisches Mitglied der Israelitischen Oberkirchmbehörde zu Stuttgart anzutreten. Der Schluß der Prüfung gestaltete sich unter diesem Umstande zu einer ernsten Abschiedsfeier. Worte des Dankes für die bewährte fachmännische Leitung dieser Anstalt waren ihm seitens des Schulvorstandes bereits in dem Jahresberichte gespendet, und seine Verdienste fanden in einem Anerkennungsschreiben, das ihm am Schluffe der Prüfung vorgelesen und überreicht wurde, nochmals ihre volle und ganze Würdigung. Am vorangehenden Freitag hatte Herr Direktor Kroner in der Lehrerbildungsanstalt von den Lehrern und Schülern Abschied genommen. Es genüge, hier zu bemerken, daß er durch feste Scheidung der Klassen, durch scharfe Abgrenzung der. Klassenziele, durch Einfügung neuer Lehrfächer die Anstalt auf den Standpunkt brachte, daß sie nach dem Urtheile des die Abgangsprüfungen leitenden Herrn Schulraths Wendland zu den bestorganisirten und geleiteten Deutschlands gezählt werden darf. — Als Beweis der Hochschätzung seiner früheren Schüler war ihm ein geschmackvoll ausgestattetes Album, das die Photographien von ca. 50 Lehrern, die unter seinem Direktorate die Anstalt verlassen und jetzt in allen Gegenden Deutschlands als Borbeter, Religionslehrer und Elementarlehrer wirken, überreicht. — Die Thätigkeit des Herrn Dr. Kroner beschränkte sich nicht allein auf den Kreis dieser beiden Anstalten, sondern er suchte in Vereinen und Vereinigungen Gutes und Edles zu fördern. Als es sich darum handelte, hier eine Loge des Bnei-Brith-Ordens zu gründen, gehörte er zu den Ersten, die den Gedanken mit Eifer erfaßten. Er wurde dann ein sehr thätiges Mitglied der Loge und bekleidete in ihr die verschiedensten Ehrenämter. Gern ergriffen die Mitglieder der Loge daher auch die Gelegenheit, mit dem Stiftungsfeste, das durch längere Erkrankung des Präsidenten hinausgeschoben werden mußte und erst am 5. April abgehalten werden konnte, eine Abschiedsfeier für den aus ihrer Mitte Scheidenden zu verbinden. Als Erinnerung an die gemeinsam verlebten Stunden, die er oft durch seine Vorträge zu genußreichen zu machen verstand, wurde ihm in einer ergreifenden Ansprache des Herrn Julius Frensdorff eine Prachtausgabe des Talmuds überreicht. Weite Kreise und zahlreiche Freunde sehen ihn mit Bedauern scheiden und begleiten ihn mit dem Wunsche, daß er auch in seinem neuen Amte nach seinem Sinne und in seinem Geiste wirken und somit Befriedigung und Freude finden möge. — In der Repräsentanten- und Vorstandssitzung vom 10. April wurde Herr Rabbiner Dr. Knoller aus Breslau zum Nachfolger Kroners gewählt. X Essen, 14. April. Am Freitag Abend fand in dcr festlich geschmückten Synagoge die Einführung des Rabbiners Herrn Dr. Samuel statt. Vor Beginn des Gottesdienstes versammelten sich der Vorstand und die Repräsentanten im Sitzungssaale des Gemeindehauses und geleiteten Herrn Dr. Samuel in feierlichem Zuge ins Gotteshaus. Nachdem die Herren vor dem Altar Aufstellung genommen, hielt der Vorsitzende des Vorstandes Herr Js. S. Hirschland folgende Ansprache: „Nachdem die Repräsentanten unter Zustimmung des Vorstandes Sie zum Rabbiner der Synagogengemeinde gewählt haben und vor wenigen Stunden die Bestätigung der Königlichen Regierung eingetroffen, ist der ernste Augenblick gekommen, da Sie Ihre verantwortungsvolle Thätigkeit beginnen können. Das Vertrauen, das Ihnen die Gemeinde entgegenbringt, ist ein großes. Wir sind aber überzeugt, daß Sie dasselbe in vollstem Maße rechtfertigen, daß Sie Ihres Amtes mit Treue und Hingebung walten, daß Sie uns ein geistiger Führer in allen Fährnissen des Lebens, ein leuchtendes Vorbild in Gottesfurcht und religiösem Lebenswandel sein werden. Wir zweifeln nicht, daß es Ihnen dadurch gelingen wird, sich die Herzen der Gemeindemitglieder zu gewinnen; die Herzen Aller, ob jung oder alt, ob hoch oder niedrig, so wie das der Fall war bei Ihrem Vorgänger, dem verehrten Herrn Blumenseld, der nun nach vieljähriger, segensreicher Thätigkeit an dieser Stelle seine Wirksamkeit des Alters wegen einstellt. In dieser feierlichen Stunde ist es uns Pflicht, seiner dankbaren Herzens zu gedenken Als eine Ihrer wichtigsten Aufgaben, das wissen wir, werden Sie auch betrachten, in den Herzen der Gemeindemitglieder die Vaterlandsliebe zu erhalten und zu erwecken, die Königstreue, die Liebe zu Kaiser und Reich. So erklären wir denn als die gewählten Vertreter der Gemeinde, kraft der uns übertragenen Befugniß, Ihre Einführung als Rabbiner der Synagogen- Gemeinde Essen hiermit als vollzogen." In seiner Erwiederung gab Herr Dr. Samuel den Gefühlen des Dankes gegen Gott, gegen den Vorstand und die Gemeinde beredten Ausdruck, wies auf die Bedeutung des

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