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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-04-20 · Heft 16 (20.4.1894) · p. Seite 188

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 16 (20.4.1894)
Date
1894-04-20
Page
Seite 188 (sequence 8)
Language
German
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188 nicht entgehen konnte, das muß in ihr verschlossen sein. Verschwiegen wie das Grab soll sie sein, und wenn sie dabei selbst auf den doch so billigen Ruhm verzichten muß, erzählen zu können, daß ste jenen berühmten Mann und jene bekannte Frau schon gepflegt habe und wer weiß Alles von ihm wisse. Unter den körperlichen und geistigen Eigenschaften, die ich für eine gute Krankenpflegerin als nothwendige bisher aufgeführt habe, ist die werthvollste von mir bisher nicht erwähnt worden, denn ich halte es für ausgeschlossen, unseren Pflegeschülerinnen ans Herz legen zu müssen, daß sie sich sittlich rein halten müssen. So rein, wie ihr Körper sein soll, so rein müssen sie ihre Seele halten. Das ist der Grundstein, ohne welchen das ganze Gebäude zusammenstürzt; das beste Wollen und Können wird hinfällig ohne dieses Fundament. Und nun zum Schluß die Frage: berechtigt dieser Aufwand von Intelligenz, von körperlicher Leistungsfähigkeit, von Charakter und Gemüthseigenschaften, wie ich sie als nothwendig für eine Krankenpflegerin soeben hier vorgetragen, nicht zu höheren Ansprüchen, als sie der Beruf der Krankenpflegerin erfüllen kann? Nein und dreimal Nein! Ich bin der Ansicht, daß, wer mit den oben aufgeführten Eigenschaften ausgerüstet, aber nur ein solcher, sich zum Krankenpflegedienst hingezogen fühlt, daß der, gerade in diesem Beruf, seine höchste Befriedigung finden wird. Es giebt noch ein Gut, das höher steht als Geld und Geldeswerth, das ist das Gefühl, für seinen Nebenmenschen, der in Noth und Gefahr schwebte, seine ganze Person eingesetzt zu haben mit vollem Können und Wollen. — Und so haben sich im Krankenpflegedienst alle Stände, alle Konfessionen zusammengefunden, das Hehre und Erhabene desselben hat Begeisterung getragen in die Brust von Hoch und Niedrig, Reich und Arm, von Christen und Juden, — so haben die bedeutendsten Männer der medizinischen Wissenschaft: ein Dieffenbach, ein Virchow, ein Billroth, sich als Apostel und Lehrer der Krankenpflege hingestellt, und so haben sich, wie ich dies in der Einleitung zu meinem heutigen Vortrage erwähnte, in unserer Gemeinde eine unerwartet große Anzahl von Personen gefunden, die das Institut zur Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen aufs Eifrigste fördern wollen, damit Sie, die Sie heut als Schülerinnen eintreten, sorglos sich ihrem hohen Berufe hingeben können. Möge ein guter Erfolg Ihr Streben krönen! Bas schwarze und das blaue Buch. Ein Beitrag zur jüdischen Apologetik von Dr.D. Leimdörfer in Hamburg. Sm November 1844 erschien eine Broschüre in einem schwarzen Umschläge, ..Das schwarze Buch" betitelt, von B. Carlo. Das Schristchen wurde in Itzehoe nächst Altona gedruckt, nachdem es in Altona die Censur passirte, trotzdem es über die gesammte. Judenhcit Gift und Galle auszugießen und zum Aufreizen der Bolksmenge bestimmt worden war. Der Verfasser, ein dürrer, schmächtiger Mann, tritt zur Zeit der akut gewordenen Emauzipationsfrage in den Hansastädten, besonders in Hamburg, wie seine Zeitgenossen Witt, Reichenbach und der Konvertit Nathansohn für die absolute Verhinderung der damals geplanten Gleichstellung der Juden in die Schranken. Anregend wirkte auf ihn ein Pamphlet des getauften, fünfmal ins Tollhaus gesperrten Pferdezuchtmeisters Michael Leonard Nathansohn, auf dessen Titelblatt das Motto stand: “QlK '2 in drei Worten eine dreifache Verstümmelung des 10. Verses von Psalm 116 — und dessen Aussprüche und judenfeindliche Ausfälle doch — wie er sagt — wahr sein müßten, weil sie Niemand widerlegt habe. Das genannte Opus, dessen Inhalt sich in den bekannten und unzählige Mal widerlegten Tiraden der alten und neueren Judenhetze bewegt, ist Carlo's Offenbarung, sein Orakel und JdeaK In bodenloser Unwissenheit über das Judenthum spricht er von deni „Zehngebot" wie der Blinde von der Farbe, ist ihm ferner kein einziges Sittengesetz in der jüdischen Lehre bekannt, und wovor ihm graut, das ist der jüdische Reichthum, ebenso wie der Gedanke, wonach die verderblichste Folge der Emanzipation die wäre, daß eine jüdische Hand Schuhe, Röcke machen und Akten schreiben würde, sofern die Christen nicht auf ihrer Hut sein sollten. Gegen dieses „schwarze Buch" schrieb einer meiner Vorgänger im Hamburger Predigeramte, der selige Dr. Gotthold Salomon, unter dem Namen Gottfried Siegesmund ein Werkchen in blauem Umschläge: „Das blaue Büchlein, eine Weihnachts- und Neujahrsgabe für gebildete und fromme Christen", welches vier Wochen später als das schwarze Buch, in Braunschweig bei Gebrüder Meyer gedruckt, zu Hamburg im Verlag von Moritz Geber's Buchhandlung erschien, nachdem es von der Censur vielfach beschnitten worden war. Dieser Salonion'schen Arbeit hat meines Wissens bislang kein Litterarhistoriker Erwähnung gethan, und doch dürfte sie namentlich in der Sturmfluth des modernen Antisemitismus die weitesten Kreise interessiren, nicht nur als ein Geistesprodukt des berühmten Vaters der deutschen Predigt auf der jüdischen Kanzel, sondern um der Kenntniß der geistigen Kampfesart willen, die vor einem halben Säculum wahrhaft deutsch denkenden und deutsch patriotisch redenden Geistern zu eigen war. Die Schrift, welche der Enkel des Verfassers, Herr C. Zacharias, hier, mir zur Einsicht vorzulegen die Güte hatte, dünkt mir aber um dessentwillen wichtig, weil sie als Beitrag für die auf Anregung meines seligen Lehrers Dr. Jellinek zu unternehmende, wie verlautet wahrscheinlich von dem Reichstagsabgeordneten Dr. Bloch in Wien zu bearbeitende Lehre und Geschichte der jüdisch en Apologetik von wesentlichem Nutzen und bleibendem Wertste gelten kann. Nach einer kurzen Vorrede, die „schwarz" als die Farbe der Trauer, der Sünde und des Verbrechens der Lüge und Verleumdung, „blau" dagegen als Symbol der Heiterkeit, Freiheit und himmlischen Treue hinstellt — was die Wahl des Titels rechtfertigen soll — weist Salomon auf den „Ameisenhaufen unwissender Skribler" hin, die das größte Elend über die Juden Deutschlands gebracht haben. Mit Luther (Schrift wider Hans Worst 1541) ruft er den grundlos Schmähenden zu: „Auf alle solche Lästerworte, weil es arme, nackte, bloße Lästerworte sind, ohne Grund und Ursache geplärret, so laßt man sie z» Tode schreien und antwortet dieweil mit einem geringen, leichten Wörtlein: „Teufel, du lügst!!" (Seite 14.) Hierauf werden die Christen aufgefordert, in die Gotteshäuser der Juden zu gehen, wo Letztere in der deutschen Muttersprache zu opferbereiten Patrioten und zu humanen Menschen erzogen werden; in die Schulanstalten der Juden zu gehen und sich die Rcligionsbttcher zeigen zu lassen, ob wohl die Pflichten der Liebe, der Wahrheit, des ehrlichen Wandels nicht auf alle Menschen anwendbar zu machen aus ihnen gelehrt wird! (S. 16.) Dann fährt er folgendermaßen fort: „Doch in dem schwarzen Buche kommt noch ein Aufsatz vor, der überschrieben ist: „Eine Stimme aus dem Volke" (S. 17—23), bei diesem muß ich noch einige Minuten verweilen. In diesem Aufsätze fragt der Schwarze: Hätte schon Jemand gehört, daß z.B. unsere hamburgischen Juden dem Staate oder an der Börse Anerbietungen gemacht für die Emanzipation? (S. 18.) Hört, hört, Ihr hoch- und wohlweise Herren! Hört, Ihr Oberalten! Hört, Ihr größeren nnd kleineren Bürgerkollegien! Herr Carlo will Euch so tief erniedrigen, daß Ihr den Juden die Emanzipation für eine Summe Geldes — verschachern sollt!? — Doch ich thue dem guten Carlo zu viel! Er sagt nämlich später, von Geld rede er nicht (ob man gleich nicht begreift, wie

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