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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-04-13 · Heft 15 (13.4.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 15 (13.4.1894)
Date
1894-04-13
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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58. Jahrgang. Nr. 15. Berlin, 13. Äpri! 1894 Der GerneLrrdebote. 'UeiLcrge zuv „Allgemeinen Zeitung des IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. Frd. Berlin, 6. April. Heute wurde in Gegenwart vieler hervorragender Aerzte auf dem Friedhof in Weißensee ein Enkel des bekannten ehemaligen Rabbiners der Berliner Gemeinde, E. Rosenstein, der Sohn des seit einiger Zeit hier weilenden Professors Dr. Rosenstein von der Universität Leyden, Dr. Franz Rosen st ein, beerdigt. Der Verstorbene, der nur ein Alter von 32 Jahren erreicht hat, berechtigte zu den höchsten wissenschaftlichen Erwartungen, er leitete, nachdem er an einer Reihe von großen psychiatrischen Anstalten mit Erfolg thätig gewesen war, hier eine Poliklinik für Nervenkranke und hatte ein größeres wissenschaftliches Werk soeben ausgearbeitet, das ihm die akademische Laufbahn erschließen sollte. Dr. R. gehörte zu denjenigen Psychiatern, deren warmes Herz für ihre Glaubensgenossen sie in erster Linie geeignet macht, den aus weiter Ferne oft herbeigeeilten nervenkranken Israeliten, soweit thunlich, zur Genesung zu verhelfen, da gerade in der praktischen Ausübung der Psychiatrie das auf seelischer Wärme beruhende Vertrauen ein so wesentlicher Faktor ist. Er erkrankte vor Kurzem und übernahm selbst seine Behandlung. Das Tragische des Falles ist, daß der erst zweiunddreißigjährige beliebte Arzt nicht an den Folgen der eigentlichen Krankheit gestorben, sondern einer Medizin- Vergiftung zum Opfer gefallen ist. Dr. Rosenstein hat sich zum inneren Gebrauch Chlorkali verschrieben. Von diesem starken Gift muß er die einzunehmenden Dosen wohl nicht sorgfältig genug dispensirt haben. Es stellten sich bald Vergiftungserscheinungen ein, denen gegenüber jegliche ärztliche Kunst sich als hilflos erwies und denen der hochbegabte, hoffnungsvolle, in glücklichster Ehe lebende Gelehrte erlegen ist. Des Verstorbenen Vater, welcher auch vor noch nicht Jahresfrist seine Gattin verloren hat, sowie die junge Wittwe des Verstorbenen finden allgemeines Mitgefühl. An der Bahre widmete ein Vetter des Verstorbenen, der aus Breslau herbeigeeilte Professor der orientalischen Sprachen, Dr. Frankel, dem so früh Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf. £££ Berlin, 11. April. Der „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" hielt gestern in der Aula der Dorotheenstädtischen Realschule einen Diskussionsabend ab. Derselbe wurde durch eine Gedenkrede des Vorsitzenden auf die jüngst Heimgegangenen Dr. Adolf Jellinek und Ludwig August Frankl eingeleitet. Sodann folgte ein Referat des Herrn Dr. med. Rawitzki über die Gesundheitslehre des Maimonides, an welches sich eine interessante Debatte knüpfte. Bei dieser Gelegenheit sei noch erwähnt, daß der Termin der Erledigung der Preis-Konkurrenz für die beste Jugendschrift — verschiedener Hindernisse wegen — auf den 1. Juli hinausgeschoben worden ist. * Berlin, 8. April. Auf einen Bericht einer königlichen Regierung hat der Kultusminister der letzteren erwiedert, daß jüdische Kinder, welche christliche Volksschulen besuchen, auf Antrag der Eltern oder deren Stellvertreter an den Sonnabenden und den hohen jüdischen Feiertagen von dem Schulbesuch zu dispensiren sind. Daß die betreffenden Kinder Gelegenheit haben, jedesmal dem Synagogen- Gottesdienste beizuwohnen, ist nicht Vorbedingung der Dispensation. Die königliche Regierung ist ferner aufgefordert, die Schulaufsichtsbehörden ihres Bezirks hiernach mit Weisung zu versehen. ** Berlin, 10. April. Die Erben des verstorbenen Kommerzienrathes Jakob Israel, des Mitinhabers der Firma N. Israel, haben aus dessen Nachlasse im Ganzen gegen 500,000 Mark zur Verwendung an milde Stiftungen bestimmt Wir heben aus der Reihe der Zuwendungen hervor: 100,000 Mk. - wie bereits erwähnt — an die Stadt Berlin zur Verwaltung durch die Stiftungsdeputation und, wie wir jetzt hinzufügen können, mit der Anordnung, daß die Zinsen in jedem Jahre am Sterbetage des Kommerzienrathes an verschämte Arme zur Vertheilung kommen sollen; 50,000 Mk. an die Baruch-Auerbach'sche Waisen-Erziehungs-Anstalt, 20,000 Mk. an das jüdische Krankenhaus, 12,000 Mk. an die Alter-Versorgungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde, 10,000 Mk. an die Kaiser Wilhelm- und Augusta-Stiftung, 12,000 Mk. an das Kurhospital in Kolberg. Ferner sind bedacht worden: das Asyl für Obdachlose, die Gesellschaft für jüdische Handwerker und Künstler, die Ackerbauschule in Hannover, der Verein junger Kaufleute in Berlin und andere gemeinnützige Institute. Wie wir ferner bereits berichtet, haben die Söhne des Verstorbenen, die Herren Hermann N. und Berthold Israel 250,000 Mk. bestimmt zur Errichtung eines Pensionsfonds für die Angestellten ihres Hauses, welcher Fonds, um das Andenken ihres Vaters zu ehren, die Bezeichnung Jakob Israel-Stiftung tragen soll. Z. Berlin, 9. April. Gestern tagte im Saale des Brüdervereins die diesjährige Generalversammlung der „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate". Der Vorsitzende der Gesellschaft, Herr Leopold Lesser, widmete vor Eintritt in die eigentliche Tagesordnung einen tiefempfundenen Nachruf dem Andenken der im verflossenen Jahre verschiedenen Herren Theodor Friedländer und S. Nelson, die im Vorstande die Aemter eines Schatzmeisters und eines Inspektors bekleidet und für eine gedeihliche Entwickelung der Gesellschaft gewirkt hatten. Hierauf erstattete derselbe Bericht über die Wirksamkeit der Gesellschaft im abgelaufenen Geschäftsjahre. Die Thätigkeit der Gesellschaft — führte er aus — erstreckte sich hauptsächlich auf die Unterstützung und Beaufsichtigung von 106 Lehrlingen, von denen 10 in dem Lehrlingsheim in Pankow untergebracht seien. Der Leiter der Anstalt, Hern Direktor Wilinski, halte die Lehrlinge zur Pünktlichkeit, Sauberkeit, Fleiß und Ausdauer an. Die Thätigkeit der Gesellschaft erfordere, um allen Ansprüchen gerecht zu werden, große Mittel; allein wir dürfen uns der Hoffnung hingeben, daß unsere Mitglieder aus ihren Kreisen neue Mitglieder zuführen, die unser Werk durch jährliche Beiträge oder einmalige größere Zuwendungen unterstützen würden. In der darauf folgenden Diskussion beantragte Herr Gustav Levy zum sichtlichen Erstaunen der ganzen Versammlung die Auflösung des Lehrlingsheims in Pankow, da er nicht einsehe, welche Erfolge die Anstalt, die große Summen verschlinge, bis jetzt gezeitigt hatte. Es wurde ihm aber vom Vorstandstisch geantwortet, daß statutenmäßig ein Antrag für die Generalversammlung spätestens bis zum 15. Dezember schriftlich eingebracht werden müsse. Um indeß auch die Meinung anderer Mitglieder zu vernehmen, wurde beschlossen, die Diskussion fortzusetzen und dem Direktor der jüdischen Mädchenschule, Herrn Dr. Adler, das Wort ertheilt. Dieser führte im Gegensatz zum Vorredner aus: „Es sei eine große soziale Aufgabe, die sich die Gesellschaft, gerade mit der Schöpfung des Lehrlingsheim, gestellt habe. An ihn sei man vor ca. drei Jahren herangetreten, einen geeigneten Leiter für ein gegründetes Lehrlings heim zu empfehlen. Er habe gleich das Unternehmen mit Freuden begrüßt und den gegenwärtigen Direktor der Anstalt, den er als einen tüchtigen Pädagogen kenne, empfohlen. Er habe seit dem Bestehen des Heims dasselbe mindestens 25 Mal besucht unv könne dem Direktor Wilinski das beste Zeugniß ausstellen. Was die vom Vorredner gerügten imensen Ausgaben für die Anstalt anbelange, so verweise er auf die Thatsache, daß die Miethe allein schon die Summe von 1800 Mark jährlich verschlinge. Man vergesse aber nicht, daß in der Anstalt für mindestens noch zehn Zöglinge Raum sei und daß im selben Maße wie die Insassen des Heims zunehmen, die Ausgaben für die Unterhaltung derselben sich geringer stellen würden. Sein Wunsch gehe vielmehr dahin, das Heim aus dem Provisorium in ein Definitivum umzuwandeln und die Machtbefugnisse des Leiters zu erweitern. Die Anstalt würde alsdann segensreich wirken und den Juden nur zum'Ruhme und Heile gereichen". Ebenso plaidirte Herr Rechtsanwalt Kraft dafür, daß die Gesellschaft das Lehrlingsheim als ein definitives Institut erklären solle. Redner bemängelte die Statuten des Vereinsund überreichte einen „dringlichen Antrag", der auf Statuten-Aenderung sowie auf das Nachsuchen

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