Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 15 (13.4.1894)
- Date
- 1894-04-13
- Page
- Seite 180 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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180 Auch im Buche Esther wollen unsere Weisen den fehlenden Gottesnamen durch das Wort: So wird wohl den Juden Hilfe und Rettung Dlpöö entstehen, ersetzen. <C. 4. V. 14.) Dieses ist nach meiner Ansicht nicht zutreffend. Daß das ganze Buch Esther uns das Walten Gottes zeigen will, daß nur die göttliche Vorsehung die Trauer in Freude umgewaudelt hat ist klar. Wie könnte wohl der Verfasser des Buches Esther daran denken oder gar gemeint haben: „Wenn Esther, in dieser schweren und gefahrdrohenden Zeit für alle Juden, schweigen wird, so wird den Juden Freiheit und Rettung entstehen Dlpftft doch nicht etwa von einem „andern Gott"! Die Perser hatten keine Götterbilder; sie verehrten nur zwei geistige Wesen, Ormuzd, den Gott des Lichtes, und Ahriman, den Gott der Finsterniß. Und von ihnen hat der Verfasser keine Helfer erwartet und nicht erwarten können. Uebrigens ist der fehlende Gottesname durch Andeutungen an verschiedenen Stellen durch die Anfangsbuchstaben ersetzt. Weshalb aber der reine Gottesname im Buche Esther doch fehlt, habe ich eine Erklärung hierfür in dem Pituche Chotem zu Jbn Esra gefunden und gestatte mir, dieselbe hier wiederzugeben. Ursprünglich hat der Name Gottes in dem Bericht gestanden, aus dem zu ersehen ist, daß die Erzählung zweimal geschrieben worden. Das erste Mal hat Mardechai die Schrift über Purim abgefaßt und hat sie an alle Juden geschickt. Wie zu ersehen ist, C. 9. V. 20. Nun haben die Perser bei den Juden die Erzählung gesehen und haben sie ins Persische übersetzt. (C. 10. V. 2.) Natürlich haben sie die Umwandlung der Trauer in Freude bei den Juden der Macht ihres Ormuzd zugeschrieben. — Als nun dieses dem Mardechai bekannt wurde, mußten Esther und Mardechai C. 9 V. 29 das Buch zum zweiten Male schreiben und haben alsdann die ungöttlichen Namen aus der Purim-Erzählung entfernt, damit Äe späteren Nachkommen nicht etwa denken sollen, daß die Erzählung eiü Perser geschrieben habe, und haben den fehlenden Gottesnamen an verschiedenen Stellen in der Megilla durch die Anfangsbuchstaben angedeutet und gleichzeitig ersetzt. Polzin im Adar II. Finkelstein. ❖ Sehr geehrter Herr Redakteur! /^emäß einer Mittheilung in Ihrer geschätzten Zeitschrift Nr. 11 d. I. wird Herr Dr. Glaser von seiner vierten arabischen Reise zurückkehrend „800 neuentdeckte Inschriften, 250 arabische Handschriften und eine Reihe kleinerer wichtiger arabischer Denkmäler" mitbringen. Da diese Ausbeute, wie nicht anders zu erwarten ist, für die semitischen Wissenschaften im Allgemeinen und für die jüdische im Besondern von hohem Werthe sein wird, so gestattete ich mir, unsere großen wissenschaftlichen Institute in Berlin, Breslau und Budapest anzuregen, diese Schätze zu erwerben und sie nicht von den Museen und Bibliotheken ankaufen zu lassen. Ich kenne keinen passenderen und würdigeren Platz für solche Kostbarkeiten als ein jüdisch-wissenschaftliches Institut, denn die Sache geht uns und unsere Wissenschaft in erster Linie an. Zwar leugne ich nicht, daß es zu schwierig, ja beinahe ausgeschlossen ist, diese wissenschaftlichen Güter mit einem Male zu erwerben, allein bei gutem Willen seitens der Leiter der erwähnten Institute und mit Unterstützung der jüdischen Presse und unserer Gelehrten scheint mir meine Anregung nicht unerfüllbar zu sein. Mit Hochachtung Bern, 17. März. A. M. Chandji. Miscetlen. Eine Enthüll ung, die nicht verfehlen wird, in den weitesten Kreisen das verdiente Aufsehen zu erregen, macht der „Antisemitische General-Anzeiger" in Berlin in seinem Kossuth-Nekrolog. Es heißt nämlich in dem Nachruf des Blättchens: „Der jüdisch-magyarische Revolutionsmacher Kossuth ist endlich in Turin gestorben. Derselbe hieß von Hause aus Lewin Kohut und nannte sich dann Ludwig Kossuth er begann sein hochverrätherisches Treiben bereits im Jahre 1830, als die Alliance Isra61ite von Paris aus die erste Revolution durch ganz Europa 1 zu entfachen suchte. Im Jahre 1848 war er Mitglied des jüdischen Fünfmänner-Ausschusses, welcher die alte Staatsordnung mit der Unterstützung Rothschilds zu stürzen suchte. In England war es der Jude Disraeli^ in Frankreich der Jude Cremieux, in Italien der Jude Mazzini, in Ungarn der Jude Kossuth und in Deutschland der Jude Marx, welche die Revolution durchführen sollten. Die schmutzigste Rolle spielte dabei Kossuth, welcher durch gemeinen Verrath das ungarische Heer (für dessen Anwerbung Rothschild sechsundvierzig Millionen Gulden geliehen hatte) den Revolutionären in die Hände spielte. Dann machte er sich zum „Diktator", war aber selbst viel zu feige, um auch nur einmal an einem Kampfe theilzunehmen. Endlich wollte er Ungarn an Rußland ausliefern und da dieses das Angebot des Landesverraths zurückwies, flüchtete er unter Mitnahme der Regierungskasse nach der Türkei. Im Jahre 1866 versuchte er dann noch einmal in Ungarn einen Volksaufstand anzuzetteln, wofür er durch seinen Genossen Klapka bei Bleichröder eine Anleihe von einer Million Thaler aufnehmen lassen wollte." (Darüber hat laut „General-Anzeiger" der italienische Staatsmann Lamarmora die aktenmäßigen Belege veröffentlicht!) Das obskure Blatt schließt seine historische Vorlesung mit folgender flammenden Tirade über den Juden „Lewin Kohut": „Nur die ganze Verwahrlosung unserer öffentlichen Meinung, wie sie unter dem Einflüsse der jüdischen Preßmache eingetreten ist, hat einem solchen Juden das Ansehen eines großen europäischen Politikers einbringen können. Der jüdisch-magyarische „Großstaat" Ungarn ist eines solchen „Nationalhelden" würdig" ... Da dieses so lange ängstlich gehütete Geheimniß durch den „General-Anzeiger" gelüftet ist — die Antisemiten bekommen eben Alles heraus - so wollen wir aus der wahren Abstammung anderer Revolutionshelden auch weiter kein Hehl machen. Man erfahre denn, daß Robespierre eigentlich ein elsässischer Jude Namens Rüben war und die „Alliance Isra&ite" begründet hat, daß Danton ein aus Posen stammender Daniel gewesen ist und daß man es in Marat mit einem jüdischen Badewannenfabrikanten Namens Mosessohn zu thun hatte. Daraus ergiebt sich, daß auch die sämmtlichen Greuel der französischen Revolution lediglich den Juden zur Last fallen!!! * ---- Jakob Rosenhain. In Baden-Baden, wo er seit Jahrzehnten in stiller Zurückgezogenheit gelebt hat, ist dieser Tage, 80 Jahre alt, der Klaviervirtuose und Komponist Jakob Rosenhain gestorben. Wenn der Name der rasch vergessenden Gegenwart schon recht fremd klingt, so erklärt sich das daraus, daß sein Träger eine Reihe von Jahren in Paris gelebt hat und dort dem deutschen Musikleben fremd geworden ist, sodann aber dadurch, daß Rosenhain, als Komponist den Spuren Mendelssohns folgend, in seinen Tonschöpfungen eine Richtung vertreten hat, die heutzutage zum größeren Theile bereits der Vergessenheit angehört. Einer reichen Mannheimer Bankierfamilie entsprossen, in bequemen Verhältnissen aufgewachsen, gehörte er zu jenen glücklich veranlagten Naturen, die, wie Robert Schumann in einer Kritik über sein Lmoll-Trio sagt, „den Sieg über die Form schon im Mutterschooß errungen haben". Dieses liebenswürdig-verbindliche Wesen, das ihm von Haus aus eigen war, ist späterhin durch seinen Aufenthalt in Paris, wo er sich als Komponist wie als Lehrer in der besten Gesellschaft bewegte, noch vermehrt und verfeinert worden; andererseits aber hat es ihn, dem das Leben immer nur seine Lichtseiten gezeigt hat, vielleicht verhindert, seinem geschmeidigen und liebenswürdigen Talente jene Vertiefung und Innerlichkeit zu verleihen, ohne die nun einmal nachhaltige Erfolge nicht zu erzielen sind. So hat denn Rosenhain, ähnlich wie der ihm geistesverwandte Ferdinand Hiller, zwar eine ungemein vielseitige Thätigkeit auf vokalem wie instrumentalem Gebiete entfaltet; insbesondere sind seine wohlklingenden Sinfonien ihrer Zeit in Leipzig, Brüssel, Paris rc. beifällig aufgeführt worden; nachhaltig hat jedoch von alle dem nichts gewirkt. Wenn etwas von seinen Schöpfungen der Gegenwart erhalten zu werden verdient, so ist es ein von dem Verfasser noch in den letzten Jahren zusammengestelltes „Liederalbum", das eine Reihe von sinnigen und durch zwanglose und freundliche Melodik sich auszeichnenden Liedern enthält, die, entsprechend vorgetragen, auch heute noch Beifall finden werden. Druck und Verlaa von Nudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.