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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-04-13 · Heft 15 (13.4.1894) · p. Seite 174

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 15 (13.4.1894)
Date
1894-04-13
Page
Seite 174 (sequence 6)
Language
German
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174 dem herrschenden Volke außer den allgemeinen Steuern noch Kopfgelder (Charadsch) zahlen müssen, ferner zu schweren Arbeiten verwendet werden, denen sich kein Muslim unterzieht. Begegnet ein Jude zu Pferd einem Muselman, so muß er ihm ausweichen, auf Verlangen vom Pferd steigen; thut er es nicht und wird mißhandelt, so hat er kein Klagerecht. Unter diesem Drucke hatte ihre Zahl abgenommen. Beitrage zur vergleichenden Gnomologie. Von Dr. W. Klemperer, Prediger der Reformgemeinde. V. Midr. Rabb. Ber. Kap. 71: «nua ku xn« KÜ^ID ku «n« „Glück im Hause, Glück in der Welt". Diese für die Tiefe und Innigkeit des jüdischen Familiensinns äußerst charakteristische Sentenz erinnert vor Allem jeden, der Goethes Iphigenie kennt, an die schönen Verse im dritten Auftritt des ersten Aufzugs: „Der ist am glücklichsten, er sei ein König oder ein Geringer, dem in seinem Hause Wohl bereitet ist; dann aber auch an Rückerts sinnigen Spruch: „Unseliger ist nichts, als wenn Dir immer ist — Dn seiest nicht zu Haus, wo Du zu Hause bist". Noch ei» dritter Spruch, dessen Autor mir unbekannt, verdient um der epigrammatischen Schärfe willen, mit der er diesen Gedanken ausdriickt, Erwähnung: „Keine Einsamkeit ist drückender, als die zu Zweien." VI. Das Diktum R. Josua b. Levis N'niLV miK* *? KUtP "lin „Ter Narr kehrt zu seiner Narrheit zurück". (Wajikr. rabba 16 gegen Ende) das nur den salomonischen Spruch Kap. 26,11 ästhetischer und kondensirter wiedergiebt, finden wir unter den neueren Autoren bei Friedrich Rückert: „Die bei dem Jrrthum verharren, das sind die Narren „das sind die Weisen, die durch Jrrthum zur Wahrheit reisen." Unter den Alten bei Cicero (Philipp. 12, 2, 5 ed. Klotz. Pars. II. Vol. 3 8. 439): Cujusvis hominis est errare; nullius nisi insipientis in errore perseverare. „Irren kann Jeder, im Jrrthum verharren nur der Thor". Wahl S. 147 hat aus Braudt's Narrenschifs 231, 33, das altdeutsche Sprichwort angeführt: „Ein Narr louft wieder zu syner schäll, glich wie syn Hundt zu syin gewäll. VII. -irri -Han Sn; «ipm mUKa kS k-iöt narr bi vaiN «*? ’Kiratan «na (Echo rabb. zum Verse mp nTtfü) Die zweite Hälfte dieses Spruches, dessen erste als eine Paraphrase des 20. V. im 25. Kap. der Sprüche sich ausgiebt, bedarf keiner weitläufigen Deutung. „Der Sohn des Narren hört nicht auf den Gesang"*) will nichts 0 Welche Wandlung in dem von Musik und Gesang reicherfüllten Volksleben durch die Katastrophe der Tempelzerstörung herbeigeführt wurde, wie jede Freude und Lust durch den noch frischen Schmerz niedergehalten und die „traurige Erinnerung als ein unerläßliches Pflichttheil sogar bei jedem heiteren Anlasse gefordert wurde" (Sachs, Relig. Poesie der Juden in Spanien S. 343), wie aus asketischen Gründen die weltliche Tonkunst gemieden, alle gegen deren Ausübung gerichteten Verbote auf die Dauer aber unwirksam sich erwiesen, das eingehend auszuführen, würde einen eigenen Exkurs erfordern. Ich muß mich hier mit dem Hinweise begnügen auf die einschlägigen, lehrreichen Artikel in anderes sagen, als was Goethe im Taffo ausspricht: „Wer der Dichtung Stimme nicht vernimmt, ist ein Barbar, er sei auch wer er fei". Ich fasse auch den Spruch, den wir Joma 20 lesen: mu kb ’Ktub nat unb an« „Flötenspiel, das den Vornehmen gefällt, behagt nicht den Webern" (Typus für Niedere und geistig Unbedeutende) nicht wie Dukes S. 85 als Tadel gegen Geringe auf, die sich oft mehr herausnehmen, als Vornehme, sondern als Konstatirung der zu allen Zeiten gemachten Erfahrung, daß wie die schaffende Kraft in der Kunst, so auch die des rechten geschmackvollen Urtheils über die Kunst nur selten zu finden. Eine Parallele dazu bietet das griechische Sprichwort h'v&a övog Xigag tfxovoE auch mit bellt Zusatze xal aaXniyyoq vg „Der Esel beim Klang der Leier" (8tephan. thes. 5. Bd. S. 2036) Lucian adv. indoct. ergänzt die Worte bvog xiv&v xa wxa „Der Esel, der beim Gesang die Ohren bewegt." Der Esel würde seiner Gewohnheit folgend die Ohren auch bewegt haben, wenn er die Zither nicht gehört hätte, es würde daher lächerlich sein, wenn man aus der Bewegung seiner Ohren auf seine Empfänglichkeit und Empfindung für Musik schließen wollte. So macht gar mancher Banause, kommt die Rede auf Wissenschaft und Kunst, oft eine Geberde, die sein theilnehmendes Verständniß andeuten soll. Varro gebraucht den Ausdruck in einer seiner Satyren, welche den Titel t68tarnentum hat: 81 quis mihi filius unus pluresque in decem mensibus gignantur, si erunt (asini ad lyram) ovot XvQag exheredes sunto. Gell. 3, 16, 13. Ausg. von Martin Herz 1 Bd. S. 231) und Varron. sat. Menipp. Reliquiae von Riese S. 229, und S. 179.) . Wenn mir ein Sohn oder mehrere im 10ten gesetzlichen, rechtmäßigen Niederkunftsmonde geboren werden, so sollen sie trotzdem von der Erbschaft ausgeschlossen werden, wenn sie so albern und einfältig sind, wie der Esel beim Lautenschlag." So verständlich der zweite, so unverständlich erscheint mir wenigstens der erste Theil des Spruches. „Der Gesang dringt nicht in das Ohr des Tanzenden." Achten wir zunächst aus das salomonische Wort, dem er als Analogon dienen soll. Es ist dieser Vers bekanntlich einer der schwierigsten im ganzen Spruchbuch:') „Wer das Kleid auszieht am Wintertag, wer Essig aus eine Wunde gießt (nach der Septuag., deren Uebersetzung üotieq o&g sXxet doviupcxpov (also zu Hamburgers und in Herzoges Eneyklopädie, wie in Winer's Real- und Schenkel's Bibellexikon und ganz besonders auf die lichtvollen, alles Wesentliche beibringenden Kapitel in Löw's „Lebensalter" S. 305 u. ff. Nur eins will ich bemerken. Ich meine, daß auf diese damals aufgekommene Askese, die lustfeindliche und antimusikalische Strömung, das Urtheil wohl zurückzuführen, das Taeitus in seiner verzerrten und unwahren Schilderung von den Juden über diese Seite des jüdischen Volkslebens gefällt. In den Histor. 5, 5 lesen wir: 8ed quia saeerdotes eorurn tibia tympanisque concinebant, hedera vinciebantur, vitisque aurea templo reperta, Liberum patrem coli, nequaquam congruentibus quippe Liber festes laetosque ritusposuit, Judaeorum mos absurdus sordidusque. „Weil ihre Priester mit Flöte und Pauken musizirten und stch mit Epheu bekränzten, man auch eine goldene Rebe im Tempel vorfand, so haben Manche geglaubt, es sei Vater Liber, der Bezwinger des Morgenlandes, der Gegenstand ihrer Verehrung, was mit ihren Bräuchen durchaus nicht zusammenpaßt: denn Liber hat einen festlichen und fröhlichen Dienst eingeführt, während der Juden Brauch widersinnig und armselig ist." *) Die beste Deutung der ersten vier Worte, mp rührt von Lagarde her. In seinen „Anmerkungen zur griechischen Uebersetzung der Proverbien" S. 63 erklärt er den ganzen Vers für eine Dittographie des unmittelbar vorhergehenden fnjt DYO PJMft Er wurde aus Versehen wiederholt und da man den Fehler nicht erkannte, mit verschiedenen Punktationey versehen, als hätte man verschiedene Sätze vor sich. in p zu verwandeln, verschlug nichts". .-....-— -..

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