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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-04-13 · Heft 15 (13.4.1894) · p. Seite 173

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 15 (13.4.1894)
Date
1894-04-13
Page
Seite 173 (sequence 5)
Language
German
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173 Der Kulturverein wurde am 7. November 1819 begründet. Er bestand bis zum Jahre 1824. Während dieser Zeit >var Zunz inan kann wohl sagen, die Seele des Vereins. Als die Auflösnng bevorstand, schrieb er jene bitter-ironischen Worte, die ich am Eingang citirt habe, aber diese bezogen sich nicht allein ans den Kulturverein, sondern auch ans das Scheitern aller Neformversuche in Berlin. Von diesen Versuchen soll nach der trefflichen Arbeit Maybaums in einem folgenden Artikel die Rede sein. 6. K. Die Inden im Kaukasus. Von Dr. Max Grünfeld. s ' nfilmen die Kaukasusjuden? Die Ueberlieferung derselben besagt, daß sie von den nach Babel abgeführten Juden j ö stammen, „welche sich am Tempelbau nicht betheiligt hätten". Geschichtliche Quellen freilich fehle». Gärber, welcher sie 1728 besuchte, und der jüdische Reisende Juda Schwarz bestätigen ihre Angaben: „sie seien ins gebirgige Medien geführt worden". Sei es nun mit der Tradition, wie es wolle, wahr ist es, und dies ist Millers Ansicht, daß in Aderbeidschan x) im gebirgigen Medien uralte jüdische Ansiedlungen bestanden, und zweifellos, daß die daghestanischen von dort stammen* 2). Ein weiterer Beweis für die Herkunft der kaukasischen Juden liegt in ihrer Sprache, welche ein iranisches Idiom ist, das mit semitischen Organen gesprochen wird. Es ist eine Mundart des von den Persern in Baku gesprochenen Täti3). Der Typus ihrer Physiognomien ist der lezgische. tatarische. Kaukasische Physiognomien finden sich ebenso häufig wie jüdische. — Miller's Meinung ist nun, daß die Berührungen zwischen den Ehazaren und den kaukasischen Juden im 7. Jhdt. stattgefunden haben. Schon damals seien jüdische Ansiedlungen in Daghestan znm Theile dem Chazarenreiche, andere dagegen dem persischen Reiche unterthan gewesen. Er behauptet also, die kaukasischen Juden seien es gewesen, welche das Judenthum in das chazarische Reich gebracht hätten. Wenn, nach dem Araber Masüdi, die Juden aus dem byzantinischen Reiche vertrieben, nach dem Lande der Ehazaren flohen, so geschah es gewiß schon deshalb, weil dieses bereits eine jüdische Regierung hatte. Die Tradition der Ehazaren, welche in dem berühmten Briefwechsel zwischen dem Fürsten (Chagan) derselben, welcher Juffuf hieß, 1) Atropatene die nordwestliche Provinz Perstens von Ghilan, Kaukaflen, türkisch Armenien, Kurdistan umschlossen. 2) Nach Esther III 8 lebten in allen Theilen des alten Perstens Juden. Sie gebrauchten die hebräische Sprache nur als Religionssprache. Daß die iranisch sprechenden Juden sich gegenseitig durchaus nicht verständigen können, bezeugt Zukovskij. Nach II. Kön. 17, 6 wurden die Israeliten der zehn Stämme in „die Städte Mediens" verpflanzt. 3) Wir sind einer Erklärung dieses räthselhaften Wortes um Vieles näher gerückt. Prof. Dr. v. Sowa, dem wir die Daten zu dem vorliegenden Aufsatze verdanken, hat mit Zuhilfenahme des dschagataischen Lexikons von Bämbsry es klar gemacht, daß tat so viel heißt wie der Provinziale. Im Persischen bedeutet das herübergenommene Wort dasselbe, oder so viel wie einen „Einfaltspinsel" tät-äroit, slnosrs, simple Im dschagataischen Dialekt des Türkischen bedeutet es einen „Unterworfenen". Die krimischen Tataren nennen so jeden Stammfremden. und dem jüdischen Minister Chisdai den Isaak, vorliegt y, besagt, die Annahme des Judenthuins durch Bulan, den Chazarenfürsten, falle ums Jahr 620. Die Nachfolger Bulans waren: (Lücke nach Bulan), Dann, Obadja, Chizkijahu, Menasche, Chanuka, Isaak, Zabulon, Menasche II., Nisi, Aaron II., Josef. Für die Ansetzung Bulans in so frühe Zeit spricht auch der Umstand, daß er den Mangel von Gold und Silber znm Tempelbau beklagt, von dem im 8. oder 9. Jhdt. bei dem blühenden Stande des Chazarenreiches nicht mehr die Rede sein konnte. Das Reich breitete sich zur Zeit Juffufs vom kaspischen Meer bis an den Dnjepr aus (Miller hat Dnjestr; wir glauben aber, diese Angaben an der Hand des Chazarenbriefes verbessern zu können), und vom schwarzen Meere bis zur Okll und Kama. Erwähnung findet der Name der Ehazaren zum ersten Male bei byzantinischen Schriftstellern (Anfangs des 7. Jahrhunderts); in armenischen Chroniken um 683, 717, 726, 730 erscheinen Chazarenheere in Schirwan und Aderbeidschan. Sie drangen bis Mossul vor. 737 soll (nach arabischen Quellen) ein Chozarenkönig genöthigt worden sein, die Araber um Frieden zu bitten und Mohammedaner zu werden. 764, 799 werden die letzten Chazarenzüge »ach Armenien erwähnt. — Bekannt ist, was die chazarische Tradition in Bezug auf die Bekehrung der Ehazaren zum Judenthum erzählt. Sie erwähnt die Berufung jüdischer Weisen an den Hof Bulans, der sie religiöse Disputationen mit Christen und Moslems abhallen ließ, deren Ergebniß die Annahme der jüdischen Religion durch Bulan war. Jehuda Ha-Levi hat diese Bekehrung der Ehazaren zum Judenthuni zum Ausgangspunkte seines Werkes „Kusari" gemacht. Miller meint, die Anwesenheit und der Einfluß zahlreicher glaubenseifriger israelitischer Männer habe dieser Bekehrung schon lange vorgearbeitet, Bulan wird nicht der erste bekehrte Chazare gewesen sein. Und so wird man auch an seine Engelserscheinungen nicht glauben müssen. — Die Quellen schweigen über diese Annahme Millers. Halten wir uns also an die Hypothese Millers, das Judenthum sei den Ehazaren durch die kaukasischen Juden gebracht worden, so wirft sich nun die Frage auf: „Wo waren die ersten jüdischen Ansiedelungen im Kaukasus?" Die Antwort lautet: In Tabasseran und Kajtak2); in letzterer Gegend wird ein Ort noch jetzt Schiut- Katta, d. h. „jüdischer Paß" (Schlucht) genannt. Vor 300 Jahren wandelten von dort Juden nach Madschalis3), etwas später nach Jangi-Kent aus. Im Kreise Temir-Chan-Schurin (ruff.-kaukas. Daghestan) haben die Juden die Ueberlieferung, daß sie nach der ersten Zerstörung Jerusalems nach Bagdad und in der Folge nach Teheran, Hamadan, Rescht, Kubu, Derbend, Madschalis, Karabnlach-Kent und Tarkn übersiedelten?) Als im 11. Jahrhundert das Chazarenreich fiel, kamen die kaukasischen Juden in große Bedrängniß. Von da bis zum 18. Jahrhundert fehlen alle Nachrichten. Gärber berichtet 1728 über die Juden in Kaitak, Schirwan, Rustan, Kuba, Schemacha3), daß sie i) Ausgaben des Briefwechsels von Carmolp und Cassel. '-) Bezeichnet im russisch-kaukasischen Gebiet Daghestan am Fluß Bugan und am Kaspi-Meer, benachbart Tabasseran. 3) Früher Hauptstadt der Tataren, der „goldenen Horde", jetzt Trümmerstelle im russ -kaukas. Gouvernement Stawropol, an der Kuma. 4) Komarow giebt an (ohne Nennung der Quelle), daß die Juden Ende des 8. oder Anfangs des 9. Jahrhunderts sich von Derbend nach Norden gezogen hätten. Dies wird wahrscheinlich, wenn man das Andrängen der Araber berücksichtigt. 3) Kreisstadt im russ.-kaukas. Gouvernement Baku, am Kaukasus und Sagolowaj.

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