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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-04-06 · Heft 14 (6.4.1894) · p. Seite 168

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 14 (6.4.1894)
Date
1894-04-06
Page
Seite 168 (sequence 12)
Language
German
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168 dürsten. So würde der erziehliche Segen dieses Festes auch für die Zukunft gewahrt bleiben, und das wäre sicher ein nicht gering anzuschlagendes Verdienst, welches alle diejenigen, die den Segen dieser Erinnerung m sich selbst erfahren haben, zu innigem Danke für Herrn Dr. M. verpflichten würde.? ----- Martin Hartmann: Die hebräische Verskunst nach dem metek sefataim des Immanuel Franfis und anderen Werken jüdischer Metrik. Verlag von S. Calvary & Comp. Berlin 1894. Der Autor, bekannt als Lehrer des Arabischen am orientalischen Seminar zu Berlin, sagt mit Recht in seinem Vorwort zu der uns vorliegenden Schrift: „Die Erkenntniß der Zusammenhänge der hebräischen und arabischen Litteratur im Mittelalter ist wichtig für die Kultur dieser Zeit. In dieser Beziehung das formale Element in den jüdischen Dichtungen zu untersuchen", ist der Zweck seiner Arbeit. Wir staunen über die Belesenheit des Verfassers auf dem Gebiete der hebräischen Litteratur und freuen uns darüber, daß in einer Zeit, wo die genaue Kenntniß der hebräischen Sprache und Litteratur nur noch einem geringen Theil der Theologen aus der alten Schule eigen ist, doch wenigstens Nichtjuden dem Studium des Hebräischen ihr Interesse zuwenden. Jndeß hält uns dies nicht ab, offen zu bekennen, daß wir nicht immer den Ergebnissen seiner Untersuchungen unbedingt zustimmen. Es wird zwar allgemein behauptet, daß die Juden die metrischen Formen den Arabern entlehnt haben, allein daß dem wirklich so sei, hat auch Prof. Hartmann nicht beweisen können. Als hart und nicht immer gerecht müssen wir ferner das Urtheil bezeichnen, welches der Autor über Immanuel Fransts metek sekataim fällt, das, 1892 von Heinrich Brody zum ersten Male edirt, der hebräisch lesenden Welt nun vorliegt. Wir haben das metek sekataim mit Aufmerksamkeit gelesen und finden im Gegensatz zum Verfasser, daA Steinschneider in richtiger Würdigung dieser Arbeit sie mit Recht als „interessant" bezeichnet und daß Brody mit deren Edition, wie durch die von ihm gegebene Biographie des Franfis und die klare Uebersichi über seine literarischen Arbeiten sich ein nicht zu unterschätzendes Verdienst erworben hat. Daß Michael Sachs (S. 8) in seinem Buche „Die religiöse Poesie der Juden in Spanien" „oft Unklares, Zweifelhaftes, ja Unwichtiges mit zu großer Sicherheit anführt", ist uns ebenso neu, wie die Entdeckung des Verfassers (S. 31, Anm. 3), „daß man die meisten hebräisch Schreibenden des Mittelalters und der Neuzeit Schriftsteller, Autores, kaum nennen kann." Ueberhaupt schweift der Verfasser oft von seinem Thema ab und fällt Urtheile über Dinge, die ihm fern liegen. So weist er S. 12 auf eine „Fabel" hin, „die Moseh b. Habib aufgebracht", und fährt S. 67, Anm. 1 darauf zurückkommend fort: „die Geschichte trägt den Stempel der Erfindung an sich". — Es ist durchaus nicht billig, einen Mann wie Habib, dem bis jetzt keine Unwahrheit nachgewiesen wurde, ohne jegliche Ursache als Fälscher und Erfinder an den Pranger zu stellen. — Schon vor Habib berichtet der bekannte Nissim Gerondi von der in der Gemeinde Murviedro aufgefundenen Grabsäule des Generals Amazia, Königs von Juda (vergl Delitzsch, Geschichte der jüdischen Poesie, S. 5), und Brody verfehlt nicht, in seiner Edition des metek sefataim S. 33 die Ansicht von Cassel (Meor Enajim S. 497 der Warschauer Ausgabe) mitzutheilen, „daß dieser Amazia nicht der König von Juda gewesen sein konnte, wie man Habib mitgetheilt hatte " Wer zu Gericht über unsere Litteratur und deren Träger sitzt, von dem haben wir das Recht, Beweise zu verlangen, daß er diese Litteratur auch genau kennt und daß er in seiner Beurtheilung objektiv verfährt. Hartmann hat uns aber, trotz seiner Belesenheit, davon nicht immerzu überzeugen vermocht. Leider gestattet uns nicht der Raum, auf dieses Buch, das auch entschieden viel fachlich Gediegenes und Lesenswerthes über die Geschichte der neuhebräischen Metrik enthält, hier näher einzugehen. Wie aus seinem Vorwort hervorgeht, konnte der Verfasser selbst sich des Gefühles nicht erwehren, daß manches seiner Urtheile hart erscheinen wird. „Nur in der Form — bemerkt er - hat eine natürliche Lebhaftigkeit zuweilen Wendungen herbeigeführt, welche unfreundlich klingen." Er schließt mit den Worten: „Das bedaure ich." Nun, mit diesen Worten wollen auch wir schließen: Wir bedauern es. A-tz. pJJJÖV W Hebräische Dichtungen von Simon Bacher. Aus den gedruckten Schriften und dem handschriftlichen Nachlasse des Verfassers ausgewählt und herausgegeben von seinem Sohne Wilhelm Bacher. 3 Theile. Wien, CH. D. Lippe, 1894 (XXXVI, 286, 230, 266 S.) Einer der fruchtbarsten hebräischen Dichter der Neuzeit war der als Kassirer der hiesigen israelitischen Gemeinde im Alter von beinahe 69 Jahren am 9. November^ 1891 verschiedene Simon Bacher. Bon frühester Jugend lag er dem Studium der hebräischen Sprache und dem des Talmud, erst in Liptö Szt. Miklos, seinem Geburtsort, dann in den talmudischen Hochschulen zu Nitolsburg, Leipnik und Bonyhad ob; gleichzeitig suchte er sich auch anderweitige Kenntnisse anzueignen. Fast noch Knabe, fing er an, kleine hebräische Gedichte zu machen und deutsche Gedichte ins Hebräische zu übertragen. Im Laufe der Zeit dichtete er zu den verschiedensten Gelegenheiten und in den mannigfachsten Formen größere und kleinere poetische Produkte, welche in den „Bikkure Haittim", deren treuer Mitarbeiter er fünfundzwanzig Jahre blieb, in den hebräischen Zeitschriften „Ha-Maggid", „Chabazeleth" u. A. erschienen. Auch der „Zeitung des Judenthums", „Ben Chananja" und andern Blättern lieferte er häufig Berichte und wissenschaftliche Beiträge in deutscher Sprache. Durch seine eigenen Dichtungen und poetischen Uebertragungen war Bacher bald als trefflicher Hebraist weithin bekannt. Seine erste größere Dichtung war die hebräische Bearbeitung von L. Philippsons „Jojachin" (1660), der sechs Jahre später die Uebertragung von Lesstngs „Nathan der Weise" folgte. Viele Gedichte von Schiller, Goethe, Bürger, Rückert, Heinrich Heine, Bodenstedt, von Ludwig August Frankl (Rachel, Tragische Könige), von Ludwig Philippson (Das Ich), die Aphorismen und Sinngedichte Sadi's, wurden von ihm ins Hebräische übersetzt Bacher war auch der erste ungarisch-jüdische Dichter: Dichtungen der meisten ungarischen Poeten hat zuerst er den Freunden der hebräischen Litteratur im hebräischen Gewände geboten. Aus dem reichen gedruckten und handschriftlichen Material hat nun Herr Professor Dr. W. Bacher unter dem oben angegebenen Titel eine Auswahl in drei Bänden getroffen. Der erste Band enthält die Biographie des Verklärten (mit dessen Bildnisse) und seine Originaldichtungen, der zweite Band Uebersetzungen aus dem Deutschen und Ungarischen, und der dritte Band Lesstngs „Nathan". Er hat mit der, nebenbei bemerkt, schön ausgestatteten Sammlung nicht nur ein Werk der Pietät geübt, sondern sich auch den Dank aller Freunde hebräischer Dichtung erworben. Budapest, 3. März. Dr. M. Kayserling. Spvecffsaat. Artikel „Purim-Reminiscenzen" Seite 140 Spalte 2 Zeile 23 von unten lies Ertheilung des Religionsunterrichts statt Erlernung. In der Rezenfion der Strack'schen „Einleitung in den Talmud" ist als fehlend bei den Litteraturangaben nachzutragen p 120 die edit. altera des Buxtorf'schen Lexikon re. von B. Fischer, Leipzig 1869 -75; ferner ist die litteratiira medico-thaimudica doch recht dürftig. Hochachtungsvoll Dr. Pagel. * Sehr geehrter Herr Redakteur! /Ä^estatten Sie mir eine kurze Bemerkung zu der von Herrn Rabbiner Dr. Pick in Nr. 11 gegebenen Lösung des Problems vom fehlenden Gottesnamen im Buche Esther. Es scheint mir nämlich, daß auch er das Problem einer Lösung nicht näher gebracht hat. Denn seine Aufzählung derjenigen Stellen des Buches, wo der Gottesname etwa hätte Erwähnung finden können, ist nicht vollständig. Obwohl er kurz vorher von der Stelle spricht, wo Esther das dreitägige Fasten verordnet, übersieht er, daß gerade hier ganz besonders der Gedanke an und das an ihn zu richtende Gebet vermißt werden muß. Warnm heißt es denn hier nicht analog zu Jona III 8 nptrD 'N lSOpl hy 1V1L1? Auf diese Frage paßt auch die von Herrn Dr. Pick gegebene Lösung nicht. Hochachtungsvoll Frankfurt a. M., 20. März. Oberlehrer Dr. Fink. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchloitz in Berlin. iiiiiüi

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