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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-04-06 · Heft 14 (6.4.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 14 (6.4.1894)
Date
1894-04-06
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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w? - viv*^ - '- -^-—r-... ' -. 58. Jahrgang. Nr. 14. ^!ß$V CStfllttfittt^ljOt^ Lerlin, 6. April 1894. 'Ueitage zur „Allgemeinen Jeitung des IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. L2 Berlin, 4. April. Nach langen und schweren Leiden ist am 31. vor. Mts. Frau Sarah Lazarus, geb. Lebenheim, die Gattin des Herrn Prof. Dr. M. Lazarus, hier sanft verschieden. Sie war eine edle, treue, aufopfernde Frau, für ihren Gatten die Freude und das Glück seiner Jugend, der Stolz und der Trost im Alter, mit einem Wort: ein e^ket chajil! Den Gefühlen, die Alle bei diesem Trauerfall bewegten, welche die ausgezeichnete Frau gekannt, gaben bei der Leichenfeier am 3. d. Mts. die Herren Dr. Maybaum und Apolant ergreifenden Ausdruck. Die irdische Hülle der Verblichenen wurde auf dem Friedhof in Weißensee beigesetzt. Ihr Geist aber wird fortleben in dem Kreise, den sie ausgefüllt, und ihr Andenken wird überall ein gesegnetes bleiben! Berlin, 3. April. Einige Ernennungen von allgemeinem Interesse sind wir heute in der Lage mittheilen zu können. Zum Direktor des im Herbst d. I. zu eröffnenden Rudolf Mosseschen Waisenhauses ist Herr Dr. Georg Heinitz, bisher Lehrer an der Jacobson-Schule zu Seesen, gewählt worden. Als Dirigent der Dina Nauen'schen Erziehungsanstalt wurde Herr Dr. Oscar Götz, bisher Direktor des oberschlesischen Waisenhauses, destgnirt. Als Chor-Dirigent der Heidereuter- Synagoge ist Herr Georg Bloch gewählt worden. S£2 Berlin, 30. Marz. An der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums werden im Sommer-Semester 1894 (vom 1. Mai an) folgende Vorlesungen gehalten werden: Herr Dr. Mayb aum wird lesen: 1. Midrasch-Lektüre, 1 Stunde, Dienstag 8—9 Uhr. 2. Homiletische Hebungen, 2 Stunden, Freitag 8 bis 10 Uhr. Herr Dr. Müller wird lesen: 1. Talmud statarisch. Ketubot, 4 Stunden, Montag und Donnerstag 8—10 Uhr. 2. Talmud cursorisch. Beza, 4 Stunden, Sonntag und Mittwoch 8 - 10 Uhr. 3. Jore Dea H'.l. Melicha, 2 Stunden, Dienstag und Freitag 10-11 Uhr. 4. Privatissimum. Hil. Nidda, 1 Stunde, Freitag 11—12 Uhr. 5. Jeruschalmi Ketubot, 1 Stunve, Freitag 11—12 Uhr. 6. Mischna Naschim, 1 Stunde, Sonntag 10— 11 Uhr. 7. Maimon, Mischne Thora Hil. Jom Tob, 1 Stunde, Sonnabend 11—12 Uhr. Herr Dr. Schreiner wird lesen: 1. Erklärung der Bücher Echa und Koheleth, 2 Stunden, in noch zu bestimmenden Stunden. 2. Alte Pentateuch-Kommentare (Fortsetzung), 2 Stunden, Montag 3—5 Uhr. 3. Grundzüge der jüdischen Religionsphilosophie (Fortsetzung), 3 Stunden, Montag und Donnerstag 10 bis 11 Uhr, Dienstag 9-10 Uhr. 4. Erklärung von Chasdai Crescas' Or Adonai, 2 Stunden, Mittwoch 10—12 Uhr. 5. Geschichte der Juden (das Zeitalter der Gaonen), 2 Stunden, Montag und Donnerstag 11— 12 Uhr. Herr Prof. Dr. Steinthal wird lesen: Ethik (Fortsetzung), 1 Stunde, in einer noch zu bestimmenden Stunde. Alle Vorlesungen an der Anstalt sind unentgeltlich. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Reihe die rite immatrikulirten Studirenden der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Fakultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen theilnehmen. Die Anmeldung erfolgt bei dem zeitigen Vorsitzenden des Lehrer-Kollegiums, Herrn Dr. Müller. A Berlin, 30. März. Die Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen beging am 29. dieses Monats die 50. Generalversammlung im Hotel König von Portugal. Dieselbe war sehr zahlreich besucht, und zur Freude Aller befand sich in derselben auch Herr M. Halle, der einzige noch lebende Mitbegründer der Gesellschaft. Der Vorsitzende, Herr Herrmann Landsberger, konnte in seinem ausführlichen Berichte über die sehr segensreiche Wirksamkeit der Gesellschaft ganz besonders betonen, daß sich das Interesse in allen Kreisen sehr lebhaft dokumentirt hat, indem die Zahl der Mitglieder durch Zuwachs von fast 100 neu eingetretenen im verflossenen Jahre nunmehr auf 700 gestiegen ist. In herzlichster Weise begrüßte Herr Landsberger den Maler M. Jacob, §der am 30. März 1869 in den Vorstand getreten, seit 25 Jahren das äußerst mühevolle Amt eines Krankenversorgers mit seltener Treue und Hingebung verwaltete. Die ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes wurden wiedergewählt, an Stelle der verstorbenen Mitglieder Auerbach, Nelson und Zögal winden die Herren Albert Levin als Kontroleur und Schriftführer, Gelbgießermeister S. A. Loevy als Krankenversorger und Zimmermeister Benno Mirauer zu dessen Stellvertreter gewählt. jr\m Berlin, 2. April. Am 9. November 1893 wurde von etwa zwanzig jüdischen Studirenden der Berliner Universität ein „Verein zum Studium der hebräischen Bibel" gegründet. Der Verein will den jüdischen Studirenden aller religiösen Richtungen praktische Gelegenheit geben, sich mit dem hebräischen Text der Bibel bekannt zu machen. Demnach wird auf Lektüre das Hauptgewicht gelegt. Vortragsabende sollen laut Statut nur alle sechs Wochen stattfinden. Im vorangegangenen Semester wurden zwei Vortragsabende abgehalten (1. Dr. Ackermann, Ueber die biblische Accentuation; 2. A. Nobel, stud. phil.. Das Hohelied). An den wöchentlichen Lektüreabenden wurde unter Leitung von Mitgliedern in einer Abtheilung das Deuteronomium fast vollständig gelesen, in der andern mit besonderer Berücksichtigung der Elementargrammatik das Buch Ruth, ausgewählte Stücke aus Samuel I, Exodus Capitel 21—23 und Esther. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde stellte in liberaler Weise zwei Klassenzimmer der Knabenschule, Große Hamburgerstraße 27, zur Verfügung. Es ist lebhaft zu wünschen, daß der Verein sich ausbreite und an anderen Universitäten Nachahmung finde. Berlin, 1. April Der jüdische Fortbildungsverein „Amicitia" veröffentlicht soeben seinen 23. Jahresbericht. Der Verein, der die Ausbildung und Förderung seiner Zöglinge zum Zweck hat, entwickelte auch im vergangenen Jahre eine erfolgreiche Thätigkeit. 17 Zöglinge, von denen 5 aus Rußland, 9 aus Oesterreich-Ungarn, 3 aus Deutschland stammten, und die beim Eintritt in den Verein zumeist ohne jede Vorbildung waren, erhielten an 4 Abenden der Woche Unterricht in der deutschen Grammatik und Rechtschreibung, im Rechnen, in der Geschichte, Geographie und Naturgeschichte, und wurden durch denselben in den Stand gesetzt, die für ihren Beruf notwendigen Kenntnisse sich anzueignen. Der älteste der Zöglinge war 41, der jüngste 14 Jahre alt; das Durchschnittsalter der Zöglinge betrug 26 Jahre. Den Unterricht, der mit Genehmigung des verehrlichen Gemeinvevorstandes und durch das freundliche Entgegenkommen des Rektors Herrn Dr. Holzmann in den Räumen der jüdischen Knabenschule von dem Lehrer Herrn Tichauer ertheilt wurde, leitete der Unterrichts-Vorsteher des Vereines, Herr Rektor Dr. Adler. — Ferner hat der Verein auch im verflossenen Jahre seinen Zöglingen, die zumeist dem Handwerkerstände angehören, alle mögliche Förderung zur Erreichung eines geregelten Erwerbes angedeihen lassen; so wurden u. A. 3 Zöglinge bei Lehrherren untergebracht, 2 erhielten Maschinen, 1 erkrankter Zögling wurde in ausgiebiger Weise unterstützt, sämmtliche Schüler auf Kosten des Vereines in den hohen Feiertagen bewirthet. — In pietätvoller Erinnerung gedenkt schließlich der Bericht der verstorbenen Förderer des Vereines, der Herren Joseph Dorn, Julius Neumann, Geh. Rath Dr. Obstreich, Dr. Moritz Lüpschütz, M. I. Bodenstein; zur Erinnerung an die Dahingeschiedenen fand, wie alljährlich, eine Gedächtnißfeier statt, bei welcher der Vorsitzende des Vereins, Herr Rabbiner Dr. Ungerleider, ein Bild ihres segensreichen Wirkens entwarf. — Leider haben die beschränkten Mittel des Vereines selbst dringende Ansprüche zurücktreten lassen; es ergeht deshalb die Mahnung an alle Förderer humaner Zwecke, die rühmenswerthen Bestrebungen des Vereines zu unterstützen. Beitrittserklärungen nimmt der Vorsitzende, Oranienburgerstraße 57, oder der Schriftführer Herr Rechtsanwalt Holz, Französische Straße 24, entgegen. gA) Berlin, 3. April. Am 26. v. M. hielt der Verein „Esra", Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina, seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Herr

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