Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 14 (6.4.1894)
- Date
- 1894-04-06
- Page
- Seite 164 (sequence 8)
- Language
- German
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164 Was die Sprache der kaukasischen Juden anlangt, so ist sw das Fati, ein iranischer Dialekt, welcher auch bei der mohammedanischen Bevölkerung Nordpersiens und des Kaukasus verbreitet ist. Was uns besonders interessirt, das sind die in ihrer Mundart vor« kommenden hebräischen Worte. In dem Lexikon Millers findet sich hierfür Folgendes: bedequa (Untersuchung des geschlachteten Thieres fipia), borucho (,“D"Q Segen) quadis (ttT“|p Todtengebet), kamzon Qüttp Geizhalz, ghudere (!TT*Tp Topf, irdenes Kochgeschirr), qnot'o (NDlp Korb. Büchse), zere (Nachkomme)*), ketibo (N21712 Ehepakt), kapore (mö3 Erlösung), mäläch hediima (NVNN pK^tt) mäläch hemowit (nitSH “[«btt Todeseugel), memizir '■piöö der illegitim Geborene), mihhylo (wohl Verzeihung), mi’yd (“rj?1ö Feiertag), inozuzä (ntltö Pergamentröllchen an der Thürpfoste), nesump (NVVZ Seele, Person) pasiil (^D2 fremd, feindlich), pä'a (nj?S Hängelocke), rabi (’3“| Lehrer), satan (jtOD Satan), sädigh (p’^JC Frommer, Heiliger), sokuni (ni3D periculum), tiso beow (Tagl der Zerstörung Jerusalems), tonir (v'tr2L Ehebedingunge»), olorn hezi (nn irdisches Leben), hiisiano (7. Tag des Laubhüttenfestes)?) hhaliso (NLk'^N die bekannte Ceremonie des Schuhausziehens), bbalob (n^n das Stück Teig, das ins Feuer geworfen: wird), bbasodi.(Verleumdung NVN), bbylloi (Hinterlist)^), sobot Sadbath), solum (ölbü Friede), ’ani (’jj) arm), aräwof Bachweide), olom (ü^lj) Welt). — Es sind kaum 40 hebrätsche Worte, welche sich unter den ungefähr 2000 von Miller gesammelten Vokabeln finden, und dazu meist Worte liturgischer Bedeutung. — i Die gebildeten Tati schreiben ihre Sprache mit hebräischer: Schrift, einer Art Schnellschrist, welche sie Chat Baghdodi (Schrift, von Bagdad) nennen?) Die Namen der Buchstaben lauten best ihnen: alef, bi, wi, giimel, dol, hi, vvow, zu, hhed, ddedd, jud, kofy; chof, lemed, mim, uu, siimacli, ai, pi fi, ssad, qüf, rousch, sclii, si, to.'. Was die Sprache sonst betrifft, so zählte man unter 100 Wörtern:: 08 iranischen, 25 türkisch-tartarischen, 9 arabischen?) 2 hebräischen Ur-n sprungs. Der Ursprung von 9 Worten war nicht ohne Weiteres zu bestimmen. Miller führt in dem erwähnten Aufsatze auch einige ’ Texte an, es sind Fabeln in iranischer Sprache) von nicht eigen-! thümlichen Charakter. Was de» Typus und die Kleidung betrifft, so sind sie von den Kaukasiern kaum verschieden. Der erstere ist manchmal semitisch, sehr oft kaukasisch oder tartarisch; die letztere unterscheidet sich gar nicht von jener der mohammedanischen Bevölkerung. Die kaukasischen Juden haben die Ue berl ieserun g, sie stammten . von den in die assyrische Gefangenschaft gerathenen Juden, welche bei dem Wiederaufbau des Tempels sich nicht betheiligten. Ihre . Vorfahren seien in Mas'eu durch den König von Musul (Ninive) angesiedelt worden. Interessant ist auch die Namengebung bei ihnen. Es kommen . Namen vor, welche zum Theil abweichend sind von den bei den europäischen Juden sonst üblichen, es sind: Mamre, Gamaliel, Aminodald, Nachschon, Elvod, Elkona, Osniel, Uftach, Moneack, Awner, Benojagu, Joaw, Tsefania; wie man sieht, rein biblische Namen; ebenso für Frauen: Awigaid, Awischal, Osnat, Bilga, Machla, Serach, Peuina, Koreugapucli (?) Schunamit, Joel, Jennina. *) Vielleicht der Jüngere. 2) IDWin (Hoschana). 8) blbn Entweihung? 4) Proben giebl Miller nicht. 5) Zum Theil wohl aus dem Persischen oder Türkischen ausgenommen. M!.IUll-NMwI,I,iUIllIIM!M,I,aNUMMNM,IieVÄ n»»iwnmuiTmHHI>WlülUnWl»lH>fnUlilnTill!K?Ka FEUILLETON II-II- Me Jüdin. Erzählung von John Paulsen. (Fortsetzung.) ^^^nap, ein kleiner gelber Rattenfänger, begleitete sie oft auf (gjtßg diesen Morgenspaziergängen. Thiere hätten eine ganz besondere e) Liebe für Rachel, ohne daß sie sich viel mit ihnen beschäftigte. Instinkt sagte ihnen, daß sie gut war und es gut mit ihnen meinte. Ihr Der kleine Snap hatte ein ganz besonderes Talent, Rachel zu finden, wo sie auch verborgen sein mochte. Manches Mal, wenn sie in tiefe Gedanken versunken, und unbewußt dem Gezwitscher der Vögel lauschend, auf der Bank am See saß, wurde sie dadurch erschreckt, daß ein paar kleine weiße Pfötchen an ihrem Kleide kratzten: Snag setzte sich dann neben sie auf die Bank und sah sie unverwandt mit seinen klaren, treuen Augen an, als wollte er sagen: „Ich hätte Dir soviel zu erzählen, wenn ich blos sprechen könnte." Als Rachel an diesem Morgen in den Garten ging, der ganz einsam im Sonnenschein lag, während nur in der Ferne ein Gartenknecht arbeitete, hörte sie aus einer der kleinen dichten Lauben zur Rechten des Hauses Jemand laut lesen; es klang summend und monoton, als wiederholte sich ein Schulknabe seine Lektion. Sie näherte sich der Laube und lauschte: Denn sieh, der Winter ist vorbei, der Regen ist vorüber und fortgezogen. Die Blumen sind aufgeblüht, die Zeit des Gesanges ist gekommen und die Stimme der Turteltauben wird in unserem Lande gehört. Am Feigenbaum wachsen Feigen und der Weinstock treibt Blüthen und Trauben. Steh' auf, meine Freundin, meine Schöne, und tritt hervor!" Rachel erkannte die Stimme des Malers, obgleich dieselbe einen heiseren, klagenden Klang hatte. Sollte sie ihn begrüßen oder still verschwinden? „Kehre um, kehre um, o Sulamith" las er weiter — hatte er sie durch das Laub gesehen? „Kehre um, kehre um, daß wir Dich sehen können: Was wollt Ihr an Sulamith sehen? Sie ist wie der Tanz in Mahanaim. Rachel trat in die Thür und nickte ihni freundlich zu. „Guten Morgen, Herr Maler! Schon so früh aufgestanden? Ich habe Sie immer für einen Siebenschläfer gehalten." Er stand auf und ließ in seiner Verwirrung beinahe das dicke Buch fallen, welches er in die Hand hielt. Seine ganze Sicherheit war verschwunden. Er erröthete wie ein junges Mädchen und sah sie in seliger Selbstvergessenheit an, ohne ein Wort Hervorbringen zu können. Sie stand ja da wie die reizendste Offenbarung in der goldigen Morgensonne, schlank und frisch, wunderschön und dunkeläugig, wie die Sulamith, welche König Salomo begeistert in unsterblichen Versen besang. — Sie trug ein leichtes, hellrothes Morgenkleid, klar und duftig wie eine Wolke mit einem Maiglöckchenstrauß vor der Brust. Die grünen Blätter und Ranken der Laube bildeten einen dunkleren Rahmen für die zarte, Helle Gestalt. „Was studiren Sie denn so fleißig?" fragte sie lächelnd. „Ich lese in der Bibel", antwortete er beinahe schlichtem und etwas beruhigter, da er Zeit gehabt hatte, sich zu sammeln. „Das Hohelied Salomonis... Ich konnte diese Nacht nicht schlafen — daran ist diese furchtbare Hitze schuld, — deshalb stand ich früher