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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-03-30 · Heft 13 (30.3.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 13 (30.3.1894)
Date
1894-03-30
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Gerlin, 30. Mär; 1894. 58. Jahrgang. Nr. 13. Gemeindebote. Weikage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. A Berlin, 27. März. Der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde giebt in einem Circular den Mitgliedern der Gemeinde Kenntniß von der erfolgten Abänderung der Bestimmung, betreffend die Veranlagung zu den Gemeindebeiträgen, sowie von denjenigen Maßnahmen, welche zur Ausführung dieser veränderten Bestimmungen getroffen und die unfern Lesern bereits aus früheren Mittheilungen zur Genüge bekannt sind. Neu dürfte nur der folgende Absatz sein: Da die Feststellung der Heberolle erst im Laufe des Sommers erfolgen kann, so werden in Gemäßheit der Bestimmung des § 68 Absatz 5, für das erste und eventuell das zweite Quartal des Steuerjahres (April bis Juni, eventuell Juli bis September) die Beiträge nach der Veranlagung des Vorjahres eingezogen werden, vorbehaltlich der späteren Verrechnung nach Maßgabe der neuen Heberolle. Der von dem neu veranlagten Einkommen zu entrichtende Prozentsatz wird durch Bekanntmachung seiner Zeit veröffentlicht werden. ££g Berlin, 25. März. Im Anschluß an den letzten Artikel über Laienreden am Friedhof wird die Mittheilung nicht uninteressant sein, daß der Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde noch im Jahre 1850 die Bekanntmachung erneuerte, „daß während einer Beerdigung auf dem Begräbnißplatze von Niemand Reden gehalten werden dürfen" und daß erst im Jahre 1870 den Mitgliedern des Rabbinats gestattet wurde, auf dem Friedhofe ein Gebet zu sprechen oder eine Rede zu halten, und zwar auf Antrag des Interessenten. Die heutige Uebung bezeichnet daher nicht einen Rückschritt, sondern einen erheblichen Fortschritt, zumal die Genehmigung häufig auch Nichtjuden ertheilt worden ist. * Berlin, 28. März. Am 20. März starb nach langem Leiden Herr Kommerzienrath Jakob Israel, der Senior des Hauses N. Israel, im 71. Lebensjahre. Er zählte zu den namhaftesten Vertretern des Berliner WaarenHandels, innerhalb dessen die Firma eine hervorragende Stelle einnimmt, die nicht zum Mindesten durch die ausgezeichneten Eigenschaften des nunmehr Verstorbenen errungen und allezeit behauptet worden ist. Jakob Israel war schon im 13. Lebensjahre in das von seinem Vater vor nunmehr neunzig Jahren begründete Geschäft eingetreten. Seiner eifrigen Mitarbeitersckaft gelang es, der Firma N. Israel Achtung und Vertrauen in weiten Kreisen zu erringen und so den Grund zu legen für die heutige Blüthe des Geschäftes. Bereits im Jahre 1850 übertrug ihm der Vater die alleinige Leitung des Hauses. Im Jahre 1860 trat sein Bruder Moritz Israel ihm als Stütze zur Seite. Am 1. Januar 1893 nahmen die Brüder Israel die Söhne des jetzt Verstorbenen, die Herren Hermann und Berthold Israel, in die Firma auf. Am 10 März 1685 konnte Herr Jakob Israel auf eine fünfzigjährige gedeihliche Geschäftsthätigkeit zurückblicken. Seine Wohlthätigkeit ist Bielen zu gute gekommen, stets war er bereit, helfend und rathend beizuspringen. Eine Reihe milder Stiftungen trägt seinen Namen. Vornehmlich hat er seine Kräfte der Baruch Auerbachschen Waisen-Erziehungs- Anstalt gewidmet, deren Kassenverwaltung er dreißig Jahre führte. Jakob Israel war der Schwiegersohn des sel. Chief Rabbi Dr Nathan Adler in London und gehörte im Leben der orthodoxen Richtung an, ohne jedoch gegen Andersdenkende intolerant zu sein. Das Leichenbegängniß fand unter sehr großer Betheiligung heute auf dem Friedhofe in der Schönhauser Allee statt Durch Gesang des Synagogenchors wurde die Leichenfeier im Trauerhause eingeleitet und dann hielt Herr Rabbiner Dr. Ungerleider eine warme Rede, in welcher er das Wirken des Verstorbenen schilderte. Einen sehr würdigen Eindruck machte die Spalierbildung der Knaben uüd Mädchen der Baruch Auerbach'schen Waisen-Erziehungs-Anstalten am Eingänge des Friedhofes. Der Primus der Knaben-Anstalt und der älteste Zögling der Mädchen-Anstalt Legten besonders kostbare Kränze mit Widmungen aus Dankbarkeit gegen ihren Vorsteher und Wohlthäter nieder. Erhebend war es für alle Anwesenden, als der aus 24 Zöglingen unter Leitung des Kapellmeisters Albert Kellermann (Dirigent der Neuen Synagoge) gebildete Chor die Todtenfeier mit zum Herzen gehenden Tönen anstimmte. Nachdem Herr Rabbiner Dr. Ungerleider das Gebet gesprochen, intonirte derselbe Chor den zweiten Theil der Todtenfeier erhebend für alle Anwesenden. Berlin, 27. März. Am 25. d. M. fand im Gotteshause der jüdischen Reform-Gemeinde die Konfirmationsfeier statt, an welcher etwa 20 Knaben und 20 Mädchen theilgenommen haben. Die Feier, die Herr Dr. Levin leitete, gestaltete sich zu einer überaus erhebenden. Man sah den Konfirmanden die tiefe Ergriffenheit an, die einen schönen Beweis lieferte von dem religiösen Sinne, der in ihnen geweckt wurde. Unseres Wissens ist die von der Reform-Gemeinde eingeführte Konfirmationsagende besonders wirksam. Die ganze Glaubens- und Pflichtenlehre gelangt zum Ausdruck und durch die Wahlsprüche wird jeder Einzelne betheiligt. Daß die Reform-Gemeinde segensreich wirkt, davon legte die Konfirmationsfeier am 25. ein vollgiltiges Zeugniß ab. 2 Berlin, 26. März. Die Agitations-Kommission des „Vereines für jüdische Geschichte und Litteratur" veranstaltete am 21. d. M. in den Festräumen des Hotel Cassel eine Purimfeier, an der eine große Anzahl von Mitgliedern wie auch viele Gäste theilnahmen. Herr Schriftsteller Georg Engel leitete die Feier ein mit der Vorlesung des ersten Aktes seines Drama Esther, worauf musikalische und Gesangsvorträge von den Herren Gustav Lazarus, H. Dessauer und der Frau Margarethe Königsberger folgten. Mit einer Deklamation des epischen Gedichtes Basti, von Martha Helmuth, die Herr Epstein künstlerisch ausgeführt hat, schloß das offizielle Programm. Ein darauf folgendes Festmahl, das durch musikalische Vorträge und geistreiche Toaste gewürzt war, hielt die fröhliche Gesellschaft bis gegen 2 Uhr Morgens zusammen, und man trennte sich mit dem Bewußtsein, ein schönes Fest gefeiert zu haben. Wie wir hören, ist eine größere Anzahl der Gäste dem Verein als Mitglieder beigetreten. F. Berlin, 27. März. Mit der Einladung zu ihrer 90. ordentlichen Generalversammlung versendet die hiesige Gesellschaft Magine Reim ihren diesjährigen Jahresbericht. Von verstorbenen Mitgliedern wurden „immerwährende Mitglieder" Samson Sklower, ehemaliges Mitglied des Gemeindevorstandes, auf Grund eines jetzt fällig gewordenen Legates, Gerson v. Bleichröder, dessen Vater, Samuel Bleichröder, der Begründer der bekannten Weltfirma, der Gesellschaft von ihrer Stiftung an angehörte und zu den bei der 50jährigen Jubiläumsfeier im Jahre 1855 noch übrig gebliebenen 10 Stiftungsmitgliedern gehörte, auf Grund einer von seinen Erben am 71. Geburtstage ihres Vaters gemachten Zuwendung, ferner Dr. David Cassel, der länger als 20 Jahre Schriftführer des Vorstandes war, und der 1868 verstorbene Mann Jsaac, welcher der Gesellschaft seit dem Jahre 1842 angehört hatte. Für Letzteren wurde die immerwährende Mitgliedschaft durch seinen Sohn Julius Jsaac aus Anlaß seines Geschäftsjubiläums erworben. Im abgelaufenen Jahre hat die Gesellschaft Magine Reim einen erfreulichen Aufschwung genommen, es sind fast 100 neue Mitglieder eingetreten, so daß die Zahl derselben jetzt 858 beträgt. Es ist dies die höchste seit Bestehen der Gesellschaft erreichte Mitgliederzahl. Unter den im abgelaufenen Jahre verstorbenen Mitgliedern widmet der Bericht dem verewigten Geheimrath Salomon Lachmann ein ehrendes Gedächtniß. Derselbe hat über 20 Jahre dem Vorstand angehört und war 4 Jahre dessen Vorsitzender, ferner sind noch zu erwähnen die verstorbenen Professor Lewandowski, Musikdirektor Rosenfeld, Stadtverordneter Solon, R. I. Zögal, Generalkonsul R. Eisenmann, Kommerzienrath S. Weigert, Sanitätsrath Dr. Badt, Rektor A. Huth. — Das Vermögen der Hauptanstalt der Gesellschaft betrug zu Beginn dieses Jahres 172,557 Mark, hiervon gehören dem Reservefond 92,574 Mark, dem eisernen Fond 79,983 Mark. An laufenden Unterstützungen wurden 8375 Mark, an Unterstützungen zur Krankenpflege 680 Mark, an Unterstützungen zur

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