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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-03-30 · Heft 13 (30.3.1894) · p. Seite 154

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 13 (30.3.1894)
Date
1894-03-30
Page
Seite 154 (sequence 10)
Language
German
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r'“* >■* -p-.v-w-' •Jsng.fsr/wj-* »* -V* -> '^5^ Jfo*!!**- -^-7^"--.-^^^^- >---^r.->, ^->Ä>- 154 gemiedenes Bauwerk, mit einem weithin sichtbaren, vielgeltenden und ausgesuchten zusammengebracht werden, stellt unser Spruch, was sonst nur Sache des Witzes, eine mehr als überraschende Verbindung her zwischen zwei völlig entlegenen Dingen. Die Parallele zwischen dem kleinsten Buchstaben und einer Stadt ist doch zum mindesten eine sehr gesuchte, ja gequälte. Nach Hai Gaon ist es überhaupt kein Sprichwort, denn er erklärt fllpl!1 für den Namen einer Stadt. Auch Kohut (vergleiche den aufschlußreichen Artikel im Ar. conipl. Bd. 4 S. III) läßt seinen sprichwörtlichen Charakter nicht gelten und leitet das Wort aus dem Persischen ab, wo es so viel wie „Anlogie" bedeutet. Die „Jahrbücher", in denen, wie ich Kohut entnehme, der sei. Brüll darüber handelt, sind mir nicht zugänglich gewesen; Br. nimmt JHp11’=lK1t31p Knoten nach Jebam 61a. Dukes, der grundgelehrte Literarhistoriker, der zuerst das Gebiet der rabb. Parömiologie augebaut, hat den Spruch vermuthlich aus diesem Grunde weder in seine „Blumenlese" noch in seine „Spruchkunde" aufgenommen. Wahl, der einzige jüdische Gelehrte Deutschlands, der meines Wissens nach Dukes über das hebr. aram. Sprichwort eine treffliche Monographie geschrieben (Erfurt 1871) hat den Spruch wohl angeführt, aber ohne jede Erklärung gelassen. Ich zähle die Vermuthung, auf die ich gekommen, selber zu denen, zu deren Aeußerung ein gewisser Muth gehört und füge sie nur an, um berufene Sachkenner — ich denke dabei in erster Reihe an die bewährtesten Forscher auf diesem Felde, den um die Midraschim so hochverdienten Buber in Lemberg und Prof. Bacher in Pesth — zur Abgabe ihrer Voten zu veranlassen. Ob nicht bei unseren, Spruche an den Zahlenwerth der Buchstaben gedacht werden darf? Ob nicht ursprünglich R. Josef nur gesagt, „ich sehe aus zehn werden hier an das in den Bolksnnmd übergegangene „auch die Scherben der zerbrochenen Gesetzestafeln lagen in der Bundeslade" (Ber. 8b) p-i*o mmia mm1? naen mm1? Der zweite an den verwandten Spruch: (Megill. 76b.) mm ab miKiacö xbip'i 'im1? „Wenn der Bauer auch König wird, so nimmt er doch den Korb von der Schulter nicht herunter." Aehnlich heißts in einem alten deutschen Spruche „Der Frosch hüpft wieder in den Pfuhl — Und säß er auch auf goldnem Stuhl". Vegl. auch Horaj. 12a xlp^ptf 13’n (verschrieben für Xi?p'p ', 161 K'ortD xrm .«mmoiai *onax imn Im Syrischen heißt der Palast. Die bescheidenste Wohnung in Matha Mechasia ist vorzuziehen der prächtigsten in Pumbadita. An das sittliche Niveau beider Städte, wie Dukes meint, ist hier nicht zu denken. Wohl überragten die Bewohner von M. Mechasia moralisch die Pumbaditaner, von denen es an einer Stelle heißt (Bab. batr. 46a Die Pumbaditaner sind Betrüger und an einer anderen (Chul. 127a ‘WK Begleitet dich ein Pumbaditaner, so wechsle deine Herberge (denn er könnte dich bestehlen). Doch die Einwohner von M. Mech. standen sittlich auch nicht eben hoch, wie aus Kidd. 33a hervorgeht, wo der Bemerkung eines Lehrers „Jemand sei recht dreist gewesen" ein Anderer hinzufügt „Vielleicht ist er aus Mechasia" „Kiff 8'VN2 XMiSÖ X31?“l und noch schlagender aus Ber. 17b wo wir lesen im'3 31? '“1'3K X'ONV '33 Die Bewohner von M. Mech. sind verstockten Herzens". Der Spruch hat einen historischen Untergrund und ist richtig von Hamburger bereits in der Encycklopaedie S. 721 gedeutet worden. Die vielen Verfolgungen, welche die Juden im 5. Jahrhundert in Babylon zu erdulden hatten erstreckten sich nicht auf diese Stadt, die darum eine Zufluchtsstätte für viele wurde. hundert, ja zweihundert: K3')n Kp *Tp" 11'? Ob nicht ein späterer Abschreiber diese als Abbreviatur für Hip (Stadt) genommen? Zehn werden Hundert entgegengestellt in Ab. d. R. Nathan (Abschn. 1) wo R. Jose sagt:*?ai31 HÖK N8QV Iöll?l Ü'NSL mW 3110 Ich erinnere noch an Ber. Rabb. Kap. 13, wo von R. El. b. Simon, das ppp in nvöölp für N8!3-Hundert genommen wird. 8 LIMElMi ÜHTUJÜfirMI — I--:- w m 1 8 FEUILLETON p! ESitCTflaffrfr 1— IS iins imniu*uf™uiz&s Nie Jüdin. Erzählung von John Paulsen. (Fortsetzung.) #XI. olger kehrte verstimmt aus der Kirche zurück. Pastor Sanft hatte ihn und seiner Mutter nach dem Gottesdienste begrüßt. Nachdem man von den Eruteaussichten und von Wind und Wetter gesprochen, fragte er nach dem Befinden der abwesenden Rachel. Er bedauerte, daß Fräulein Joachim der protestantischen Religion nicht angehöre und deshalb Gottes Haus nicht besuchen könne, aber äußerte die Hoffnung, daß sie sich mit Gottes Hilfe in der nächsten Zeit in die christliche Gemeinde würde aufnehmen lassen, denn selbstverständlich würde sich doch Fräulein Joachim taufen lassen, bevor sie sich mit einem Manne von der ausgeprägt christlichen Gesinnung des Hofjägermeisters verheirathete. Holger hatte das Gefühl, als wenn plötzlich eine Bombe in seiner Nähe platzte. — Daran hatte er noch nie gedacht. — Rachel, die 25 jährige selbstständige Rachel sollte sich taufen lassen wie ein kleines Kind. Sein Schrecken war beinahe komisch, hilflos sah er seine Mutter an, indem er verzweifelt den blonden Schnurrbart drehte. Die Kammerherrin war zu Holgers Ueberraschung vollständig einig mit dem Pastor. Sie hatte schon lange im Stillen dasselbe gedacht und war Rachels wegen unruhig gewesen. Pastor Sanft, der von der Kammerherrin privatim aufgefordert war, diesen zarten Gegenstand zur Sprache zu bringen, sprach weiter »nt dem Pathos, den er auf der Kanzel anwandte: „Eine Ehe, in welcher Mann und Frau verschiedenen Glaubens sind, kann unmöglich glücklich werden. — Es ist das auf Sand gebaute Haus, von welchem die Schrift spricht. . . . Was nützen alle äußern weltlichen Güter, wenn die Seele in Gefahr ist, verloren zu werden, wenn sich die Herzen da fremd bleiben, wo sie am innigsten vereint sein sollten, in der Hoffnung auf den Erlöser, der für »ns gelitten hat und gestorben ist." — Und dann — der junge Prediger räusperte sich verlegen — mutz man bei einer Heirath doch auch an die Zukunft denken, — an die Kinder. „Man sollte doch rechtzeitig Vorbeugen, daß die kleinen unschuldigen Wesen für die Sünden der Eltern leiden und in einem Heim aufwachsen mußten, in welchem religöse Zwistigkeiten herrschten, die für das Seelenleben des Kindes die verderblichsten waren. Ein Kind habe das Recht zu-verlangen, daß seine Mutter eine Christin sei. — Die erhabenen Lehren unserer Religion, — das Einzige, was uns stets treu bleibt, sollten schon von der Geburt an als heilige Leitsterne auf seinem Wege leuchten."

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