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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-03-30 · Heft 13 (30.3.1894) · p. Seite 151

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 13 (30.3.1894)
Date
1894-03-30
Page
Seite 151 (sequence 7)
Language
German
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151 loser Meinungsäußerungen die Mauern des absoluten Oesterreichs zum Wanken zu bringen, blieb L. A. Frankl im Lande und schloß sich der kleinen Gemeinde der Esoteriker Jung-Oesterreichs an, welche die Geinüther aus dem brütenden Stumpfsinn der Metternichschen Regierungsmaxime zu wecken bestrebt war. Es entstanden litterarische Cirkel, gesellschaftliche Zusammenkünfte, wo Altäre für den Kultus der geistigen Erhebung, der politischen Erleuchtung aufgerichtet wurden. Wer könnte sich verwundern, daß Frankl mit zu den Priestern zählte? Seine glücklichen Apercus, seine Eloquenz, die Eleganz seines Benehmens waren wie geschaffen dafür. Zudem hat er bereits durch sein „Habsburglied" einen Dichternamen sich erworben. Diese Beziehungen blieben während der Lebensdauer der betreffenden Persönlichkeiten für ihn unverändert aufrecht. Er besaß, wie selten ein Anderer, die Gabe, solche bleibend an sich zu fesseln. Wenn auch zuweilen nicht ohne Satire, besaß er anderseits den Takt, darin Maß zu halten, wodurch er jeden Stachel abstumpfte. Die gewonnenen Konnexionen führten zu seiner Anstellung als Sekretär der israelitischen Kultusgenieinde. Josef Wertheimer, dessen Haus den Sammelpunkt der schriftstellerischen und künstlerischen Elemente der. Wiener Gesellschaft bildete, bestimmte Frankl dazu, durch die Annahme der gedachten Stelle den Kampf ums Dasein von sich fern zu halten und »m so ungestörter seiner Muse huldigen zu können. Dieses Amt mag auch den inneren Gefühlen des Dichters entsprochen haben. Frankl hing am Judenthum. Nicht nur mehrere seiner Dichtungen, wie „Rachel", „Hebräische Elegien" u. s. w., deuten darauf hin, sondern er bewahrte pietätsvoll warme Erinnerungen an das rituell-religiöse Leben in seinem Elternhause. Noch im Februar d. I. sprach er davon, daß er in seinen Memoiren dieses Leben schildern wolle. Man konnte auch an ihm die Wahrnehmung machen, daß er dem konservativen Judenthum einige Sympathien in seiner Brust bewahrte. Er begegnete sich hierin mit Ignatz Kuranda. Es lag dies in ihren poetischen Naturen. Verklärt durch die Heiligkeit der Empfindungen, welche die Erinnerung an Vater und Mutter in ihnen hervorrief, erschienen ihnen die von diesen rigoros beobachteten religiösen Observanzen in der Gloriole poetisch umflossener Jdeenverkörperungen. Hierin standen Beiden auch Neustadt und Kompert nahe. Frankl übernahm also den ihm angebotenen Sekretärposten. In dieser Eigenschaft möchte ich in diesen Blättern seinem Andenken einige Worte widmen; seine Bedeutung als Dichter und Schriftsteller hat ihre Würdigung bereits in der Litteraturgeschichte erhalten. Dem Neemaim der alten jüdischen Gemeinden gleich, konnte Frankl in früheren Jahren sagen: „Die Gemeinde bin ich!" Zunächst bewirkten dies äußerliche Momente. Gesellschaftliche, zum Theile auch freundschaftliche Verhältniffe, die ihn mit den hervorragendsten Mitgliedern des Vorstandes verbanden, seine Stellung in der litterarischen Welt, seine Verbindungen mit hohen Würdeträgern und Dignitären der Büreaukratie und vornehmlich der Umstand, daß die Vorstandsmitglieder zum großen Theile von ihren eigenen Geschäften zu sehr okkupirt ivaren, um noch Zeit, Lust und Liebe für die Agenden der Gemeindeverwaltung zu finden, führten dazu, daß er über eine außergewöhnliche direkte oder indirekte Machtsülle verfügte. Es waren aber auch innere Motive dafür genügend vorhanden. Die Elastizität seines Geistes machte ihn alsbald mit dem ganzen Umfangsgebiete der Wirksamkeit des Gemeindevorstandcs vertraut; den Pulsschlag der Gemeindebedürfnisse mit aufmerksamem Gehör wahrnehmend, konnte er werthvolle Anregungen geben; selbst ordnungsliebend, hielt er auf strenge Ordnung und Regelmäßigkeit im Amte; klar und den Gedanken wiederspiegelnd im Ausdrucke, waren die von ihm verfaßten Schriftstücke ein Muster präziser und doch Alles sagender Ausdrucksweise; schließlich qualifizirte ihn sein weltmännisches Wesen insbesondere für die Repräsentation gegenüber den Behörden. Diese, wenn man so sagen darf, Omnipotenz nahm jedoch insofern ab, als das Anwachsen der Gemeinde und die in Folge dessen sich ergebende Nothwendigkeit der Ausweitung der Gemeinde-Institutionen, der Erweiterung der dem Vorstande obliegenden Agenden, der Vermehrung des Beamtenstatus und sein zunehmendes Alter das unmittelbare Eingreifen des Vorstandes erforderlich machten. Gleichwohl blieb der Einfluß Frankls im Schooße des Vorstandes ein großer, bis er nach vierzigjähriger Amtsthätigkeit um seine Pensionirung einschritt. Der Vorstand nahm gern Anlaß, seinen Dank und seine Anerkennung dadurch kundzugeben, daß er anstatt der normalmäßigen Pension von 2000 Gulden jährlich, auf die Frankl Anspruch hatte, demselben einen Ruhegehalt von 4500 Gulden bewilligte. Daß Frankl innerhalb seiner Amtsthätigkeit noch Gelegenheit fand, sich anderweitig große Verdienste zu erwerben, das zeigen seine dichterischen und schriftstellerischen Leistungen während dieser Zeit, eine Reise nach Jerusalem zur Gründung der Herz-Lämmel'schen Schule, die durch ihn propagirte Gründung des Blindeninstitutes auf der Hohen Warte, die Errichtung des Schiller-Monuments rc. u. Seine diesbezüglichen Leistungen wurden anerkannt durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Franz-Josefs-Ordens, des Ordens der Eisernen Krone Hl. Klasse, durch den er in den erblichen Ritterstand erhoben wurde. Die Großkommune Wien lohnte diese seine Verdienste, indem sie ihm taxfrei das Bürgerrecht von Wien verlieh. Einer Episode aus dem Leben Frankls möchte ich noch Erwähnung thun. In den sünfziger Jahren, in der Zeit der ärgsten Reaktion Oesterreichs, fand die Preßbehörde ein Haar in einem Feuilleton Frankls. Die Ausweisung des Autors aus dem Weichbilde Wiens ward dekretirt. Es wurden Schritte dagegen unternommen. Ungewiß des Ausganges, dachte Frankl daran, die ärztliche Praxis außerhalb Wiens aufzunehmen und besuchte inzwischen die Kliniken. Was ihm noch außerdem schwere Sorgen machte, war das Schicksal seiner Schriften, die sich auf die Vorgänge des Jahres 1848 bezogen. Bekanntlich wurde damals auch in der Wohnung des hochbegabten sel. Theodor Mannheimer, der mit Frankl in einem Hause, Seitenstettengasse 4, domicilirte, eine Hausuntersuchung vorgenommen. Er besprach mit dem Schreiber dieses, in welcher Weise er für seine Schriften einen verläßlichen Aufbewahrungsort fern von Wien eruiren könne. Es war das kein Leichtes; man befand sich unter einer Polizeiherrschaft. Die Intervention des Fürsten Felix Schwarzenberg zu Gunsten Frankls machte jedoch all diesen Kümmernissen ein Ende. L. A. Frankl blieb in Wien und in seinem Amte. Wie früher floß sein Leben ruhig hi»; wie er gestorben, habe ich bereits erzählt. Friede seiner Asche! Wenden wir uns nun der Stätte zu, wo Frankl mehr als ein Menschenalter seine amtliche Wirksamkeit entfaltete; ich meine, der Rathstube in der Seitenstettengasse 4. Wie ich es Ihnen signalisirte, so kam es. Der Vorstand designirte Herrn Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n als Nachfolger Jcllineks für das Bethaus im ersten Bezirk und Herrn Rabbiner Dr. Schmied! für das Bethaus des zweiten Bezirkes, lieber diese Disposition prach ich meine Meinung autieipaucku aus und habe nun keinen Anlaß, noch einmal darauf zurückzukommen. Wohl aber kann ich nicht umhin, mich überhaupt über die „Rabbiner Wiens" zu äußern. Von nun ab wird leider, wenn von diesen die Rede sein wird, kaum mehr die Kollektivbezeichnung wi 'Q2N gewählt werden können. Und das hat das Gesetz vom 21. März 1890 gcthan. Eigentlich

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