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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-03-30 · Heft 13 (30.3.1894) · p. Seite 148

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 13 (30.3.1894)
Date
1894-03-30
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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148 hebräischer Poesie und Prosa bearbeitet! Müßte dieser Nachweis nicht alle Hemmnisse beseitigen, die unserer völligen Gleichstellung mit den andersgläubigen Mitbürgern noch immer entgegenstehen, falls überhaupt unsere Gegner sich durch Gründe von ihrer Voreingenommenheit loslösen ließen? Der Geist der Wissenschaft und Aufklärung wird aber schließlich doch alle Anfeindungen und Verläumdungen beseitigen — dieser tröstliche Glaube erhebt den Verfaffer über die trüben Erscheinungen der Gegenwart, und wie dieser Geist schon früh die Schranken des Ghetto durchbrochen hat, so wird er seinen herrlichen Zug fortsetzen zu fröhlichem, endgütigem Sieg! Wenn späte Nachkommen die lange Entwicklung der Menschheit zu der sonnigen, von uns »ur geahnten Höhe betrachten, werden sie den Namen „Moritz Steinschneider" unter der Schaar der Männer finden, die durch ihr wisienschaftliches Forschen diese Entwicklung zu fördern versuchten; der Gelehrte selbst fand schon bei Lebzeiten einen Lohn für seine selbstlose Arbeit nicht allein in dein trauliche» Glück, das ihm das Forschen gewährte, sondern vor Allem in dem Durchkämpfen zu der köstlichen Lebensanschauung, die er am Schlüsse der „allgemeinen Bemerkungen" uns mit den Worten gekennzeichnet hat: „Jedes Ende mahnt uns daran, wie winzig der Einzelne der Gesammtheit gegenüber ist; aber gerade dieser Gedanke treibt uns zur Erforschung des Zusammenhangs zwischen dem Einen und dem All, welcher uns lehrt, daß das Endliche im Unendlichen auf-, nicht untergeht!" Nie jüdischen Lehrer und die neue Miiitärdienstordnung. Von S. Andorn in Crefeld. f ie Einreihung der Lehrer unter die Berechtigten zum einjährigfreiwilligen Dienste steht offenbar bevor. Sie wird von ihnen und den wirklich liberal denkenden Kreisen der Bevölkerung mit Genugthuung ausgenommen werden. Wir überlassen es den Organen der Lehrerwelt und der ihr freundlich gesinnten politischen Presse die günstigen Folgen dieser Neuerung auszumalen. Wir wollen an dieser Stelle nur die Konsequenzen für den jüdischen Lehrerstaird belerrchten. Zunächst hat derselbe allen Anlaß, sich über diese neueste Errungenschaft der gesummten Lehrerwelt zu freuen, und er wird seinen vollen Antheil haben an den sozialen Wirkungen derselben. Für die jüdischen Lehrer liegt aber, vorausgesetzt, daß ihnen die erwarteten Vortheile nicht verkümmert werden, noch ein besonderer Grund zur Freude über die Aenderung vor. Der christliche Schulamtskandidat fand sofort nach seinem Abgänge vom Seminar eine öffentliche Anstellung. Es herrscht ja auch heute noch Mangel an christlichen Lehrern. Jüdische Lehrer sind im Ueberfluffe vorhanden, und die Zahl der öffentlichen jüdischen Schulen ist nur eine verhältnißmäßig geringe. Die Vergünstigung des kürzeren Militärdienstes aber wurde nur den Lehrern in öffentlicher Stellung zuerkannt. Unter solchen Verhältnisien wurden in letzter Zeit viele jüdische Lehrer an Privat- und Religionsschnlen zu dreijährigem Dienste herangezogen. Glücklich schätzte sich derjenige, der nach kürzerer Zeit in eine öffentliche Stellung berufen und dann nicht ohne viel Müh' und Beschwer vom weiteren Dienst befreit wurde. Viele tüchtige und strebsame junge Lehrer mußten Jahre lang in den dürftigsten öffentlichen Schulstellen verharren. Jeder frühzeitige Uebertritt in eine nichtöffentliche Stelle hätte die sofortige Einziehung zum vollen Militärdienste zur Folge gehabt. Die Gemeinden litten unter diesen Verhältnisien, und die Lehrer noch viel mehr. Manche wissen davon ein wenig erbauliches Lied zu singen. Wohl haben sich jüdische Vereine — Lehrerverbände und andere Korporationen — bemüht, eine Gleichstellung herbeizuführen, aber — ohne Erfolg. Das wird sich nun Alles mit einem Schlage ändern — wenn den jüdischen Seminarabiturienten gleiche Berechtigung eingeräumt wird. Der Zweifel scheint ja auf den ersten Blick unberechtigt, aber man hat gesehen, was es mit den Selbstverständlichkeiten auf sich hat. Die hessisch-jüdischen Lehrer sind ja auch nach dem Berichte eines jüdischen Blattes bei der allgemeinen Gehaltsordnung unberücksichtigt geblieben. Die christlichen Lehrerseminare sind staatliche Einrichtungen, die jüdischen Privatanstalten. Zwar arbeiten diese auch nach den staatlichen Vorschriften für die Lehrerbildung, aber nur ein Teil derselben besitzt die Berechtigung, Lehrerprüfungen vorzunehmen. Sollte sie ihnen verbleiben, dann dürfte wenigstens eine wohlthätige Neuerung Platz greifen: die Aufnahme einer oder mehrerer fremder Sprachen in den Lehrplan und die nachdrücklichste Berücksichtigung derselben. Vielleicht ist in dieser Hinsicht in jüngster Zeit eine Aenderung zum Besseren eingetreten, aber man hat in der jüdischen Presse auch in den letzten Jahren noch viel Klagen über Nichtbeachtung, beziehungsweise Vernachlässigung dieses Bildungszweiges vernommen. Jedenfalls sind die Kuratorien der jüdischen Lehrerbildungsanstalten verpflichtet, darüber zu wache», daß auch ihren abgehenden Zöglingen die Berechtigung zum einjährigen Dienst eo ipso wird, andernfalls würden die jüdischen Anstalten eingehen — und das wäre eine Kalamität! Wir wollen indessen nicht vor der Zeit Schwarz-Seherei treiben, aber doch noch .eines anderen Punktes gedenken, in dem die jüdischen Schulamtsbewerber ungünstiger gestellt sein würden als ihre christlichen Genoffen. Die christlichen Seminarabiturienten finden alsbald Verwendung im öffentlichen Schuldienste. Der Staat wird darum für die Unbemittelten unter ihnen um so eher die Kosten der militärischen Dienstzeit zu tragen gewillt sein, als er hoffen darf, durch die Gegendienste im Staatsintereffe auf seine Kosten zu kommen. Auch wird er die solchergestalt unterstützten Lehrer verpflichten, sich jeder von der Schulbehörde verfügten Verwendung unterzuordnen. Schon jetzt macht ja der Staat große Aufwendungen für die.Heranbildung christlicher Volksschullehrer. Für die Bildung jüdischer Präparanden aber hat bereits Herr v. Goßler jeden Zuschuß verweigert mit der Begründung, daß an jüdischen Lehrern ja ein Plus vorhanden sei. Der Staat, der zur Besoldung der jüdischen Geistlichen nichts beiträgt, und das ist in Preußen fast durchweg der Fall (als Ausnahme ist mir nur Nassau bekannt), wird selbstverständlich für die Kosten des Militärdienstjahres von Lehrern an jüdischen Privat- und Religionsschulen, wahrscheinlich für jüdische Lehrer überhaupt nichts beisteurn. Doch auch dieser Uebelstand würde nicht so schlimm sein, wie er scheint, und es läßt sich ihm abhelfen. Schon jetzt bringen ja die jüdischen Lehrerbildungsanstalten den größten Theil ihrer Erhaltungskosten aus ihren Fonds und Zuwendungen auf. Künftig müßten sie darauf Bedacht nehmen, auch die Mittel zu gewinnen, um für vermögenslose Zöglinge die Prämien einer Militärversicherung zahlen zu können. Vielleicht nimmt auch der Gemeindebund, der auf diesem Gebiete grade so Dankenswerthes geschaffen hat, die Sache in die Hand. Man könnte sagen, das Alles liege ja noch in der Weite! Wohl, aber nicht in unabsehbarer Ferne. Treten wir an die Dinge bedächtig heran, bevor sie überwältigend auf uns eindringen. Sollte es gelingen, auch den Zög- MiaHlail

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