Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 11 (16.3.1894)
- Date
- 1894-03-16
- Page
- Seite 132 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Friedlich lebten wir im Perserlande — Wir von Jakobs Stamm im Reich der Welt — Mit den andern Völkern im Verbände, Zu den Bürgern Bürger treu gesellt. Eins mit ihnen, eins mit Hoh'n und Niedern, Strebten wir den gleichen Zielen zu; Ja, wir waren wie ein Volk von Brüdern, Und kein Hader störte uns're Ruh'. Und gemeinsam an des Friedens Werken — War auch unser Gott der ihre nicht — Bauten wir; des Landes Wohl zu stärken. War auch unser'm Stamme heil'ge Pflicht. Galt's, dem Mangel, galt's, der Noth zu wehren. Willig halfen wir mit Hab' und Gut, Für den König, für des Reiches Ehren Gaben wir mit Freuden unser Blut. Der erIe Dur im. Von Gustav Jacobsohn. Aber wehe! Unserer jungen Glücke Droht der alte, langverhalt'ne Groll In dem Herzen Hamans, das von Tücke, Neid und Rachsucht gegen Juda schwoll Wie er tilgen köntM Jakobs Sprossen, Sinnt der eitle, Mgewalt'ge Mann, Und er pfleget Rath mit den Genossen, Wie er Israel vernichten kann. Nach der Habe lüstern, nach dem Blute Unsres Volks, das ruhig, ahnungslos, Werfen sie in frevlem Uebermuthe Ueber Israel das Todeslos. Und, als ob er nur dem Vortheil diene Des Gebieters, tritt Hamdathas Sohn, Der Agagi, jetzt mit frommer Miene, Demuth heuchelnd vor Ahasvers Thron. Und er spricht: „In deiner Völker Mitten Lebt, o König, eiü Geschlecht zerstreut. Mit ganz andern Bräuchen, andern Sitten Als die Völker alle weit und breit; Sondert sich nach eigenen Gesetzen, Ehrt nicht unsere-Götter, unser Recht, Ist ein Volk, das r^ich an Gut und Schätzen Dein Gebot zu schmähen sich erfrecht. Tilge sie, o Herr, aus deinen Reihen, Unermeßlich Gut -gewinnest du. Tilge sie, und Schätze ohne Gleichen Wäg' ich dir an Mold und Silber zu." Und bethört von seines Günstlings Stimme Giebt Ahasver unser Volk ihm preis. Der zerbricht in seiyem wilden Grimme Israel, das schwache Völkerreis. Er zerbricht es? Nimmermehr! Wohl beugte Es der Herr und'straft' es väterlich. Wenn es sich vor falschen Göttern neigte Und von seiner Lehre frevelnd wich; Aber dann, wenn es voll inn'ger Reue Kehrt zurück zum Ew'gen, seinem Hort, Dann erhebt er's wieder, und auf's Neue Zweigt und sproßt und blüht es fort und fort. Und der Blüthen herrlichste von allen. Die am alten Stamm empor gerankt. Die noch heut in uns'res Hauses Hallen Schön, wie einst in Jakobs Zelten, prangt. Das ist, hört es, die im Schmuck der Jugend Um mich her, ihr Jünglinge gereiht. Das ist uns'rer Frauen holde Tugend, Unsrer Jungfrau'n holde Sittsamkeit. Sehl, so tritt in ihrer Schönheit Glanze, All in ihrer Anmuth tritt sie hin Vor Ahasver und der Fürsten Kranze, Esther, die erhab'ne Königin. Ihren Pfleger kindlich treu zu ehren, Scheut sie nicht des Königs streng' Gebot, Gilt es doch, das Unheil abzuwehren. Das so schrecklich ihrem Volke droht. Und wie einst im einfach schlichten Kleide, Nur von ihrem keuschen Reiz geziert. Ohne Sorg' um Perlen und Geschmeide, Sie des Perserkönigs Herz gerührt. So bezwingt sie nun mit heißem Flehen, Königlich geschmückt des Königs Sinn, Und der König kann nicht widerstehen. Reicht ihr mild das gold'ne Scepter hin. Ja, so sind seit grauer Vorzeit Tagen Edle Frau'n in Israel erblüht. Die ein Herz im reinen Busen tragen. Das in Liebe für ihr Volk erglüht; Und so lang' es Juda nicht an Frauen, Hohen Muth's und Sinn's wie Esther fehlt. Dürfen wir der Zukunft fest vertrauen Wie der Hoffnung, die uns neu beseelt. Und wie Mardechai laßt uns wandeln. Stolz und aufrecht, gegen Bosheit, List Und Gewalt uns kämpfen, redlich handeln Und verachten, was verächtlich ist. Unserm Gotte treu, laßt unser Leben Uns dem Vaterlande freudig weih'n, Unserm Herrfcherhause treu ergeben Wollen wir im Glück und Unglück sein." So der Alte, und den Becher Trinkt er leer bis auf den Grund. Und er ruft: „Ihr jungen Zecher, Stoßet an und trinkt im Rund! Lichter flammet, schallt ihr Lieder, Perle, schäume, gold'ner Wein! Lust und Freude kehret wieder Heut in uns're Herzen ein. " Spvechfaal. Hochgeehrter Herr Redakteur! ^^ierdurch bitte ich Sie recht sehr, nachfolgenden Zeilen ein Plätzchen in Ihrem Sprechsaal vergönnen zu wollen. In dem harmlosen Purimscherz „Der Barbier von Schuschan" liegt der Schwerpunkt im musikalischen Theil. Es sind außer Melodien moderner Komponisten besonders hervorragende und beliebte Synagogengesänge (Kol nidre, lecho daudi, ledowid boruch, u. s. w.) deutschen Texten angepaßt worden. Die Einübung soll durch den Notenanhang erleichtert werden In dem 1865 bei Schletter erschienenen Purimspiele von Jakob Korew (Freund) „Haman, der große Judenfresser" sagt Esther: An Pracht und Herrlichkeit ist nichts vergessen, 5 Auch kann ich schon vortrefflich Treifes essen. Ich glaube wohl, daß Niemand derartige Scherze allzu tragisch auffassen wird Die Worte: „Könnt Ihr nicht was, das in die Beine | fährt? beziehen sich selbstredend nicht auf den Text, der gleichfalls nur! scherzhaft erscheinen soll, sondern auf die demselben untergelegte rasche I Melodie des „Haideröslein" von Schubert im Gegensätze zu der eben j gehörten sehr langsamen Melodie. Deshalb sind dem Sultan die Worte j in den Mund gelegt: j „Solch Konlrapunkt, der ist mir zu gelehrt, - Könnt Ihr nicht was, das in die Beine fährt? - Rogasen, 9. März. Hochachtend Herman Cohn. # Bezug auf Ihre Briefkastennotiz I. W. in M. in der letzten Nummer Ihrer geschätzten Zeitschrift theile ich Ihnen mit, daß Israel Meier Japhet am 7. März 1818 in Cassel geboren wurde. Weitere Daten aus seinem Leben finden Sie in dem Jahresbericht der Realschule der israelitischen Religionsgesellschast zu Frankfurt 1892 93. Frankfurt, 4 März. Hochachtungsvoll Oberlehrer vr. Fink. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwih in Berlin.