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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-03-16 · Heft 11 (16.3.1894) · p. Seite 128

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 11 (16.3.1894)
Date
1894-03-16
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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128 s: unter Anderem aber auch ein gewisser Lasker, der eifrigste Bekämpfe!' des Gründungsschwindels. ... * Und was erwiederte Scherr?! „Ich hab's zuerst nicht glauben wollen, aber nun ich's überdacht'- habe, Sie haben doch in Vielem Recht. In merkwürdig Vielem:" •& Das war ein Judenfeind vor achtzehn Jahren. .h. . V- Das Problem vom „fehlenden Gottesnamen" im Buche Esther. Von Rabbiner Dr. Ludwig Pick. fie Theologie hat von jeher ihre liebe Noth gehabt, dem Buche Esther den kanonischen Charakter zu retten. Die kritischen Angriffe auf daffelbe reichen ins Alterthum hinauf- Je mehr demselben von verschiedenen Seiten, aus verschiedenen Gründen und Jntereffen der kanonische Charakter abgesprochen wurde, desto eifriger hat die talmudische Theologie es als ein Kind echt kanoni-' schen Geistes reklamirt. Für das Fehlen des Gottesnamens im Buche Esther findet die talmudische Theologie auf exegetischem Wege reichen Ersatz in den verborgenen Beziehungen desselben auf die in diesen Begebenheiten waltende göttliche Vorsehung. So findet sie beispielsweise eine solche Beziehung unter dem von Mardechai Esther gegenüber gebrauchten Ausdruck: „Freiheit und Rettung wird den Juden vori einem anderen Orte her erstehen" (Kap. 4, V. 14), wobei unter „Ort" Gott gemeint sei, der aller Orten ist; ebenso auch in dem Satze (Kap. 6, V. 1): „In derselben Nacht wich der Schlaf vom- König", einen Hinweis auf die erwachte Gnade des „Weltenkönigs" für das bedrängte Israel. — Ist dies Alles nur ein Nothbehelf unter den harten polemischen Bedrängniffen, so haben auch spätere Erklärer, wie Jbn Esra und Moses Almosnino, die den Grund des Fehlens des Gottesnamens im Buche Esther in der vermeintlichen Befürchtung des Verfaffers zu finden glaubten, daß eine voraussichtliche persische Uebersetzung für den israelitischen Gottesnamen den Namen eines persischeir Götzen setzen würde, das Problem einer Lösung nicht näher gebracht. Denn eine solche Befürchtung ist durchaus unbegründet, weil es einem persischen Uebersetzer sicherlich, schlecht anstehen mußte, den Namen einer seiner Gottheiten bei diesen Begebenheiten zu substituiren, die für die Juden eine so günstige Wendung genommen haben. Neuere Bibelforscher, wie Eichhorn, Jahn und Andere, welche die in dem Buche erzählten Begebenheiten als geschichtliche Thatsachen gelten lasten, und wie Michaelis, de Wette u. A., welche das--- selbe in das Reich der Fabel verweisen, sind in dem Punkte einig, daß das Fehlen des Gottesnamens höchst auffallend ist; und zumeist dieser Punkt, der das Buch als „von allem religiösen Geist verlassen" (de Wette) erscheinen läßt, hat das Urtheil der Letzteren beeinflußt. Altmeister Zunz grollt dem Buche, nennt es „ein inerkwürdigeL Denkmal unprophetischen Geistes" und beweist ihm dies ziffermäßig, da es Raum hat, den persischen König 187 Mal und sein Königthum 26 Mal zu nennen, aber keine Gelegenheit findet, Gottes auch nur ein einziges Mal p gedenken. Grätz endlich begründet das Fehlen des Gottesnamens, indem er es von einem jüdischen Patrioten geschrieben sein läßt, „für Leser berechnet, die sich nicht mehr dem Glauben an wunderbares Eingreifen der Gottheit in das Geschick des judäischen Volkes hingeben und sich doch von der Ueberzeugung nicht loSwinden konnten, daß es von einer höheren Fügung erhalten werde." Allen diesen Bedenken, Zweifeln und Meinungen gegenüber kann man mit Fug behaupten, daß doch wohl' in dem Buche der praktisch-religiöse Geist herrscht. Worauf weist denn sonst das dreitägige Bußfasten hin, welches Esther vor ihrem schweren Gange zum König anordnet, wenn nicht auf einen recht gottesfürchtigen Sinnder das eintretende Ungemach als eine göttliche Prüfung oder gls eine Folge der Versündigung gegen Gott ansieht und seine Abwendung von Gottes Erbarmen erwartet! Ferner weist Haman (Kap. 3, V. 8) bei seiner Verleumdung der Juden vor dem König Ahasveros auf deren besonderes Religionsgesetz hin, welches denselben als einzige Lebensnorm gelte, und gerade dieser Verleumdung gegenüber bestrebt sich das Buch, den religiösen Geist Israels in seinem vollen Glanze zu zeigen, indem es wiederholt mit sichtlicher frommer Gcnugthuung hervorhebt, daß die Judäer bei der Gegenwehr gegen ihre Todfeinde „an die Güter derselben nicht Hand angelegt". Es weht daher unzweifelhaft ein religiöser Geist in dem Buche. Es fragt sich nun, an welchen Stellen des Buches der Verfasser- Gelegenheit hätte nehmen können, um Gott in die Aktion eiligreifen zu lasten. Zunächst wäre das an den Stellen am Platze gewesen, wo der Knoten des Konflikts sich zu schürzen beginnt, und zwar im ersten Kapitel. Vers 10: „Ain siebenten Tage, als der König fröhlichen Herzens war beim Weine"-, hier müßten nach den bekannten Analogien in der heiligen Schrift in den Verhältnisien des Königs Pharao, Cyrus und Achab die Worte vorgesetzt werden: „Da regte der Ewige seinen Sinn an, daß er (Ahasveros) gebot den sieben Höflingen, zu bringen die Königin Vasti vor den König." Ferner müßte es Vers 12 vor den Worten: „Da weigerte sich die Königin Vasti zu kommen," lauten: „Da verhärtete der Ewige das Herz der Königin Vasthi" — ebenso auch müßte es vor Vers 16: „Da sprach Memuchan vor dem Könige und den Fürsten," heißen: „Und der Ewige legte in den Mlind des Mennuhan die Worte zu sprechen: nicht wider den König allein verging sich Wasthi"-. Nicht minder konnte auch der Vers 21 die Faffung erhalten: „Der Ewige bethörte das Herz des Königs und der Fürsten, so daß der Rath in den Augen des Königs gefiel, und der König that nach den Worten Memuchans." Eine andere Hauptstelle zur Bekundung des göttlichen Eingreifens wäre Kapitel 2, V. 17 gewesen, welcher die Faffung haben müßte, analog dem Vers 36, Kap. 12 im 2. Buche Moses: „Der Ewige ließ Esther Gunst finden," oder aktiver: „Der Ewige verschaffte der Esther Gunst in den Augen des Königs vor allen Jungfrauen und er liebte sie vor allen Frauen." In den ersteren Hauptstellen war das jedoch nicht angängig, da der Verfasser sich scheuen mußte, Gott eine Rolle zuzutheilen, die gegen die hergebrachte Anschauung des Pudenthums verstieß. Denn in diesen Stellen leitet sich ein und vollzieht sich der Bruch zwischen dem König und der Königin, in Folge deffen die Königin verstoßen wird. Die Ehe war schon im grauen Alterthum bei den Israeliten als „eine von Gott ausgehende Angelegenheit" (1. B. M. Kap. 24, ö0) und die Trennung derselben als ein durch „Klage berechtigende Unanständigkeit" (5. B. M. 24,1) veranlaßtes, nothwendiges Uebel angesehen worden, und nun sollte Gott zum Zweck der Herbeiführung der Verhältnisse, die den einen den Untergang, den anderen die Erhebung bringen sollten, das eines Gottes unwürdige Ränkespiel anlegen, um zunächst die Herzen der königlichen Ehegatten zu entzweien! Warum, so fragen die alten Weisen des Midrasch, warum fehlt bei dem Berichte über den zweiten Schöpfungstag, der sonst bei allen anderen Schöpfungstagen gebrauchte Ausdruck göttlicher Be-

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