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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-03-09 · Heft 10 (9.3.1894) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 10 (9.3.1894)
Date
1894-03-09
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Kaufmann Herzfeld jun. zum Kassirer und Herr Kaufmann Jacobsohn zum Bibliothekar gewählt. Den Reigen der Vorträge eröffnete am 10. Dezember 1893 Herr Sanitätsrath Dr. Wolff mit einem sehr interessanten Vortrage über: „Die Dichtungen des Juda Halevi". Die Versammlung folgte mit vielem Interesse dem in Bezug auf Inhalt rM Form vollendeten Vorträge, das noch besonders erhöht wurde durch die von der Lehrerin Fräulein Cohn in meisterhafter Weise vorgetragenen Proben aus den Dichtungen Juda Halevi's in der Uebersetzung von Löwenstein und Rappaport. Am 21. Januar 1894 sprach Herr Lehrer Rosenthal über: „Maimonides". Der Vortragende beleuchtete, nach eiM ausführlichen Einleitung, die den wechselvollen Lebens- und den Studiengang M.'s zum Inhalte hatte, in eingehender Weise die wichtigsten Werke des Religionsphitosophen Maimonides und deren Bedeutung für die Gesammtwissenschast, insbesondere für die Wissenschaft des Juden thums. Den dritten Vortrag hielt am 18. Februar Herr Kaufmann Joseph Markus, welcher das Thema behandelte: „Die Wichtigkeit der hebräischen Sprache für die Entwickelung des Judenthums." Auch dieser Vortrag, welcher das Produkt angestrengten Fleißes war, hat, wie der vorher genannte, das Interesse der Zuhörer in so hohem Maße geweckt) daß das Bestehen des Vereins in hiesiger Gemeinde als gesichert zu betrachten ist. Es verdient noch hervorgehoben zu werden, daß an jeden Vortrag sich eine sachgemäße Diskussion schließt und daß an den Vereinsabenden auch Fragen von allgemeinem jüdischen Interesse erörtert werden. Die Erfolge jedoch, welche der junge Verein in der kurzen Zeit seines Bestehens zu verzeichnen hat, sind nicht zum Geringsten der Energie und Umsicht des Vorsitzenden zu danken, welcher trotz der hohen Aufgaben, die sein Beruf an ihn stellt, noch Zeit gewann, sich der jüdischen Institutionen mit Hingebung und Wärme zu widmen. 8. Schivelbein, 6. März. In unserem Litteraturverein hielt am 26. vor. Mts. Frau Nahida Remy aus Berlin einen Vortrag' über das Thema: „Was ist der Talmud?" Eine außerordentlich zahlreiche Zuhörerschaft hatte sich zu demselben eingefunden, darunter auch viele Christen Nach eingehendster Darlegung der Entstehung des Talmuds gab die Vortragende eine klare Uebersicht über den Umfang und die einzelnen Theile dieses Riesenwerkes und kennzeichnete die in demselben vorherrschenden Tendenzen. Zum Schluffe betonte sie die' Pflicht der Wissenschaft, die im Talmud niedergelegten Geistesschätze sorgfältig zu pflegen. Mit Recht konnte der Schriftführer des Vereins in dem Danke, den er der geehrten Rednerin nach Schluß ihres Vortrages aussprach, diesen als eine geistige Erhebung für die Zuhörer bezeichnen. 8. Guben, 5. März. Am 27. v Mts. berief unser verehrter Lehrer und Prediger Sachs sämmtliche Gemeindemilglieder zwecks Gründung eines Litteratur-Bereins Alle kamen gern, den sehr fesselnden Vortrag des Herrn Sachs zu hören, welchen der Redner auf den Ausspruch des Römers Cicero aufgebaut hat: „Die Geschichte erleuchtet den. Verstand, spornt den Willen an und lenkt ihn auf schöne Ziele". Nach diesem Vortrage konstituirte sich der Verein. Im Vorstande wurden gewählt die Herren Prediger Sachs, Dr med. I. Kutner und S. Nathan. Sämmtliche Anwesende traten durch Namensunterschrift dem Verein bei. n. Hörde i. W., 5. März Am 25 v. Mts hielt in unserem Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur Herr Rabbiner Dr. Frank aus Köln einen fast zweistündigen Vortrag über: „Eine Wanderung durch die jüdische Geschichte und Litteratur." Der Redner behandelt insbesondere die fünf Perioden unserer Litteratur bis auf die Neuzeit. Reicher Beifall wurde dem gesch. Redner gezollt, dem der Vorsitzende, Herr Lehrer Stern, in beredten Worten Ausdruck verlieh. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Debatte, in deren Verlaufe noch manches belehrende und witzige Wort fiel. L Düsseldorf, 4 März. Gestern Abend fand im Lokale des Herrn Pütz die von den Zöglingen des Vereins zur Verbreitung und Förderung des Handwerks unter den Juden veranstaltete Purimfeier statt, welche sich, wie alljährlich, eines äußerst zahlreichen Besuches erfreute; schon lange vor Beginn war kaum noch ein Platz zu haben. Eingeleitet wurde die Feier mit einem schwungvollen (von Frau Liebermann verfaßten) Prolog, welchen einer der Lehrlinge sehr gut vortrug. Es folgten die Rombergsche Kindersymphonie, sowie drei kleine Einakter, die von allen Mitwirkenden — nur Knaben des Vereins — mit Frische und Munterkeit zur Darstellung gebracht wurden. Hervorheben wollen wir.noch die warmen Worte, welche der Rabbiner Herr Dr. David dem Vereine widmete, die darin gipfelten, daß er demselben ein weiteres stetes Wachsen, Blühen und Gedeihen wünschte. Wie sehr er aus dem Herzen aller Anwesenden gesprochen, bewies der laute Beifall, mit dem seine Ansprache ausgenommen wurde. Ganz besondere Anerkennung sei auch noch der Familie Familie Liebermann gezollt, deren liebevoller Fürsorge für unsere Lehrlinge es zu verdanken ist, daß die Knaben, die zum Theil ja Tags über schwere Arbeit verrichten, doch noch Abends Zeit finden, sich mit Geist und Gemüth bildenden und veredelnden Dingen zu befassen. .1. Ans Baden, im März. Vor einigen Tagen starb in Mannheim Herr Fabrikant David Aberle senior, langjähriges Mitglied des israelitischen Oberrathes Der sehr verdiente und angesehene Mann stiftete für Rekonvaleszenten beiderlei Geschlechtes ohne Unterschied der Konfession ein Kapital von 120,000 Mark letztwillig. Die zweite Hälfte dieser hochherzigen Gabe soll nach dem Ableben seiner Frau ausbezahlt werden, außerdem wurden noch verschiedene Stiftungen und Wohlthätigkeitsanstalten mit reichen Gaben beschenkt. Wird diese Gemein, nützigkeit und Humanität die Meinung der Herren von der hohen ersten Kammer über die „Abgeschlossenheit und rücksichtslose Verfolgung der eigenen Interessen der Juden" verändern? Oesterreich- Ungarn« □ Wien, 5. März. Alle Kreise der Bevölkerung stehen unter dem Eindrücke, welchen der jähe Tod des Bürgermeisters der Stadt Wien, Dr. Johann Prix, hervorgerufen hat. Niemand ahnte vor einigen Wochen, als Dr. Prix dem sinnlosen Anstürmen seiner antisemitischen Gegner zum Trotz zum zweiten Male die goldene Bürgermeisterkette ans den Händen seiner Parteifreunde erhielt, daß dieser wetterfeste Streiter in wenigen Tagen auf der Landstraße sterben würde; am allerwenigsten die antisemitischen Gegner, welche diesen Keim, wenn schon nicht gesäet, so doch gewiß durch ihre namenlose Hetze gegen Dr Prix gezeitigt Und was, fragt man sich, was hat eigentlich Dr. Prix gethan, daß er gewissermaßen als Sündenbock für die Juden und das Judenthum von den Antisemiten so angefeindet wurde? War er vielleicht Mitglied der „Judenschutztruppe" oder ein begeisterter Anhänger der Abwehrbewegung? Nun! War vielleicht er es, der offiziell oder nichtoffiziell in besonders glühenden Worten für das bedrängte und bedrohte Judenthum eintrat? Wir können uns dessen nicht erinnern und wissen nur, daß die beiden Vizebürgermeister stets mit ungleich schärferen Worten gerade die spezifisch antisemitischen Ausfälle der Opposition zurückgeworfen. Nun, Dr. Lueger weiß es wohl, warum er seinen Hebebaum an dem Bürgermeisterstuhle anlegte, wenn auch die Anderen nicht alle wissen, warum sie dem Dr. Lueger dabei Helfersdienste leisteten. Der unversöhnliche Kampf der antisemitischen Partei gegen den kurulischen Stuhl im Rathhause war ein Kampf für Dr. Lueger und hatte mit dem Antisemitismus des Letzteren ebenso wenig gemein, wie mit dem sogenannten „Judenliberalismus" des Dr. Prix. — Unter den Vertretern der Religionsgesellschaften, die bei der Einsegnung sowohl im Rathhause, wie auch in der Stephanskirche zugegen waren, sah man auch den Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann. — In der juristischen Gesellschaft hielt gestern Abend der Präsident des Obersten Gerichtshofes Dr. von Stremayr dem Dahingeschiedenen einen Nachruf. Und der Redner sprach von den Kämpfen, die Dr. Prix im Gemeinderathe in Folge der maßlosen Angriffe seiner Gegner zu bestehen hatte und von der allgemeinen Ueberzeugung, daß Prix als Opfer dieser Kämpfe von antisemitischer Seite gefallen sei. - Wegen Ueberschreitung ihres statutarisch festgesetzten Wirkungskreises wurden die Burschenschaft „Teutonia" und der Verein deutscher Studenten aus Schlesien „Oppavia" von dem Schicksale der Auflösung ereilt. Die genannten Verbindungen sind schon einmal aus derselben Ursache aufgelöst worden, doch hat die Statthalterei die neuerliche Gründung mit der größten Liberalität bewilligt. Vor einigen Jahren wurde die „Teutonia" wegen Theilnahme an den Schönerer-Dcmonstrationen aufgelöst. Die Mitglieder der Burschenschaft konstituirten sich hierauf als Verein „Freya" und erhielten nach einiger Zeit wieder die Bewilligung, den alten Namen tragen zu dürfen. Seither kam die Vereinigung sämmtlicher an österreichischen Universitäten bestehenden Burschenschaften deutschnational-antisemitischer Richtung im „L D. C." (Linzer Deleairten-Konvent, nach dem Orte der jährlich statt-

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