Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1894)
- Date
- 1894-03-09
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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Gerlin, 9. Mär; 1894. 58. Jahrgang. Nr. 10. N erläge Zur „Allgemeinen Zeitung des IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. OJfr Berlin, 5. März. Die erste Generalversammlung des neubegründeten Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen hat am 26. v. Mts. im Saale des Bruder-Vereins, Unter den Linden 4 a, unter dem Vorsitz des Herrn Alb. Ph. Meyer stattgefunden. Der Verein bezweckt, jüdische Frauen und Mädchen gebildeterer Stände zu Krankenpflegerinnen auszubilden und dieselben alsdann, ähnlich wie es bei den bereits bestehenden Krankenpflege-Vereinen der Fall ist, unter Leitung einer Oberin für die Krankenpflege ohne Unterschied der Konfession zu verwenden. In den Vorstand wurden 1. Frau Zerline Eisenmann, Bellevuestr. 16, 2. Frau Dr. Frankl, Luisenstr. 35, 3. Frau Julie Gerson- Liebermann, Biktoriastr. 26, 4. Frau Stadtrath Dr. Weigert, Kielganstr. 2, 5. Herr Rechtsanwalt Dr. Eugen Apolant, Kaiser Wilhelmstr. 1, 6 Herr San.-Rath Dr. Blumenthal, Biktoriastr. 31, 7. Herr Geh. San.- Rath Dr. Kirstein, Münzstr. 18, 8. Herr M. Metzenberg, Alexanderstr. 14, 9. Herr Alb. Ph. Meyer, Rauchstr. 19, 10. Herr Geh. Mediz-Rath Prof. Dr. Senator, Bauhofstr. 7, 11.. Herr Stadtverordneter Louis Sachs, Brücken-Allee 1, gewählt Dem Verein haben sich bereits ea 900 Mitglieder mit Jahresbeiträgen von zusammen ca. 10,000 Mark angeschlossen. L2 Berlin, 7. März. Herr Julius Jacoby, der die Ehrenstellungen eines Mitglieds des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, sowie der Finanz-Kommission der Aeltesten der Kaufmannschaft und gerichtlichen Sachverständigen bekleidet, feiert am 10. März seinen siebzigsten Geburtstag, aber fern von Berlin, in Italien, wohin er, um sich den ihm zugedachten Festlichkeiten und Anerkennungen zu entgehen, gereist ist. Unsere herzlichsten Glückwünsche folgen dem Jubilar auch in die Ferne! S£g Berlin, 7. März Im Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" spricht am Dienstag den 13. d. M. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer über „Die Juden im alten Rom". Gäste sind willkommen. Wir machen unsere geehrten Mitglieder darauf aufmerksam, daß dieser Vortrag der letzte in dieser Saison ist. Das nächste Referat findet am 20. d. M. statt. Berlin, 5. März. Eine Großnichte Heinrich Heiners, Frau Alice Born, eine schöne, blühende, junge Frau, reich begabt, in den besten Kreisen beliebt und angesehen, ist hier am 1. ds. Mts. der tückischen Diphtheritis innerhalb dreier Tage erlegen. Die Verstorbene, deren Tod allgemeine schmerzliche Theilnahme erregen wird, hat auch Proben einer reichen poetischen Begabung, die nun einmal in dieser Familie erblich zu sein scheint, im „Humoristischen Deutschland", in der „Dichter-Halle" und anderen Zeitschriften veröffentlicht. Die Beerdigung fand am 4. März von der Leichenhalle des Friedhofs in Weißensee statt. Ihr Andenken wird unvergessen fortleben in dem großen Kreise derer, welche sie gekannt und verehrt haben. G. Berlin, 5. März. Zu den segensreich für unsere Glaubensgenossen in der Hauptstadt wirkenden Vereinen ist in erster Reihe der „Vorschußverein für hilfsbedürftige Mitglieder der jüdischen Gemeinde" zu rechnen. Falls der Antrag des Vorstandes und der am 4. März abgehaltenen Generalversammlung, betreffend Nachsuchung der Korporationsrechte einer juridischen Person für den Verein die Genehmigung der staatlichen Aufsichtsbehörde erlangt, dürfte derselbe noch einen größeren Aufschwung nehmen. Aus dem Bericht über die Wirksamkeit des Vereins im Jahre 1893 entnehmen wir, daß derselbe' im abgelaufenen Jahre 872 Gesuche um Darlehen erledigt hat, von denen 692 bewilligt wurden, in Gesammthöhe von 155,402 Mark, wobei die Durchschnittssumme der bewilligten Darlehen 224 Mark beträgt. An Geschenken immerwährender, lebenslänglicher Mitglieder und der Aachen-Münchener 'Feuerversicherungs-Gesellschaft verzeichnet die Uebersicht des Verkehrs beim Vorschußverein für das verflossene Jahr 1840 Mark, an jährlichen Beiträgen 1974 Mark, das Unkostenkonto betrug 1977 Mark, die Abschreibungen 1195 Mark. Das Rückzahlungs- Konto ergab für 1894 am 1. Januar ein Saldo von 65,107 Mark, und für das Kapital-Konto 65,504 Mark. Eine wohl bei keinem anderen Vorschußverein anzutreffende Erscheinung ist die geringe Höhe der Gerichts- und Mandatargebühren, welche der Verein sich auszugeben genöthigt sah, nämlich 212 Mark. — Der Vorstand des Vereins besteht zur Zeit aus den Herren M Braß, B. Behrens, Julius Cohn, Joseph Fränkel, Mart. Herzfeld, Rechtsanwalt Dr. Kronfeld, Albert Levin, Moritz Levy, Wolff Lewin, Jul. Oppenheim, Oskar Rathenau, N Schlesinger. 55 Königsberg, 7. März. Das israelitische Waisenhaus für Stadt und Provinz zu Königsberg i. P. versendet soeben seinen 33. Jahresbericht. Demselben voran steht ein Gedenkblatt für den hochverdienten Mitbegründer und langjährigen Vorsteher der Anstalt, den verstorbenen Stadtrath Jacob Theodor! Aus der nun folgenden Anstaltschronik entnehmen wir, daß die Zöglingszahl zur Zeit 31 beträgt, und zwar 18 schulpflichtige und 2 vorschulpflichtige Knaben, 4 schulpflichtige Mädchen, 5 Handwerkslehrlinge (Schlosser, Drechsler, Buchbinder, Goldarbeiter, Lithograph) und 2 in ihrer beruflichen Ausbildung begriffene Mädchen (Schneiderei und Wirtschaft). Die Anstalt entließ im Laufe des Jahres 4 Knaben, neu ausgenommen wurde einer. Der Bericht nimmt dann noch Veranlassung, die Mitglieder und Freunde der Anstalt darauf aufmerksam zu machen, daß der langjährige Vorsitzende des Vorstandes Herr Rabbiner Dr. I. Bamberger in diesem Jahre ein Vierteljahrhundert ernster, hingebender und gesegneter Arbeit im Dienste der Anstalt vollendet und widmet dem Jubilar warme Worte des Dankes und der Anerkennung. — Die Zöglinge betheiligten sich mit den Erzeugnissen ihrer Handfertigkeit (Papparbeit) auch an der Ausstellung von Knabenhandarbeiten gelegentlich der Provinzial-Lehrer-Versammlung in unserer Stadt und fanden damit freundliche Anerkennung. Der Bericht enthält dann noch ein langes Verzeichniß der mannigfachen Zeichen liebevollen Interesses für die Anstalt, die ihr im Laufe des Jahres seitens der Behörden, der diversen Vereine und von Privaten zu Theil geworden sind. Der Kassenbericht giebt die verwendbaren Einnahmen des vergangenen Jahres mit 19,656.29 Mk. an. Die neu ausgesetzten Legate und Beiträge behufs Erwerbung der immerwährenden Mitgliedschaft betrugen 11,200 Mk Dem steht die Jahresausgabe mit 19,225.76 Mk. gegenüber, d. h. nach den beigefügten Erläuterungen 49" 10 Pf. Beköstigungsgeld pro Kopf und Tag und 610.76 Mk. Gesammtausgabe für das Jahr pro Kind. Das Gesammtvermögen der Anstalt beträgt 302,882.19 Mk., wozu noch das Grundstück, versichert mit 61,200 Mk., ein Sparfonds für entlassene Mädchen mit 1972.67 Mk. und eine Lebensversorgungspolice über 325 Mk. zu rechnen sind. Das Mitgliederverzeichniß enthält drei Ehrenmitglieder, 17 immerwährende Mitglieder, 6 Mitglieder mit einmaligem Beiträge und 288 Mitglieder mit laufenden Beiträgen. Dazu mehrere Gemeinden und den Verband der Synagogen- Gemeinde Ostpreußen. Der Vorstand besteht zur Zeit aus den Herren Rabbiner Dr. I. Bamberger, Vorsitzender, Alexander Magnus, Kasstrer, A. Aron, Dr. Friedländer, Zimmermeister H. Lewensohn, Stadtrath I. Eichelbaum, Insterburg, und M. Wasbutzky, Tilsit, und den Ehrendamen Frau Jenny Eisenstädt, Frau Raphael Josephsohn, Frau Minna Löwenthal und Frau Emilie Magnus Die Leitung und Oekonomie der Anstalt liegt in den Händen des Herrn Inspektors Adolf Peritz und seiner Frau. R. Löbau (Westpr.), 3. März. Auf Veranlassung des Herrn Sanitätsrath Dr. Wolff ist Hierselbst ein Verein für jüdische Geschichte und Litteratur ins Leben gerufen worden, dem bereits bei seiner Gründung über 40 Mitglieder beigetreten sind. In der konstituirenden Versammlung wurden die Herren Sanitätsrath und Kreisphysikus Dr. Wolff zum Vorsitzenden, Herr Amtsgerichtsrath Flater zu dessen Stellvertreter, Herr Lehrer Rosenthal zum Schriftführer, Herr