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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-03-09 · Heft 10 (9.3.1894) · p. Seite 116

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 10 (9.3.1894)
Date
1894-03-09
Page
Seite 116 (sequence 8)
Language
German
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116 von Ps. 126, 6, die er einem französischen Gelehrten habe nachsagen hören und die sich auf die geschilderte Heirath bezieht: „Weinend gehet, der den Wurf des Samens trägt (der seinen Schwiegersohn blos wegen der guten Abstammung wählt und damit einen guten Wurf gethan zu haben glaubt), heim kehrt er mit Jubel, tragend seine Garben" (unter Garben sind die guten persönlichen Eigenschaften zu verstehen, und wer danach einen Schwiegersohn wählt, hat Veranlassung, zu jubeln.) Diese Auslegung aber rührt nicht von einem französischen Gelehrten, sondern, wie Reifmann in seinem 133*? 381 11311 1080 S. 33, schon gezeigt, von Asarja bei Rosst her. Am Ende seines 3'3'1? 1180 (Cassel'sche Ausgabe S. 483) rechtfertigt der berühmte Mantuaner die Grabschrift, die er bei Lebzeiten für sich abgefaßt, undweist alle Ansprüche zurück, die sich lediglich auf vornehme Abkunft stützen: wohl stamme er nach einer ihm überkommenen Tradition aus einer der vier edlen Familien, welche Titus nach Rom gebracht, allein in Bezug auf dieses Moment gelte ja zuletzt der schöne Spruch des Psalmisten 126, 6. '3 .... '1123?0 bv nb'nm awb 8d'3 -p’8l »6 dj 813 i?in -|3?o 83?i3 1331 "jbn 108' 183 riTbzib 131 rpo i'ioib8 83?13 1313 813' Und um über die Deutung des Psalmverses, die an sich freilich schon völlig klar, keinen Zweifel aufkommen zu lassen, beruft sich Rosst noch auf R. Perida, der iin Talmud (Menach. 53a) den Satz aufgestellt: 'X '8’1 '8' ("118 "131 (138.13 '8 * 'X' 811 ("118 “13 '8 1'^3'1 8L?'8 ("118 “13 l*6l (138 “13 und auf Philo's diesen Gedanken trefflich ausführeude Schrift „de nobilitate". R. Perida wurde nämlich ein Besucher gemeldet, der in gerader Linie von R. Elieser ben-Asarjah und von Esra stammte. Als der Anmeldende diese Vorzüge betonte, meinte R. Perida: „Wozu das? Ist er ein Gelehrter, ist er ehrwürdig; ist er gelehrt und von vornehmer Herkunft, so ist er doppelter Ehren werth, hat er aber nur Ahnen und keinerlei Misten aufzuweisen, mag ihn das Feuer verzehren. Das in der Talmudausgabe fehlende '8'1 im zweiten Absätze findet sich im Jalkut zum 2. B. Mos. 8 166: Auch die Sentenz 10311? DIT3 31’ (’8 „es giebt keinen Adel außer dem, den man in sich selber hat", hat Horwitz älteren Werken entlehnt. Sie findet sich in Isaak Arama's Kommentar zn Ruth (Pollak'sche Ausgabe 4. B. S. 443) x'3£ix x^tl? ’K-pfl ^818?’ 021L?1 183 81?! ,T-1331 1'11'J *(11'1^ bvisb '“13“, •10311? O1'3 31' ('8 '3 101’ '31100 1tl?8 08 llpS '3 Fürchte nicht, so beruhigt Boas Ruth, daß ich dich nicht eheliche weil es einem Vornehmen in Israel nicht wohl ansteht, um ein Weib von geringer Herkunft zu freien, denn es giebt keinen Adel u. s. w. Aehnliche Sentenzen finden sich im Tachkemoui von Alcharisi im 44. Kap. pal 1310*3 -('131 D!"1\"T ’3 31' (0 *]*? 310 “1310,1 01’*3 *('131 1310 Der Adel bedarf der edlen Sittlichkeit, die edle Sittlichkeit nicht des Adels und in Abr. ben Chisdai's 113,11 -(^01 (3 (im Vorworte) 381 138 31' ll^'ll' 8*3 1031? 311' 1*3 ('83? 'O „Es dürfen die, die selbst sich kein Verdienst erschufen, auf das der Väter sich auch nicht berufen" und noch früher bei Sal. b. Gabirol, besten Spruchsammlung B’3'321 1130 von Philosophen und Ethikern, wie von Talmudisten und Exegeteu viel benutzt wurde (vgl. Dukes Sal. b. Gabirol Seite 80) im 10311 11?3? und im *313*301 11*3? „Weisheit ist die vornehmste Abkunft; der höchste Adel ist der gute Ruf." . . . 310 3L?1 B'OH’Otl? *31131! *31131 Oll'l 8'1 10311 .1131 *38 3181 011'tl? Parallelen zu unserem Spruche bieten Juvenal undHSeneca. In der achten Satyre, V. 19 ff. heißt es: tota licet veteres exornent undique cerae atria, nobilitas sola est atque unica virtus.“ Prima mihi debes animi bona — Sanctus haberi, Justitiae que tenax factis dictisque mereris Agnosco procerem. Mögen die Atrien rings uralte Büsten von Wachs auch schmücken, den Adel verleiht allein und einzig die Tugend. Güter der Seele erwarte ich zuerst; wenn redlich zu heißen und festhaltend am Recht durch That und Wort du verdienst, seh' ich für adlig Dich an. (Uebers. v. A.Berg). In Seneca's 44. Epist. begegnen.wir derselben Anschauung: N011 facit nobilem atrium plenum fumosis imiginabus. Uns adelt kein mit beräucherteu Ahnenbildern angefüllter Saal." Animus t'acit nobilcin. Geist und Gernüth adeln den Menschen, lüemo in nostram gloriam vixit nee quod ante nos fuit, nostrnm esl. II. Ein indischer Spruch lautet: „Leicht geleitet wird ein Thor — leichter aber wer verständig — doch wer wenig, halb gelernt nur — ist für Götter selbst unbändig." Aehnlich behauptet Goethe: „Thoren und gescheidte Leute sind gleich unschädlich, nur die Halbnarren und Halbweisen sind die Gefährlichen." Genau dasselbe lesen wir in Gabirol's Mibchar hapeninim (Ausgabe von Dessau S. 34) ,1313? '3310 1013’ *3130*3 310 :13101 11?3? im „Besser erträgt man einen ganzen Narren als einen halben." Gilt in gewissem Sinne ja auch von der Bildung, was H. von Kleist vom Talente gesagt hat: „Von der Hölle wird bescheert — ein Talent, ein halbes, kleines — doch der Himmel der gewährt — nur ein ganzes oder keines." Nur mit dem freilich durchgreifenden Unterschiede, daß Talente Gnadengaben des Himmels, eine vielumfaffende, gründliche Bildung aber eine Gabe ist, die wir uns selber gehen können; wer die errungen, der gehört zu den Wenigen, die da wiffen, wie viel man wiffen muß, um zu wiffen, wie wenig man weiß. III. Das schönste Glück des denkenden Menschen ist nach Goethes Bekenntniß: „Das Erforschliche zu erforschen, und das Unerforschliche ruhig zu verehren". Als die älteste Fassung dieses Gedankens darf das Schriftwort gelten 5 Buch Moses 29, 28: „Das Verborgene ist des Ewigen unseres Gottes, das Offenbare aber unser und unserer Kinder auf ewig". .— Darauf geht der salomonische Spruch zurück: „Gottes Ehre ist die Sache zu verbergen, der Könige Ehre sie zn erforschen" 25, 2, und der 1. Vers im 26. Kapitel der Sirachsprüche, einer der wenigen, die aus diesem Buche im Talmud zitirt werden: Chag. 13a. 81'3 (3 1233 3113 (33? 11,111 *33 “[00 ,1113 3?1111 *33 *|00 *31133 *383?1 *38 1(00 131303 1?11 *32 *]00 8^2103 1111333 pBl? *(*3 ('81 (31311 1'3?1113? 103 „Forsche nicht nach Dingen die größer sind als du, grüble nicht über Dinge, die stärker sind als du, wolle nicht erkennen das Wunderbare, frag' nicht nach dem, was dir verhüllt — befaffe dich mit dem dir Zugänglichen und laß ab von dem dir ewig Unzugänglichen. Der Goetheschen Sentenz aber, die beides betont, die Pflicht und die Freude der Forschung auf der einen, wie die der Selbstbegrenzung und Selbstbescheidung auf der andern Seite, kommt am nächsten die Erklärung, die der Jerusalemische Talmud von den salomonischen Spruche giebt (T. jer. Chag. 77 b) R. Levi sagt: 131 1131 B'1^8 1133 3*311?,1 8133 8*33? 11? 131 11(31 3'3*30 1133 .0*31i?1 81333?0

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