Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1894)
- Date
- 1894-03-09
- Page
- Seite 115 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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115 Das Niedergehen der jüdisch-wissenschaftlichen Bestrebungen hat nicht zunl Mindesten feinen Grund in dem Mangel der materiellen Mittel, welche durch die Beröffentlichung und ev. Honorirung der wissenschaftlichen Beiträge nicht selten zugleich die Anregung überhaupt für solche Studien geben. Begreiflicherweise hat eine Vereinigung der geschäftlichen und geistigen Leitung dieser Bestrebungen einen bedeutend höheren Werth für diesen Zweck Die von mir vor Jahresfrist begründeten und herausgegebenen „Monatsblätter für Vergangenheit und Gegenwart des Judenthums" hörten deshalb nach etwa viermonatlichem Bestehen auf, weil nicht diejenigen Geldmittel vorhandeil waren, welche in der ersten Zeit für das Erscheinen einer wissenschaftlichen Zeitschrift nöthig sind, zumal wenn eine einzelne Person die Herausgabe. besorgt. Um diesem fühlbaren Uebelstande abzuhelfen, beabsichtige ich die Gründung einer Jüdisch-litte r arischen Gefells chaft, welche, ähnlich der „Tnllsch-Morgenländischen Gesellschaft", sich die besondere Pflege der jüdischen Litteratur angelegen sein lassen soll. Herr Professor Dr. M. Lazarus (Berlin), welchem ich als Erstem von meinem Plane Mittheilung machte, bezeugte mir in seinem derzeitigen Antwortschreiben seine Theilnahme und sein Interesse für das Zustandekommen meines Planes. Ich habe mich s. Z. mit dem Kuratorium der Zunzstiftnng in Berlin, dem Herr Professor Lazarus als Vorsitzender des wissenschaftlichen Beiraths angehört, behufs Bewilligung einer besonderen Subvention für die zu gründende I. L. G. in Verbindung gesetzt. Für jetzt gilt es, ein Komitee zur Gründung der I. L.. G. zu Stande zu bringen, deren erste, < ber nicht alleinige Aufgabe die Herausgabe einer wissenschaftlichen Monalsschrist (in deutscher Sprache) wäre. Meine heutige Bitte geht daher dahin, Ew. Hochwohlgeboren zu ersuchen, nach Prüfung der Umstände diesem Komitee beizulreten. Es dürste nicht schwer fallen, durch das vereinigte Vorgehen geistig hervorragender Männer eine Anzahl von Mitgliedern der I. L. G. zu werben, welche durch ihren erstmaligen Jahresbeitrag von 20 bis 25 Mark den Bestand der Zeitschrift und Gesellschaft sichern. — Die weitere Geschäftsführung der Verhandlungen für die Gründung der I. L. G. übernehme ich gern und bitte Ew. Hochwohlgeboren zunächst nur, mir Ihre werthe Zustimmung kundzugeben, Ihren werthen Namen in die Komiteeliste aufzunehmen. Den alsdann zu veröffentlichenden Aufruf würde ich vor der Publikation Ihrer werthen Kenntnißnahme unterbreiten. Indem ich Ihrer hochgeschätzten Antwort entgegensehe, zeichne ich mit vorzüglichster Hochachtung B. Königsberger. Vorstehendes in einer Reihe von Abschriften hergestellte Schreiben sandte ich zunächst an sechs Herren, von denen mir die Herren Rabbiner Dr. F. Rosenthal-Brcslan, Professor Dr. W. Bacher-Budapest und Dr. M. B rann-Breslau ihre Bereitwilligkeit zur Gründung der geplanten Gesellschaft kundgaben. Zwei andere Herren, welche sich noch in der geachteten Stellung eines Oberrabbiners befinden, verhielten sich ablehnend. Der eine machte die Nothlage unserer damals besonders schwer heimgesuchten russischen Glaubensbrüder geltend, welche eine Zersplitterung unserer materiellen Kräfte verbiete; der andere — und dessen Schreiben übte auf meine damaligen Bestrebungen eine durchaus hemmende Wirkung aus — wies mich darauf hin, daß der mir durchaus abgehende Ruf eines Gelehrten mich zur Begründung eines solchen Unternehmens durchaus ungeeignet erscheinen lasse und ich mich in der wissenschaftlichen Welt erst besser bekannt machen müsse. Diese Mahnung beachtend, begann ich mit Eifer an meiner wissenschaftlichen Durchbildung zu arbeiten, um mir durch emsige litterarische Thätigkeit ein gewisses Renommee zu verschaffen. — Ich habe seitdem redlich gearbeitet. Wollte ich die Reihe meiner Publikationen zählend durchgehen, sie dürfte für die verflossene kurze Zeit eine immerhin ansehnliche sein mit) vielleicht manches Lesenswcrthe aufweisen — in selbstständigen Schriften, sowie Aufsätzen in Fachzeitschriften jüdischer und nichljüdischer Gelehrten. Nicht zu dem Zwecke, irgend welchen Ruhm einzuheimsen, ist Vorstehendes erwähnt worden; ich suchte nur ein wenig die Berechtigung zu begründen, nach der auch von anderer Seite gegebenen Anregung mit meinem alten Vorschläge wieder auf den Plan zu treten. Und wie sehr ich vielleicht immerbin noch fürchten must, ob meiner Anmaßung von Größeren zurückgewiesen zu werden, so möchte ich ^dvch nicht ansteben, auch meinerseits ein Scherflein zur Belebung jüdischer Forschung und Wissenschaft beizutragen. Denn vas steht mir unerschütterlich — eben weil ich aufrichtiges Interesse hierfür habe — fest, daß die jüdische Forschung und Wissenschaft einer Centralisation und energischen Anregung und Förderung bedarf, wenn sie nicht noch mehr verlachen oder gar einschlafm soll. Kaum hat sich die alte „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums" zu einer noch nicht gedeihlichen Existenz aufgeschwungen, -so droht, wie ich von zwei Seiten vernommen, der 20 Jahre bestehenden, von den Herren DDrr. A. Berliner und D. Hoffmann vorzüglich redigirten Vierteljahrsschrist „Magazin für die Wissenschaft des Judenthums" mit dein noch abznschließenden Jahrgang 1893 der Untergang. Die Gründe liegen nicht nur in der Theilnahmslosigkeit des jüdischen Publikums und materieller Mittellosigkeit, sondern auch an dem Mangel einer Redaktion, die nichts scheut, um tüchtige Mitarbeiter anzuregen und heranzuziehen, namentlich keine Zeit. Hoffen wir, daß die verehrliche Zunzstiftung unseren Vorschlag sreundwillig aufgreist! Vielleicht ist er schon ihr eigen und reift der Ausführung entgegen. — Ohne mich allzusehr vorzndrängen, will ich doch nicht verfehlen, einem ernstlichen Bemühen in dieser Richtung meine Kräfte, soweit sie brauchbar sind, zur Verfügung zu stellen, bereit, wenn ich gerufen werde, auch meine detaillirten Vorschläge zur Kenntniß zu bringen. Breslau, den 21. Januar 1894. Beiträge zur vergleichenden Gnoniologle. Von Dr. W. Klemperer, Prediger der Reformgemeinde. 1. BfP3 BIT „(§» giebt keinen Adel, außer dein, den man in sich selber hak." n seinen „Quellenschriften zur Geschichte des Unterrichtes und der Erziehung bei den deutschen Inden" (Berlin, 1891) bringt der gelehrte Rabbiner in Wien Dr. Güdemann, einen Auszug aus dem Testamente des R. Abraham ben-Sabbatai lmlevi 'p^rVtt EP (16. Jahrhundert), gedruckt Amsterdam 1701. Daselbst heißt es auf Seite 43: diit h"~\‘‘ ama« L'22 m«sn aunrn mnan ha usn ^«1 lastw 212 «in ppnir ampa 22V -rvna p« 2« nzh nnstra mnx “121 anaix vipatp 1221 laxr 21m aha 2in' p« '2 ... \nai2£ 22n 2112a fr" „Bei der Verheirathung eurer Söhne lind Töchter sehet nicht auf Geld und Schönheit, auch kehret euch nicht an die Väter (an die Abstammung HI. B. M. 19, 31. Witziges Wortspiel mit dem Worte fVDN welches in der angeführten Bibelstelle „Todtenbeschwörer" bedeutet, aberallch „Väter" bedeuten kann) allein, denn es giebt keinen Adel, außer dem, den man in sich selber hat. Mancher hat es schon bedauert, bei der Wahl des Schwiegersohnes blos auf deu Adel der Abstammung gesehen zu haben, denn nach der Hochzeit | zeigte sich derselbe im Hanse seines Schwiegervaters unbrauchbar! sowohl für die Thora, wie für das Geschält." Der Verfasser, sagt 1 Güdemann in einer Anmerkung, erwähnt hier eine witzige Auslegung'