Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1894)
- Date
- 1894-03-09
- Page
- Seite 114 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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- 7 Ir*- -> 114 lehre das ewige Gebot des einzigen lebendigen Gottes, das der Mensch auf Erden unabänderlich zu befolgen habe — sagen die Ssubbotniki, die demnach den vom Westen her bei uns eingewanderten Juden in der Verstockung keineswegs nachstehen und in einem höheren Grade als jene den Namen: russische Juden verdienen. Denn, es thut uns weh, dies zu konstatiren, die Ssubbotniki sind unzweifelhaft echte Urrussen, die aber von Christus und seiner heiligen Kirche abgefallen und nunmehr so tief gesunken sind, schamlos ihre russische Nationalität zu verleugnen. > Kein Jude hat sich jemals entschiedener gegen das Christenthum gewendet, als die Ssubbotniki cs beständig thun, wenn immer sie mit unseren Missionären zusammentreffen. Die Göttlichkeit Christi verhöhnen sie mit unerhörter Frechheit, indem sie für den Gottmenschen keine andere Bezeichnung als den Schimpfnamen: „Rebell von Jerusalem" haben. Die heilige Dreifaltigkeit, sagen die Ssubbotniki, sei eine von Indien über Griechenland nach Europa verpflanzte altheidnische Wahnvorstellung, die gut genug war, um sie gegen die Fetische der Urslaven auszuspiclen. Das ewige unvergängliche göttliche Licht dürfe man sich überhaupt nicht als an eine Person gebunden vorstellen, nnd wer das thut, sei ein Gotteslästerer. Speziell über den orthodoxen Ritus und über die Verehrung der Heiligenbilder speien sie Feuer und Flammen. Wer vor einem von Menschenhand gemalten Bilde niederknicet, sagen die Ssubbotniki, der verleugnet und schmähet die Majestät des ewigen lebendigen Gottes und er ist des Todes würdig. Die menschliche Verirrung werde aber nicht mehr lange andauern und der Tag sei nahe, an dem ein jedes lebende Geschöpf zu dem einzigen Gott sich bekennen werde — sagen die Ssubbotniki. Alle ihre Hoffnungen sind an diese Erde und nicht an den Himmel geknüpft. Die Erde, meinen sie, sei dem Menschen von Gott zum Erbtheil gegeben, und es sei der göttliche Wille, daß auf der Erde keine Herrscher sein sollen und allein die Gerechtigkeit und die Wahrhaftigkeit thronen sollen. Gleich den Juden, erwarten sie niit Zuversicht den Triumph der Wahrheit u»d die Ankunft des Messias. Bis dahin sei das Volk Gottes im Exil, gleichviel wo es sich befinde, und mit der Ankunft des Gesalbten Gottes werden alle Völker Brüder und die ganze Erde ein Vaterland — das gelobte Land der Juden — sein. Alsdann werde der Mensch auch in die Mysterien der Schöpfung eindringcn, die Vernunft werde leuchten, und die Sonne des Friedens und der Glückseligkeit werde gleichmäßig über alle Geschöpfe Gottes strahlen. Die Sekte gehört also zu den gefährlichsten, indem sie sich enlschieden gegen die christliche Kirche und gegen die kaiserliche Regierung auslehnt." Ium Iunz-Iubilaum. Von Dr. B. Königsberger. ^ir begehen in diesem Jahre die hundertste Wiederkehr des Geburtstages des unvergeßlichen Altmeisters jüdisch-wissenschaftlicher Forschung! Schon vor drei Jahren, als ich nach Beendigung meiner akademischen nnd theologischen Studien Berlin verlaffen hatte und nach meiner Heimath zurückgekehrt war, erlaubte ich mir in diesen Blättern, an die vcrehrliche „Znnz-Stiftung" in Berlin, sowie an den gesammten jüdischen Gelehrten- und Gönnerkreis die Aufforderung zu richten, mit angemeffener Beschleunigung Schritte zu thun, um mit dem Eintritt des hundertsten Geburtstages Leopold Zunz' einen akademischen Lehrstuhl für jüdische Geschichte und Litteratu r wieder ins Leben zu rufen, vorausgesetzt, daß man die nicht bedeutenden Mittel ausbrächte, um die hierfür zu ernennenden Gelehrten „standesgemäß" aushalten zu können. Welch' ein Ansporn das hätte werden können für ein ernstes Gedeihen der jüdischen Litteratnr, braucht hier nicht auseinandergesetzt zu werden. Doch trotz leicht zu erledigender Maßnahmen ward dieser aufrichtig gemeinte Vorschlag ad acta gelegt. Oder sollte dem nicht so sein? Nun wurde vor Kurzem auch in diesen Blättern von Herrn Fritz Stier die Anregung zur Belebung der jüdisch -wiffenschaftlichen Forschung nnd ihrer Ccntralisation gegeben, nnd mit altbewährter Begeisterung griff Herr Professor Lazarus in die angeschlagenen Saiten. Das war von diesem Gelehrten zu erwarten. Mich wenigstens überraschte es nicht. Lasten Sie mich, geehrter Herr Redakteur, an dieser Stelle ein wenig erzählen. Als mich der fast ungewollt in mir erwachte wissenschaftliche Drang im Jahre 1890 nach vierjährigem Studiengange — ich war damals 23 Jahre alt — dazu trieb, nach dem mit dem Ende des Jahres 1887 erfolgten Eingehen der von Zacharias Frankel begründeten „Monatsschrift für Geschichte und Wiffenschaft desJndenthums" eine neue wiffenschaftliche Monatsschrift unter dem Namen „Monatsblätter für Vergangenheit und Gegenwart des Judeuthmns" ins Leben zu rufen, war außer anderen bedeutenden Gelehrten Herr Profeffor Lazarus einer meiner ersten Abonnenten, ohne daß ich demselben persönlich bekannt gewesen wäre. Er hatte die Freundlichkeit, die Zeitschrift als „höchst werthvoll" zu bezeichnen. Doch trotz der Subvention eines bekannten Berliner Mäcens nnd des Entgegenkommens meines Druckers, des Herrn Jtzkowski, in deffen ausgezeichneter Offizin meine Zeitschrift hergestellt wurde, mußte ich nach viermonatlichem Erscheinen die „Monatsblätter" einstellen. Ich zog heimwärts. Selbst weiterarbeitend, mochte ich als Jüngling auch Andere anregen oder zur vereinten Arbeit einladen. Ich wandte mich natürlich hoffnungsvoll an Herrn Professor Lazarus, dem ich seit der Herausgabe meiner „Monatsblätter" persönlich halte näher treten dürfen, und trug ihm meinen Plan schriftlich vor. Aus Schönfeld (bei Leipzig) erhielt ich bald darauf unterm 31. August 1891 eine ausführliche Antwort auf alle meine Fragen, n. A. folgende Zeilen, die den verehrten Leser über meinen Plan aufklären dürften: „Die Begründung einer „internationalen" „Jüdisch-litterarischen Gesellschaft" würde, wie ich fürchte, heutzutage auf große Schwierigkeiten stoßen. Würde dieselbe durch andere Männer konstituirt, dann werde ich mit Vergnügen als Mitglied beitreten, da ich das Bedürfniß gern anerkenne; aber meinerseits eine Anregung zur Gründung zu geben, bin ich außer Stande. Ich mag nichts mehr beginnen, zu dessen Ausführung ich keine Zuversicht habe. Jedenfalls muß ich dieselbe jüngeren Kräften überlassen. Ich kann deshalb nur von Herzen wünschen, daß Sie bei den anderen von Ihnen genannten Männern williges Gehör und thätige Mithilfe finden." Diese ermunternden Worte des hochverehrten Gönners ließen mich nicht ruhen. Ich ging daran, an eine Reihe von jüdischen Gelehrten nachstehende Einladung zur Begründung obgenannter Vereinigung zu senden. Vertraulich! Kattowitz, 26. Oktober 1891. Hochgeehrter Herr! In dem sicheren Vertrauen, daß Sie der jüdisch-wissenschaftlichen Forschung ein reges Interesse entgegenbringen, darf ich hoffen, daß Sie, hochverehrter Herr, meineni nachfolgenden Vorschläge Ihre hochgeneigte Aufmerksamkeit schenken werden.