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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-03-02 · Heft 9 (2.3.1894) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 9 (2.3.1894)
Date
1894-03-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Dann erschienen unter der Führung des Herrn Rabbiners die Synagogenbeamten und die Lehrer. Bald darauf stattete der Herr Oberbürgermeister in herzlicher Ansprache die Gratulation zum Jubelfeste ab, und nun folgte eine lange Reihe weiterer Gratulanten. Auch die Mmnes Israölite sandte dem Jubilar einen ehrenden Glückwunsch. Möge der Jubilar noch lange seines Amtes zum Wohle seiner Gemeinde walten! K. Essen a. d. Ruhr, 24. Februar. Sie haben bereits gemeldet, daß in der letzten Sitzung des Vorstandes und der Repräsentanten Herr Dr. Samuel zum Rabbiner der hiestgen Gemeinde gewählt wurde. Herr Dr. Samuel wird spätestens am 1. April sein Amt antreten. Von dem Zeitpunkte an wird Herr Prediger Blumenfeld, welcher nahezu 52 Jahre segensreich in hiesiger Gemeinde wirkt, seine öffentliche Berufsthätigkeit aufgeben und seine freie Zeit nur noch den Vorstandsarbeiten der Lehrer- Wittwen- und Waisenkasse widmen, um mehr seiner Gesundheit leben zu können, welche im letzten Jahre leider oft zu wünschen übrig ließ. Möge er die wohlverdiente Ruhe noch recht viele Jahre im Kreise seiner Familie und Gemeinde genießen, und zwar wieder in jener Rüstigkeit, die wir in den letzten Jahren noch so oft an ihm bewundert haben. Durch die Besetzung der hiesigen Predigerstelle mit einem Rabbiner ist die Zahl der Rabbinatssttze in der Rheinprovinz von acht auf neun gestiegen. Es sind dies: Trier, Koblenz, Bonn, Aachen, Köln, Krefeld, Elberfeld, Düsseldorf und Essen. -gjk- Frankfurt a. M., 25. Febr. Der Freisinnige Verein für jüdisches Gemeindeleben hat ein Programm entworfen, welches also lautet: Getreu dem im § 1 seines Statuts ausgesprochenen Zwecke, „die freisinnigen Elemente innerhalb der jüdischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. zu vereinigen, das Interesse für Gemeindeangelegenheiten zu beleben, Rückschritte zu verhindern und zeitgemäße Fortschritte anzubahnen", erstrebt der Verein im Allgemeinen: Zeitgemäße Fortentwickelung des Judenthums; Befreiung desselben aus den Fesseln starren Buchstabenglaubens und unfruchtbaren Formendienstes; Anpassung der nothwendigen Formen an Geist und Sitte der Jetztzeit; Erhaltung seines Wesens bei Beseitigung nnnütz trennender Aeußerlichkeiten; stärkere Betonung des geistigen und sittlichen Gehalts des Judenthums und hierdurch innere Kräftigung desselben gegenüber feindseligen Zeitströmungen. Im Besonderen: 1 Weiterentwicklung des Gottesdienstes nach freisinnigen Grundsätzen, namentlich in einer der heutigen Zeit und dem heutigen sittlichen Bewußtsein entsprechenden Form und in einer auch den Frauen und der Jugend verständlichen Sprache; Beschränkung der hebräischen Sprache auf das Maß pietätvoller Erinnerung und Pflege. 2. Umgestaltung veralteter Einrichtungen — jedoch unter Vermeidung eines jeden Gewissenszwanges — in den der Gemeinde unterstehenden Anstalten, namentlich des Beerdigungswesens; Abschaffung aller den heutigen Verhältnissen widersprechenden Gebräuche. 3. Belebung des Interesses für jüdisches Wissen iw Sinne freier Forschung. 4. Schaffung und Erhaltung eines freisinnigen Religionsunterrichts. 5 Leitung der Gemeinde im Sinne des religiösen Fortschritts ohne Verletzung berechtigter Ansprüche der Andersdenkenden. 6. Zeitgemäße Umgestaltung der Gemeinde- Verfassung, namentlich Verlegung des Schwerpunktes der Verwaltung in einen von allen Gemeindemitgliedern ohne Mitwirkung der Staatsbehörde selbstständig zu wählenden Ausschuß; Wahl des Vorstandes durch den Ausschuß. Oesterreich - Ungarn» □ Wien, 27. Februar. In der abgelaufenen Woche wurde der niederösterr. Landtag geschlossen, nachdem die Skandale, welche die Antisemiten provozirt, ihren Höhepunkt erreicht halten. Es war in einer der letzten Sitzungen dahin gekommen, daß der Statthalter, Graf Kielmannsegg, erklärte, er könne unter diesem wüsten Toben unmöglich ein Wort sprechen. Und in dieser Weise ging's durch die ganze Session; jetzt athmet man erleichtert auf. So lange der niederösterreichische Landtag getagt hat, herrschte in Wien eine Art moralischen Ausnahmezustandes. Die höchsten Gewalten im Staate, die Humanitären Institutionen, öffentliche. Verkehrsunternehmungen, finanzielle Institute, Personen, die im öffentlichen Leben stehen, und Privatpersonen waren in ihren Bestrebungen, in ihrer Thätigkeit, in ihrem öffentlichen Walten und in ihrer privaten Ehre bedroht, so lange die Landesvertretung tagte. Der Vorhang ist über die wilden Szenen gefallen, aber es bleibt die Erinnerung zurück an das schmachvolle Vorgehen jener Partei, welche in unserem öffentlichen Leben die Rolle des Sittenrichters spielt. In den meisten Versammlungen der fortschrittlichen Vereine Wiens wurde einstimmig das tiefste Bedauern ausgesprochen über die skandalösen Vorgänge, die das Ansehen des Landtages so tief herabwürdigen. So sagte Professor Sueß in der Versammlung des „Donauklub", des hervorragendsten politischen Vereins des zweiten Bezirks, u. A.: „Ich zähle die letzte Session des niederösterreichischen Landtages zu den peinlichsten Erinnerungen meines öffentlichen Lebens." — Im israelitischen Tempel in der Seitenstättengasse feierte der Polizeikommissär Moriz Stukart seine Vermählung mit Fräulein Gabriele Straßer, der Schwester des Herrn Alfred Straßer. Dem feierlichen Akte, den Oberrabbiner Dr. Güdemann vollzog, wohnten bei: der türkische Botschafter Zia Pascha, der belgische Gesandte Borchgrave, der serbische Legationssekretär Misu, Graf Franz Bubna, zahlreiche Amtskollegen des "Bräutigams. — Dr. Ludwig Eisenberg, der bekannte Herausgeber des Künstler- und Schriftsteller-Lexikons „Das geistige Wien", wurde vom Kaiser „in Anerkennung seiner ununterbrochenen Thätigkeit auf lexikographischem Gebiete" mit der österreichischen goldenen Medaille „Viribus unitis“ (für Kunst und Wissenschaft) ausgezeichnet. — Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Czernowitz, Na ftali Tittinger, wurde zum Mitgliede des Landesschulrathes für die Bukowina ernannt. — Dem ungarischen Staatsangehörigen Arthur Altschul in Budapest wurde die Annahme des ihm verliehenen Postens eines Konsuls von Schweden und Norwegen bewilligt. — Der Textindustrielle Friedrich Redlich, einer der bedeutendsten Vertreter der Branche, Chef der seit 1856 in Brünn etablirten Firma, ist in Brünn im 65. Lebensjahre verschieden. Er war einer? der Ersten, welcher in unserem Vaterlande die Erzeugung von Kammgarn-Modestoffen für Herrenkonfektion in seinen Betrieb aufnahm, und zwar so erfolgreich, daß er mit seinen Fabrikaten die französische Konkurrenz in Oesterreich schlug. X Prag, 20. Februar. Die vor einigen Wochen vom Vorstände und den Vertrauensmännern der Israelitischen Tempelgemeinde einstimmig beschlossene definitive Anstellung des Herrn Dr. Armand Kaminka zum Gemeinde-Rabbiner und Prediger am Tempel wurde von der heutigen, sehr zahlreich besuchten General-Versammlung durch Akklamation endgiltig bestätigt. g. Budapest, 25. Februar. Heute wurde Dr. Heinrich Pollak im Alter von zweiundsiebzig Jahren zu Grabe getragen. Derselbe besaß ein ausgebreitetes Wissen und gehörte zu denjenigen Aerzten, welche wie Moritz Rapoport, Gideon Brecher, Phöbus Philippson und mehrere Andere in der Kulturgeschichte der Juden und der Entwickelungsgeschichte des Judenthums einen ehrenvollen Platz einnehmen. Er war einer der Ersten, welcher die Magyarisirung seiner Glaubensgenossen mit Eifer betrieb und dem zu diesem Zweck ins Leben gerufenen „Ungarisch-jüdischen Vereine" als Vorstandsmitglied angehörte. Er war Mitglied des Vorstandes der einige Jahre hier bestandenen Reformgemeinde und vertrauter Freund des Dr. David Einhorn, der als Prediger bei derselben fungirte. An dem Zustandekommen des „Ungarisch-jüdischen Kongresses", der „Ungarischen Landes-Rabbinerschule" und des „Ungarisch-israelitischen Landes- Stipendiums-Vereins", dessen Präsident er mehrere Jahre bis zu seinem Tode war, nahm er thätigen Amheil. Heinrich Pollak war auch einer der ältesten Mitarbeiter dieser Zeitung, mit deren Begründer er Jahrzehnte in lebhaftem Briefwechsel stand, und zweiundfünfzig Jahre regelmäßiger Abonnent derselben. — Die hiesige Landes-Rabbinerschule hat dieser Tage wieder neue Hörer nach vorhergegangener Prüfung als Rabbiner entlassen. Von den Entlassenen wurde Dr. Simon Händler zum Rabbiner in Kaschau, Dr. Franz Löwy zum Rabbiner in Nagy- Atüd, Dr. Emanuel Lenke zum Rabbiner in Ung.-Ostrau, Dr. Max

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