Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1894)
- Date
- 1894-03-02
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 Korrespondenz dahin, daß Herr Gymnasial-Oberlehrer Dr. Horowitz, erster, Herr Dr. Rosenberg zweiter Vorsitzender ist. Herr Dr. Rosenberg lehnte den ersten Vorsitz ab, damit es nicht den Anschein habe, daß der Verein religiöse Tendenzen anstrebe. * Posen, 27. Februar. Zu dem Berichte unseres Korrespondenten vom 5. Februar über eine Strafkammerverhandlung betr. einen Vorfall in der Synagoge zu Pudewitz sendet uns der Vorstand der jüdischen Korporation Pudewitz folgende Darstellung, die allerdings den Thatbestand ganz anders und viel harmloser erscheinen läßt: „Rotholz hat weder so laut gelacht, noch so laut gesprochen, noch aus Unsinn genießt, daß eine Störung des Gottesdienstes am Versöhnungsfeste, wie die Denunziation behauptete, bemerkt worden ist. Er hat nur seinem jT: Nachbar eine Prise gereicht. Am nächsten Wochentage ist derselbe ent- | gegen der Denunziation weder auf den Vorbeterplatz gesprungen, noch hat derselbe aus der Thora vorgelesen, wozu er überhaupt nicht befähigt ist. Die Bemerkung der Zeugen bezog sich lediglich darauf, daß es an Wochentagen nicht auffällig ist, wenn bei den wenig besuchten Gottesdiensten nicht der angestellte Kantor, sondern irgend ein anwesendes Mitglied vorbetet. Rotholz ist deshalb von einem später hinzukommenden Vorstandsmitgliede vom Vorbeterplatze gewiesen worden, weil er vor der festgesetzten Zeit den Gottesdienst begonnen hatte." Der ganze Vorgang ist also stark aufgebauscht, ja sogar entstellt worden, wie es scheint, von judenfeindlicher Seite. Und wir bedauern lebhaft, daß unser Korrespondent dieser Mystifikation zum Opfer gefallen ist. V. Breslau, 20. Februar. Im hiesigen „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" hielt am 5. d. Mts. Herr Rabbiner Dr. B, Königsberger einen intereffanten Vortrag über das Thema: „Einiges aus dem Ideenkreise der Hebräer". Derselbe behandelte, nachdem der Vorsitzende des Vereins, Herr Geh. Rath Dr. Wollner, die Versammlung eröffnet hatte, die den deutschen Begriffen „Ehre", „Lob- | preisung" und „Verdienst" entsprechenden hebräischen termini nbiUD I und 71127 und stellte ihre im Laufe der Zeit und Geschichte verloren l:- gegangene eigentliche Bedeutung in philologischer Erörterung wieder fest, f „Ehre", so führte der Vortragende etwa, am Schluß seines Vortrages | rekapitulirend, aus, bedeute nach dem hebräischen Stamme Hingebung t und Verständniß für die menschliche Erziehung als Modus der Pflichtf erfüllung gegen unsere Nebenmenschen, „Lobpreisung" bezeichne im He- | bräischen eigentlich diejenige Gottesverehrung als die höchste und zu erf strebende, die auf richtiger Erkenntniß und dem vollen Begreifen des | Wesens Gottes beruht, und in dem dritten Begriff, den man zumeist § durch „Verdienst (der Ahnen)" umschreibe, eine Verkündigung der Verf erbungstheorie menschlicher Veredelung, der auch das Dichterwort Aus- | druck gebe: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um I es zu besitzen." Lauter Beifall lohnte den Redner für seine gediegenen I Ausführungen. — Der „Verein zur Unterstützung hilfsbedürff tiger israelitischer Geschäftsleute" hielt am Sonnabend, den 110. Februar, Abends 8 Uhr im Saale des Hotels „Zum weißen Storch" auf der Wallstraße seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab, welche vom Vorsitzenden des Vereins, Herrn Rechtsanwalt Kohn, eröffnet wurde. Derselbe berichtete über die Thätigkeit des Vereins im verflossenen Jahre und konstatirte mit Genugthuung, daß es Dank der Opserwilligkeit der Mitglieder gelungen sei, wieder eine Anzahl von Hilfsbedürftigen zu unterstützen. Er spricht dafür allen den wärmsten | Dank aus und bittet, in diesem Jahre wieder dieselbe Regsamkeit im § Interesse des Vereins an den Tag zu legen. Die Einnahmen für das f Jahr 1893 betrugen 4965.25 M., die Ausgaben 4295.15 M., sodaß ein 4. Ueberschuß von 679,10 M. verbleibt. Das Vereinsvermögen beläuft sich H auf 3091.93 M. Dem Rendanten, Herrn Kalischer, wird durch Erheben E von den Plätzen Decharge ertheilt. Es erfolgte hierauf die Neuwahl der i statutenmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder, des Rechtsanwalts H Kohn und der Kaufleute Kalischer und Lomnitz. Dieselben wurden. J. einstimmig wieder gew ählt. Als Revisoren werden die Herren P er- U g am ent und Jahn gewählt. Von den Krankenpflegern wurde berichtet, 1 daß dieselben im Laufe des Vereinsjahres 30 Krankenbesuche gemacht und . SS 10 Nachtwachen abgehalten haben. Zur Unterstützung Nothleidender wird | der Verein auch in diesem Jahre ein Fest arrangiren, bei welchem hervor- E ragende Künstler Mitwirken werden. — Vorgestern, Nachmittags 4 Uhr,, K fand unter Leitung des seitens des Wahlkommissarius, Polizeipräsidenten , Dr. Bienko, beauftragten Polizeiraths Kiewitz die E rg ä nzun g sw a hl d es; Vorstandes der Synagogen-Gemeinde durch die Repräsentanten- Versammlung statt. Von den 15 Mitgliedern der Letzteren waren 12 erschienen. Es wurden gewählt: a) zu Vorstandsmitgliedern die Herren: 1. 'Stadtrath Fedor Kriegsheim, 2. Kommerzienrath Werther, 3. Kaufmann M. W. Heimann, 4. Geh. Sanitätsrath Dr. Wollner — auf die Dauer von sechs Jahren, 5. Amtsgerichtsrath Wollstein — auf drei Jahre; b) Zu Stellvertretern die Herren: 1. Kaufmann Eduard Sachs, 2. Rentier Louis Burgfeld - auf die Dauer von sechs Jahren, 3. Kaufmann David Mugdan — auf drei Jahre. Die Wahl sämmtlicher Herren erfolgte mit Stimmeneinheit. — Am jüngsten Sonntag feierte der Verein „Ahabath Achim" („Brüder und Freunde") sein Stiftungsfest. Die „Freunde" bestehen seit 9 Jahren und sind seit 5 Jahren mit den nunmehr 60 Jahre bestehenden „Brüdern" zu dem genannten Verein vereinigt, dessen Haupttendenz die Uebung wohlthätiger Werke ist. Das Fest wurde im großen Saale des Kaffee-Restaurant (Karlsstraße) abgehalten und Punkt 8 Uhr vom Vorsitzenden Cohn eröffnet. Mehr als 150 Festtheilnehmer, Damen und Herren, waren zugegen. Herr Rabbiner Dr. Rosenthal, welcher von Herrn Asch mit den Worten das 8. Verses des 122. Psalms begrüßt wurde, knüpfte an diesen Vers an und lobte das Zusammengehen beider Vereine nach dem angedeuteten Motto: „Um meiner Brüder und Freunde willen, will ich nur von Frieden reden in dir!" Der verehrte Redner knüpfte seine ansprechende Rede an die talmudische Erzählung an, nach welcher ein jüdischer Weiser von einem Fremden aufgefordert wurde, Thonscherben wieder zu einem Ganzen zu vereinigen, und dies zu thun versprach unter der Bedingung, daß ihm der Bittsteller Sand zum Bindefaden umwandle. Beide nunmehr verbundenen Vereine hätten ja eine Tendenz gehabt. Er begrüße nicht nur die Brüder und Freunde, sondern auch die' gleichgesinnten Schwestern und Freundinnen. Auch die Gäste und Begründer des Vereins wurden gefeiert; von den beiden allerersten Vorsitzenden des Vereins liefen Glückwunschtelegramme ein. Tafelmusik und ein schönes Tafellied trugen zur Verschönerung des Festes bei. M. Hamburg, 20. Februar. Unter den vielen Wohlthätigkeitsvereinen, welche in unserer Stadt eine so segensreiche Thätigkeit entfalten, nimmt der „Israelitische Feuerungsverein von 1855" eine hervorragende Stelle ein. Derselbe zählt jetzt etwa 1000 Mitglieder und gehört somit zu den größten Vereinen Hamburgs. Der soeben veröffentlichte Jahresbericht, welchen wir der Güte des Vorstandes verdanken, giebt ein anschauliches Bild des segensreichen Wirkens des Vereins. Infolge des harten Winters 1892/93 sah sich der Verein im Jahre 1893 genöthigt, eine Extraverloosung von 110 Portionen zu 4 Doppelhektoliter zu veranstalten; die regelmäßige Verloosung betrug 300 Portionen ä 6% Doppelhektolite?, so daß im Ganzen im verflossenen Jahre über 400 Familien durch den Verein mit Feuerung versorgt wurden. Die Ausgaben hierfür betrugen über 6000 Mark, ein um so glänzenderes Resultat, wenn man bedenkt, daß der Verein auch im Jahre 1892 eine Extraverloosung veranstaltete. Daß das segensvolle Wirken des Vereins auch von unserer christlichen Bevölkerung anerkannt wird, beweist wohl am besten der Umstand, daßgelegentlich der in der vorigen Woche stattgehabten Generalversammlung des Vereins die hiesigen Zeitungen „Fremdenblatt" und „Correspondent", von denen die letztere die angesehenste hiesige Zeitung ist und selbst in unseren Regierungskreisen gelesen wird, ausführliche Berichte über dieselbe brachten. Ueberhaupt muß es besonders hervorgehoben werden, daß unsere Zeitungen, insbesondere die beiden angeführten, sehr oft ausführliche Berichte über speziell jüdische Sachen bringen. — Von dem Verein sei noch erwähnt, daß derselbe ein Vermögen von über 28,000 Mark besitzt, gewiß ein schönes Resultat. Der Verein ist in erster Linie darauf bedacht, nur verschämte Arme zu berücksichtigen, und ist ein wahrer Wohlthätigkeitsverein. Der jährliche Beitrag beträgt, ohne der Wohlthätigkeit Schranken zu setzen, 4 Mark. Präses des Vereins ist Herr Wilh. Lion, Pickhuben 4. Mögen die im Auslande resp. auswärts lebenden Hamburger sich zuweilen des Vereins erinnern und denselben durch Mitgliedschaft oder Legate unterstützen. Bonn, 25. Februar. Die hiesige Synagogengemeinde feierte am vorigen Samstag ein schönes und seltenes Fest. Dasselbe galt dem Amtsjubiläum des Herrn Banquier Robert Goldfchmidt, welcher seit fünfundzwanzig Jahren dem Gemeindevorstande angehört und an dessen Spitze seit nahezu vierundzwanzig Jahren steht. Schon lange vor dem