Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1894)
- Date
- 1894-03-02
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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ß erlin, 2. Mär; 1894. sr"<p'%ar*‘tm?» 58. Jahrgang. Ar. 9. HSeikage zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHums^ Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 6. Berlin, 27. Februar. In der am 25. v. Mts. stattgehabten Sitzung der Repräsentanten brachte bei Eröffnung der Verhandlungen der Vorsitzende, Herr Hermann Landsberger, ein Schreiben zur Verlesung, das der „Central-Verein zur Wahrung jüdischer Interessen" an den Vorstand gerichtet. In diesem Schreiben übermittelt der Vorstand des betreffenden Vereins eine in öffentlicher Versammlung gefaßte Resolution, welche das Verhalten derjenigen Repräsentanten mißbilligt, die für die Aufnahme des zur Ausbildung jüdischer Handwerkslehrlinge ausgesetzten Legats des Medicinalraths Cohn ihr Votum abgegeben, da der Verein in der an das Legat geknüpften Bedingung der Sonnabend- Arbeit der Lehrlinge „eine Verletzung der jüdischen Religion und eine Schädigung des Ansehens der Gemeinde nach außen" erblickt. Infolge eines von R.-A. Tiktin gestellten Antrages, „den Brief wegen der darin zum Ausdruck gebrachten Kritik zurückzusenden", entspinnt sich eine sehr lebhafte Debatte, in welcher die Herren Louis und Leonhard Sachs, M. Heilmann, M. Simon und S. Leichtentritt sehr energisch für das Recht der Gemeindemitglieder, Kritik zu üben, eintreten. Das Gleiche thun die Herren Sanitätsrath Blumenthal und I. Oppenheim, die außerdem erklären, Mitglieder des beregten Vereins zu sein und als solche auch jener Versammlung beigewohnt zu haben. Nachdem der Antragsteller betont, daß er, weit davon entfernt. Jemandem das Recht des Kritistrens abzusprechen, nur gegen die Form, in welcher dies im vorliegenden Falle geschehen sei, habe Verwahrung einlegen wollen, wird die Angelegenheit damit erledigt, daß die Versammlung „das Schreiben zur Kenntniß nimmt." Es folgt die zweite Lesung des revidirten Gemeindestatuts. Es werden nur wenige Abänderungen beantragt. Hervorzuheben ist die Aenderung, nach welcher die Verpflichtung der Repräsentanten, die bisher durch einen Beamten der Aufsichtsbehörde vollzogen wurde, künftig durch den Vorsitzenden des Vorstandes stattfinden soll. Damit ist die zweite Lesung beendet und en bloc wird einstimmig das gesammte Statut angenommen, das aber, um ins Leben zu treten, noch der Genehmigung des Polizeipräsidenten bedarf. Als Referent der gemischten Kommission für das aus der Moritz Mannheimerschen Schenkung zu errichtende Siechenhaus berichtet alsdann Herr Louis Sachs, daß die Anstalt auf dem Grundstück Oranienburgerstr. 31 erbaut werden soll. Das bisherige Siechenhaus geht in den Besitz des Krankenhauses über. Bezüglich des Namens der Anstalt, der bekanntlich auf Wunsch des Mannheimerschen Ehepaares nicht „Siechenhaus" heißen soll, sind bestimmte Beschlüsse noch nicht gefaßt. Die Berathung der Statuten für das neue Siechenhaus wird vertagt. Mit der Bewilligung von 746 Mark für sechs Kandelaber für die Kapelle auf dem Friedhofe Schönhauser Allee und von 625 Mark zur Anschaffung von Kontrol- und Nummernschildern für die in Gemeindepflege befindlichen Grabstellen und für'die Erbbegräbnisse, ist die öffentliche Sitzung beendet. Vor Schluß derselben richtet Herr Landsberger Worte lebhaften Dankes und der Anerkennung an Herrn Justizrath Meyer, dessen umfassende Thätigteit es in erster Reihe zu Wege gebracht hat, daß die Versammlung heute am Schlüsse eines so wichtigen Werkes, wie die Revifion des Gemeindestatuts es sei, stehen könne. Die Versammlung erhebt sich zum Zeichen des Dankes von ihren Plätzen, eine Ehrung, auf welche Herr Justizrath Meyer mit Worten der Genugthuung über das in dieser Frage aufs Neue bethätigte harmonische Zusammenarbeiten des Vorstandes und der Repräsentanten und dem Ausdruck der Hoffnung erwiedert, daß dieses Verhältniß auch in der Zukunft zur Freude aller Mitarbeiter und zum Segen der Gemeinde andauern möge, einem Wunsche, dem sich gewiß die ganze Gemeinde aus vollem Herzen anschließt. L2 Berlin, 28. Februar. Im „Verein für jüdische Geschichte untz Litteratur" wird am Montag, den 5. März, Abends 8V2 Uhr, Herr Rechtsanwalt Dr Edmund Friedemann den fünften der öffentlichen Vorträge über das Thema: „Aus dem Emanzipationskampf der Juden im Anfang des Jahrhunderts" halten. Der Vortrag findet wieder in der Aula des Friedrich-Werderschen Gymnasiums, Dorotheenstraße 13, statt. Der Zutritt steht Jedermann — Herren und Damen — frei. Berlin, 28. Februar. Zu unserer sFreude konnten wir vor einigen Monaten berichten, daß sich hier zum Zwecke eines regelmäßigen Gottesdienstes der Religionsverein „Westen" gebildet hat. Dieser Verein hat in geeigneten Räumen Joachimsthalerstr. 3 (am Bahnhof Zoolog Garten) die für den ausgedehnten Westen so nothwendige Andachtsstätte endlich geschaffen. Die neue Einrichtung hat einem großen Bedürfnisse abgeholfen, denn noch immer fehlt in diesem Stadttheile eine Gemeinde-Synagoge, deren nächste eine Stunde entfernt liegt. Der Gottesdienst am Freitag Abend und am Sonnabend ist gut besucht und die Theilnahme an demselben wird immer reger. Es ist zu wünschen, daß dieser Verein, welcher sich unter schwierigen Verhältnissen aus kleinen Anfängen entwickelt, die Unterstützung auch weiterer Kreise findet. Denn die Zahl der Mitglieder ist noch eine kleine, die Einnahmen des Vereins sind naturgemäß geringe und die Lasten Einzelner dadurch um so größer. Zu großem Danke ist deshalb der Religions-Verein „Westen" seinem Mitgliede Herrn I. Robinsohn verpflichtet, welcher früher 25 Jahre als Vorbeter in Schwetz fungirte. Derselbe steht nicht allein in uneigennütziger und bester Weise dem musterhaften Gottesdienste vor, er hat auch dem Vereine sein bis zur Anschaffung eines eigenen hergegeben. Trotz dieser wesentlichen Hilfe ist der Verein leider nicht in der Lage, die Räume würdig auszustatten und die nothwendigen Gegenstände anzuschaffen, wie eine ausgerüstete Sefer Thora, heilige Lade und Schulchan. An die verehrten Glaubensgenossen ergeht darum die Bitte, durch Spenden die würdige Ausgestaltung der Andachtsstätte zu ermöglichen und dadurch in frommer Weise ein gutes Werk zu fördern. Spenden sind zu richten an den Vorsteher Herrn S. Mugdan, W. 62, Augsburgerstr. 47, welcher s. Zt. die Namen der Spender in diesem Blatte veröffentlichen wird. Möge diese Bitte freundliche Aufnahme finden! * Berlin, 25. Februar. Das Komitee für Chanukah-Bescheerung sendet uns folgenden Rechenschaftsbericht: Die Hochherzigkeit von 1345 Gebern hat es uns in diesem Jahre auch wieder ermöglicht, die bedürftigen Kinder der Kommunalschulen zu Chanukah ausreichend mit Kleidungsstücken und Lehrmitteln zu versehen. Außer einer großen Menge von Bekleidungsstoffen, fertigen Sachen, Büchern re. ist uns die ansehnliche Summe von 15,759.40 Mk. zugegangen. Die Zahl der an uns herangetretenen Gesuche hat die Höhe von 514 mit 1010 Kindern erreicht, von denen 985 Kinder berücksichtigt worden find, während 25 als nicht bedürftig oder nicht würdig abgewiesen werden mußten. Wie die Herren Revisoren I. E. Jsaae und Moritz Manheimer nach Prüfung der Abrechnung und Beläge festzustellen die Güte hatten, sind ins gesammt baar eingegangen wie oben 15,759.40 Mk., dagegen verausgabt 14,527.74 Mk, so daß ein Kassenbestand verblieb von 1,231.66 Mk. Hiervon sind für Ausgaben pro 1894 reservirt 631.66 Mk., und der Ueberschuß von 600 Mk. dem Reservefonds überwiesen worden. K. Thorrr, 12. Februar. In dem neugegründeten Litteratur- und Kulturverein hielt am Sonntag den 7. Januar Herr Rabbiner Dr. Rosenberg den ersten Vortrag über „Die jüdischen Aerzte im Mittelalter". Heute sprach Herr Rechtsanwalt Dr. Stein über: „Gabriel Rießer". Beide Vorträge wurden von der sehr zahlreichen Versammlung mit dem lebhaftesten Interesse entgegengenommen und reicher Beifall lohnte den Rednern. Am Sonntag den 21. Januar stand das Thema: „Sind die Juden ein auserwähltes Volk und haben sie ein Recht, sich dafür zu halten?" zur Debatte, bei der sich eine lebhafte Diskussion entwickelte. Der Vorfitzende des Vereins gab dann noch zur Kenntniß, daß die Lesezimmer drei Mal in der Woche je 2 bis 3 Stunden geöffnet und auch die Bibliothek in kürzester Zeit den Mitgliedern zugänglich sein wird. Berichtigen wollen wir noch unsere letzte Ul ■