Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1894)
- Date
- 1894-02-23
- Page
- Seite 92 (sequence 8)
- Language
- German
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92 er die Unklngheit begangen hatte, bei seinem Aufenthalte in Mekka ein Klagelied auf die Gefallenen von Reckr vorzutragen, hieß Mu-. hammed auf ihn nach der Rückkehr fahnden. Der eigene Milchbruder Ka‘b’§ und ein anderer Ausit verübten die schändliche That. Natiirlich Verherrlichung durch den Hofdichter, schlimme Befürchtungen bei den Juden. Ein anderes Mal, wahrscheinlich um diese Zeit, wandte Muhammed das alte, schon früher beschriebene Rezept an;, er ließ erkennen, daß ihm ein gewisser Abu Rafi' in Chaibar lästig sei; sofort machen sich fünf Mordgesellen, mit dem Segen des Pro-' pheten ausgerüstet, auf, dringen zur Nachtzeit in die Burg des Juden ein, vorgeblich um Getreide zu kaufen, und stechen im Dunkeln den alten Mann nieder. Wann Muhammed den Hauptschlag gegen den jüdischen Stamm, der Renn Nadir ausführte, ist nicht ganz sicher: sehr wahrscheinlich ist es aber, daß diese Reim Nadir ihm dazu dienen mußten, Stimmung zu machen. Gegen Ende des Jahres 3 d. Fl., gerade zwölf Monate nach der Vertreibung der Renn Kainuka“, fand die unglückliche Schlacht bei Uhud statt, wo die Gläubigen von den Ruraiscbiten eine gründliche Schlappe bekamen, die sehr verhängnißvoll hätte werden können, wenn die Letzteren ihren Sieg benutzt hätten und gegen Medina marschirt wären. Ungefähr in gleicher Zeit war eine Missionskarawane von ausgesuchten Kämpen des Islams von heid-inische» Stämmen überfallen und aufgerieben worden. Die Stim-' mung war recht gedrückt in Medina. Wohl in dieser Zeit kam Muhammed auf den Gedanken, wieder durch einen Judenfeldzug billigen Ruhm und kostbare Beute zu erwerben. Er wählte sich als . Opfer die Renu Nadir, den angesehensten jüdischen Stamm bei Medina — sie saßen im Süden der Stadt in einem befestigten Vorort —, Nachstellungen, welche sie angeblich gegen das Leben des Propheten beabsichtigt hätten, wurden als Grund des Krieges vorgeschoben. Im 3. Monat des Jahres 4 d. Fl. brach er mit seinen Flnchtgenossen gegen sie auf. Die Medinenser Muslims hatten, weil die Nadir im Schutzverbande zu den Renu Aus standen, keine Hilfstruppen gestellt, vielmehr einzelne von ihnen den Juden zu verstehen gegeben, sie würden nicht dulden, daß man sie angriffe, im Falle es aber doch geschehe, ihnen Hilfe leisten, ja sogar, wenn der Spruch der Verbannung über sie gefällt werde, mit ihnen fortziehen. Dem Propheten machte das Gerede nicht bange, der kannte seine Leute. Er hatte Recht, unbesorgt zu sein. Die Juden, die sich verschanzt und gut verproviantirt hatten, erwarteten bestimmt Hilfe. Aber weder bei ihren islamischen Schutzfreunden, noch auch bei ihren Glaubensgenossen, dem im Süd-Osten der Stadt ebenfalls in einem befestigten Vororte wohnenden Stamm der Renu Xuraira, rührte sich eine Hand. Selbst daun nicht, als Muhammed einen in dem pflanzenarmen Arabien unerhörten, ganz nutzlosen Baumfrevel beging, indem er einen Theil ihrer reichen Palmenkulturen niederhauen ließ, bei der Schwierigkeit der fast überall in Arabien von Juden betriebenen Dattelbaumzucht ein Akt unerhörter Barbarei und ein Verstoß gegen alles semitische Völkerrecht, den er sich übrigens später noch im Koran durch eine besondere Offenbarung sanktioniren ließ. Da keine Hilfe kam, kapitulirten die Juden; mit Frau und Kind und der beweglichen Habe zogen sie, nachdem sie noch selber ihre Hauser zerstört hatten, ab, gen Chaibar, wo einige blieben, während andere nach dem schon genannten Adri'at weiterzogen, um die bereits angesiedelte Gemeinde zu vergrößern. In dem erbeuteten Quartiere fand man eine Anzahl guter Waffen, besonders wichtig war aber für Muhammed der bedeutende Landbesitz der Vertriebenen, es war fruchtbarer Boden, mit Kornfeldern und Dattelpflanzungen besetzt. Die Ländereien wurden unter die Fluchtgenosien Muhammeds vertheilt welche dadurch in eine beflere wirthschaftliche Lage kamen. Es vergehen fast zwei Jahre ohne besonders wichtige Ereigniffe. Man sammelt sich; Muhammed fühlte sich wohl nicht stark genug, die Scharte von Uhud auszuwetzen; die Mekkaner hatten die Gelegenheit verpaßt; allein Medina mit Erfolg zu belagern, dazu fehlte ihnen die Kraft. Zündstoff war allenthaben genug gegen Muhammed aufgehäuft; wer von den beiden besten Haffern, den Mekkanern einerseits, deren Karawanen beständig von den Muslims belästigt wurden, von den getretenen, herausgeworfenen, geschmähten Juden andererseits, zuerst auf die Idee kam, eine große Koalition gegen den Propheten und seine Schaar zu bilden, bleibe hier dahingestellt. Gewiß war der Mann, der in Mekka an der Spitze stand, der Vater des ersten Umaijaden-Chalifen Muawija, der Abu Sufjan, weitblickend genug, um die Vortheile eines Zusammengehens aller Feinde der neuen Religion zu erkennen; wiederum konnten die Juden außerhalb Medinas, viel zu schwach, um selbst etwas aussühren zu können, das Rachegelüst nur befriedigen, wenn es ihnen gelang/ alle Elemente, bei denen der Prophet irgend etwas auf dem Kerbholz hatte, zusammenzubringeu, damit die vereinigte Macht einen kräftigen, vernichtenden Schlag gegen ihn führe. Nach den arabischen Geschichtsschreibern trugen einzig und allein die Juden durch ihre Anreizungen die Schuld an dem Zustandekommen des gewaltigen Unternehmens. Man begegnete sich, zwei große Araberstämme wurden gewonnen, das Koalitionsheer rückte in einer Stärke von ca. 10,000 Mann gegen Medina an. Den Verlauf des Kampfes zu verfolgen, ist hier ohne Jntereffe. Die Hauptlist der Muslims war ein höchst einfaches Strategen«: es wurde ein Graben um die Stadt gezogen, und dieser kluge Einfall nebst höchst ungünstiger Witterung und der Schwierigkeit, so viele Menschen genügend zu ernähren, zwang die Verbündeten, nach vierzehn Tagen, nach anderen Berichten nach einem Monat, wieder abzuziehen. Resultat: ein paar Todte und Verwundete auf beiden Seiten. Der „Grabenkrieg" — so wird diese Episode nach dem bewußten Graben genannt — sollte ein schauerliches, blutiges Nachspiel haben, besten Ende durch die Leichen von über 600 jüdischen Männern bezeichnet wird. (Schluß folgt.) MUMMM w!..- w ( 1 FEUILLETON 1 3 m — ü 1—1 f '' ' ' ' 'Ar* ' —1 MnüLMiuW Me Jüdin. Erzählung von John P a u l s e n. (Fortsetzung.) #ier soll ich also wohnen," dachte sie „und hier soll ich an seiner Seite alt und grau werden. An diesen schönen, friedlichen Fleck Erde ist meine Zukunft gebunden ..und sie flüsterte leise das Wort von Paul Heyse: „Die Welt ist überall ein Nest, Doch jedes Nest kann eine Welt dir werden." Ja, hier war ihre Welt... Sie hatte den Hafen erreicht. „Steh nun nicht länger am offenen Fenster und erkälte Dich, mein Liebling, sagte" plötzlich Holgers Stimme aus dem Garten herauf. Sie bückte sich aus dem Fenster, konnte ihn aber nicht sehen. Sie sah nur aus der Laube unter den Fenster dem rothen Schein einer brennenden Cigarre durch das Laub schimmern.