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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-02-23 · Heft 8 (23.2.1894) · p. Seite 90

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 8 (23.2.1894)
Date
1894-02-23
Page
Seite 90 (sequence 6)
Language
German
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m *» WV ‘^^*w^v'f»P'swa«j?w^ ras^*<!»3*wEf>jf^rraw(^1?ir.,.,^-rebx^ der jüdischen Geschichte einen Bruch mit den Juden herbeizuführen. Es ist richtig, daß das nunmehrige Verhalten gegen die Ka'ba in Widerspruch steht mit der sonstigen Praxis in Bezug auf Götzentempel (ein solcher war ja die Ka'ba damals), es bedurfte also einer eindrucksvollen Erzählung, um sich zu rechtfertigen, aber ex silentio non concluditur, und aus dem früheren Schweigen ist nicht nothwendig zu schließen, daß Muhammed die Lokalsage — und als solche werden wir sicher die Erbauung der Ka'ba durch Ibrahim ansehen dürfen — nicht gekannt habe. Etwas Anderes ist die Frage, warum er diese erst jetzt hervorsucht. Daß er es gethan, um die Juden zu reizen, ist höchst unwahrscheinlich; daß er durch sie den Ka'bakult rechtfertigen wollte, ist sicher. Daß er den Ka'bakult einführte, dafür werden wir die Ursachen in sehr materiellen Erwägungen zu suchen haben. In seiner Vaterstadt hatte der Prophet nur die häßliche Seite dieses Kultes gesehen; von ihr angewidert, hatte er diesem selbst gar keine Beachtung geschenkt. Wie uns Allen die Bedeutung einer Sache erst durch Vergleichung mit anderen ins rechte Licht gerückt wird, so gewann der Prophet die Schätzung des Ka'bakultes erst in der fremden Stadt: hier in Medina, mußte er sich sagen, bin ich zwar ein großer Mann; aber — um mich kaufmännisch auszudrttcken — das ist kein Platz für's Geschäft, als Mittelpunkt eines bereits bestehenden Kultus und eines mit diesem Kultus durch die damit verbundene Meffe eng zusammenhängenden Handels ist Mekka am geeignetsten, auch Mittelpunkt der neuen Lehre zu werden und aus deren Aufschwung auch wirthschaftlich wieder einen bedeutenden Vortheil zu ziehen, welche erhöhte wirthschaftliche Bedeutung dann wieder der allgemeinen Anziehungskraft des Platzes zu gute kommt, und so immer weiter, das Eine das Andere bedingend. Das sind praktische Gesichtspunkte, die man bei einem Mann aus der Handelsstadt Mekka und dem ehemaligen Geschäftsführer der Wittwe und späteren Gattin Chadidscha wohl versteht. Es scheint, daß die Mediner Muslims sich ziemlich gut in die Kibla-Aenderung fanden, die Juden dagegen legten energisch Verwahrung ein. Es gab heftige Auseinandersetzungen. Man war eben einander ins Gehege gekommen, Muhammed hatte sich an der jüdischen Dogmatik vergriffen, und die Juden stellten den Propheten, wenn auch nicht als bewußten Lügner, so doch als Irrenden, mit jüdischer Geschichte und Lehre nicht genügend Vertrauten hin und störten dadurch seine Kreise; der Streit dauerte, einmal begonnen, als Gezänk mit Worten und gelegentlichen Thätlichkeiten von Seiten der übermächtigen Muslims bis nach der Schlacht von Bedr, welche im Ramadan des zweiten Jahres der Flucht stattfand — von da ab wird die Entscheidung mit Wort und Schwert zugleich erstrebt. Nur die Anklagen gegen die Juden hat die Weltgeschichte aufbewahrt, von ihrer Vertheidigung ist nichts erhalten; doch spricht auch so noch Vieles zu ihren Gunsten, vor Allem die Maßlosigkeit, die ganze gehässige und plumpe Kampfesart des Tyrannen von Medina ihnen gegenüber. Er greift sie a» in ihren Vorfahren und ihrem eigenen Thun und Glauben. Die Sünden des Volkes Israel in der Wüste, wie sie Bibel und Legende schildern, die vielfache Bundesübertretung müssen sie zum Ueberdruß sich Vorhalten lassen. Sie sollen dem Götzendienst ergeben sein, Engel und Propheten sich zu Herren nehmen, ja sogar — es ist noch unaufgeklärt, woher diese allerdings erst aus der letzten Zeit Muhammeds stammende Anschuldigung rührt — Ezra für Gottes Sohn erklären, wie die Christen den Messias. Doppelzüngigkeit und Lüge, Betrügereien und Wucher wirft er den Inden von Medina vor. Es ist bereits erwähnt worden, daß ein energisches thätliches Vorgehen erst in die Zeit nach der Schlacht von Bedr fällt (gegen Ende des Jahres 2 d. Fl.). Das ist kein Zufall. Die Schlacht von Bedr, d. h. das ersten größere Gefecht, in welchem Muhammed einen Sieg über die Leute von Mekka davontrug und reiche Beute gewann, bezeichnet den Anfang einer inneren Fortentwickelung des Propheten, freilich im schlimmen Sinne. Die Gier nach Macht und Besitz hatte den Mann ergriffen, der am Anfang sicher nur ein idealer, etwas krankhafter Schwärmer war. Haß und Geldgier werden wohl auch die Hauptmotive gewesen sein für die einzelnen Akte der Judenhetze, welche Muhammed bald nach der Schlacht von Bedr in Scene setzte. Der Prophet bedurfte auch des Geldes: einmal sehnte er sich darnach, seine Fluchtgenoffen, die doch den-Kern der Gemeinde ausmachten, ihrer durchgängigen Armuth zu entheben und ihren wohlhabenden Schutzfreunden im Vermögen wenigstens gleichzustellen; sodann aber trachtete er längst nach ergiebigeren Mitteln zum Kriegführen, als ihm die Steuern, die er eingeführt, gewährten. Es fehlte an Schwertern und Panzern, auch nur wenige Pferde konnte er ins Feld stellen; die Waffen der Juden aber, von ihnen selbst geschmiedet, waren weithin berühmt, noch berühmter jedoch ihr Gold und ihre sonstigen Schätze. Der Prophet beutete jeden Anlaß aus, um einen Streit vom Zaune zu brechen, und seine beiden Hofdichter, die (wie alle Hofdichter) Beide weit größer als Höflinge denn als Dichter waren, hatten nichts Eiligeres zu thun, als seine Handlungsweise mit ihren Versen zu begleiten und zu verherrlichen. Da ist zunächst die Jüdin Asma, die es sich hatte einfallen lassen, ein paar böse Verse auf die Thorheit der Mediner zu machen, welche Gutes von einem Stammfremden erwarteten, der seinem eigenen Volke eben hatte die Häuptlinge erschlagen lassen (nämlich bei Bedr). Die Verse wurden natürlich dem Propheten hinterbracht. Es geschah, was nicht blos jenes eine Mal geschehen ist, genau dasselbe, was unzählige Fürsten, auch solche von Gottes Gnaden, gethan haben, und was so meisterhaft in den historischen Stücken Shakspeares dargestellt ist, deren Helden ja auch Könige, und Könige in einer nicht gar so fernen Zeit sind: „Ich würde Den oder Die gern nicht mehr sehen" —; flugs eilen dienstfertige Hände, nicht blos gemeine Leute, nein auch Vornehme, „Edelste der Nation", Grafen, Barone, um den Willen des Gewaltigen auszuführen, d. h. einen quälifizirten, feigen Mord zu begehen. „Ist denn nicht Einer da. mir das Weib vom Halse zu schaffen?" so faßte der Prophet den Satz, den man bei dergleichen Gelegenheiten fallen zu lassen pflegt, und flugs stahl sich ein Mann von demselben Stamme wie die Jüdin in das Gemach, wo sie in der Mitte ihrer Kinder schlummerte, und durchbohrte sie mit dem Schwert. Nun, die Shakespeareschen Helden haben wenigstens meist noch so viel Gefühl, daß sie die Mordgesellen nachher abzuschütteln suchen; der Prophet fand, daß der Mann Gott und seinem Gesandten einen Dienst erwiesen habe; und als Jener meinte, es werde ihm doch nichts passiren, beruhigte ihn der Prophet: „Nicht zwei Ziegen werden sich darum stoßen." Das ist roh, grenzenlos roh; er hatte aber Recht; so schlimm war schon der Terrorismus in Medina, daß Niemand wagte, den feigen Mörder zur Rechenschaft zu ziehen. Freilich, auch der Stamm der Ermordeten spielt keine sehr rühmliche Rolle: einige Mitglieder desselben fanden es für räthlich, bald darnach zum Islam überzutreten, „da sie die Kraft des Glaubens eingesehen hatten", wie ein alter arabischer Biograph des Propheten naiv bemerkt. In diesem Stil ging's weiter: bald nach der Asma wurde Abu Afak, ein Jude im ehrwürdigsten Greisenalter, auf eine ähnliche Aeußerung des Propheten heimtückisch bei Seite geschafft, d. h. nächtlicher Weile im Schlafe getödtet. Diese Mordbefehle gegen einzelne Personen-waren aber nur die Ouvertüre der großen Tragödie, die sich in Medina abspielen sollte, und deren Held nicht etwa Muhammed ist, sondern seine Opfer, die

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