Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1894)
- Date
- 1894-02-16
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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58. Jahrgang. Itr. 7. Berlin. 16. Februar 1894. Weikage zuv „Akkgemernen Zeitung des IuöenLHrrrns". Korresponderrzen und Nachrichten. Deutschland. ^2 Berlin, 14. Februar. In einer außerordentlichen Repräsentanten-Sitzung wurde am Sonnabend Abend die Berathung über die Revision des Gemeindestatuts fortgesetzt. 8 15 setzt wiederum die Zahl der Repräsentanten auf 21 fest mit einer Amtsdauer von sechs Jahren; von drei zu drei Jahren scheiden elf bezw. zehn aus. § 16 bestimmt die Zahl der Stellvertreter auf zehn; dieselben sind auf drei Jahre gewählt. Ohne Diskussion werden die in alter Fassung gebliebenen §§ 16 bis 26 angenommen. Diese Paragraphen behandeln Einzelheiten des Wahlaktes zu den Repräsentantenwahlen, wie Stimmzettel, Schluß des Wahlaktes, Ermittelung des Resultats u. s. w. §27 bestimmt, daß bei Zetteln, die mehr als 21 -Hamen enthalten, nur die ersten 21 giltig sind. Der Antrag Marcuse, der solche Stimmzettel überhaupt für ungiltig erklären will, wird abgelehnt, und der Antrag der Kommission angenommen. § 28 und 29 behandeln ebenfalls Einzelheiten des Wahlaktes und die Ermittelung des Resultats. § 30 behandelt Einführung und Verpflichtung der Repräsentanten. Nach langer Debatte wird der Antrag des Referenten Tiktin, die Verpflichtung durch Handschlag an Eidesstatt durch einen Beamten der die Aufsicht führenden Behörde abgelehnt. Angenommen wird der Absatz 2, wonach die bisherigen Repräsentanten bis zur Einführung der neuen amtiren. § 31 und 32 handeln vom Vorstande, seiner Amtsdauer und der Art seiner Erwählung. § 33 bestimmt, daß an der Wahl sich mindestens 15 Repräsentanten betheiligen müssen. Hier werden um 9 Uhr die Verhandlungen abgebrochen. Die ursprüngliche Absicht, dieselben am Sonntag fortzusetzen, ward aufgegeben, da an diesem Tage die Beerdigung des früheren Mitgliedes der Versammlung, Bernhard Friedheim, stattfand, an der sich ein großer Theil der Repräsentanten betheiligen wollte. ---- Berlin, 15. Februar. Im „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur", in der Aula des Friedrich Werderschen Gymnasiums, Dorotheenstr. 13, hielt vorgestern Herr Prof. M. Philippson einen sehr interessanten Vortrag über „Die Juden im römischen Reich". Der Saal war gedrängt voll und das Publikum nahm die lehrreichen und interessanten Auseinandersetzungen des gefeierten Redners mit lebhaftem Beifall auf. Den nächsten Vortrag hält am 20. d. Mts. Herr Prediger Dr. M. Lev in über „Bar Kochba in Dichtung und Geschichte". A Berlin, 12. Februar. Der „Akademische Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" begeht Dienstag, den 20. Februar, Abends 8i/2 Uhr, in seinem Vereinslokal, Gipsstraße 9. die Feier seines XI. Stiftungsfestes durch einen Kommers. — Am Mittwoch, den 21. Februar, Abends 8 Uhr, veranstaltet der „Verband alter Herren" des Akad. Vereins f j.G.u. L. ein Fest, das durch musikalische Aufführungen, und Tanz in den Festsälen des Hotel „König von Portugal", Burgstraße 12, begangen wird. , G. Perlin, 9. Februar. Am 2. Februar verschied zu Cöthen in Anhalt der in den weitesten Kreisen bekannte Berliner Prediger Dr. Julius Landsberger. In Kreuzburg in Schlesien am 4. November 1621 geboren, studirte der Verblichene in Breslau am Frankel'schen Seminar, war dann Rabbiner der jüdischen Gemeinde Hirschberg (Schlesien) und siedelte vor 38 Jahren nach Berlin über, da sich ihm hier ein größerer Wirkungskreis bot. Hier wirkte er als Religionslehrer an höheren Lehranstalten, war Begründer und Direktor der Friedrichstädtischen israelitischen Religionsschule und machte sich um Vereine und die Logen sehr verdient. Auch durch seine verschiedenen Lehrbücher sür den jüdischen Religionsunterricht hat sich der Verstorbene einen guten Namen erworben. Allgemein beliebt und geachtet, versammelte sich zu seinen Predigten stets eine große Gemeinde. In den Herzen seiner großen Anzahl von Schülern und Freunden hat er sich ein unvergängliches Denkmal gesetzt, wie sein großer Wohlthätigkeitsfinn allen denen unvergeßlich bleiben wird, die Gelegenheit hatten, seinen edlen Charakter und sein tiefes Gemüth kennen zu lernen. Er ruhe in Frieden! Kp. Ostrowo, 9. Februar. Seit elf Jahren besteht hierorts innerhalb der jüdischen Gemeinde ein Verein, der im Stillen wirkend viel Segen schon gestiftet hat. Derselbe hat nämlich die Aufgabe sich gestellt, unbemittelten Gewerbetreibenden zinslose Darlehen gegen irgendwelche Sicherheit und nach statutengemäßen ratenweisen Rückzahlungen zu gewähren. Durch die Bethätigung dieser Aufgabe hat der Verein manche vom Untergange bedrohte Existenz erhalten und so manchen von Noth bedrängten Gewerbetreibenden aufgerichtet. Mit geringfügigen Mitteln hat der Verein sich gegründet und mit jedem Jahre hat er in Bezug auf Ausübung von Mildthätigkeit, sowie auf seine materielle Lage und Mitgliederzahl eine erfreuliche Ausdehnung erfahren. Der gegenwärtige Bestand der Vereinskasse beträgt nahezu 4000 Mark, die im Laufe des Jahres 2 Mal umgesetzt werden. Im letzten Jahre ist der Fond um ungefähr 400 Mark gewachsen. Ter Gesammtbestand ist, da Zinsen nicht erhoben werden, nur aus Mitgliederbeiträgen und Spenden zusammengebracht worden. Die Mitgliederzahl beläuft sich auf nahezu 100. In der jüngsten Generalversammlung sollte ein neues Statut berathen werden; dasselbe unterscheidet sich von dem alten hauptsächlich durch Vergrößerung der Mitgliederzahl des Vorstandes in Folge Einsetzung eines Aufsichtsrath es; indessen ist endgiltige Berathung hierüber noch vertagt worden. Bei der auf dieser Versammlung erfolgten Wahl von Vorstandsmitgliedern an Stelle der ausscheidenden Herren S. Holzmann, S Spiro und S. Josephi wurden dieselben wiedergewählt. zfc: Hannover, 11. Februar. Ein Leben, reich an redlicher, fleißiger Arbeit, aber auch reich an Erfolgen und verdienten Ehren, ist am Freitag Abend, den 2 d. M., durch den Tod des Geheimen Kommerzienrath Louis Ephraim Meyer zum Schrecken und zur Bestürzung aller Kreise unserer Bevölkerung plötzlich abgeschlossen worden Je seltener Männer vom Schlage des Hingeschiedenen in unserer Zeit sind, desto mehr ist es Pflicht, in dankbarer Erinnerung das festzuhalten, was sie gewesen sind und was sie zur Ehre und Anerkennung des Namens Jude geleistet haben. Geboren zu Hannover am 4. Oktober 1622 als jüngster Sohn des Banquiers Ephraim Meyer, sah er in seinem Elternhause das Vorbild eines echt jüdisch-frommen Familienlebens. Sein Vater hatte durch seinen Biedersinn und seine Frömmigkeit sich die Achtung und das Vertrauen der Gemeinde, in der damals einzelne reiche Familien maßgebend und führend waren, in dem Maße erworben, daß er bereits im Jahre 1828 in dem Wohlthätigkeits-Verein im Vorstande thätig war und später zum Gemeindevorsteher gewählt wurde. Seine Mutter Rebekka, eine Tochter des Rabbiners zu Gelnhausen, war eine geistreiche, durch Witz und Schlagfertigkeit, sowie durch Wohlthätigkeitsfinn und Herzensgüte ausgezeichnete Frau; Eigenschaften, die sich auf alle ihre Kinder vererbten. Während der ältere Bruder Samuel sich dem Gelehrtenstande widmete und bereits 1845 zum Nachfolger seines Lehrers und Verwandten, des nach London zum Oberrabbiner berufenen Dr. N. Adler s. A., zum Landrabbiner von Hannover gewählt wurde — ein Amt, das er zum Segen der jüdischen Gemeinde bis zu seinem Tode (6. Juli 1882) versah — trat der Verstorbene mit 15 Jahren in das nur noch kleine Geschäft seines Vaters ein. Rührig und emsig von Jugend auf, verstand er das Geschäft aus kleinen Anfängen immer wehr zu erweitern und als dasselbe nach dem Tode seines Vaters im Jahre 1849 auf ihn überging, erfreute es sich bereits des besten Rufes und gewann von Jahr zu Jahr an Ausdehnung, bis es jetzt unter den ersten Firmen mit Achtung genannt wird. Im richtigen Verständniß der Verhältnisse hatte er mit scharfem Blicke erkannt, daß der Banquier mit der Industrie Hand in Hand gehen müsse. Von diesem Grundsätze geleitet, war er bei den verschiedensten Gründungen, die dem Handel und Verkehr wesentliche Dienste leisteten, thätig und wirkte bis zu seinem Tode im Auffichtsrathe