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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-02-09 · Heft 6 (9.2.1894) · p. Seite 72

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 6 (9.2.1894)
Date
1894-02-09
Page
Seite 72 (sequence 12)
Language
German
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72 Bette. Ain Morgen hatte ich die Genugthuung, meine Patienten gerettet 31t wissen. Zmn Lohn meiner anfopfernden That aber vAsiel ich selbst dieser von mir mit Erfolg bekämpften Krankheit, uni) schon nach zehn Tagen war ich eine Leiche. Nun ist Dir die Ursache meines Todes bekannt." - „Das also ist der Lohn einer edlen That," — murmelte der Patriarch vor sich hin. — „Solche edle Menschen existiren jenseits, und doch heißt es, das Geschlecht sei verdorben! Doch sage mir, mein Sohn," — wandte sich Abraham an den Schatten des Arztes —, „hast Tu nicht über das göttliche Gericht gemurrt?" „Wie es scheint," — erwiederte der Arzt —, „ist die Gesinnung der Aerzte Dir vollständig fremd. Das Murren gegen Gottes Schickungen könnte nur bei den Frommen und Gläubigen sich eiustcllen, aber nicht bei uns, die im Glauben .. ." „Schweig, schweig," — unterbrach ihn Abraham —, „Euer Glanbensbekenutniß kümmert mich nicht. Ich sehe, Du bist eine edle Seele, lasse Dich vom Engel hier auf Deinen Platz führen: In die dritte Abtheilnng, ins fünfte Zimmer, in die erste Reihe." (Schluß folgt:) Fittrrarische MittheUungen. Vor etwa 15 Jahren erschien in erster und bald auch in zweiter Auflage von unserem geschätzten Mitarbeiter Dr. W. Herzberg ein Buch „Jüdische Familienpapiere", von dessen Vortrefflichkeit die Thatsache, daß es bald vergriffen war, am besten zeugt. Nachdem man es 10 Jahre im Buchhandel vergeblich suchte, hat sich nun endlich der Verfasser entschlossen, es neu herauszngeben, und ist das Werk im Verlage von Cäsar Schmidt in Zürich wieder erschienen. Durch sein Alter hat das Buch von seiner Aktualität nichts eingebüßt, und der Leser wird die in demselben enthaltene Darstellung der Differenzen der jüdischen und der christlichen Weltauffassung mit dem Empfinden verfolgen, daß er von dem modernen Kampfe liest, nur daß sich heute die Gegensätze noch mehr verschärft haben. Das Buch handelt von einem jungen Manne, der, > Sohn eines Juden, von früher Kindheit an von einem Christen zum z Christen und Judenmissionar erzogen worden ist. Freilich empfindet er sehr deutlich den Zwiespalt zwischen der angelernten Religion und Weltauffassung und seinem eigenen angeborenen Fühlen. Trotzdem zieht er aus, die Juden zu bekehren und beginnt mit diesem Unternehmen im Hause seines Onkels, eines jüdischen Rabbiners, der mit der strengsten Orthodoxie moderne Bildung und modernes Wissen verbindet. Aber im Disput mit diesem überlegenen Geiste wird dem Helden des Romans sein innerer Zwiespalt ganz klar und er erkennt, wie sein Christenglaube ihn nie befriedigt hat, wie er mit allen Fasern seiner Seele am Judenthum haftet, und er überzeugt sich allmählich von der Wahrheit des Jndenthums, das er denn auch äußerlich bekennt. Die ganze Erzählung ist im Gewände eines Romans gegeben und so die Trockenheit vermieden, die sonst derartigen philosophischen Abhandlungen eigen ist. Jeder gebildete Jude wird das Werk mit Interesse lesen, und es wäre vor Allem zu wünschen, daß es in jene Kreise dränge, die ihre Gleichgiltigkeit in religiösen Dingen schon zur Unkenntniß des Judenthums und dadurch zur Mißachtung desselben brachte. Der glühende Eifer für das Judenthum und die auf modernster Anschauung beruhende Vertheidigung desselben in dem Buche würde manchen Gleichgiltigen bekehren. Wir wünschen der Schrift die weiteste Verbreitung. Einen Beweis, welch großer Liebe und Verehrung sich der verewigte Dr. David Cassel seitens seiner Schüler zu erfreuen hatte, liefert uns ein dieser Tage im Verlage von S. Calvary erschienenes Werkchen „Beiträge zur Geschichte der hebräischen Sprachwissenschaft" Heft 1 Der Herausgeber Samuel Poznanski, ein Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums, hat dasselbe den Manen seines hochverehrten Lehrers Dr. David Cassel znm 22. Januar, dem ersten Jahrestage seines Heimganges, gewidmet. Dasselbe enthält eine bisher nicht edirte hebräische Grammatik aus dem 13. Jahrhundert, deren Autor aus Griechenland nach Böhmen eingewandert war, und die handschriftlich auf der hiesigen Königlichen Bibliothek vorhanden ist. Kprertzfaat. Geehrter Herr Redakteur! machdem die Verbesserung des Gottesdienstes und die Hebung des Judenthums durch denselben schon öfter besprochen und in dem letzten Aufsatze „Unser Gottesdienst" vom^ intelligenten und wohlwollenden Standpunkte solches in anerkennenswerther Weise geschehen, bleibt nur übrig zu wünschen, daß dieser Artikel vielfach gelesen und von allen Gemeinden das Gute daraus entnommen und beherzigt wiirde. Auf Hebung des Gottesdienstes ruht das Gedeihen des Judenthums, mit der Selbstachtung fängt die Selbstveredelung an. Was uns jedoch ebenso noth thut und noch schwieriger zu erreichen ist, das wäre ein einheitliches jüdisches Gebetbuch. Ein solches mit deutscher Uebersetzung, mit Gesängen, allen Anforderungen der Neuzeit entsprechend. Gewiß giebt es schon solche, wie das von Geiger, welches im ersten *Theile zu unbarmherzig gekürzt und zu frei, das von Maybaum nicht zu unterschätzen, speziell mehr für die Berliner Gemeinde verfaßt, und das treffliche und unübertroffene von Dr. Sachs, beide letztere noch zu allgemein gehalten. Ein Mittelding zwischen Sachs, Geiger und Maybaum mit Zugrundelegung der schönen Uebersetzung von Sachs und freier Ausarbeitung einzelner nothwendiger und doch schöner Stellen, von den größten Kennern der Litteratur nnd Sprache verfaßt, das wäre noch etwas des Fleißes der Edlen werth. Hoffen wir, solches bald zu erreichen und unser Judenthum durch Veredlung und fleißigen Besuch des Gotteshauses immer mehr zu heben. D. Simon. * Verehrter Herr Doktor! ehr leid thut es mir, daß der Setzerteufel in meinem Artikel („das Direktorat der jüdischen Lehrerbildungsanstalt zu Hannover") der neuesten Nummer dieser Zeitung dieses Jahres großes Unheil angerichtet hat. Sie wollen gefälligst in der kommenden Nummer vermerken, daß Herr Dr. Kroner sein Rektorexamen — statt Rabbinerexamen — gemacht und bestanden hat. Bei dieser Gelegenheit möchte ich mir erlauben, noch auf eins hinzuweisen. Die Ausdrucksweise „seminaristische Bildung", womit man allgemein die Vorbildung eines Volksschullehrers bezeichnen will, ist völlig unpassend, sie muß selbstredend „seminarische Bildung" lauten. Wenn ein Volksschultehrer „seminaristische" Bildung besitzt, dann ist er eben über das Wissen eines Seminaristen nicht hinausgekommen. Sie haben wohl die Güte, diese Notiz gelegentlich im „Sprechsaal" zu verwerthen. Ihr ergebener Magdeburg, 2. Februar. M. Spanier. * Geehrte Redaktion! c^hr Korrespondent aus Königsberg vergaß in Nr 5 unter den jüdischen Professoren eine Zierde der hiesigen Universität und der Wissenschaft, nämlich den berühmten Professor Geheimen Medizinalrath Herrmann, eine der ersten Autoritäten auf dem Gebiete der Physiologie. Professor H. war seiner Zeit Rektor der Albertina und wurde von Kaiser Wilhelm II. bei seiner hiesigen Anwesenheit öffentlich ausgezeichnet. Königsberg, 4. Februar. * Geehrter Herr Redakteur! Ihrer vorigen Nummer habe ich Folgendes zu berichtigen: 1. p. 60 Spalte 1 der Kommentator Chimi ist sicher Chimki! 2. Heule (cfr. Gemeindebote S. 1) ist schon als Knabe getauft worden. (Vergl. seine Biographie durch den Schwiegersohn, den Göttinger Anatom Merkel.) Uebrigens ist Henle Enkel eines Rabbiners. 3. Baginsky, Bernhard (in Ihrem Artikel steht wohl infolge eines Druckfehlers Leonhardt). Hirschberg, Mendel, Jul. Wolff, M. Wolfs sind nicht Titularprofessoren, sondern außerordentliche Professoren. Bei der Aufzählung derselben sind Senator, sowie Ehrlich und Brieger vergessen. Titularprofessoren giebt es noch mehrere, wie Litten, A Fraenkel u. A. Berlin, 3. Februar. Ergebenst Dr. Pagel. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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