Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-02-02 · Heft 5 (2.2.1894) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 5 (2.2.1894)
Date
1894-02-02
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228040-3228046--50574-3273388
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

2 verehrten Seelsorger, dem begeisterten Verkünder der ewigen Wahrheiten des Judenthums, wie dem liebenswürdigen Menschen galt. Segen seinem Andenken! Q Kolberg, im Januar. In den ersten Tagen des neuen Jahres erschien auch der zwanzigste Jahresbericht des jüdischen Kurhospitals Hierselbst über das Jahr 1893. Derselbe stellt mit Befriedigung fest, daß dieses Werk der Armen- und Krankenpflege im abgelaufenen Jahre sowohl in Betreff seiner segensreichen Bestimmung, als auch im Hinblick auf die Zahl der Menschenfreunde, die demselben opferwillig Herz und Hand öffnen, das erfreuliche Bild einer lebensvollen, gesunden Entwickelung zeigt und eine große, segensreiche Zukunft verbürgt. Den Einnahmen von 17,086.26 Mark stehen Ausgaben mit 10,3! 3.95 Mark gegenüber, dem Grundvermögen wurden 6200 Mark zugeführt und der Kaffenbestand beträgt 572.33 Mark. Das Grundvermögen weist ein schuldenfreies Grundstück und Inventar mit einem Rechnungswerth von 53,886.90 Mark und ein Grundkapital in Höhe von 64.500 Mark nach. Die Anstalt war vom 28. Mai bis zum 28. September im Betriebe und zählte 137 (47 männliche, 90 weibliche) Pfleglinge, darunter 53 schwächliche, abgezehrte, skrophulose Kinder. Sämmtliche Patienten haben ausschließlich den unbemittelten oder armen Ständen angehört und auch statutengemäß ganz unentgeltlich Aufnahme gefunden und Alles zu einer Sool- und Seebadekur Erforderliche, Obdach, kräftige Verpflegung, ärztliche Behandlung,. Arzneien, Bäder und sämmtliche Kurmittel erhalten. In der Soolbadeanstalt des Hauses wurden 2963 Bäder verabreicht, und zwar 2238 an dessen Pfleglinge und 725 an 30 Unbemittelte, dem Hause nicht angehörende Personen, die auch noch ärztliche Behandlung, Arzneien und sonstige Kurmittel ohne jedes Entgelt in der Anstalt empfingen. Ueber die geradezu erstaunlichen Erfolge der Kur im Hause berichten die beiden Anstaltsärzte ausführlich. — Die Anstalt hat demnach auch im verflossenen Jahre ihre segensreiche Bestimmung voll und ganz erfüllt. Die Schöpfung derselben ist vor zwanzig Jahren aus dem edlen Gedanken hcrausgewachsen, ausschließlich jenen Armen zu dienen, die im Kampf ums Dasein untet der Last der Sorge und Arbeit fast erliegen und dazu noch einer schleichenden und zehrenden Krankheit zum Opfer fallen, die sie für ihre Familie erwerbsunfähig macht. Dabei ist die Aufgabe des Hauses nicht etwa auf den engen Kreis jener Armen beschränkt, die offen und ohne Scheu die öffentliche Armenpflege anfsuchen und ansprechen, sonderst vielmehr vorzüglich auf die große Klasse jener zartbesaiteten, heldenmüthigen Dulder ausgedehnt, die ihr hartes Loos im Stillen und Verborgenen tragen und geradezu erst ausgesucht werden müssen, um sie vor einem völligen Untergang zu retten. Solche Kranke erwerbsfähig zu machen und ihren Familien zu erhalten, oder deren kränkliche, hohläugige, skrophulöse, einem sicheren Tode entgegenwelkenden Kinder einem frischen, gesunden Leben zuzusühren, und zwar ohne jede Entschädigung und ohne jedes Entgelt, das ist die hohe Aufgabe, an der die Anstalt seit zwei Jahrzehnten still und unverdrossen, mit Rührigkeit und Emsigkeit arbeitet. Der freien Wohlthätigkeit, der selbstlosen Menschenliebe dankt sie ihre Gründung und Erhaltung, die Ansammlung eines kleinen Grundkapitals und die allmälige Entwickelung aus kleinen, bescheidenen Anfängen zu ihrem gegenwärtigen Umfange. Aber sie ist und bleibt trotz der reichen Unterstützung, deren sie sich von Nah und Fern zu erfreuen hat, auf die freie Mildthätigkeit edler Menschenfreunde angewiesen. In demselben Maße, in dem diese versiegt, müssen notwendig auch die Mittel zu ihrer Unterhaltung versagen. Darum ist die Bitte der Verwaltung, mit der der Bericht schließt, wohl berechtigt und verdient allseits volle Beherzigung, daß nicht nur die alten Freunde und Gönner dem Hause treu bleiben, sondern auch weite, neue Kreise sich zur thatkräftigen Mitarbeit und Hilfe sich ihm erschließen möchten. tz. Ratibor, 13. Januar. Betreffs der Ehrengabe für den Lehrer Schriftsteller Benedikt Hause wird uns mitgetheilt: 1. Wir bitten die Ehrengaben an Herrn Fabrikbesitzer S. Glaser in Ratibor, der das Schatzmeisteramt übernonnnen hat, zu richten. 2. Herr Buchdruckereibesitzer Reinhard Meyer in Ratibor hat die Biographie Hauses, die von mir verfaßt ist, in Verlag genommen. Er verkauft das Büchlein' für 20 Pfennige und begnügt sich, obwohl er Christ ist, mit der Erstattung der Herstellungskosten. Die Herren Lehrer werden gebeten, das Schriftchen an die Schüler abzusetzen und recht bald Bestellungen aufzugeben. Durch dieses Mittel dürfte die Ehrengabe erhöht werden. □ Schivelbein, 23. Januar. Der am Schluffe meines Berichtes vom 15. v.M. über den hiesigen Litteratur-Berein ausgesprochene Wunsch, daß der gute Anfang desselben eine Vorbedeutung für sein weiteres Gedeihen sein möge, ist bisher in Erfüllung gegangen. Die Zahl seiner Mitglieder ist in stetem Wachsen begriffen. Dieser Erfolg ist vorzugsweise den lehrreichen und gediegenen Vorträgen zu verdanken, die auswärtige Herren in unserem Verein zu halten die Freundlichkeit hatten. Am 7. d. M. sprach Herr Prediger Bauer aus Köslin über das Leben und Wirken Rabbi Jochanan ben Sakkais, und am 21. d. M. erfreute uns Herr Rabbiner Dr. Ho ff mann aus Neustettin mit einem Vortrage. Nachdem der Letztere die Geschichte des israelitischen Volkes mit derjenigen anderer Nationen, insbesondere der Griechen und Römer, verglichen hatte, entwarf er ein Bild von den Leiden der Juden in Spanien während des fünfzehnten Jahrhunderts bis zu ihrer Austreibung unter Ferdinand und Jsabella, und knüpfte hieran die Geschichte des Don Juda ben Isaak Abarbanel. Mit andächtiger Stille lauschte die zahlreiche Versammlung den ergreifenden Schilderungen. Solche Vorträge geben den einzelnen Vereinsgliedern die beste und wirksamste Anregung, sich selbst eingehender mit der Geschichte des Judenthums zu befassen. Stade, Hannover, im Januar. Die königl. Regierung hat vorläufig das Landrabbinat-Bezirk Stade nicht wieder mit dem von Emden-Osnabrück verbunden, sondern die kommissarische Verwaltung Herrn Landrabbiner Dr. Gronemann-Hannover übertragen; es entspricht diese Verbindung, die auch unter dem sel. Landrabbiner Dr. S. E. Meyer war, gewiß den Wünschen der Mehrzahl der Gemeinden. X. Bremen, 23. Januar. Vor der Strafkammer des hiefigen Landgerichts stand gestern ein Antisemiten-Prozeß, der erste an hiesigem Orte, zur Verhandlung. Die Anklage richtete sich gegen den Redakteur des „Deutschen Volksblattes" (früher der „Unabhängige"), Krollmann, wegen Beleidigung eines jüdischen Kaufmanns zu Rinteln. Der Letztere hatte zur Wartung seiner kranken, der Pflege bedürftigen Frau die Hebamme des Ortes engagirt, der er jedoch, wie durch Zeugen bewiesen, gestattet hatte, ihrer Thätigkeit als Hebamme nachzugehen. Als sie in einer Nacht zu einer Kreisenden gerufen wurde, soll der Kaufmann ihr diese Bestellung vorenthalten und sie an der Hilfeleistung gehindert haben. In einem Eingesandt an die in Rinteln erscheinende Schaumburger Zeitung wurde der Kaufmann aufs Heftigste angegriffen, dieses Eingesandt druckte der Redakteur des Unabhängigen ab und bezeichnete das Verhalten des Kaufmanns als aus talmudischen, gemeingefährlichen Grundsätzen entsprungen, wobei er derartige Grundsätze als astatische Barbarei und jüdischen Uebermuth charakterifirte. Auf erhobene Anklage bemächtigte sich die Bremer Staatsanwaltschaft des Falles, und es wurde in der gestrigen Verhandlung eine Geldstrafe von 100 Mark beantragt, wobei als erschwerend hervvrgehvben wurde, daß der Angeklagte sich nicht gescheut habe, sogar die Nationalität und Konfession des Beleidigten unbegründeter Weise heranzuziehen. Vergebens war das Bemühen des Angeklagten und des VertheiUgers, der sogar Stellen aus Eckers Judenspiegel verlas, eine Freisprechung zu erzielen; nach fast einstündiger Berathung des Gerichtshofes wurde das Urtheil, das dem Anträge des Staatsanwaltes gemäß auf nur 100 Mark oder 10 Tage Hast lautete, verkündet. Der Gerichtshof habe nur auf diese Strafe erkannt, weil dieser Fall der erste sei, der ihm zu Ohren gekommen; im Wiederholungsfälle habe der Angeklagte eine wesentlich schärfere zu gewärtigen Das Gericht sei der Meinung, daß derartige Artikel, wenn sie auch von einsichtigen Leuten durchschaut würden, geeignet seien, auf unklare Köpfe in einer Weise einzuwirken, daß die öffentliche Ruhe und das friedliche Zusammenleben der Staatsangehörigen gestört würde. — Eine solch rücksichtslose Verurtheilung der antisemitischen Presse, die sich von solchen Vorkommnissen nährt und erhält, verdient unsere volle Anerkennung und zugleich unfern besten Dank. * Nürnberg, 13. Januar. Der kürzlich verstorbene Hofantiquar Siegmund Pick er t dahier bestimmte 50,000 Mark zu einer Stipendienstiftung, bei welcher Maler, Architekten und Bildhauer in erster Reihe berücksichtigt werden sollen, sowie weitere 50,000 Mark zu einer Handwerkerstistung. Beide Stiftungen sollen nach dem Willen des Stifters durch den Stadtmagistrat Nürnberg verwaltet werden. Ferner wurden der Künstler-Unterstützungsverein, der Feuerwehrverein zum Besten der im Dienste verunglückten Feuerwehrmänner uttd deren.Hinterbliebenen, der Verein für öffentliche Gesundheitspflege zum Zwecke der Ferienkolonien

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.