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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-02-02 · Heft 5 (2.2.1894) · p. Seite 50

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 5 (2.2.1894)
Date
1894-02-02
Page
Seite 50 (sequence 2)
Language
German
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50 Me Msrhe. Berlin, 31. Januar. f ie Petitionskommission des Abgeordnetenhauses hat jüngst die Petition Dreyhaupt betreffend die Prüfung der „jüdischen Geheimgesetze", insbesondere des Schulchan-Aruch berathen; Referent war der bekannte Dr. Freiherr von Langen. Derselbe glaubt Grund zu der Annahme zu haben, daß der Schulchan-Aruch noch heute für die Juden in Geltung und in religiöser Hinsicht maßgebend für die jüdische Gesetzgebung sei. Es gebe eine Uebersetzung von Eisenmenger aus dem Jahre 1711, eine von Professor Rohling u. A. (das stimmt natürlich Alles nicht!). Seien diese Übersetzungen richtig, so ständen die für das Judenthum maßgebenden Gesetze in schneidenstem Widerspruche zu unserer heutigen Denkweise. Referent ist für eine staatlich autoritative Uebersetzung, damit der Streitfall endlich einmal aufgeklärt werde. Referent plaidirt für Ueberweisung der Petition zur Berücksichtigung an den Reichskanzler. Korreferent Abgeordneter Vogtherr hat auf Grund eingezogener Erkundigungen bei Rabbinern u. A. die Ueberzeugung gewonnen, daß die richtige Uebersetzung eine Doktorfrage sei, über die die Ansichten der Gelehrten weit auseinandergehen. Die Debatte wurde abgebrochen, weil mit Rücksicht auf die Wichtigkeit der Sache die Hinzuziehung eines Regierungskommiffars beschlossen wurde. — Wann wird nur endlich dieses alberne Märchen von „jüdischen Geheimgesetzen" zur Ruhe kommen? * Die Antisemiten haben in letzter Zeit wieder einmal einen Vorstoß gegen den preußischen Justizminister gewagt, der ihn^n aber schlecht bekommen dürfte. Herr Karl Paasch, der aus dem Jrrenhause entlasten wurde, bemühte sich, den Nachweis zu führeil, daß man über seinen Geisteszustand zu günstig geurtheilt hat. In einer Leipziger antisemitischen Zeitschrift veröffentlichte er „Erinnerungen aus dem Jrrenhause", in denen die ungeheuerlichsten Geschichten erzählt wurden. Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" brachte dagegen ein entschiedenes Dementi und nannte die Artikel ein „pathologisches Produkt." * Allen Gegnern des Schächtens trat Hofrath Dr. Dembo aus Petersburg am Freitag mit seinem Vortrag in der Physiologischen Gesellschaft über „die verschiedenen Schlachtmethoden" sehr kräftig entgegen. Der Vortragende führte darin u. A. aus: Die qualvollsten und inhumansten Tödtungsarten sind die mittelst Nackenstich und der Maske. Beim Nackenstich bleibt das Thier bei vollem Bewußtsein, wie eine zur Prüfung der Schlachtmethoden in Petersburg eingesetzte Kommission, der er auch angehört hatte, durch wiederholte Versuche bewiesen hat. Hunde und Ochsen fraßen nach dem Nackenstich noch ihnen dargereichtes Futter; ja ein Hund war noch bei so klarem Bewußtsein, daß er das Futter von einem Wärter, der ihn stets schlecht behandelt hatte, abwies, dagegen von einem anderen Wärter, der ihn gut behandelt hatte, annahm. Bei Anwendung der Maske waren durchschnittlich 4—5 Schläge erforderlich, ehe der Bolzen ins Gehirn eindrang, und auch dann schwand das Bewußtsein noch nicht, da das Rückenmark, wie die von Professor Dembo gemachte Sektion erwies, absolut nicht verletzt war. Um eine Betäubung hervorzurufen, waren bei 4000 beobachteten Fällen durchschnittlich 8-9 Schläge erforderlich. Es ist nun eine durch die Wissenschaft bewiesene Thatsache, daß Verhinderung der Blutzufuhr zum Gehirn unbedingt momentane Bewußtlosigkeit zur Folge hat. Dies wird erreicht beim Durchschneiden der beiden Halsarterien, wobei — nach höchstens 4—5 Sekunden volle Bewußtlosigkeit eintritt. Demgemäß wäre die Schlachtmethode, wenn man den Ausdruck anwenden darf, die idealste, welche die Blutzufuhr zum Gehirn unmittelbar abschneidet. Einem solchen Ideal kommt am nächsten der seitens der jüdischen Schächter geübte Halsschnitt. Eine Frage von höchster Wichtigkeit ist andererseits die betreffs der Haltbarkeit des Fleisches. Thatsache ist, daß, je weniger Blut im Fleische bleibt, letzteres um so haltbarer ist. Professor Dembo schlachtete drei Kaninchen von demselben Wurf und fast gleicher Größe nach drei verschiedenen Methoden. Das erste wurde geschächtet, das zweite nach der Berliner Methode, durch Betäubung und Halsschnitt getödtet, das dritte durch Betäubung und Bruststich. Beim ersten flössen bei einer Blutmenge im Körper von 111 Gramm 80 Gramm, beim zweiten bei 103 Gramm 50 Gramm, beim dritten bei 108 Gramm nur 30 Gramm Blut aus. Aus diesen überraschenden Versuchen geht hervor, daß deshalb das Schächten die beste Methode sei. Das haben auch etliche Berliner Großschlächter erkannt, und diese tödten ihr Vieh auf diese Weise, um dadurch ein besseres, haltbareres Fleisch zu erzielen. Die Gesellschaft schloß sich den interessanten Ausführungen des Professor Dembo vollständig an, nur von einer Seite wurden Zweifel gehegt, ob das zum Schächten nothwendige Niederlegen der Thiere für diese nicht qualvoller und seelisch schmerzlicher sei als das Betäuben durch Kopfschlag. Dagegen erwiederte Professor Dembo, daß von seelischen Schmerzen beim Vieh gar keine Rede sein könne nach all den Erfahrungen, die er gesammelt hätte. Ein Rind läßt sich meist vom kleinsten Jungen ohne Widerstreben ins Schlachthaus führen, wo ihm der Blutdunst entgegensteigt, wo es die Leichen seiner getödteten Artgenoffen erblickt, und wartet ohne jedes Zeichen der Angst oder Furcht auf den Todesslreich. Was das Niederlegen anbelangt, so hat man jetzt ganz einfache Methoden, bei denen absolut keine Qual stattfindet, und die ja auch bei kranken Thieren zwecks Heilung angewendet werden. Durch einen Kopfschlag tritt aber nie Bewußtlosigkeit ein. Daß das Thier fällt, ist kein Beweis dafür, denn es ist vorgekommen, daß Ochsen, die man schon für bewußtlos hielt, wieder aufsprangen und das größte Unheil anrichteten. Auch kranke Menschen halten die Aerzte bisweilen für bewußtlos und besprechen ihren unvermeidlichen Tod — und nachher erzählt der Kranke, daß er Alles gehört hätte, nur nicht im Stande gewesen wäre, Lebenszeichen von sich zu geben. Betäubte Schweine sind wieder aus dem Siedekessel gesprungen. Selbst beim Kaninchen genügten zwei Schläge nicht — beim ersten Schlag blieb es noch bei vollem Bewußtsein — was kann man da beim Rind erwarten? Betrachtet man die Sache vom physiologischen und sanitären Gesichtspunkte, so ist das Niederwerfen und Durchschneiden der Halsarterien (die jüdische Schächtmethode) zur Zeit als die beste Tödtungsart zu bezeichnen. iSBr Me Synagsgengemeinde Königsberg in Preußen. Von M. Friedeberg. fr. Jotowicz, weiland Prediger in Königsberg in Preußen, hat eine Geschichte der Juden in Königsberg, die bis zur Mitte dieses Jahrhunderts reicht, geschrieben, zu der ein soeben erschienener „Bericht über die Verhältnisse der Synagogengemeinde zu Königsberg in Pr. in den Jahren 1867 bis 1893" (Königsberg, Hartungsche Buchdruckerei) eine dankenswerthe Ergänzung liefert. Die Gemeinde Königsberg hat von altersher eine große Bedeutung für die Juden des Ostens, in handelspolitischer wie kultureller Beziehung. Bereits der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm nahm die Juden, welche Getreide nach Königsberg brachten, in Schutz und erließ zu ihren Gunsten unter dem 26. Oktober eine Verordnung, sogar gegen den Willen seiner Räthe, als die Juden in Litauen durch den Krieg Schwedens mit Polen hart bedrängt waren. Seit 1689 war den Juden das Halten einer „Betstube" („Juden-Schule") auf der Schloßfreiheit in der Kehrwiederstraße

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