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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-01-26 · Heft 4 (26.1.1894) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 4 (26.1.1894)
Date
1894-01-26
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 im Betrage von M. 8352.64 gegenüber, so daß ein Bestand von M. 3102.80 verbleibt. Die Ausgaben erstrecken sich auf Unterstützungen an hiesige alte, schwächliche und erwerbsunfähige Arme in monatlichen und vierteljährlichen Raten, auf Darlehen und Vorschüsse, um die Erwerbssähigkeit zu fördern und der völligen Verarmung vorzubeugen, auf Unterstützungen an durchreisende Arme und auf Naturalien-Vertheilung. Zu ernster Erwägung giebt nur die Ausgabe zur „Abreise für solche Familien, welche sich in der letzten Zeit hier niedergelassen und der Gemeinde sonst dauernd zur Last gefallen wären" Anlaß. Ein Zusammenwirken mit anderen Gemeinden wäre in solchen Fällen unter allen Umständen angezeigt, weil ein einseitiges Vorgehen leicht zur Härte führen und die Sorge für diese unglücklichen Familien auf die schwachen Schultern kleiner Gemeinden gewälzt werden könnte, was ein so wohlthätig wirkender Verein gewiß nicht beabsichtigt. — Die „Magdeburgische Zeitung vom 24. Dezember 1893 bringt als Wiederabdruck das 162. Stück vom Dienstag den 24. Dezember 1793 der königlich privilegirten Magdeburgischen Zeitung", ihrer Vorgängerin, in welcher sich unter den kurze gefaßten Mittheilungen folgende Nachricht befindet: „Der jüdische Bankier Mayer Michael David in Hannover hat ein Kapital von 100,000 Gulden zum Behuf milder Stiftungen, besonders eines von ihm gestifteten Erziehungsinstituts für Kinder seiner Nation, angelegt." Die Stiftungen, über die ich mit gütiger Erlaubniß des Herrn Redakteurs demnächst ausführlicher berichten werde, besonders die nach dem Stifter benannte Mayer Michael David'sche Freischule, traten nach einigen Jahren ins Leben und wirken noch heute im Sinne und Geiste des Stifters. Beiläufig sei hier bemerkt, daß der im Dezember in München verstorbene Wirkliche Geheimrath Dr. Julius Meyer, der sich durch kunstgeschichtliche Arbeiten vortheilhaft bekannt gemacht und lange Zeit in Berlin eine hohe Stellung eingenommen hatte, ein Dcscendent dieses Mayer Michael David in gerader Linie war. — In der Generalversammlung des „Vereins zur Beförderung des Handwerks unter den Juden in der Provinz Hannover" vom 28. Dezember wurde über die Thätigkett desselben für die Jahre 1890 bis 1893 Bericht erstattet. Lange Zeit ist diesem in den dreißiger Jahren bereits gegründeten Vereine nicht die ihm gebührende Würdigung und Förderung geworden, und erst in letzten Jahren ist durch die Zeitströmung und den Eintritt neuer Direktionsmitglieder regeres Interesse erweckt. Das Vermögen des Vereins beläuft sich auf M. 13,433, wozu ein Legat von jährlich M. 250 aus der Jacob Leffmann Cohen'schen Stiftung kommt, welches der weil. Dr jur Moritz Cohn, der seiner Zeit in Schrift und Wort für die Gleichberechtigung der Juden im ehemaligen Königreich Hannover eintrat und auch zugleich die erste Anregung zu diesem Vereine gab, festgesetzt hatte. In dem abgelaufenen Zeitraum (1890 bis 1893) sind M. 5008 62 verausgabt und 113 Lehrlinge unterstützt, die als Buchbinder, Schneider, Schlachter, Uhrmacher, Buchdrucker, Schlosser, Goldschmiede, Klempner, Sattler, Maler, Bürstenmacher, Friseur, Glaser. Weber in die Lehre traten. Diese Aufzählung erweist, daß die meisten Handwerke hier vertreten sind, wie in dem Bericht auch konstatirt wurde, daß wir in fast jedem Handwerke tüchtige jüdische Meister und auch Fachleute in unserer Stadt besitzen. X. Hannover, 17. Januar. Der Verein für jüdische Geschichte und Litteratur hielt am Sonnabend, den.13., seine erste konstituirende Versammlung, in welcher die entworfenen Statuten berathen und mit unwesentlichen Veränderungen angenommen wurden. In den Vorstand wurden die Herren Rechtsanwalt Benfey I, Landrabbiner Dr. Gronemann, Inspektor Dr. Kayserling, Geheimrath L. E. Meyer, Bankier Emil L. Meyer, Dr jur. S. Meyer und Bankier Moritz Simon gewählt. Es sind für diesen Winter noch drei öffentliche Vorträge in Aussicht genommen und die Verhandlungen mit den Rednern bereits eingeleitet. K. Emden, 10. Januar. Am Montag traf der für die Landrabbinerbezirke Aurich-Osnabrück gewählte Landrabbiner Dr Löb aus Ra witsch hier ein; eine Deputation der Gemeindevertretung war ihm bis Leer ent^egengefahren. Die Einführung in sein neues Amt erfolgte Dienstag Mittag durch den Oberbürgermeister Fürbringer. Seit dem Tode des Landrabbiners Dr. Buchholz war das Rabbinat behördlicherseits der Verwaltung des Landrabbiners Dr. Gronemann-Hannover.übertragen. ** Köln, 23. Januar. Die Vereine für jüdische Geschichte und Litteratur sind berufen, nicht allein das Andenken an die Geistesheroen des Judenthums aus alter Zeit dem gegenwärtigen Geschlecht vorzuführen, um aus der Betrachtung und der Kenntniß ihres Lebens, Wirkens und Schaffens Vertrauen zur eigenen Kraft und Anhänglichkeit an den überkommenen Glauben zu gewinnen, sie müssen auch die großen Männer des Judenthums, die unserer Gegenwart Stolz und Zierde sind, in das rechte Licht stellen, damit man die Ueberzeugung gewinne, $b ‘O/ daß Israel nicht verwittwet ist. Von diesem Gedanken geleitet, hat der Vorsitzende des hiesigen Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur, Heer Rabbiner Dr. Frank, eine Gedächtnißrede im Verein auf den Heimgegangenen Oberrabbiner Dr. Jellinek gehalten. Jellinek wurde zuerst in seiner geistigen Entwickelung geschildert und nachgewiesen, daß der Knabe bereits die zukünftige Größe des Mannes ahnen ließ In Proßnitz, Prag, Leipzig, den Stätten seiner Ausbildung, hat Jellinek Spuren eines strebenden Menschen znrückgelassen, der die Höhe des Lebens hinanstieg. Jellinek als Prediger wurde charakterisirt, wie er den Geist des Midrasch, selbst dem Wortlaut nach, in die jüdische Predigt, die ohne Vorbild sich bis dahin in das allgemeine Menschliche verlor, einführte; wie er die Resultate der jüdischen Wissenschaft, geklärte Anschauungen über das Judenthum in Predigtform der Gemeinde zugänglich machte; mustergiltig in dieser Richtung ist der Rede-Cyklus über den Talmud. An zweiter Stelle wurde Jellineks Bedeutung als Mann der Wissenschaft hervorgehoben und vor Allem seine schriftstellerische Thätigkeit an der Midraschlitteratur näher erklärt. Drittens aber als Kämpfer und Gottes-. streiter für die Ehre seines Glaubens und seiner Glaubensgenossen verdient Jellinek die höchste Anerkennung Wie ein Prophet aus altbiblischer Zeit stand er auf der Kanzel und „verkündete nicht allein seinem Volke sein Vergehen und dem Hause Jakobs seine Sünden", sondern redete auch gegen Lüge, Täuschung, Verstellung, Unrecht, Gewalt, mochten diese Laster in den Palästen oder bürgerlichen Kreisen um sich gegriffen haben. Die eine Stunde währende Gedächtnißrede hielt die Aufmerksamkeit der zahlreichen Zuhörer rege, und Redner schloß, indem er aus einem Bande der von Jellinek herausgegebenen kleinen Midraschim, aus der rVTBS (dem Tod Aarons, Jellinek hieß Aaron), die Stelle vorlas, in der es hieß, Aaron wäre mit seinen HJIM? den ^nn hinangestiegen, um dort zu sterben, und ebenso sei Jellinek in vollem Priestergewande gestorben, da er noch einige Tage vor seinem Tode an heiliger Stätte das Gotteswort verkündet hatte und auf ^nn ‘"ipf dem „hohen Gipfelberge" seines fruchtbaren Lebens sein irdisches Dasein schloß. Möchten alle Vereine gleicher Richtung dem großen Todten eine ähnliche Gedächnißfeier widmen! Oesterreich - Anaarn □ Wien, 22. Januar. Im niederösterreichischen Landtag hat der Abgeordnete Schneider einen Dringlichkeitsantrag in Betreff des Verbotes des Schächtens bei den Juden eingebracht. Der Antrag beruft sich auf die Verordnung des sächsischen Ministeriums vom März 1892, dahingehend, daß die Schlachtthiere nicht mehr ohne vorhergehende Betäubung durch Kopfschlag oder Maske geschlachtet werden dürfen. Schneider beantragte im Sinne dieser Entscheidung des sächsischen Ministeriums und mit Berufung auf das Schweizer Plebiszit: „In Erwägung des Umstandes, daß die Schächtung der Schlachtthiere thatsächlich eine barbarische Schlachtmethode involvirt; in Erwägung, daß die nichtjüdische Bevölkerung Niederösterreichs nicht weniger civilisirt und human ist, als das sächsische und das schweizerische Volk, beantragen die Unterzeichneten: Der Landtag wolle beschließen, daß Schlachtthiere von nun an nur mehr in Niederösterreich nach vorangegangener Betäubung durch Kopfschlag oder Schlachtmaske geschlachtet werden dürfen, und daß der Verkauf des Fleisches geschächteter Thiere nicht gestattet sei. Unterzeichnet ist der Antrag von den Abgeordneten Scheicher, Mayer, Loquay, Jax, Hauck, Baumann, Schnabl, Riegler, Schreiber. Abg. Haberl erklärt sich gegen die Dringlichkeit dieses Antrages. Das Haus könne nicht sofort entscheiden, ob den jüdischen Mitbürgern das Schächten verboten werden solle. Es sei auch die Frage der Kompetenz von Bedeutung. Der Redner beantragt die Zuweisung dieses Antrages an den Landeskulturausschuß. Abg. Schneider erklärt, er habe nur deshalb die Dringlichkeit beantragt, um sich über beit Antrag auszusprechen und um 15 Minuten Redefreiheit zu gewinnen. Landmarschall Baron Gudenus bemerkt, er könne nur zulassen, daß lediglich über die Dringlichkeit des Antrages gesprochen werde. Abg. Schneider sagt, wenn ihm jetzt verwehrt werde, zu sprechen, so komme der Antrag in den Ausschuß

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