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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-01-26 · Heft 4 (26.1.1894) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 4 (26.1.1894)
Date
1894-01-26
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 und sei da begraben. Er wolle zeigen, wie sehr das Schächten der Humanität widerspreche. Landmars chall: Ich kann nur eine Ausführung über die Dringlichkeit zulassen. Bei der ersten Lesung wird der Antragsteller das . Wort haben. Abg. Schneider: Dann muß ich bitten, daß die Citate, die ich Vorbringen will, dem stenographischen Protokoll beigeschlossen werden. Landmarschall: Das kann ich nicht zulassen. Abg. Schneider: Das Schächten der Thiere, wie es die Juden betreiben, ist eine Grausamkeit und spricht der Humanität Hohn. Warum sollen die Juden die Ausnahmsstellung genießen, daß man ihnen die Thierquälerei gestatten soll? Warum sollen die Christen das Fleisch essen, welches den Juden zu schlecht ist? Ich habe ein reiches Material über die Frage des Iudenschächtens. In Sachsen hat man sich mit der Frage beschäftigt. In der Schweiz war die Angelegenheit Gegenstand eines Plebiszits, und die Schweizer haben sich gegen die Methode des Schächtens ausgesprochen. Das Schächten ist gar nicht in der jüdischen Religion begründet. Ich kann fünf Rabbiner anführen, welche sich gegen das Schächten geäußert haben. Diese Methode ist nur eine Erfindung der Rabbiner. Landmarschall: Der Herr Abgeordnete sagt selbst, daß er ein reiches Material hat. Das Haus kann jetzt dieses Material nicht entgegennehmen, das ist Sache der Berathung. Jetzt kann nur über die Frage der Dringlichkeit gesprochen werden. — Dieselbe wurde ab gelehnt Aus diesem Anlasse veröffentlicht Reichsrathsabgeordneter Dr. Bloch in der „Oesterreichischen Wochenschrift" den folgenden Erlaß des gewesenen Ministerpräsidenten und Ministers des Innern Grafen Taaffe an den Stadtrath von Graz: „Auf die vom Stadtrathe unterm 10 Jänner l. I., Z. 103.698, gestellte Anfrage, ob ein allgemeines Verbot des bei den Juden üblichen „Schächtens" der Schlachthiere zu gewärtigen fei, wird dem Stadtrathe in Folge Erlasses des k. k. Ministeriums des Innern vom 11. l. M., Z. 2560, eröffnet, daß „die im Jahre 1888 über die bei den Israeliten übliche Methode des „Schächtens" der Schlachtthiere durchgeführten Erhebungen zu dem Ergebnisse geführt hatten, daß, wenn alle Bestimmungen des Rituals erfüllt werden, in der Methode des „Schächtens" eine thierquälerische Handlung nicht gefunden werden kann, daher auch für das Ministerium des Innern eine Veranlassung nicht vorliegt, um gegen dieselbe einzuschreiten. Graz, am 19. April 1893. Der Statthalter." Unter großer Betheiligung wurde die Leiche der Samstag verstorbenen Gattin des Oberrabbiners der israelitischen Kultusgemeinde Tr. Moritz Güdemann, Frau Fanny Güdemann, zu Grabe getragen. Im Trauerhause 2. Bezirk, Ferdinandstraße Nr. 23, hatten sich eingesunden: Baron Hermann Königswarter, Regierungsrath Angelo Ritter von Kuh, die Bankdirektoren Theodor Ritter von Taussig, Präsident der Staatseisenbahn-Gesellschaft, Ritter von Borkenau von der Eskompt - Gesellschaft und Kuranda, David Ritter von Gutmann, Hofrath Nothnagel, viele Gemeinderäthe rc Um 10 Uhr wurde der Sarg, nachdem Oberkantor Goldstein unter Assistenz des Kantors Blatt die Trauergesänge angestimmt hatte, gehoben und begleitet von der Mehrzahl der Gäste nach" dem Centralfriedhofe gebracht. In der Ceremonienhalle hielt der Gatte, der verehrte Oberrabbiner Dr. Güdemann, tiefergriffen am Sarge seiner Gattin die Trauerrede Dr. Güdemann hob den Wohlthätigkeitssinn und die Herzensgute der Verblichenen gegen Arme hervor und rühmte ihre Frauentugenden. Als der Oberrabbiner mit thränenerstickter Stimme geendet hatte, wurde der Sarg zum Grabe getragen und beerdigt. Friede ihrem Andenken! Frankreich. * * Paris, 22. Januar. Wie man von hier berichtet, ist der zweite Direktor der hiesigen Sternwarte, der bekannte Astronom M aurice L.öwy, ein gebürtiger Oesterreicher, wenn ich nicht irre, aus Wien, zum Präsidenten der «Academie des Sciences“ für 1894 gewählt worden. Es ist interessant, daß die Leitung der fünf Akademien (einschließlich! der berühmten « Academie fran^aise“), aus welchen das «Institut de France“ j besteht, in diesem Jahre gerade der «Academie des Sciences“ zufällt. So wird denn in diesem Jahre einem Juden zum ersten Male die hohe Ehre zu Theil werden, Präsident des «Institut de France“, der höchsten offiziellen Körperschaft für Wissenschaft und Kunst in Frankreich, zu sein! - .. - Von Nah und Fern. Bei dem letzten Ordensfeste erhielt Geheimrath Prof. Dr.Pringsheim den Rothen Adlerorden dritter Klasse, Geheimrath Prf. Dr. Cohn in Breslau und Prof. Dr. Herm. Cohen in Marburg den Rothen Adlerorden vierter Klasse. — Die Gläubiger des „Ersten christlich deutschen Bazars" am Spittelmarkt 2 und Kommandantenstraße 1 und 2 scheinen die ihnen von dem Inhaber Herrn PaulBathe gebotenen fünfundzwanzig Prozent zurückgewiesen zu haben, denn das hiesige königliche Amtsgericht Berlin I macht soeben amtlich bekannt, daß über dieses antisemitische Unternehmen am 19. Januar d. I., Vormittags ll12 Uhr der Konkurs eröffnet worden sei. Zum Konkursverwalter ist der Kaufmann Gödel ernanntworden. — Die „Antisemitische Vereinigung für Norddeutschland" braucht Geld zur Deckung von „Ehrenschulden". Ein Aufruf an die Gesinnungsgenossen sagt darüber: „Im Eifer des Wahlkampfes haben Einzelne sich für die Sache geopfert, sind Verpflichtungen für die Gesammtheit eingegangen. Diese Ehrenschulden müssen endlich getilgt werden, auch die Freudigkeit bei der Arbeit für unsere Sache darf nicht getrübt werden. Gesinnungsgenossen! .... Wie unsere Vorfahren in den Befreiungskriegen opferten, so opfert jetzt Euer Scherflein. Gebe Jeder nach seinen Kräften. Auch die kleinste Gabe ist willkommen." Nach den Erfahrungen, die mit antisemitischen „Ehrenscheinen" bisher gemacht worden ftnb, muß man sich wundern, daß sich noch Leichtgläubige gefunden haben, die Geld gegen „Ehrenwort" gaben. Jetzt sind sie auf den Ertrag dieser neuesten Bettelei angewiesen. — Die „Antisemit. Korresp." ließ sich dieser Tage aus Danzig folgende Siegesbotschaft senden: „Vortragsreise des Abgeordneten v. Liebermann glänzend verlausen. In Bromberg, Graudenz, Jnowrazlaw, Argenau, Thorn stark besuchte stimmungsvolle Versammlungen. In Danzig Hunderte von Sozialdemokraten anwesend. Dank der vorzüglichen Anordnung niedergehalten. Großer Erfolg." Die „Danz. Ztg." bemerkt dazu: „Wie uns unmittelbar nach der Danziger Versammlung gemeldet wurde, bestand der „große Erfolg" darin, daß sich ein Zuhörer des Herrn Liebermann v. S. zur Aufnahme in den antisemitischen Bund meldete." Darüber, daß die Antisemiten den Anschein zu erwecken suchen, sie erfreuten sich des besonderen Schutzes der Polizei, ist uns aus dem Danziger Blatt dagegen keine Aufklärung geworden. Wahrscheinlich haben die Antisemiten auch bei dieser Behauptung geflunkert. — Herr Louis Oppe in Mühlhausen in Thüringen ist zum Provinziallandtagsabgeordneten für diese Stadt gewählt worden. Ferner ist Herr Gerichtsassessor Dr. Rosenstock zum besoldeten Stadtrath in Mühlhausen gewählt und als solcher seit Oktober 1893 dort angestellt. Derselbe wird auch wahrscheinlich jetzt dort zum zweiten Bürgermeister gewählt werden, da der bisherige zweite Bürgermeister seit dem 1. Januar penflonirt ist und Stadtrath R. viel Sympathien in Mühlhauser Bürgerkreisen besitzt. — Der Kaiser von Oesterreich hat den Kaufmann L. H. Wiener in Kapstadt zum unbesoldeten Konsul daselbst mit dem Rechte zum Bezüge der tarifmäßigen Konsulargebühren ernannt und dem-Baurathe Joachim Stern aus Innsbruck anläßlich der von ihm erbetenen Versetzung in den Ruhestand in Anerkennung seiner vieljährigen, treuen und vorzüglichen Dienstleistung den Titel und Charakter eines Oberbaurathes verliehen. — In Warschau starb Rabbi Jacob Landau, Sohn des berühmten verstorbenen Rabbi Abraham Landau aus Czechanow. R. Jacob war Rabbiner in Czechanow, lebte dann längere Zeit in Jerusalem und kehrte dann wieder nach Rußland zurück. Nach der „Hazephira" war er ein hervorragender Talmudist und wahrhaft frommer Mann. — Die „Novosti" melden gerüchtweise, es sei die Frage angeregt worden, den Rayon, in welchem die Hebräer sich in Rußland unbeschränkt ansiedeln dürfen, zu erweitern. — Die spanisch-portugiesische jüdische Gemeinde zu Montreal feierte dieser Tage ihr 125. Gründungsfest. Sie ist die fünfte auf nordamerikanischem Boden errichtete Gemeinde. Ihr gingen die Gemeinden Nerv-Jork, Newport, Savannah und Charleston voraus. Der erste Ansiedler war der Proviantmeister Aaron Hart. Dr. H. Pereira Men des hielt am Gründungstage eine Predigt, welche ein Muster von Kanzelberedtsamkeit genannt werden darf. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redccktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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