Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1894)
- Date
- 1894-01-26
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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2 Jahrhundert in ihren Mauern jeden Morgen und Abend eine Schaar andächtiger Glaubensgenossen zu gemeinsamem Gottesdienst vereinigt. Namentlich in den letzten Jahren hat sich durch die würdige Form des Gottesdienstes und durch anregende Predigten die Zahl ihrer ständigen Mitglieder beträchtlich vermehrt; möge sie auch weiterhin zur Erhaltung und Belebung des religiösen Sinnes unserer Glaubensgemeinschaft kräftig beitragen! fg. Berlin, 15. Januar. Der Verein „Omilus chassodim“ feierte gestern in den Dräselschen Festsälen sein Stiftungsfest. Zu demselben waren circa 500 Personen erschienen. Der Verein selbst, dessen Tendenzen wohlthätige sind, hat sich sehr gut entwickelt. Gr zählt momentan 500 Mitglieder aus allen Berufsklassen der jüdischen Bevölkerung. Das Fest verlief programmäßig Der musikalisch-deklamatorischen Abendunterhaltung folgte der Ball. Während der Kaffeepause folgten den Ansprachen des Vorsitzenden und des Schriftführers humoristische Borträge. Der Direktor des American-Theaters hatte in liebenswürdigster Weise dem Verein seine Kräfte zur Verfügung gestellt. Der Instrumental- Humorist Hugo Schulz von genanntem Theater fügte seiner gegenwärtigen Glanznummer, einem Couplet, von welchem er immer das letzte Wort nicht sprechen darf, noch eine Strophe zu, die Ahlwardt zum Thema hatte. K. Thorn, 21. Januar. In allen größeren und selbst kleineren jüdischen Gemeinden zeigt sich das Bestreben, den Gottesdienst unseren jetzigen modernen Ansprüchen gemäß zu heben. Auch unsere Gemeinde-Vertretung hat schon seit Jahren durch eine Synagogen- Ordnung, Weglassung von Piutim, Einschaltung deutscher Gebete rc., wozu noch an den Feiertagen die Mitwirkung eines vierstimmigen Männerchors kam, diesem Bestreben Rechnung getragen. Trotz dieser Verbesserungen verhielten sich aber die Gemeindemitglieder bei den gesanglichen Responsorien meist passiv; es ging aber die Bemühung der Gemeinde- Vertretung dahin, daß die ganze Gemeinde sich aktiv an den Gesängen betheilige, was nach einigen mißlungenen Versuchen nunmehr gelungen ist, so daß jetzt ein durch Gemeinde- und Chorgesang geregelter Gottesdienst stattfindet. Die eigentlichen Chorgesänge werden zwei-, die Re-, sponsorien der Gemeinde einstimmig ausgeführt. Am Freitag Abend und beim Jugendgottesdienst, der jeden Sabbath Nachmittags abgehalten wird, wirkt der aus Gymnasiasten und Mittelschülern bestehende Knabenchor mit, der an den Feiertagen durch Hinzuziehung von Männerkräften zu einem vierstimmigen ergänzt wird Am Sabbath Vormittag findet der Gottesdienst ohne Chorgesang statt. An dem Jugendgottesdienst müssen sämmtliche Knaben und Mädchen der hiesigen Lehranstalten Theil nehmen; auch wird bei demselben meist eine Ansprache des Rabbiners an die versammelten Schüler und Schülerinnen gehalten. Da schon hier der Schüler öfters erwähnt wurde, so mag noch folgender Bericht über die Schule, und zwar über die Religionsschule, seinen Platz finden. Bis zum 1. Oktober 1892 war die hiesige Schule eine Elementar- und zugleich Vorbereitungsschule für Gymnasium und Mittelschule Der hebräische Unterricht fand neben den elementaren Lehrgegenständen seine besondere Berücksichtigung. Mit der Gründung von Vorschulklassen des Gymnasiums und Erweiterung der Mittelschule verminderte sich immer mehr die Schüleranzahl unserer Schule, so daß — wenn auch nach langen Kämpfen — die Gemeinde-Vertretung, unter deren Verwaltung die Schule sich befand, sich endlich genöthigt sah, die Elementarschule aufhören zu lassen, und die schon früher aus 6 Klassen bestandene Religionsschule zu einer 9klasstgen zu erweitern. In dieser wird nur „Hebräisch" unterrichtet, der biblische Geschichts- und Religionsunterricht wird an den Hauptanstalten - Gymnasium, Mittelschule, höheren Töchterschulen und Volksschulen — selbst ertheilt. Den Unterricht ertheilen die Herren: Rabbiner Dr Rosenberg, Lehrer Kramer und Kantor Zwillenberg. Es ist demnach auch hier seitens der Gemeinde-Vertretung für das religiöse Wissen der Jugend in vollständig genügender Weise gesorgt. F. B. Hirschberg i. Schl., 15. Januar. Für Sonnabend Abend den 13. d. M, berief Herr Rabbiner Dr. Biram durch Cirkular die Gemeindemitglieder nach dem Hotel „Weißes Roß", behufs Gründung eines jüdischen Litteratur-Vereins". Dieser Einladung folgten einige dreißig Gemeindemitglieder, denen Einberufer in einem von Herzen, kommenden, packenden Vortrag, ausgehend von dem Satze: „Das Studium der Tora übertreffe Alles", die Gründung dieses Vereins warm ans Herz legte. In seinen Bemühungen wurde Herr Dr. Biram von Herrn Rechtsanwalt Ledermann Mid Herrn Fabrikanten Fränkel eifrigst unterstützt. Die Gründung des Vereins ging vor sich und alle Erschienenen traten demselben bei. Die oben erwähnten Herren wurden zu Vorstehern des Vereins, der den Namen „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" führt, mit Stimmeneinhelligkeit gewählt. Tie Mitgliederzahl dürfte bis auf fünfzig steigen. Möge der neue Verein wachsen, blühen und gedeihen und es ihm vergönnt sein, zum Wohle der Gemeinde und zum Heile Israels beizutragen. 0a. Aus Schlesien, 19. Januar. Der am Neujahrstage nach kurzem Leiden an der Influenza verstorbene Stadtverordnete und Rentier, frühere Mühlenbesitzer Isidor Adler in Nikolai wurde am 3. d. Mts. unter außergewöhnlicher Theilnahme bestattet. Der Verstorbene hat als Stadtverordneter viele Jahre der Kommune ersprießliche Dienste geleistet. Im Trauergefolge schritten Magistrat, Stadtverordnete und der Turnverein mit umflorter Fahne Herr Rabbiner Dr. Cohn aus Kattowitz sprach an der Gruft. — Ebenda wurden jüngst antisemitische Plakate, welche die Bevölkerung aufreizten, nicht bei Juden zu kaufen, in polnischer Sprache verbreitet. — Am Sylvestertage feierte der israelitische Jungfrauenverein in Myslowitz im Grunrvald'schen Saale sein erstes Stiftungsfest durch ein Festessen, sowie theatralische und musikalische Aufführungen. Die Betheiligung der Vereinsmitglieder war eine so zahlreiche, daß sich die Feier zu einem Volksfeste gestaltete. Nachdem Fräulein Schindler einen mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Prolog gesprochen, hielt Herr Rabbiner Dr. Jaffe die Festrede. Große Ueberraschung wurde den Festtheilnehmern durch die vom Baumeister Knaut arrangirten lebenden Bilder bereitet. Den Schluß des Festes bildete ein gemüthliches Tanzkränzchen. — In dem an der Grenze gelegenen österreichischen Städtchen Oswiencim weilt seit einigen Tagen der weltberühmte „Wunderrabbi" aus Belz in Ostgalizien. Täglich treffen mehrere hundert Personen aus allen Himmelsrichtungen daselbst ein, um sich bei dem „weisen Manne" Rath zu holen. — In der jüngsten Generalversammlung des israelitischen Armenunterstützungsvereins zu Myslowitz wurde zum Vorsitzenden Kaufmann Rosenau, für die Vertheilung der Unterstützungsanweisungen Kaufmann Rosenbaum, zum Beisitzer Bierverleger Gaßmann und zum Rendanten Kaufmann C. Hausdorff gewählt. Beschlossen wurde, Unterstützungen an Orts- und auswärtige Arme je nach ihrer Bedürftigkeit in Höhe von 50 Pfennigen bis 6 Mark zu gewähren. — Die ersten israelitischen Waisenknaben wurden am 5 d. Mts. von Herrn Synagogendiener Sußmann aus Kattowitz nach dem vor Kurzem eröffneten israelitischen Waisenhaus in Rybnik gebracht. — Bei der Ergänzungswahl des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde in Tarnowitz wurden als Vorsteher Kaufmann Adolf Panofsky und Weinkaufmann Josef Rischofsky und als Vorsteher-Stellvertreter die Kaufleute Adolf Baum und Moritz Schlesinger für eine 6bezw. 3-jährige Amtsdauer gewählt. - Am 8. d. Mts. verschied in Gleiwitz am Herzschlag der früher in Burowietz wohnhaft gewesene, nach Berlin verzogene Kaufmann Salo Weichmann, ein sehr rühriges Mitglied des Kaufmännischen Vereins von Rosdzin-Schoppinitz und Kleindombrowka. Ter Kaufmännische Verein war bei dem Leichenbegängnisse durch die Herren Josef Steiner und Salo Krebs, der Kultusverein durch die Herren Adolf Baum, Max Sachs und den Vorsitzenden beider Vereine A. Weiß vertreten. £ Landsberg a. d. W., 21. Januar. Nachdem Herr Dr. Karpeles den Neigen der Vorträge in unserm Verein für jüdische Geschichte und Litteratur vor Kurzem eröffnet, folgten ihm Frau Nahida Remy und am 7. d. M. Herr Rabbiner Dr. Rosenthal aus Rogasen, der über „Räthselbücher der Menschheit" sprach. Wie mir mitgetheilt wurde, werden in dieser Saison noch mehrere auswärtige Redner, darunter Herr Rabbiner Dr. Rosenzweig-Berlin, in unserem Vereine sprechen. Der hiesige Rabbiner, Herr Dr. Elsaß, verdient durch seine entschiedene Förderung dieses Vereins große Anerkennung. K. Hannover, im Januar. Der „Verein zur Unterstützung israelitischer Armen und Beseitigung der Hausbettelei in der Synagogen-Gemeinde zu Hannover" veröffentlicht den Rechenschafts-Bericht über seine Thätigkeit im dreizehnten Jahre seines Bestehens vom 1. April 1892 bis 31 März 1893. Der Einnahme von Beiträgen von Mitgliedern (M. 9974.50), Geschenken von Mitgliedern und Nichtmitgliedern (M. 611.50), von Zinsen für zeitweise belegte Kapitalien (M. 63.54), in Summa von M. 106,49.54, stehen Ausgaben