Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1894)
- Date
- 1894-01-26
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
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58. Jahrgang. Ilr. 4. Dev Gemeindebote. Berlin, 26. Januar 1894. Weikcrge zur „Allgemeinen Zeitung öes IuöenLHurns". Korrespondenzen und Nachrichten. NentschlanL. b. Berlin, 23. Januar. In der letzten am 21. Januar stattgehabten Sitzung der Repräsentanten wurde das Bureau dieser Körperschaft neu gewählt. Der Wahlakt ergab, daß Herr Hermann Landsberger zum ersten und Herr Louis Lieb er mann zum zweiten Vorsitzenden einstimmig wiedergewählt wurden Auf seine Bitte wurde von der Wiederwahl des bisherigen ersten Schriftführers. Herrn Louis Sachs, Abstand genommen und statt dessen Herr Geh. Rath Dr. Mareuse für diesen Posten bestimmt. Das Amt des zweiten Schriftführers übernahm Herr S. Leichtentritt. Durch den Eintritt mehrerer Herren in den Vorstand war deren Ersatz in eimgen Verwaltungskommissionen nothwendig geworden. Es wurden daher an Stelle der ansgeschiedenen Herren gewählt: Herr Martin Simon in den Ausschuß für Steuer-, Etats- und Rechnungswesen, Geheimrath Mareuse in den Ausschuß für allgemeine Angelegenheiten. Sanitätsrath Dr. Jastrowitz wurde in den Schul- und Talmud-Thora-Vorstand gewählt, in das Kuratorium der Dr. Ephraim-Stiftung kamen die Herren I. Löwe und I. Fränkel, in das Kuratorium der Adolph Reichenheimschen Stiftung an Stelle des auf seinen Wunsch von dieser Delegation entbundenen Herrn Rechtsanwalt Tiktin, Herr A. Ruß; Herr Martin Simon wurde wiedergewählt. In die Kommission für Subventionirung der Religionsvereine wurde Geheimrath Kirstein und endlich wird in die gemischte Kommission zur Berathung des Religionsunterrichts an den höheren Lehranstalten Rechtsanwalt Tiktin delegirt. Eine längere und sehr lebhafte Debatte entspinnt sich alsdann bei der bereits in der vorletzten Sitzung zur Sprache gekommenen Stiftung des verstorbenen Geh. Medizinalrath Cohn. Nach der Bestimmung des Erblassers sollen die Zinsen seines 400,000 M. betragenden Vermögens zur Ausbildung von Handwerkslehrlingen jüdischer Konfession verwendet werden, doch dürfen die ans der Stiftung unterstützten Lehrlinge nur am Neujahrs- und Versöhnungsfeste von der Arbeit entbunden werden. Herr Rechtsanwalt Tiktin legte die Gründe dar, welcher den Ausschuß, an den man die Angelegenheit verwiesen, bewogen hatten, trotz dieser Bestimmung sich für die Uebernahme der Stiftung zu erklären. Diese Gründe gipfelten in der Erkenntniß, daß unter den heutigen Verhältnissen eine Sabbathruhe für den späteren selbstständigen Handwerker doch unmöglich wäre, und daß man es daher nicht verantworten könnte, im vollsten Widerspruch mit den Erfahrungen und Erfordernissen des praktischen Lebens eine solche Summe zurückzuweisen, mit welcher so viel Wohlthätiges geschaffen werden könnte. Diesen Standpunkt vertrat auch der Kommissar der Opposition gegenüber, die, aus den Herren Leonh. Sachs, Löwenberg, Leichtentritt, Heilmann, Limon und Oppenheim bestehend, den religiösen Standpunkt betonte; die Heiligung des Sabbaths sei die Grundveste der jüdischen Religion. Die namentliche Abstimmung ergiebt aber nichts destoweniger 13 Stimmen für rrnd sechs gegen die Annahme. Frau Erna Pakscher hat dem Krankenhause für eine Bettstiftung 6000 Mk und die Erben des Geheimen Kommerzienrath Lachmann haben der Armenkommission 20,000 Mk. mit der Bestimmung zugewendet, die Zinsen im November zu vertheilen. Auf Antrag des Referenten Leonhard Sachs werden als Jahressubvention den folgenden Religionsvereinen bewilligt: Beth Zion 400 M., Lippmann Tauß 300 M., Ben Jacob 300 M. und Oranienburger Vorstadt 1200 M. Der David Herzogschen Freitisch-Stiftung, die im Vorjahre 3214 Marken vertheilte, wird ein Zuschuß von 500 M. bewilligt. Der Verein zur Ausbildung junger Mädchen jüdischer Konfession zu Krankenpflegerinnen erbittet die Genehmigung der Versammlung für eine mit dem Krankenhause getroffene Uebereinkunft, nach welcher das Krankenhaus für jedes vom Verein zur Ausbildung überwiesene junge Mädchen eine Entschädigung von 600 M. pro Jahr erhält. Die Versammlung sanktionirt dieses Abkommen, worauf die öffentliche Sitzung geschlossen wird. * Berlin, 23. Januar. Wir freuen uns, mittheilen zu können, daß im Verfolg unserer Anregungen hier ein Verein fürjüdischeKrankenpflegerinnen sich gebildet hat. Der diesbezügliche Aufruf lautet folgendermaßen: Unter den wenigen Berufsarten, welche den Frauen offen stehen, nimmt die Ausübung der Krankenpflege in allen Konfessionen eine hervorragende Stelle ein. Nachdem in Frankfurt a. M. ein Versuch, jüdische Mädchen zur Krankenpflege heranzuziehen, zu vorzüglichen Erfolgen geführt hat, wurde in allerletzter Zeit auch am Krankenhause der hiesigen jüdischen Gemeinde eine Anzahl von jüdischen Pflegeschülerinnen eingestellt, deren Leistungen in jeder Hinsicht den Erwartungen entsprochen haben. Vier solcher Schülerinnen sind zur Zeit thätig, und deren Zahl wird demnächst noch vermehrt werden. Um indessen einem größeren Kreise von jüdischen Frauen und Mädchen Gelegenheit zu schaffen, sich dem verantwortungsaber ehrenvollen Berufe der Krankenpflege widmen zu können, soll eine Erweiterung dieser Bestrebungen angebahnt werden. Die Nothwendigkeit einer solchen Institution und deren wohlthätige Wirksamkeit bedarf kaunr einer weiteren Begründung. Wir sind überzeugt, daß sich eine genügende Zahl jüdischer weiblicher Personen finden wird, welche sich mit Hingabe dem entsagungsvollen Berufe einer Krankenpflegerin widmen werden, falls für ihre Ausbildung Fürsorge getroffen wird. Ist doch gerade im Judenthum die Krankenpflege von Alters her als eine der wichtigsten, aus dem Gebote der Nächstenliebe sich ergebenden Pflichten betrachtet und geübt worden. Deshalb meinen wir, nunmehr weitere Kreise unserer Glaubensgenossen, vor Allem unsere Frauen zur Erfüllung dieser Aufgabe heranziehen zu sollen, die ja, wie kaum eine andere, den höchsten Zielen der Humanität, „Hilfe in Krankheit und Noth zu bringen", zustrebt. Zur Erreichung dieses Zweckes haben wir die Gründung eines „Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen" beschlossen. Dieser Verein soll die Mittel beschaffen, eine größere Zahl jüdischer Mädchen und Frauen zu Krankenpflegerinnen auszubilden und eine Centralstelle zu unterhalten, von welcher aus die Leitung und Ausbildung der Pflegerinnen, sowie der Verkehr nach außen geregelt wird. Wir wollen aber auch ferner armen Kranken unsere Pflegerinnen unentgeltlich zur Verfügung stellen und den Pflegerinnen selbst die Sorge für die Zeit des Alters oder der Arbeitsunfähigkeit abnehmen Wir zweifeln nicht, daß dem Vereine reiche Mittel zufließen und seitens unserer Glaubensgenossen jede Unterstützung und Förderung zu Theil werden wird. So bitten wir auch Sie, unser Unternehmen durch Rath und That zu unterstützen und unserem Vereine durch Zeichnung eines Jahresbeitrages auf anliegender Postkarte als Mitglied beitreten zu wollen. Das Komitee für den Verein für jüdische Krankenpflegerinnen. Julie Gerson-Liebermann, Viktoriastraße 26. Louis Sachs, Stadtverordneter, Brücken-Allee 1. Mathilde Berend, geb. Reichenheim, Potsdamerstraße 133. Zerline Eisenmann, Bellevuestraße 16. Frau Dr. Frankl, Schiffbauerdam 33. Clara Friedländer, geb Manheimer, Flanzösischestraße 32. Anna Ginsberg, geb. Wolff, Karlsbad 7. Anna Meyer-Gerson, Rauchstraße 19. Emma Jaffe, geb. Joffe, Bendlerstraße 20. Tony, Liebermann, Matthäikirchstraße 29. Frau Tr. F. Liebermann, Bendlerstraße 10. Bertha Manheimer, Thiergartenstraße 5a. Clara Nathorff, Bendlerstraße 38. Hermine Rathmau, Bendlerstraße 25/26. Rosa Sachs, geb. Ginsberg, Brücken- Allee 1. Frau Dr. Weigert, geb. Meyer, Kielganstraße 2. Frau Prof. Dr. Julius Wolff, Neustädtische Kirchstraße 12. Sanitätsrath Dr. Julius Blumenthal, Viktoriastraße 31. Geh. Sanitätsrath Dr. Jul. Boas, Breitestraße 7. Rechtsanwalt Dr. Heinrich Meyer-Cohn, Herwarthstr. Sa. Dr. James Israel, dirig. Arzt der chirurg. Abtheilung am jüd. Krankenhause, Mohrenstraße 5. Geh. Sanitätsrath.Dr. M. Kirstein, Münzstraße 18 Sanitätsrath Dr. Jul. Lazarus, dirig. Arzt der um. Abth. am jüd. Krankenhause, Luisenstraße 31b Moritz Manheimer, Thiergartenstraße 5a. Geh Sanitätsrath Dr. Mareuse, Kurfürstenstraße 23. Albert Philipp Meyer, Rauchstraße 19. Geh. Medizinal-Rath Prof. Dr. H. Senator, Bauhofstraße 7. Sanitätsrath Dr. M. Wiesenthal, Linkstr. 3. Berlin, 21. Januar. Zu den ältesten Gotteshäusern Berlins gehört die Wolff'sche Synagoge, Landsbergerstraße 67, welche nun ein halbes