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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-01-19 · Heft 3 (19.1.1894) · p. Seite 36

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 3 (19.1.1894)
Date
1894-01-19
Page
Seite 36 (sequence 12)
Language
German
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36 „Sie haben Verpflichtungen gegen die Wissenschaft, der Sic Ihre Kraft nicht entziehen dürfen. Gute, geborene Mathematiker} sind selten, geniale, wie Sie, Raphael, linersetzlich. Also beherzigen ] Sie meine Rathschläge, und vorwärts, fest das Ziel ins Auge gefaßt." Damit reichte der Direktor dem jungen Menschen die Hand und ging langsam, die Hände auf den Rücken legend, die blank gescheuerten Treppenstufen hinauf nach seiner Wohnung. Als Raphael das Haus des Feist Wolf betrat, wurde ihm weh. Er hatte das Gefühl, als ob er in jeder Ecke sein verlorenes Glück suchen müßte. Er trat in sein Zimmerchen. Es war dumpf und schwül. „Run hast du sie verloren," sagte er leise vor sich hin, dann warf er sich aufs Bett und'weinte sich satt. Der frühe Oktoberabend hatte schon seine weichen Schatten über den Hain gelegt, er wob dunkle Dunstschleier um die alten Geräthe in Raphaels Zimmer. Da öffnete sich leise die Thür, und Feist schob sich herein. „Raphael, Hörste mich, Raphael Hörste?" Die Stimme des Mannes klang gedämpft, wie verhaltenes Schluchzen. Der arme Junge fuhr auf und sagte: „Run, was ist?" „Recha ist fort!" „Fort! O Gott! Also hat sie es wahr gemacht, und ich hatte noch Hoffnung!" „Ich auch," antwortete Feist, und trotz seines Schmerzes mußte Raphael lächeln, denn dies „Ich auch" hatte zu komisch geklungen. „Wann ist sie gegangen?" „Heute Mittag mit dem Drei-Uhr-Zuge. Der Bodenbeuder hat sie hier abgeholt, und sie sind zusammen weggefahren auf dem Dulle sein Wägelchen. Jhr'n Koffer hat sie aach mit. Uf Frankfort is se gemacht, und kaam adje gesagt.... E Gewitter soll se verschlage!" Mit diesem Kernfluch war er zur Thür hinaus. Darnach aber streckte er den Kopf noch einmal herein und rief: „Komm erunter, Raphael, das Esse steht uf em Tisch." In der Wohnstube fand der Gymnasiast die ganze Familie versammelt. Die Mutter hatte verweinte Augen. Feist sagte zu ihr: „Brauchst zu flenne Wege so eme Fitch. Laß se laafe, sie kriegt ihren Lohn." „Ach Gott, es is doch mei Kind, mei leiblich Kind; un mit en Goi. Ach du lieber Gott, die Schand. Und der Raphael is so e braver Mensch." „Sei ruhig, Mutter, mach em das Herz net schwer, er hat se geliebt wahr un wahrhaftig. Setz' Der her, Raphael un eß, De werscht Hunger hawwe." „Ich Hab gar kein Hunger, Herr Wolf, ich bin satt bis an den Hals." „Der arme Bub," sagte die Feistin mitleidig. Aber das Essen ließ sie trotz des Schmerzes nicht verderben, sie packte tüchtig ein, gerade, als ob sie ihre durchgebraunte Tochter vertreten müßte. Raphael starrte wie geistesabwesend ans seinen Teller, und sobald als möglich verließ er das Zimmer. Er hatte das Bedürfniß, allein zu sein. Das aber sollte ihm heute Abend nicht gelingen: denn kaum war er in seiner Bude, als heftig an der Thür gepocht wurde. „Herein!" Schaller trat ein. „Guten Abend, Raphael, wieder glücklich angekommen?" „Angekommen ja, aber nicht glücklich!" „Ja, ich weiß. Ich Hab die ganze Geschichte beobachtet, ich sah das Ende voraus." „Und hast mir nicht geschrieben." „Da war nichts zu schreiben. Laß das Ding laufen, schlag Dir das Mädel aus dem Sinn. Du hast ja Deine Freunde." „Wie lange noch, und Ihr seid Alle Antisemiten." „Oho,... dem lieben Ramsbeck hat der Alte ja das Handwerk gründlich gelegt." „Weiß schon!" Na, der wird spucken. So eine Blamage, ich danke. Und der Bodenbender fliegt auch demnächst heraus." „So, warum?" „Na, der hat's während der Ferien hier arg getrieben ... Keine Nacht zu Hause. Der Alte war hart hinter ihm." «Fortsetzung folgt.) Sprechsaal. Sehr geehrter Herr Redakteur! ÄU Beweis, wenn auch nicht gerade von hoher Bedeutung für die Richtigkeit der biblischen Tradition (ich bemerke, das; ich von deren Wahrheit durchdrungen bin), bespricht Herr Eduard Georg in Nr. 1 d. I. Ihres geschätzten Blattes eine Felseninschrift von Sehel. Dieselbe ist, wie Herr G miltheilt, eine Fälschung aus der ^'sammetischer- odergar Ptolemäerzeit. Zwei Möglichkeiten, weshalb die Fälscher gerade sieben Hungerjahre annehmen, werden angeführt. Ist nicht noch e'ne dritte näherliegende vorhanden, zumal die Fälschung so jung ist, daß nämlich die Priester von Elephantine bereits die biblische Tradition aus der Septuaginta, die doch unter ren ersten Ptolemäern entstanden ist, kannten und derselben die sieben Jahre der Hungersnoth entnahmen? Gießen, am 7. Januar. Mit vorzüglicher Hochachtung I. Hey mann. * Sehr geehrter Herr Redakteur! A, rlauben Sie mir gefälligst Herrn Dr. Grünwald, Groß-Rabbiner M in Sofia, Folgendes zu erwiedern: 1. Ich halte die La. so lange für die einzig richtige und der lat resp. neugriech. Form „Mopses" entsprechende, als mir nicht eine andere annehmbarere Auffassung nachgewiesen wird. 2. Für die schon in verhältnißmäßig früher Zeit übliche Aussprache des Kamez wie „o“ lassen sich noch mehrere Belege, besonders aus der Litteratur der Kirchenväter beibringen, die ich jedoch an anderer Stelle zu behandeln gedenke. Die Zusammenstellung aber von nftp „stehendes Getreide" und nftlp „Statur' in bab. Baba Kamma 60 a beweist nach ITT. A. hierfür nichts, da hierbei nicht sowohl die Aussprache als vielmehr die gleiche Abstammung dieser beiden Wörter maßgebend gewesen sein dürfte. Achtungsvoll Sulz (Ob.-Els.), 6. Januar. Dr. M. Ginsburger. Geehrter Herr Redakteur! sollen Sie die Güte haben, folgende Korrektur in der nächsten Nummer Ihrer Zeitung zu bringen: In dem Artikel „Eine Berliner Sage" muß es heißen: J. Seite 4, Spalte 2, Zeile 2 von unten nicht 532, sondern 522 2. Seite 5, Spalte 1, Zeile 1! von oben nicht diese Sage, sondern dieser Sage. 3. Seite 5, Spalte 1, Zeile 32 von oben nicht einleiten, sondern eingeleiten. Ergebenst^ Berlin, 8. Januar. Dr. I. Joel. Truck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max BauchwU; in Berlin.

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