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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-01-19 · Heft 3 (19.1.1894) · p. Seite 34

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 3 (19.1.1894)
Date
1894-01-19
Page
Seite 34 (sequence 10)
Language
German
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34 tm§ die Schöpfung abschloß: „und siehe, es war sehr gut", liegt ein Hinweis auf das Reich des Himmels (die göttliche Weltregierung) und auf das Reich der Erde — das römische Weltreich. Dieses wird als „sehr gut" bezeichnet, weil es den Menschen zu ihrem Rechte verhilst. Darauf zielt auch Jes. 45, 12a34). Legen wir an Voltaire dieses Maß, dann gelangen wir zu folgendem Ergebniß. Ruhen die sittlichen und humanen Errungenschaften unserer Tage großentheils auf der mächtigen Kulturarbeit, die das vorige Jahrhundert vollbrachte, können wir in den Stürmen, die uns vielleicht noch bcvorstchen, des Dichterwortes uns getrösten: „Sturmwinds Wirbel fegt die Straßen, Staub und Kehricht mag er fassen, Quadern muß er liegen lassen." so wollen wir nicht vergesieu, daß miter den Werkmeistern, die diese Fundamente der Humanität tief hineingesenkt in Herz und Geist, trotz einer mehr als bedenklichen Charakterschwächen ein Ehrenplatz eingeräumt werden muß dem Patriarchen, wie ihn die Einen, dem großen Spötter von Ferney, wie ihn Andere, dem „Teufel von Gottes Gnaden"33), wie ihn Paul Heyse nennt, Voltaire. N I — j-■=*-1 — 1-5 j 8 FEUILLETON 1 31 c-1 i—i i " - -w - 1 1-1 inMD«M>L^ 5« Jüdin. Erzählung von John Paulsen. (Fortsetzung.) (f)w3 achcl hatte jedenfalls schon Trauriges erlebt... Ihr geistesabwesender Blick, ihr ernstes Lächeln verriethen, daß ihre 0(-, Seele bereits wußte, was Leidenschaft und Leiden bedeuteten. Die dunklen Augen mit dem müden Blick hatten sicher schon oft in einsamen Stunden geweint. Was mochte der Grund ihrer Trauer sein? Litt sie vielleicht im Stillen unter dem Gedanken, einer Rasse anzugehören, welche leider noch Manche gering achteten? — Wer konnte es wissen? — Oder sehnte sie sich fort aus dem grauen, kalten Dänemark — nach jenen fremden, südlichen Ländern, wo die Ceder wuchs und der Wein, nach jenen Ländern, welche einmal die Heimath ihres armen, geplagten, rastlosen Stammes gewesen war? Rief der Orient sie zu sich, von dessen glühender Sonne noch ein Funken in ihrem Blute lag? Die Gesellschaft umringte sie, um ihr zu danken. Holger allein stand stumm, denn er fand nicht den Muth, ihr ein banales Kompliment zu sagen. s. Kohut Aruch kompl Bd. 3, S. 122) 'ppDV 'Tß DTHS SlT .tix-d rr^p cnrri p« 84) Vgl Bacher, die Agada der palästinensischen Amoracr S. 372: Wie an vielen anderen Stellen so trifft auch hier der ebenso gelehrte wie scharf- und feinsinnige Geschichtsschreiber der Agada das Richtige, wenn er in der Anm. 2 daselbst die Vermuthung ausspricht, daß Simon d. Lakisch statt E”iX wohl CHX gelesen, also: „Ich habe die Erde geniacht und Rom (Edom) zur Herrschaft berufen." bb) Im Spruchbüchlein „Habt ihr ihn noch so schwer verdammt. Mit eurem Bannfluch ihn beladen. Er war, wenn auch der Höll entstammt Ein Teufel doch von Gottes Gnaden." „Verteufelt gut gemacht!" hörte er den Maler versichern. Jetzt folgte das Abendessen, welches für ein so reiches Haus fast einfach zu nennen, aber sehr geschmackvoll angeordnet war. Holger war Rachels Tischnachbar, während Anders seinen Platz zwischen Judith und der alten Tante, Fräulein Levy, hatte, welche Rachel bei der Leitung des Hauswesens zur Seite stand. Der Etatsrath führte eine Kammerherrin von Bülow zu Tisch. Rachel hatte vollständig ihre gewöhnliche Ruhe wiedererlangt. Ihre Unterhaltung war nicht von Bedeutung und beschränkte sich auf allgemeine Aeußerliugen über Wind und Wetter, Theater und Musik. Holger blickte sie zuweilen an, als hätte er das Bedürfniß, eine theilnehmende aber indiskrete Frage au sie zu richte». Er bemerkte dabei, wie fein und wunderbar schön ihre Hände geformt waren. Diese schmalen, milchweißen, eleganten Hände waren wie geschaffen, eine Rose zu halten oder auf den Elfenbeintasten eines Pianos zu spielen. Der alte Etatsrath erhob sein Glas und sagte dem Hofjägermeister einige verbindliche Worte. Der Maler, eitel wie die meisten Künstler, sah beleidigt aus. Er war ebenfalls zum ersten Male beim Etatsrath, wurde aber von demselben fast vollständig ignorirt. „So sind diese Juden!" dachte er erbittert und schwor ini Stillen, niemals wieder seinen Fuß über die Schwelle dieses Hauses zu setzen. „Sie sind alle protzig und sehen nur auf Rang rind Geld. Das Talent hat gar keinen Werth für sie." Der Maler hatte sich ein Jahr in Berlin aufgehalten und kehrte, mit Antisemitismus vollgepfropft, eben erst von dort zurück. Als Holger sich von Rachel verabschiedete, fragte sie ihn, wie lange er noch in der Hauptstadt verweilen würde und lud ihn ein, ihre Familie noch einmal vor seiner Abreise zu besuchen. „Sie sind uns immer herzlich willkommen," sagte sie in ihrer ernstfreundlichen Weise ohne die Spur eines Lächelns. II. Die Konditorei von ä Porta war damals noch der Sammelplatz der fashionablen Gesellschaft. Abends nach dem Theater begegnete man dort, außer den Stammgästen, den bekanntesten Schriftstellern, Schauspielern, Malern, Politikern und neugierigen Reisenden aus Schweden und Norwegen, welche auch einmal tout Copenhagne sehen wollten. Als die beiden Freunde bei ihrer Heimkehr aus der Gesellschaft bei Joachims den Kongs Nytoro passirten, schlug der Maler vor, einen Augenblick bei k Porta einzukehren. Die kleinen, nicht sonderlich eleganten Räume waren vollständig gefüllt. Tabaksqualm und Toddydunst erfüllten die Luft, und die Unterhaltung klang wie das Rauschen eines Baches. Die Kellner liefen wie gescheuchte Ameisen umher, jeden Auftrag mit dem stereotyp lächelnden „Sehr gern!" beantwortend, während der alte Gianelli mit seinem dunklen, scharfgeschnittenen Gesicht hinter dem Büffet, dem Eingang gegenüber stand, sich ehrerbietig und einschmeichelnd vor jedem neuen Gast verbeugend. An diesem Abend hatte es im königlichen Theater eine Premiere gegeben, ein neues Stück von Hostrup war aufgeführt und das Caf« deshalb doppelt so besucht wie gewöhnlich. Holger und Anders fanden mit Mühe und Noth Plätze in der Ecke des ersten Zimmers. Ihnen gegenüber saß eine Gesellschaft, welche eine Art litterarisches Hochgericht zu sein schien. Ein kraftvoller alter Herr mit regelmäßigen Zügen und langem silberweißen Haar führte das Wort in diesem geschlossenen Kreise. „Das ist N." sagte der Maler mit gedämpfter Stimme zu Holger, indem er den Namen eines bekannten dänischen Schriftstellers nannte.

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