Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1894)
- Date
- 1894-01-19
- Page
- Seite 33 (sequence 9)
- Language
- German
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33 Hamcm des achtzehnter; Jahrhunderts, wie lautet unser Schlußurtheil über ihn? Schwein des Herodes zu sein, als sein Sohn." (Naerob. Saturnal. 2, 4 (de jocis Augusti in alios) Gum audisset inter eos, quos in Syria Herodes rex Judaorium intra bimatum jussit interfici, filium quoque occisum: ait; melius est porcum Herodis esse, quam filium) Da erfahren wir, wie groß die Erbitterung des Volkes gegen diesen das Gesetz und der Väter altgeheiligte Sitte mit Füßen tretenden idumäischen Emporkömmling gewesen, da werden uns die Greuelthaten vorgeführt, mit denen dieser König sich befleckte, die Städte, Tempel, Statuen, Theater, Märkte u. s. w. namhaft gemacht, die er errichtet, davon aber, daß der Tempelbau unterblieben, weil das Volk „sein Geld mehr liebte, als sein Heiligthum", ist mit keinem Sterbenswörtchen die Rede. „Nachdem", erzählt Jos. im 1t. Kapitel des 15. Buches der Alterhümer, „Herodes nun schon so viele herrliche Bauwerke aufgesührt, nahm er im 18. Jahre seiner Regierung noch ein sehr schwieriges Werk in Angriff; er schickte sich nämlich an, den Tempel Gottes in einem weit größeren Umfange und in einer ungeheuren Höhe aufzurichten; denn er glaubte, wenn er dies Werk zu Stande brächte, so würde es — wie es denn auch wirklich der Fall war — herrlicher sein als Alles, was er bis dahin vollbracht und er würde sich dadurch ein bleibendes Andenken gründen. Da er aber einsah, daß das Volk nicht sehr bereitwillig sein werde, ein so großes Werk zu unternehmen, hielt er für gut, dasselbe vorher durch eine Rede zu gewinnen. Es waren jedoch viele durch diese unerwartete Rede in Bestürzung gesetzt und ihr Gemüth wurde durch diesen Plan, zu dessen Verwirklichung keine Hoffnung vorhanden zu sein schien, nicht etwa erhoben, sondern vielmehr beängstigt, denn man besorgte, der König könnte niederreißen und dann nicht die hinlänglichen Mittel besitzen, um das Werk, das er sich vorgesetzt, zu vollenden. Es erschien ihnen diese Gefahr um so größer, als ihnen das Werk selbst schwieriger erschien. Da sie sich nun in solcher Stimmung befanden, flößte ihnen der König dadurch Muth ein, daß er ihnen die Versicherung gab, er werde den Tempel nicht eher einreißen, bis er alles was zu seiner Vollendung erforderlich in Bereitschaft habe. Und hierin hielt er auch Wort." zoxs d'} ovv oxxojxaiösxdzov xijg ‘Hqcoöov ßciGilelag ybyovozoq iviuvzou ßtza xaq 7iQ08iQ7^dvaq itQciquq tpyov ov xb xvybv ßneßccXtzo, zbv vzojv zov $€Ov öl avzov xazaGxevdoccGöcu, ptei'Qco zt zbv nsQißoXov xal ngog vipog aSionQtnbGzsQov sydgeiv, r/yovfÄbvog cmccvzojv zcvzw xwv nenpayiibvcov 7i8QLG7}^6zazov3 ÜgtutQ r/v, bxxt-).£Gy}r)oeöBca xovzo xal TtQog cdojvtov (tQXboeir.ovzw d' aviojr ÖLC'xeifzsvojv naos&ccQQvvev b ßaoiXsvg, ov ttqözsqov xccBcaorjoetv tpdpievog zbv V8(bv 7} navxcov ccvtoj zclv elg xip> awreXtiav 7iaQtGxtvaG(.dv(ov xhL ZaVZa TIQO 8L710JV ovx stpevGCixo. Nach iy2 Jahren war der innere Theil des Tempels fertig, während der Bau der äußeren Hallen nach acht Jahren zum vorläufige;: Abschlüsse kam, aber noch lange fortgesetzt wurde A. 20, 9, 7. Ev- Joh. 2, 20. Die Restauration des Tempels war wohl die einzige von den vielen nur durch schweren Steuerdruck ermöglichten, kostspieligen Bauten des Königs, deren das Volk sich aufrichtig freute. Das bezeugt nicht blos Josephus, der von der Einweihungsfeier berichtet: „"mag b Xaog mhjooj&tj ya^vq“ das ganze Volk war voller Fröhlichkeit darüber und dankte Gott, daß dieses Werk einestheils so bald zu Stande gekommen und anderntheils der König so großen Eifer daran gewendet hätte, und weihete den Tempel mit vielen Glück- und Segenswünschen ein," a. a. O. 11, 7, sondern auch die Sage, die der Talmud berichtet. „So lange der Tempelbau des Herodes dauerte, regnete es nur des Nachts; am Morgen zerstreute ein Wind die Wolken, die Sonne brach hervor; und das Volk machte sich ungestört an seine Arbeit" (Taanith 23a). pTYp rm "n"a paa ppaw omn ^a lrxa nenn nmn a^arn rnsm nnn row “inab nW>a ü’örji ♦imma naaba^ irTi jj-dk1?»1? dwi Ei Solche Sagen sind nie bloße Erfindungen, sondern stets Reflexe — wenn auch stark übertreibende — der Stimmungen und Anschauungen, die über Menschen und Dinge einst im Schwange waren. So spiegelt sich auch in dieser Legende die Thatsache ab, daß das Volk den Bau, von dem der Talmud sagt, daß, wer ihn nicht gesehen, nie einen Prachtbau gesehen, l'v'Q HW pa HK“) tib DTlin pa NXi ’ö (Bab. Bathra 4a), als ein Gott wohlgefälliges, frommes Werk angesehen. Läßt sich nun bei Voltaires Polyhistorie annehmen, daß er diese Kapitel Mein verewigter Lehrer, unser hochverdienter Historiker Grätz, hält dafür^), daß wir Voltaire zu Dank verpflichtet, weil durch seine Jnvektiven Gregoire und Mirabeau zu unseren Vorkämpfern geworden. Ich kann dieser Ansicht nicht beipflichten. Wie Montesquieu nicht erst von Voltaire provozirt zu werden brauchte, um in seinem „Geist der Gesetze" seine gewichtige Stimme gegen die barbarische Behandlung der Juden zu erheben^), so wären wohl Gregoire und Mirabeau auch ohne Voltaire's Schmähschrift für uns eingetreten. Und ebenso unzulässig erscheint es mir, Voltaire's freiheitliche Gesinnung anzuzweifeln, von seinen „leeren Tiraden über Duldung und Menschlichkeit" zu reden, weil er, von Haß und Vorurtheilen verblendet und beherrscht, uns gegenüber als ein Unfreier sich darstellt. — Ich meine, mit Männern von so weltgeschichtlicher Bedeutung dürfen wir nicht so verfahren, wie die Astronomen mit dem Monde, nur die Seite ins Auge fassen, die sie uns zukehren. Ich möchte nicht gern mißverstanden werden; ich bin nicht der Ansicht, als ob der jüdische Historiker sich irgend einen Zwang auferlegen müßte, als ob er Menschen und Dinge nicht beim rechten Namen nennen dürfte. Das darf er nicht nur, das soll und muß er. Hat er aber das gethan^), dann soll und darf er in seinem Gesammturtheil nicht die Verdienste aus dem Auge verlieren, die solche Männer sich um die Menschheit erworben haben. Geben uns die Weisen des Talmuds nicht auch hierfür ein beherzigenswerthes Beispiel? Wer hat die Juden schwerer bedrängt als die alten Römer? Und doch — so harte Worte die alten Lehrer über die kolossale Selbst- und Herrschsucht der Römer gesprochen — die Bedeutung der größten römischen Schöpfung — des römischen Rechtes — würdigen sie mit einer Unbefangenheit, die allen unseren Historikern geradezu vorbildlich hätte sein können. In dem Worte des Schöpfers, so lesen wir im Midrasch Rabba^), im Josephus nie gelesen? Was aber wäre, wenn er sich ihrer erinnert hätte, aus der effektvollen Schmähung geworden von der heißen, übermächtigen Liebe der Juden zu ihrem Gelde? So ignorirt Voltaire einfach ihm unbequeme Thatsachen und behauptet dreist genau das Gegentheil von dem, was sie ergeben. M) Monatsschr. I. 1868. 31) Esprit de lois, livre 25, chap. 13. Tres-humbles remontrances aux inquisiteurs d’Espagne et de Portugal. „Vous vous plaignez, dit-il aux inquisiteurs, de ce que l’empereur du Japon fait brüler ä petit feu tous les chrätiens qui sont dans ses etats; mais il vous repondra: „Nous vous traitons,“ vous qui ne croyez pas comme nous, comme vous traitez vous-memes ceux qui ne croient pas comme vous; vouz ne pouvez vous pleindre que de votre faiMesse, qui vous empeclie de nous exterminer, et qui fait que nous vous exterminons.“ — „II laut que nous vous avertissions d’une chose; c’est que, si quel’qu’un dans la posterite ose jamais dire que dans le siede oü nous vivons les peuples d’Europe etaient polices, on vous citera pour prouver qu’ils etaient barbares, et l’idee que Ton aura de vous sera teile qu’elle fletrira votre siede, et portera la haine sur tous vos contemporains.“ „Ihr Christen beklagt Euch, daß der Kaiser von China alle Christen in seinem Staate bei langsamem Feuer braten läßt. Ihr verfahrt noch schlimmer gegen die Juden, weil sie nicht Alles glauben, was Ihr glaubet Wenn Jemand von unseren Nachkommen es jemals wagen sollte, zu sagen, daß die Völker von Europa gebildet gewesen seien, so wird man Euer Beispiel anführen, daß sie Barbaren waren. Die Vorstellung, die man von Euch haben wird, muß Euer Zeitalter beflecken und Haß über alle Eure Zeitgenossen verbreiten." 32) Grätz hat, seine frühere Darstellung selbst berichtigend, in seiner Geschichte maßvoller über Voltaire geurtheilt, er nennt ihn da „ein mächtiges Werkzeug der geschichtlichen Trerbkraft, um den Fortschritt anzubahnen." Gesch. d. Juden, B. 11 S. 53. bb) maba 17 .-rate aia rum .dw maba 17 aia mn firain anir *6K-xnanx?-78v aia pxn maba ’ai pan jpip*T öixakofxa (vergl. Jalk. Bereschith, wo die andere Lesart 2?p^s