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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-01-05 · Heft 1 (5.1.1894) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 1 (5.1.1894)
Date
1894-01-05
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 beitragen, der Verwilderung im religiösen Leben des Judenthums zu steuern. Das Voll des Gesetzes sei zum Volke der Gesetzlosigkeit geworden. Die Frager Was ist das Judenthum, und was soll es für die Zukunft sein? harre noch immer ihrer Lösung. Das Centrum, der reine Monotheismus, sei wohl klar, doch herrsche nach der Peripherie hin Mannigfaltigkeit und Unklarheit. Anknüpfend an die Worte: EWISBBn "J7 2N18 nVD33 TD» "inr roSrO führte Prof. Lazarus aus, daß im Lehrhause das gelernt werden müsse, was in der Synagoge gelehrt werden solle. In diesem Sinne und Geiste hoffe das Kuratorium auch den neuen Lehrer wirken zu sehen. — Hierauf wandte sich der zeitige Dekan, Herr Rabbiner Dr. May bäum, an Herrn Dr. Schreiner. Er wies vor Allem darauf hin, daß die Anstatt die Aufgabe habe, praktische Theologen auszubilden. Die Lehranstalt erfülle nur daun ihren Zweck, wenn ste das biete, was das Judenthum zur Zeit bedarf, tüchtig vorgebildete Prediger und Seelsorger Es sei daher nothwendig, seine Bestrebungen zu beschränken, sich nicht in entlegene Spezialstudien zu vertiefen, sondern die Hörer mit dem auszurüsten, was erforderlich sei, um im Amte segensreich wirken zu können. Herr Dr. Maybaum versicherte Herrn Dr. Schreiner noch des Wohlwollens und der Unterstützung des Lehrerkollegiums und schloß mit dem letzten Verse des 90. Psalmes. — Sodann ergriff Herr Dr. Schreiner selbst das Wort unb dankte dem Kuratorium wie dem Lehrerkollegium für den liebevollen Empfang. Er wolle sich bestreben, seine Dankesschuld durch ernste Arbeit abzutragen und mithelfen, die Lehranstalt zu einer Hochburg des jüdischen Glaubens und der jüdischen Wissenschaft zu machen. Er fasse seine Lehrthätigkeit ganz in dem Sinne ans, wie man von ihm erwarte. Die Wissenschaft des Judenthums dürfe sich nicht darauf beschränken, die Vergangenheit zu erforschen. Unsere religiöse Litteratur sei der verkörperte Geist des Judenthums; diesen neu zu beleben, halte er für das höchste Ideal. Seine Hörer aber bitte er, ihn in seinem Streben zu unterstützen und ihm vor Allem vertrauensvoll entgegenzukommen. — Reicher Beifall belohnte diese Rede und bezeugte, daß die Hörerschaft bereit ist, ihrem neuen Lehrer hingebungsvoll zu folgen. - Zum Schluffe richtete Herr Dr. Müller als ältester der anwesenden Dozenten einige herzliche Worte an Herrn Dr. Schr. Ausgehend von dem Schriftverse Jes. 54, 13, mit welchem vier Mischnatraktate schließen, behandelte er den Gedanken, daß bei aller Verschiedenheit der religiösen Anschauungen die Wissenschaft das Bindemittel im Judenthum sei, ste schaffe Frieden. Er wies sodann auf David Cassel hin, der vornehmlich durch seine Friedfertigkeit sich die Liebe Aller gewonnen habe, und bot dem neuen Kollegen die Hand zu gemeinsamer, friedlicher Arbeit. — Herr Dr. Schreiner wird seine Vorlesungen gleich nach den Ferien beginnen, und zwar vorläufig: Grundzüge der Religionsphilosophie; Lektüre von 0r Adonai von Chasdai Kreskas; Geschichte der Saboräer und Gaonen. Möge es ihm gelingen, sich die Achtung. Liebe und Verehrung zu erwerben, die sein verewigter Vorgänger seitens seiner Schüler genossen hat. — Am Sonntag den 14. Januar Nachmittags 5 Uhr veranstaltet der Verein der Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums in der Aula der jüdischen Knabenschule, Gr. Hamburger-Straße 27, eine Gedächtnißfeier für den vor Jahresfrist verstorbenen Dr. David Cassel. Freunden und Verehrern des Verewigten steht der Zutritt zu dieser Feier frei. £££ Berlin, 1. Januar. Der „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" hielt am 30. v. Mts. in der Aula der Friedrich- Werderschen Oberrealschule seine ordentliche Generalversammlung ab. Voran ging ein sehr interessantes Referat des Herrn A. Katz über „die Ethik des Talmud". Aus dem Bericht des Vorstandes ist zu entnehmen, daß der Verein in stetem Wachsthum begriffen ist Er zählt jetzt an 300 Mitglieder. Eine längere Debatte knüpft sich an die Frage der weiteren Agitation zur Ausbreitung des Vereins. Es wurde beschlossen, an die leitenden Kreise dcr jüdischen Gemeinde, an die Rabbiner und Lehrer zu appelliren; ferner wurde eine Agilations-Kommisston für diesen Zweck gewählt. Die Kassenverhältnisse des Vereins sind durch die Muvistzenz eines bekannten Vorstandsmitgliedes ansehnlich gefördert worden. Als neueste Publikation wurde den Mitgliedern ein Gedenkbuch an das Jahr 1492: „Jberia" von Dr. M. Lew in, überreicht. Zum Schluß erfolgte die Wiederwahl des bisherigen Vorstands und der Revisionskommission, welch letztere in der Sitzung gleichfalls ihren Bericht erstattet hatte. . r. Neiße, 3. Januar. Unser neu gegründeter jüdisch-litterarischer Verein erfreut sich der allgemeinen Theilnahme in unserer Gemeinde. 65 Mitglieder zählt er zu den Semigen. Von der bisherigen Thätigkeit ist Folgendes zu berichten. Als erster Fonds für die Gründung einer Bibliothek wurde die stattliche Summe von 250 Mark gezeichnet, die ersten Ankäufe von Büchern sind bereits erfolgt, und aus diesen sowie aus mancherlei Geschenken zusammengesetzt, besteht unsere Bücherei aus über 200 Bänden, die von den Mitgliedern fleißig benutzt werden. Die erste Allgemeinversammlung fand am Montag den 27. November im Liebig'schen Saale statt. 80 Personen waren anwesend: Herr Landgerichtsrath Dr. Borchert eröffnete die Sitzung mit der Darlegung unserer großen Prinzipien, woran sich ein Vortrag des Herrn Prediger Ellguther schloß: über die Bedeutung und die Ausbreitung der jüdischen Litteratur. Ein öffentlicher Dank, ausgesprochen von dem Vorsteher unserer Gemeinde, Herrn Koplowite, belohnte den Vortragenden für den belehrenden Vortrag. An diesen ersten Vortragsabend schlossen sich an jedem Montage Abends von 8—10 Uhr Lese-- und Vortragsabende in schneller Folge. Am 1k. Dezember hielt Herr Prediger Ellguther einen sehr instruktiven und das ganze zu bebauende Gebiet umfassenden Vortrag: Einleitung in die Geschichte der Litteratur, der auf Anregung unseres Vorsitzenden vervielfältigt und den Mitgliedern zur Verfügung gestellt werden soll. Hieran schloß sich ein Referat über die Beschreilnrng des ersten und zweiten Tempels. Am 17. Dezember referirte wieder Herr Prediger Ellguther über das Synhedrion und nahm die Lektüre der Pirke Aboth vor, wobei er historische und sprachliche Bemerkungen anfügte; eine rege Diskussion entspann sich im Anschlüsse an die Lektüre, was um so erfreulicher ist, als der Anstoß zu diesen Uebungen aus der Mitte der stets zahlreich anwesenden Versammlung hervorging. Bis jetzt sind — immer unsere kleinen Verhältnisse vorausgesetzt — nahezu 40 Mitglieder stets erschienen. Am Dienstag den 2 Januar wird Herr Prediger Ellguther einen Vortrag: „Ueber die Entstehung der Mischnah" halten und die Lektüre von Pirke Aboth fortsetzen. Im Uebrigen erwarten wir recht bald das Erscheinen auswärtiger Redner, die bei uns sehr dankbare und aufmerksame Hörer finden würden, damit auch unsere Damen für den Verein gewonnen werden könnten! g. Ratibov, 29. Dezember. Sanitätsrath Dr. Simon.Rosenthal ist heute früh in der neunten Stunde nach längerem, schwerem Leiden entschlafen. Die Nachricht von dem Trauerfall wird in weiten Kreisen Theilnahme erwecken. Der Verstorbene, der ein Alter von 64 Jahren erreichte, entstammte einer angesehenen Ratiborer Familie, besuchte das hiesige Gymnasium und ließ sich nach Beendigung seiner medizinischen Studien vor mehr als drei Jahrzehnten in seiner Heimathstadt nieder. Durch sein gewinnendes Wesen und seine Tüchtigkeit im Berufe erwarb er sich bald das Vertrauen der Bevölkerung ohne Unterschied des Standes und Ranges. Als Stabsarzt machte er den Feldzug gegen Oesterreich und Frankreich mit und wurde durch Ehrenzeichen ausgezeichnet. Nun hat der Tod dem Leben des tüchtigen Mannes, der so oft wider ihn gekämpft, ein Ziel gesetzt. Alle Diejenigen, die den Verstorbenen als Helfer zu rufen pflegten, werden seinen Heimgang betrauern. Ein Menschenfreund, ein vortrefflicher Gatte und Vater sinkt mit ihm ins Grab. Dankbarkeit wird sein Andenken erhalten. r. Magdeburg, im Dezember. In Folge Beschlusses der beiden Körperschaften der hiesigen Gemeinde, der Repräsentanten und des Vorstandes, vom 22. März 1892, auf dem bisherigen Platze den Bau einer neuen Synagoge vorzunehmen, ist in'diesen Tagen behufs Erlangung eines diesbezüglichen Planes eine Preisbewerbung vom Vorstande ausgeschrieben worden Das Preisrichteramt besteht aus folgenden Herren: Geheimrath Professor Ende, Geheimrath Professor Otzen, Beide zu Berlin, Regierungs- und Baurath Thür, hier, Regierungsbaumeister Duvigneau, hier, Vorsitzender des Vorstandes PH. Rosenheim, Vorsitzender der Repräsentanten S. Singer. Folgende Preise sind ausgesetzt: 1. Preis von 3000 Mk.; 2. Preis von 2000 Mk.: 3. Preis von 1000Mk. X Coethen, 25. Dezember. Am 18. d M. wurde nach dem Beispiele vieler Gemeinden Deutschlands auch in unserer Gemeinde auf Anregung unseres Rabbiners Herrn Dr. B. Seligkowitz ein Verein für jüdische Geschichte und Litteratur gegründet, der den Zweck hat, durch öffentliche Borträge, sowie durch Anschaffung einer populären Bibliothek und Halten von jüdischen Zeitschriften den jüdischen

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