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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-01-05 · Heft 1 (5.1.1894) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 1 (5.1.1894)
Date
1894-01-05
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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58. Jahrgang. Nr. 1. Gerlin, 5. Januar 1894. Dev Gemeindebote. Weikage zur „Allgemeinen Zeitung des IrröenLHnrns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. b. Berlin, 2. Januar. In der am letzten Tage des Jahres abgehaltenen Repräsentanten Versammlung fand die feierliche Einführung der neubezw. wiedergewählten Mitglieder des Vorstandes und deren Stellvertreter statt. Als Wiedergewählte durste die Versammlung die Herren Justizrath Meyer und Dr. Lachmann begrüßen, mit denen als neu gewählt die Herren L M. Bamberger, I. E Jsaac, sowie als Stellvertreter die Herren Regierungsrath Dr. Magnus, Professor Geiger und Julius Jsaac den Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin uunmehr bilden werden In warm empfundener, gehaltvoller Rede begrüßte der Vorsitzende der Repräsentanten, Herr Hermann Landsberger, den neuen Vorstand. In der heutigen Zeit der Verhetzung, wo es nicht an Bemühungen fehle,» den Geist der Zwietracht sogar in die Gemeinde zu tragen, sei es vor Allem nothwendig, daß diese selbst geeinigt bleibe. Müsse schon nach dieser Richtung der Vorstand ein leuchtendes Beispiel geben, so dürfe er auch nicht aus dem Auge verlieren, wie das, was die Berliner Gemeinde, als die an Kopfzahl und Intelligenz bedeutendste, schaffe, vorbildlich werde für die übrigen deutschen Gemeinden. Es komme ferner darauf an, dem modernen Geist Rechnung zu tragen, ohne mit den überlieferten Traditionen zu brechen. Endlich stelle das beständige Wachsen der Gemeinde stets neue Ansprüche an Schule, Kirche, an Kranken-, Waisen- und Armenpflege. So seien die Aufgaben, welche des neuen Vorstandes harren, mannigfacher und wichtigster Art, Ausgaben, deren Lösung jedoch die Gemeinde vertrauensvoll dem neuen Vorstande, in welchem ja erprobte Männer sitzen, überlassen könne. Auf diese Ansprache des Herrn Landsberger erwiedert Justizrath Meyer Namens des Vorstandes mit einigen kurzen Wor-en des Dankes für das durch die Wahl seinen Mitgliedern gezollte Vertrauen. Für die! ihm erzeigte Ehre werde der Vorstand in treuer Pflichterfüllung die ihm j gestellten Aufgaben zu lösen suchen, wobei er auf das harmonische Mitwirken der Repräsentantenversammlung, die ja stets mit dem Vorstand j Hand in Hand gegangen, glaube auch ferner rechnen zu können. Die! Versammlung tritt hierauf in die Tagesordnung ein, auf welcher sich j die Frage der Uebernahme einer Stiftungs-Verwaltung befindet. Es handelt sich um die Stiftung des kürzlich verstorbenen Geheimen Medizinalraths Cohn, zur Unterstützung jüdischer Handwerkslehrlinge. Die Schwester des Erblassers, Frau Peltesohn, bei deren Lebzeiten die Zinsen des hinterlassenen Kapitals zu ihrem Nießbrauch bleiben, hat in einem Schreiben an den Vorstand sich bannt einverstanden erklärt, daß nach "ihrem Tode mit den Zinsen des verbliebenen Kapitals im Sinne ihres Bruders verfahren werde. Mit der weiteren Erledigung der Angelegenheit wird eine Kommission betraut. Nachdem dem Religions-Verein zu Charlottenburg bis zum 31. März 1895 als Unterstützung 7000 Mark bewilligt sind, wird der Versammlung von einem hochherzigen Geschenk des Herrn Moritz Manheimer und seiner Gattin Kenntniß gegeben Es handelt sich um die wahrhaft großartige Spende von fünfmalhunderttausend Mark zum Bau eines eigenen SiechenHauses, nachdem, wie es in der Schenkungsurkunde heißt, die Vereinigung des Siechenhauses mit dem Krankenhause sich als keine glückliche erwiesen. Außerdem soll die neue Anstalt nicht den trübseligen Namen „Siechenhaus" führen, sondern „Hospital" oder ähnlich heißen. Von der freudigst bewegten Versammlung, die einstimmig einem Anträge des Rechtsanwalts Tiktin Folge giebt und den Spendern ihren Dank ausspricht, wird alsbald eine gemischte Kommission gewählt, um das von den Gebern beabsichtigte Werk in die Wege zu leiten. Vom Vorstand gehören der Kommission die Herren Jacoby und Dr. W'iesenthal an, denen die Versammlung die Herren Fränkel, Heiluiann, Louis Sachs und Landsberger beigesellt. Hiermit wird die Sitzung geschlossen. ■/v» Berlin, 2. Januar. Am 28. Dezember hielt die Armenkommission der jüdischen Gemeinde ihre letzte Sitzung im verflossenen Jahre ab; es war dies zugleich die letzte Sitzung unter dem Vorsitze des mit Ablauf des Jahres aus dem Gemeindevorstande scheidenden Herrn Rechtsanwalts B. Breslauer. Am Schluffe der Sitzung drückte der stellvertretende Vorsitzende genannter Kommission, Herr Gustav Loewenberg, dem scheidenden Vorsitzenden den Dank der Mitglieder für dessen gewissenhafte und unparteiische Leitung der Geschäfte aus, zugleich das lebhafte Bedauern, aussprechend, daß Gesundheitsverhältnisse denselben gezwungen hätten, eine etwaige Wiederwahl von vornherein abzulehnen. Am Abend' desselben Tages versammelten sich die Mitglieder der Armenkommission und der Fürsorgekommission hiesiger jüdischer Gemeinde in Cassels Hotel zu einem Abschiedsmahle, welches sie ihrem bisherigen Vorsitzenden gaben. Das Fest legte ein beredtes Zeugniß davon ab, wie Letzterer es verstanden hat, während der verhältnismäßig kurzen Zeit seiner Amtsführung nicht nur die Herzen der unter seiner Leitung arbeitenden Amtsgenossen zu gewinnen, sondern auch durch neue Ideen, die er in die Armenpflege der jüdischen Geineinde hineingetragen. Tüchtiges zu wirken und auch die Anerkennung früherer Gegner nach und nach sich zu erringen. Ernste und launige Toaste, sowie auch die Vorträge einiger hierzu eingeladener hervorragender Künstler würzten das Mahl. Zunächst gab der mit dem 1. Januar 1894 in den Gemeindevorstand eintretende Herr I. E. Jsaac, welcher wahrscheinlich auch von da ab den Vorsitz der Armenkommission übernehmen wird, in einer wohl durchdachten Rede der Hoffnung Ausdruck, daß diese so bewährte Arbeitskraft nicht allzu lange dem Gemeindedienste entzogen bleiben wird, sondern daß es Herrn Breslauer bald gelingen möge, seinen Gesundheitszustand derart zu kräftigen, daß er neben seinen Bernfsgeschäften und den Ehrenämtern, die er noch beibehält, wiederum die Geschäfte, zu denen ihn das Vertrauen seiner Mitbürger innerhalb der Gemeinde berufen wird, übernehmen und in gewohnter vortrefflicher Weise führen, besonders aber sich auch fürderhin der Organisation der Armenpflege widmen wird, in welcher er bisher schon so Bedeutendes geleistet hat. Der Gefeierte dankte in beredten Worten und legte in kurzen Zügen seine Ansichten in Bezug auf die Weiterentwickelung seiner diesbezüglichen Ideen dar. Hierauf sprachen die Herren Leonhard Sachs, G. Löwenberg, A. Levy, Julius Grünwald u. A. m. Alle diese Redner gaben in herzlicher Weise der warmen Anerkennung der Verdienste des scheidenden Vorsitzenden Ausdruck. Erst spät nach Mitternacht nahm das schöne Fest, welches durch keinen Mißton gestört wurde, sein Ende. E. 8. Berlin, 28. Dezember. Am 26. d. M. fand im Auditorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums die Einführung des neuen Docenten, Herrn Dr. M. Schreiner, statt, welcher an Stelle des verewigten Dr. David Cassel berufen worden ist. War es auch vorauszusehen, daß für einen Mann, wie den Letzteren, welcher auf allen Gebieten der jüdischen Wissenschaft heimisch, schwer ein Ersatz zu finden sei, so hofft man doch, in Dr. Schreiner nunmehr eine glückliche Wahl getroffen zu haben. Die Vergangenheit dieses Mannes berechtigt auch in der That zu den besten Hoffnungen. Seit einer Reihe von Jahren als Professor am Lehrerseminar zu Budapest thätig, hat er sich einen Ruf als geschickter Pädagoge und tüchtiger Gelehrter erworben. Besonders hat er sich durch seine Leistungen auf dem Gebiete der jüdischen Religionsphilosophie und der arabischen Litteratur verdient gemacht. Zu seiner Einführung hatten sich das Lehrerkollegium ntit Ausnahme des Herrn Prof. Steinthal, den körperliche Schwäche noch immer an das Zimmer fesselt, einige Kuratoren und sämmtliche Hörer der Anstalt eingefunden Herr Prof Lazarus, Vorsitzender des Kuratoriums, begrüßte zunächst Herrn Dr Schreiner und hieß ihn Namens aller Anwesenden herzlich willkommen. Das Kuratorium hege die Zuversicht, daß er als ein Diener Gottes hierher gekommen sei. Mit dem Augenblicke, da er sein Lehramt an der Anstalt übernehme, sei er ein freier Forscher. Freie Forschung sei fortan nicht nur sein Recht, sondern seine Pflicht Wie von dem Schüler nicht verlangt werde, auf die Worte des Lehrers zu schwören, sondern nur mit Hingebung und Ehrfurcht ihm zu begegnen, so werde auch von ihm nur ehrfurchtsvolle Hingebung zu den Quellen mit freiem, offenem Blicke gefordert. Dann aber solle er auch dazu

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