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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1894-01-05 · Heft 1 (5.1.1894) · p. Seite 12

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
58 (1894)
Issue
Heft 1 (5.1.1894)
Date
1894-01-05
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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12 1. Ist es wahr, was Sie von den hiesigen christlichen Schulen behauptet haben? 2. Ist es wahr, daß infolge des Antisemitismus die neue orthodoxe Töchterschule gegründet worden ist? 3. Ist es wahr, daß an den Simultanschulen unter jüdischer Leitung mehr christlicher als jüdischer Religionsunterricht ertheilt wird? 4. Ist es wahr, daß die israelitische Töchterschule eine Volksschule ist? 5. Halten Sie die Mittel, mit denen man für die neue Schule wirbt, für würdige? j Hamburg, im Dezember. Dr. I. Loewenberg. j *! Verehrte Redaktion! tm Schlüsse meines Aufsatzes „Unsere Sünden" habe ich mir erlaubt, eine Reihe von Fortsetzungen in Aussicht zu stellen Ich beabsichtige, in denselben das bereits Gesagte auszuführen und zu ergänzen. Der nächste Artikel sollte unter Anderem mit der „Sünde" ins Gericht gehen, welche sich in Form der Geringschätzung spezifisch jüdischer Gelehrten bei v sehr vielen Glaubensgenossen breit macht. Bei dieser Gelegenheit wollte ich auch auf dasjenige ausführlich zurückkommen, was ich unter „Schaffung eines Mittelpunktes für die Wissenschaft des Judenthums" verstehe. Ich habe den Plan einer Akademie der jüdischen Wissenschaften ins Auge gefaßt, einer gelehrten Gesellschaft, in der all die Männer Aufnahme finden sollen, die sich um die jüdische Wissenschaft bedeutende Verdienste erworben haben. Der Zweck des Instituts wäre in erster Reihe natürlich die Pflege der jüdischen Wissenschaft, die eine Stätte haben muß, wo sie endlich von Tagesströumngen unbeeinflußt und ohne > Rücksichtnahme auf irgend eine religiöse Schattirung ihre Wege sich selber z vorschreibt. Aber auch andere Ziele können gesteckt werden. So ist eine! gegenseitige Anregung und ein neidloses Zusammenwirken hervorragender, auch materiell unabhängig zu machender Männer der jüdischen Wissenschaft innig zu wünschen. Also nicht an irgend eine Lehranstalt dachte ich, welche die Heranbildung von Jüngern der Wissenschaft sich zur Aufgabe setzt, sondern an eine Einrichtung, die die Förderung der Wissenschaft als Selbstzweck betrachtet. Dies und noch manches Verwandte wollte ich, wie erwähnt, in einem späteren Aufsatze eingehender behandeln Das! gütige Interesse des Herrn Prof. Dr. Lazarus zwingt mich, das eben Gesagte vorwegzunehmen. Hochachtungsvoll Berlin, 31. Dezember Fritz Stier-Somlo. *! Sehr geehrter Herr Redakteur! (Mhr voriger Gemeindebote hat mit Recht einige Mängel in der Waisenpflege hervorgehoben. Ich erlaube mir im Anschluß an diese Ausführungen die Aufmerksamkeit Ihrer Leser auf die von Herrn Konsul Simon in Hannover gegründete Erziehungsanstalt zu lenken. Wer auf praktische Weise wohlthätig sein will, findet in dem Institut ein geeignetes Objekt. Hochachtungsvoll Dr. Heinrich Meyer Cohn. * Hochgeehrte Redaktion! S^hr geschätztes Blatt hat es sich von jeher zum Prinzip gemacht, gegen die schmachvollen Angriffe der Antisemiten energisch Front zu machen, indem es diese theils als völlig unbegründet zurückwies, theils hervorhob, daß einzelne berechtigte Vorwürfe nicht das Judenthum als solches treffen, sondern höchstens einzelne Personen, die zufällig Juden sind. Gestatten! Sie mir nun, geehrte Redaktion, auf einen Schaden hinzuweisen, der l geeignet ist, gerade unter den gebildeten jungen christlichen Leuten häufig! Antisemitismus hervorzurufen, da, wo er vielleicht früher nicht vorhanden war, ich meine den Antisemitismus der Juden selbst und speziell einzelner jüdischer Studenten. So paradox das Wort Antisemitismus den Juden klingen mag, es' ist leider nur zu oft Thatsache, und ich habe während meiner Studentenzeit leider nur zu häufig Gelegenheit gehabt, ihn bei vielen jüdischen Studenten anzutreffen, und zwar in einer Blüthe, daß man an die Richtung Ahlwardt und Genossen denken konnte. Als charakteristisch und entschuldigend setze ich hinzu, daß sie das nur unter sich thaten, und bin überzeugt, daß sie die selbst gemachten Angriffe, von Andersgläubigen erhoben, sofort als höchst beleidigend aufgefaßt und in entsprechender Weise zurückgewiesen hätten, was auch in der That häufig genug geschah Um so unwürdiger ist denn aber ihr eigenes Benehmen, das alte heilige Einrichtungen in den Staub zieht und gerade wie die Rasseantisemiten lächerliche Angriffe erhebt gegen das Judenthum, die aber diese nichts angehen, sondern vielleicht einige Bekenner desselben, aber das Beklagenswertheste daran ist.der Umstand, daß dies so häufig bei der akademischen Jugend vorkommt, die doch die Blüthe der Nation darstellen soll. Es zeichnet mit ausgezeichneter Hochachtung Würz bürg, 25. Dezember. Dr. med. Ernst Bloch. * Hochgeehrter Herr Redakteur! CSN ct Herr Dr. Ginsburger weitere Studien in Bezug auf die Aus- <3j> spräche des Hebräischen in Nr. 50 Ihrer geschätzten Wochenschrift veröffentlicht, gestatte ich mir zu seinen Ausführungen Folgendes nachzutragen. 1. Daß das griechische Mcovoy von den Uebersetzern der Vulgata durch Moyses wiedergegeben wurde, ist ein unzweideutiger Beweis, daß zu dieser Zeit das griechische Ipsilon wie das Jota ausgesprochen wurde; wie ja in der That auch im Neugriechischen in der Aussprache zwischen Jota und Ipfilon kein Unterschied zu bemerken. (Hier in Sofia selbst bietet sich reichliche Gelegenheit, das Neugriechische von gebildeten und ungebildeten Griechen reden zu hören.) 2. Die Jdentifizirung von mit Mtownjc resp. mit j-jtTft kann ich durchaus nicht annehmen Grätz in seiner Geschichte der Juden (Bd. IV. p. 468) sagt viel vorsichtiger, er halte für das griechische gleich W. Bacher in seiner Aggada der Tannaiten Bd. II, p. 6, Anm. 1 bemerkt schon, daß R. Meir nicht der erste Träger des bisher unaufgeklärten Namens oder ist Aus diesen drei Varianten des Namens Miascha, Maischa (event. Mo-Tscha) und Miescha erhellt zur Genüge, daß in Ermangelung diakretischer Vokalzeichen ein auch nur annähernd richtiger Schluß nicht zu erzielen ist. 3. Daß das Lamez zu einer gewissen Zeit, und zu einer sehr frühen Zeit wie o ausgesprochen wurde, hat unter Anderen schon S. D. Luzzatto im Jahre 1829 in seinem Briefe an I. S. Reggio ausgesprochen (siehe Epistolario italiano francese latino di S. D. Luzzatto da Trieste pubblicato da’ suoi figli. Padova 1890 p. 82—84). Er sagt daselbst: Molto prima deir invenzione dei segni vocali, vigeva nell’ ebreica pronunzia una notabile diversitä tra le varie popolazioni d’ Ebrei qiä sussistendo il secondo Tempio dispersi i piu regioni. E notoche: Siri orientali (i Caldai) pronunciano a il g^pi chegli Occidentali MD profferiscono o. Lo stesso divario passava, io dico, nella pronunzia degli Ebrei. Und in seinem Briefe an S. V. Volti in Görz (de dato 5 Marzo 1830) schreibt S. D. Luzzatto (Epistolario p. 103—104): „Egrandemente arvalorata questa ipotesi dall esempio dei Siri e dei Gal dei. I primi Maroniti e Giacobiti abitanti della Palestina e della Siriapropriamente detta,pronunzianoancora oggidi. Odome Abrohom, anzi avendo isato di nominare ciascheduno dei loro punti vocali col nome d’alcuno dei Patriarchi incominciante dalla vocale espressa da esto segno, chiamando p. e. col nome d’ pacco la vocale i, e con quello d' Ibria la u, chiamano poi Odom la vocale o. Al contraria i secondi, i Nestoriani ed altri settarie, abitanti l’Assiria e le Caldea, proffeziscono como noi Adam e Abraham. Daß das Kamez zur Zeit des Talmud thatsächlich wie o ausgesprochen wurde, erhellt u. a. auch aus dem Talmud Tractat Baba Kamena (babyl ) toi. 60a nö1? Http JPK3 ptttD JTTliT "1^1 naip bs msib (hier wird piöp lautlich mit |-|!2lp identifizirt). Eine andere Frage ist es jedoch, ob das Kamez ursprünglich wie a oder gleich im Anfänge wie o ausgesprochen wurde. Ausführlich handle ich hierüber in meiner Arbeit: „Sitten und Bräuche der Juden im Orient." Sofia, 19. Dezember. Dr. M. Grünwald, Groß-Rabbiner. %)tud unb Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für dre Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.

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