Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 58 (1894)
- Issue
- Heft 1 (5.1.1894)
- Date
- 1894-01-05
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228040-3228042--50503-3273313- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
11 Konstruktion resp. Alter des Textes handelt, auch ins Deutsche übertragen würden. Zu Seite 69 (Letzter Absatz) bemerken wir, daß, wenn man statt liest fDIDD sowohl der erste Satz, als auch die Angabe, daß die Juden am Wochenfest Aepfel vom Tempeldach werfen und wieder auslesen, gut verständlich ist. Zu Ende der Seite 77 fügen wir. ergänzend hinzu, daß das Lob des Benajah, das sich im Targum Scheni findet, dem Buche Sirach entlehnt ist. Möge der fleißige Herr Dr. Gelbhaus bald ein zweites Heft dieser Studien folgen lassen. Prof Dr. Adolf Schwarz, Rektor der israelitisch-theolog. Lehranstalt in Wien, hat soeben das erste Heft seiner „Studien über die Kontroversen der Schammaiten und Hilleliten" veröffentlicht Diese Kontroversen sollen einen „Beitrag zur Entwickelungsgeschichte der Halacha" bieten. Wäre Herr Dr. Schwarz nicht schon längst durch seine gediegenen Arbeiten über die Tostftha und seine Ausgabe dieses Schriftwerkes rühmlichst bekannt, so würde vorliegende Schrift in beredter Weise Zeugniß dafür oblegen, daß keine geeignetere Persönlichkeit zur Leitung des Wiener Rabbinerseminars hätte gefunden werden können. Wir fühlen uns außer Stande eine Kritik dieses sicherlich bedeutsamen Buches zu schreiben, und wollen daher nur den Inhalt der einzelnen Kapitel angeben. Nach der Einleitung werden die Kontroversen zwischen Schammai und Hillel im Allgemeinen beleuchtet, und dann ganz besonders die Erleichterungen der Schammaiten und die Erschwerungen der Hilleliten ausführlich erklärt, und zwar 1. nach den Relationen R. Jehudas, 2. nach den Relationen R. Jofts, 3. nach den Relationen R. Israels (R. Simons), und 4. nach den Relationen R. Eliesers. Hierauf werden 1. die vom Talmud rektifizirten Relationen und 2. die apokryphen Relationen bei den Kommentatoren behandelt. Zum Schluffe sei noch bemerkt, daß die Anmerkungen Muster von Präzision in Bezug auf Kritik sind; so wird z. B. in den Anmerkungen von Seite 16—17 Chwolson jüngstes Werk: „Das letzte Passahmal Christi re, kurz und treffend beurtheilt (vergl. Monatsschrift, Dezember- Heft 1893 p. 97 ff.) in der Anmerk. Seite 20-21 ein von I. Lambert in der »Uevus des Ltuäes juivss" unter dem Doppeltitel 1.6 proees ä'Ueroäe, Sam69.8 et Pollion veröffentlichter Aufsatz auf den gebührenden Werth zuückgeführt. Sofia, 19. Dezember. Dr. M. Grünwald. Sprechsaal. d^enn ich es auch bedaure, die Spalten der Allgemeinen Zeitung des Judenthums für derartige kleinliche Zwecke in Anspruch nehmen zu müssen, so muß mir doch die geehrte Redaktion schon im Interesse der Wahrheit gestatten. Ihnen, Herr Ph. M., heute etwas länger zu folgen. Sie haben in Ihrer ersten Korrespondenz behauptet, Hamburg sei vom Antisemitismus durchseucht; die jüdischen Schülerinnen hätten nicht mehr in christliche Schulen gehen können, darum sei die neue orthodoxe Töchterschule gegründet worden und diese Schule erfreue sich der Sympathie aller Kreise. So viele Behauptungen, so viele Unrichtigkeiten; Unrichtigkeiten, die Ihre Erwiederung nicht beseitigt, sondern noch vermehrt. Ich halte noch heute jedes Wort meiner ersten Entgegnung aufrecht und will nur noch bemerken, daß ich auch bei Einsendung derselben gleich dem Herrn Redakteur anheimgestellt, meinen vollen Namen zu nennen. Und nun zu Ihrem neuesten Phantasiewerk in der vorigen Nummer: „Hamburg ist vom Antisemitismus durchseucht." Auf einen Hinweis, daß der Bürgerschaftspräsident ein Jude sei, erwiedern Sie: „Der Herr war nämlich erster Vizepräsident, als sein Vorgänger in den Senat gewählt wurde, und ist nur eine alte Praxis geübt worden." Aber, mein Berehrtester, ist es denn die Gepflogenheit der Antisemiten, Juden als erste Vizepräsidenten zu wählen und alte Praxis zu üben? Auf meine weitere thatsächliche Angabe, daß viele Zünftler für die Antisemiten gestimmt, erwiedern Sie mit verblüffender Sicherheit: „Nun hatte diese Partei aber einen eigenen Kandidaten aufgestellt." Vergebens habe ich daraufhin noch einmal die Tagesblätter aus der Wahlzeit durchgesehen; wenn Sie, Herr P. M., sich nicht selber als geheimen Kandidaten für jene Partei aufgestellt haben, so hat sie keinen eigenen Kandidaten gehabt. Sie behaupteten ferner, daß infolge des Antisemitismus, die Bedürfnißfrage nach einer solchen Schule besonders akut geworden, und sagen dann ebenso schön als wahr: „Den nichtjüdische Schulanstalten besuchenden Kindern jüdischer Eltern wurde nicht mehr gestattet, die Sabbathfeier zu beobachten und dem Religionsunterrichte ihrer andersgläubigen Mitschülerinnen fern zu bleiben." Als ich hierauf entgegnete, daß es unter den 57 höheren Mädchenschulen vielleicht 3—4 gäbe, die den jüdischen Schülerinnen Schwierigkeiten bereiten, erwiedern Sie: „Vielleicht sind es auch mehr." Und wenn es nun wirklich mehr wären; — mir ist nur eine einzige bekannt, — wenn es ihrer gar zehn wären, rechtfertigt das Ihre ungeheuerliche Verdächtigung sämmtlicher christlicher Schulen? Geben Sie doch genau die Zahl der Schulen an, nennen Sie dieselben, wenn Ihnen das „vielleicht" mißfällt. Auf meine Frage, warum Sie die Existenz der jüdischen Töchterschule und der übrigen unter jüdischer Leitung stehenden höheren Mädchenschulen verschweigen, antworten Sie: daß diese vorhanden sind, ist. „nirgends bestritten worden." Wenn Sie die Israelitische Töchterschule, die 2 fremde Sprachen in ihrem Unterrichtsplan hat, eine Volksschule nennen, so ist es um Ihre pädagogischen Begriffe genau so gut bestellt, wie um Ihre Logik, die meine Angabe, daß die Ziele der genannten Schule „nicht weit" von den höheren Töchterschulen liegen, für eine Umschreibung dafür hält, daß sie ihr „fern" liegen. Das ist schon mehr als diplomatisch! Nach Ihrer Logik mag vielleicht „nicht weit" eine Umschreibung für „fern" sein; aber das giebt Ihnen noch kein Recht, meine Worte nach Ihrer Denkungsweise zu deuten. Gesetzt aber auch, daß jene Schule eine Volksschule wäre, könnte sie nicht auch für die Hoheit und Reinheit des jüdischen Lebens begeistern, oder fängt diese Begeisterung erst mit einem jährlichen Schulgelde von 100—260 M. an? Wem es wirklich nur darum zu thun wäre, jene ideale Gesinnung, auf die Sie fortwährend pochen, zu pflegen, der müßte doch gerade danach trachten, eine Schule auf breitester Grundlage zu errichten, eine Schule, die auch dem Minderbemittelten zugänglich ist, eine Schule, die nicht nur ausschließlich für reiche Orthodoxe bestimmt ist, denen es schon durch Privatunterricht nicht an Gelegenheit für die religiöse Erziehung ihrer Kinder fehlt. Ebenso richtig wie Ihre Widerlegungen sind Ihre neuen Behauptungen : An den Simultanschulen, die unter jüdischer Leitung stehen, „wird mehr christlicher als jüdischer Religionsunterricht ertheilt." Ich finde zur Kennzeichnung dieser Behauptung kaum einen Ausdruck mehr. Daß Sie den Religionsunterricht, der von geprüften Lehrern an diesen Schulen ertheilt wird, als einen „sogenannten" bezeichnen, ist eine Kühnheit, die nur dadurch übertroffen wird, daß Sie darüber entscheiden wollen, wer zur Judenheit gehört. Daß Sie das, was Sie Seitenhiebe auf den Herrn Oberrabbiner nennen, übergehen, ist wirklich, um Ihr Lieblingswort einmal in seiner richtigen Bedeutung zu gebrauchen, sehr diplomatisch von Ihnen; denn da liegt des Pudels Kern: die Art und Weise, wie für die neue orthodoxe Schule agitirt wird. Man kann ja die Berechtigung einer solchen Schule ohne Weiteres zugeben; man könnte selbst das Bedürfniß dafür durch die sieben Schülerinnen, von denen schon zwei freiwillig gekommen, als erwiesen betrachten; was aber zu brandmarken ist, das ist die Art, wie für diese Schule geworben wird, das sind die Mittel, mit denen man die Eltern bestürmt, daß sie ihre Kinder andern Schulen entziehen sollen, das ist die Thatsache — ich habe den Beweis in Händen — daß man nichts scheut, um sein Ziel zu erreichen. Und Sie glauben, eine Schule, für die es nothwendig ist, so zu kämpfen, erfreue sich der Sympathie aller Kreise? Sie unschuldiger Schäker! Nicht 'allein darauf kommt es an, wofür man kämpft, auch wie man kämpft, mein verehrtester Herr P. M., und vor Allem, immer hübsch ehrlich e sein, immer hübsch bei der Wahrheit bleiben! Auf die Liebenswürdigkeiten, mit der Sie mich persönlich bedenken, verbietet mir meine Bescheidenheit einzugehen; denn da von Allem, was Sie gesagt haben, genau das Gegentheil der Fall ist, so enthalten Ihre Worte zu viel Schmeichelhaftes für mich Hoffentlich sind Sie nie so grausam, mich jemals zu loben. Und nun, edler Ritter, das Bisir gelüftet und klipp und klar herausgesagt: