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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-12-25 · Heft 52 (25.12.1891) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 52 (25.12.1891)
Date
1891-12-25
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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tereffe schädigen, denn die so wirksame Pramirrnng des bestell Marktviehes, am Faselmarkt wird damit auch hinfällig werden. Geht man der Sache ans den Grund, so wollen sie dadurch beleidigt sein, daß ihrem Böckel von Seiten eines hiesigen Gasthofbesitzers der Saal für seine Hetzversammlungen verweigert worden ist. So wenig die Stadt dafür kann, so dankbar sollten sie der betreffenden Wirthschaft sein, daß sie des Friedens halber auf eine Einnahme verzichtet. Oesterreich - Ungarn. M. Prag, 14. Dezbr. Unter den jüdischen Vereinen Prags gebührt wohl schon vermöge seiner an dritthalbtausend zählenden Mitgliederschaar und seiner bedeutenden Thätigkeit eine der ersten Stellen dem „Centralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten." Die jüngst stattgehabte ord. Generalversammlung gestattete uns einen Blick in die weitverzweigte Thätigkeit dieser Vereinigung,, die sich, abgesehen vom Stammvereine, in eine Sektion zur Heranbildung israelitischer Krankenpflegerinnen, in eine Handwerker- und eine Studentenabtheilung gliedert, und wir sahen die Erfolge einer Riesensumme von Arbeit, die der Verein geleistet. In erster Reihe war es .mit ein Verdienst des „Centralvereins", daß das Gesetz betreffend die Regelung der Kultusverhältnisse in den israelitischen Gemeinden zu Stande kam und beider Gründung und Konstituirung neuer Kultusgemeinden ging der Verein ~ denselben mit Rath und That an die Hand. Weiter strebt der Centralverein die Errichtung einer Rabbinerschule an und hat diesbezüglich bereits mehrfache Schritte unternommen. Im Zusammenhang mit der Lösung dieser Frage steht die Erlangung eines einheitlichen Religionsunterrichtes, die sich der Centralverein ebenfalls als Ziel vorgesteckt hat. Bon den anderen Leistungen des Vereines seien hier noch angeführt die Anstrebung eines Asseeuranzinstitutes für Cultusbeamte und jüdische Gemeindefunktionäre, die Gründung einer Sektion zur Heranbildung jüdischer Krankenpflegerinnen, die Stellungnahme gegen den Antisemitismus und sein inniger Anschluß an den Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Schon die wenigen angeführten Daten legen zur Genüge klar, wie segensreich die Thätigkeit dieses Vereines ist, und es wäre nur zu wünschen, daß insbesondere die Provinz, zumal die jüdischen Gemeinden, durch Beitritt in den Verein mit diesem in stetigen Kontrakt tritt, was für jede einzelne Gemeinde von ganz bedeutendem Vortheile sein wird. Noch ein zweiter Verein, der durch seine große Mitgliederzahl und seine weitverbreitete Thätigkeit hervorragt, hielt dieser Tage seine Generalversammlung an. Es ist dies der israel. Freitisch-Verein, der sich die unentgeltliche Verköstigung armer Studenten, Handwerker u. s. w. zum Ziele gesetzt hat. Der Verein, um den sich insbesondere der Schriftführer Herr S. Angel bedeutende Verdienste erwarb, hat sich zu großer Bedeutung aufgeschwungen und spielt heute eine große Rolle in unserem Gemeindeleben. Auch hier wäre eine größere Betheiligung der Landstädte erwünscht. * Raab, 16. Dezember. Fürstprimas Vaßary ist vor Kurzem auf zwei Tage nach Raab gekommen. Beim Empfange der protestantischen und israelitischen Deputation betonte der Primas besonders, daß er den Frieden und die Eintracht liebe. Die Vertreter der Raaber Kultusgemeinde waren unter Führung des Oberrabbiners Dr. Fischer erschienen, dem der hohe Kirchenfürst besonders gewogen ist. Der Fürstprimas wartete gar nicht ab, bis der Redner seine Ansprache hielt, sondern eilte der Abordnung mit den Worten entgegen: „Es freut mich sehr, daß Sie mich 'mit Ihrem Erscheinen beehren," sagte der Primas, „lieben wir uns auch von heute ab weiter." Hierauf betonte Oberrabbiner Fischer, daß unter den vielen glänzenden Deputationen diese bescheidene Gruppe nicht fehlen wollte. Jung und Alt in der Stadt spricht rnit Stolz und Verehrung von den erhabenen Tugenden des Primas, denn so wie die glänzende und hohe kirchliche Stellung einen mächtigen Lichtstrahl aussendet, so wirft wieder die unvergleichliche Menschenliebe und der weise Gerechtigkeitssinn Vaßary's einen Prachtschinnner auf jenen Stuhl, den zu besteigen ihn ein gütiger Gotr auserkoren, jener Gott, den die ganze civilifirte Menschheit anbetet. Redner empfiehlt seine Glaubensgenossen dem Wohlwollen des Kirchenfürsten. Der Primas sagte unter Anderem: „Meines Wohlwollens können Alle sich vergewissert halten. Der Redner hat das Wort „Stolz" beriihrt — sagte Vaßary — wenn mein Herz die Empfindung des Stolzes überhaupt kennt, so hat er während meiner 32jährigen Lehrerlaufbahn nur darin bestanden, dem Vaterlande gute Patrioten, zu erziehen. Ich danke nochmals für Ihre ehrende Aufmerksamkeit." Großbritannien. * London, 17. Dezember. Der israelitische Parlamentsabgeordnete Samuel Montagu hat seine Sympathie für seine leidenden Glaubensgenoffen praktisch gezeigt, indenr er 20 Acres Landes, welche ihm in Edmonton, einer Vorstadt Londons, gehören, auf 7 Jahre unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat, damit jüdische Kolonisten daraus die Landwirthschast praktisch erlernen. Herr Hermann Landau wird diese Gemüsefarm leiten. Seine Erfahrungen versprechen das beste Ergebniß, obwohl naturgemäß das Meiste davon abhängen wird, daß die richtige Auswahl unter den russischen Juden getroffen wird, die in Edmonton zu Farmern herangebildet werden sollen. Die Absicht ist, schließlich eine Schule für Gemüsebau git errichten, die ihre Kosten deckt. Da London so nahe liegt, läßt sich das Gut leicht beaufsichtigen und ist auch der Absatz lohnend. Jedenfalls wird der Versuch aufmerksam verfolgt werden. Frankreich. Paris, 11. Dezember. Eine amüsante Versammlung fand vor Kurzem in der Salle des Conferenzes am Boulevard de Capueines statt, bei welcher der Marquis Mores gegen die Juden und insbesondere gegen die von Paris loszog. Der Marquis ist ein ganz merkwürdiger Typus unserer Epoche. Obgleich Adeliger von Geburt, hat er sich zu verschiedenen Zeiten rnit demokratischen und sozialistischen Elementen alliirt, doch nahm man ihn in diesen Kreiferr niemals für ernst. Sein Vortrag war betitelt „Die Bank von Frankreich und die Rothschilds". So weit man nach seinen ganz unzusamrnenhängenden Bemerkungen urtheilen konnte, schien ihn die Position der Bank nicht wenig zrr beunruhigen, welche seiner Ansicht nach sich in den Händen der Rothschilds befindet. Er fürchtete, daß das Kapital der Bank nicht intakt sei. Dies sei ein besorgnißerregender Umstand, denn wenn ein Krieg ausbricht, woher nimmt die Regierung die Mittel! „Er" griff ferner das Ministerium an, weil es arrgeblich mit den Rothschilds in Verbindung stehe, die, wie er sagte, aus Frankreich vertrieben werden sollten, da sie im Kriegsfälle sicher zu den Preußen übergehen würden. Ich darf nicht vergessen, daß der Marquis sich in Begleitung eines russischen Schmiedes befand, eines gewissen Ballte, der sein Busenfreund ist. Amerika. * Brrenos-Ayres, 12. Dez.. Die Opposition der argentinischen Presse gegen das Projekt des Baron Hirsch schwächt sich immer mehr nnd mehr ab, indem sie mit jedem Tage einen mehr akademischen Charakter annimmt. Eiferte man früher gegen die Zulassung der russischen Juden überhaupt, so richtet sich jetzt der Widerspruch nur noch gegen die Privilegien, die man dem „Vermittler" einräumt. Ein Theil der Opponenten ist mit dem Preis unzufrieden, und mit Recht behauptet ein hiesiges Blatt: „Hätte Hirsch statt 200 Pfd. per Legua etwa 1000 Lstr. geboten, so würde sicher ein gut Theil der Opposition in Wegfall gekommen sein. Dieselbe Zeitung, noch vor Wochen entschiedene Gegnerin des ganzen Einwanderungsprojekts, schreibt jetzt: „Fassen wir unsere Ausführungen kurz zusammen, so haben wir zu sagen, daß die Regierung mit der Begebung ihrer noch disponiblen Ländereien kein Finanzgeschäft zu macheil, sondern eine Kulturaufgabe zu erfüllen hat. Sie kann dankbar sein für jeden Acker, welcher der Wildniß abgerungen wird; der Staat erhält für diese Urbarmachung so viel Vortheile, daß keine Veranlassung vorliegt, von den Kolonisten mehr als etwa die Baarauslagen für Vermessung zll verlangen. Aber zugleich soll und darf sie dieses freie Land ausschließlich nur direkt dem aktiven einzelnen Besiedler zum Eigenthmn geben, da alle müßigen Zwischenhände die Entwicklung erfahrungsgemäß stören und im besten Falle die Produktion vertheuern. Nach Glaube und Abstammung wird verständigerweise Niernand fragen und wenn Baron Hirsch oder sonst wer einwandernde Kolonisten mit Geldmittellr bei ihrer Ansiedelrmg unterstützen will, so kann das ja Argentinien nur recht sein. Daraus ist aber noch lange kein Grund

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