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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-12-25 · Heft 52 (25.12.1891) · p. Seite 624

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 52 (25.12.1891)
Date
1891-12-25
Page
Seite 624 (sequence 12)
Language
German
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624 — sprechet bei keiner Frstlcifek sich verwiffen lies;, ist vom Schlage gerkllM worden; der junge Landrichter hat sich verlobt und sitzt träumerisch, ui d>en Zähnen stochernd, neben seiner reichen, rothhaarigen Braut. ' Emil ist rin Redner. Und in dem Augenblicke, da dies zur allgemeinen Gewißheit geworden, giebt es kein Souper und kein Diner mehr, zu welchem er nicht eine höchst schmeichelhafte Einladung empfinge. Und er nimmt alle Einladungen ausnahmslos an. Es P ihm, als ob er jetzt er seinen wahren nnd wirklichen Beruf gelfunden hätte. Wenn das Champagnerglas zum erstenmale sich mit >dem Perlende» Naß stillt, wenn dunkle Frauenaugen ihn anfmnnternd anblitzem, daun quillt es in ihm unaufhaltsam herauf, es drängen sich ihm schöne volltönende Worte, beziehungsreiche Citate auf die Lippen, er streicht die wirren blonden Haare aus der Stirn, und mit ssonorer Stimme verlÄndet er, bald in gebundener, bald ungebundener Äkede, bald auch, nt Vers und Prosa durcheinander, das Lob der amuuthigen Hsusfrau insbesondere und der Frauen im Allgemeinen, den Preis der Gastfreundschaft, den Preis der Geselligkeit. Jedes Thema chHgt sich willig seiner Beredtsamkeit. Und ist er zu Endewinken »chm die weißen schmalen Hände der Tischgenossinnen dankend zu, beugen sich marmorweiße Nacken nnd Schultern zu ihm herüber, ’f|t ihm, als ob er alle Seligkeit auf Erden in vollen Zügen schlürfe. Aber der Liebling der Gesellschaft wird bald zu ihrer Zuchtruthe. Es ist ihm zur süßen Gewohnheit geworden, sich an dem Lächeln der Frauen und am Champagner zu berauschen; ein Winterabend ohne Souper ist ihm zur Oual. Trinken und reden! Wenn er das nicht kann» so klagt er Welt und Menschen an, und von der Anklage ist es nicht weit zur Verachtung. Er hat dieser Verachtung jüngst iu e>.nem Toaste einen sehr derben Ausdruck gegeben. „Im Anfano mar das Wort," so begann er, „und das Wort bin ich. ^k>n Tage zwar bin ich nur Hauslehrer, ein moderner Sklave, der! junge Menschenkinder erzieht zur Erkenntniß ihrer Nichtigkeit, aber \ des Abends ist Gott in mir lebendig und er spricht aus mir; des j Abends bin ich mehr als die Anderen, die meiner Rede unterthan sind." In diesem Tone hat er eine halbe Stnnde hindurch seinen Zuhörern eine wunderliche Strafpredigt gehalten und dabei hat es merkwürdig in seinen Augen gebrannt, hat seine Hand gezittert und seine Gestalt geschwankt. Man hörte ihn geduldig an, denn es war etwas Dämonisches in seiner Rede; aber am anderen Tage flüsterte man sich ein Wort zu, das fortan bestehen blieb. Er hieß von nun ab der — Toast-Doktor. Damit war sein Schicksal besiegelt. Er war nicht mehr der Umworbene, nicht mehr der gleichstehende Theilnehmer an den Diners uno Soupers, er war die stereotype Figur, die Man; sich zitirt, weil sie die Gäste belustigt. Eine Schicksalsstunde! Die einst es an ihm ausgefunden hatten, daß er ein geborener Redner sei, hatten es dann an seiner Rede gemerkt, daß sie -„des Weines voll" war, und was sie bisher an dem Redner bewundert hatten, das belächelten sie nun an dem — Trinker. Und der Trinker war stärker als der Redner. Es kam ein Abend, da erhob er sich wieder, um den Toast auf die Frauen auszubringen, aber er vermochte nur noch zu lallen, seine Augen stierten in das Leere, und aus den Blicken seiner Zu Hörerinnen blitzte ihm keine Bewunderung mehr entgegen, sondern nur Spott und Geringschätzung. Allein um die Mitternachtsstunde schwankte er, an den Häusern sich'dahinltastend, nach Hause. Die ihm begegneten, wichen scheu zur Seite und flüsterten einander zu: „Der Toast- Doktor!"^Das.ist das Ende des letzten Kapitels. Denn daß er gestorben und verdorben ist, gehört eigentlich nicht mehr in diese Geschichte. Er hat seine Beredtsamkeit bisweilen noch leuchten lassen, aber nicht in den Salons der Gesellschaft, sondern in Spelunken und Schnapswirthschaften. Da gab er die furchtbarsten Brandreden gegen die Reichen und Vornehmen von sich, und johlender Applaus von schwieligen Fäusten, die dröhnend auf die Tische schlugen, war nebst freier Abendbeköstigung sein einziger Lohn. Zuletzt wars auch damit zu Ende. Der „Toast-Doktor" fand auch dort kein Auditorium mehr. Da kam das Delirium tremens. Der Todtengräber, der ihn einscharrte, besorgte sein Geschäft mit einer Thräne im Auge; er hatte die Mutter des „Toast-Doktors" gekannt, als sie noch ein frohes, lebenslustiges Mädchen in der „Gaffe" gewesen war. d» Für unsere Kleinen zum C Hann kuhfeste. Von Gustav Jacobsohn. Null kehrt mit seinen frormnell Liedern, Mit seinem milben Lichterschein Das schönste unter seinen Brüdern, Das Lichtfest wieder bei uns ein. Und wie die Flamme aus den Kerzell Mit sanftem Sprühen bricht hervor. So steigt aus unfern kleinen Herzeil Zum Himmel Preis und Dank empor. Dem Vater Preis, der voll Erbarmen Gesorgt rnn Israels Geschick, Der es beschützt mit Vaterarmen, Gelenkt mit güt'gem Vaterblick. Wie sehr der Feind auch hat gewüthet. Wie furchtbar auch sein Haß gebraut, Gott hat sein treues Volk behütet Mit starker Macht zu aller Zeit. Als vor des Königs Grimm zerstoben Der Priester gottgeweihte Schaar Und Götterbilder frech erhoben Sich auf dem heiligen Altar, Erloschen war das erv'ge Feuer, Verstummet der Leviterl Sang, Und Alles, was den Fronlmen theuer. In Schutt und Graus und Nacht versank 9U§ die Getreuen zwar verzagten. Weil nirgends lllehr sich Hilfe bot. Doch, eh' sie ihrem Gott entsagtell, Erlitterr Qual und Martertod, Da sandte Gott ans ihren Reihen Die todesmutigen Streiter aus. Die nun das Vaterland befreien Von Feindesdrang und Göttergraus. Und treue Priester kehrerl wieder. Die ew'ge Lampe schimmert klar. Und wieder tönen Davids Lieder Am opferflammerlden Altar; Von Jubel Hallen Zions Gassen, Der Tempel strahlt von Lichtern hell. Nicht mehr verspottet und verlassen. Jauchzt das erlöste Israel. Und immer, wenn mit seiner Trübe Der rauhe Winter kehrt zurück. Erscheint auch Ehannukah, das liebe. Und bringt uns Kindern neues Glück. Wenrl leist die zarten Flämmchen sprühen. Darf fröhlich Spielen uns erfreu'n. Und frohe Dankgefühle ziehen In unstre kleinen Herzen ein. 'iföfcir Truck unv Verlag von Rudolf MoNe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mal Bauchwik in Berlin.

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