Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1891-12-18 · Heft 51 (18.12.1891) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
55 (1891)
Issue
Heft 51 (18.12.1891)
Date
1891-12-18
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227877-3227929--48471-3273279
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

55. Jahrgang. Ar. 51. Gertin, 18. Dezember 1891 MeiLage zur „Aktgemsinen Zeitung des IuöenLHuws". Korrespondenzen und Nachrichten. , Nrntschlaud.! > * Berlin, 14. Dezember. Die von uns mehrfach gegebene (von j einigen kollegialen Blättert: mit mehr Entschiedenheit als Sachkenntniß j bekämpfte) Auskunft über die Versicherungspflicht der Kultusbeamten nach dem Jnvaliditäts- und Altersversorgungsgesetz ist nun durch die Entscheidung zweier zuständiger Behörden bestätigt worden. Es steht demnach fest, daß die Kültusbeamten nicht versicherungspflichtig, wohl aber unter gewissen Umständen versicherungsberechtigt sind. Die erste Entscheidung ist diejenige der Jnvaliditäts- und Altersversicherungsanstalt für Schlesien und lautet: „Breslau, 17. Novbr. 1891. Auf die Anfrage vom 3. September d. I., betreffend Ihre Versicherungspflicht, gereicht Ihnen nunmehr zum Bescheide, daß wir Sie nicht zu den versicherungspflichtigen Personen rechnen können. — Ihre Hauptbeschäftigung, welche Ihnen den bei weitem größten Theil Ihres Einkommens einbringt, besteht im Vorbeten bei dem jeden Freitag Abend und Sonnabend, sowie an jedem Feiertage in der dortigen Synagoge stattfindenden Gottesdienst und in denr Religionsj unterricht, welchen Sie in wöchentlich 8—10 Stunden den dortigen! Kindern mosaischen Glaubens ertheilen. — Diese Thätigkeit erscheint im Gegensatz zu den blos mechanischen Dienstverrichtungen eines unteren Kirchenbediensteten als eine höhere, mehr geistige (wissenschaftliche) Thätigkeit, welche Sie über den Kreis derjenigen Personen, welche vom Standpunkte wirthschaftlicher Auffassung aus zu dem Arbeiter- und niederen Betriebsbeamtenstande zu rechnen sind, erhebt, und somit der Versicherungspflicht nicht unterliegt. (Nr. VI der Anleitung des Reichs- Versicherungsamtes betreffend den Kreis der versicherten Personen vom 31. Oktober 1890.) Aber auch Ihre Beschäftigung als Schächter kann unseres Dafürhaltens die Versicherungspflicht für Sie nicht begründen! denn in derselben vermögen wir nichts Anderes als den Betrieb eines : selbstständigen, wenn auch an rituelle Vorschriften geknüpften Gewerbes 1 zu erblicken, bei dessen Ausübung Sie nicht als Lohnarbeiter oder 1 Gehilfe einer fremden Person im Sinne des Gesetzes, sondern als selbstständiger, für eigene Rechnung arbeitender Unternehmer auftreten." — Andererseits ist in Oberlauringen (Bayern) dem Schächter, welcher den Bedingungen des Gesetzes freiwillig nachkam, nach Erreichung seines 70. Lebensjahres die gesetzliche Altersrente zugebilligt worden. * Berlin, 13. Dezember. Am 30. November er. ist die israelitische Volksküche in den Räumen Klosterstraße 99 eröffnet worden. Derartige Wohlthätigkeitsanstalten wirken bereits seit langen Jahren segensreich in Kopenhagen, Wien, Prag, Warschau, Breslau und vielen anderen Städten mit großer jüdischer Bevölkerung. Wie sehr diese Einrichtung auch hier einem wirklich vorhandenen Bedürfniß entspricht, dafür liefert der seit Eröffnung fortdauernde ungeheure Zuspruch den sichersten Beweis. Es werden täglich über 1400—1500 Portionen entnommen. Ganz besonders sprechen für die Nothwendigkeit einer solchen Anstalt noch folgende Momente: Seit Jahren ist der Zufluß von durchreisenden armen Juden nicht so groß gewesen wie jetzt. Die Armen-Kommission der jüdischen Gemeinde erhält von der Anstalt für diese Leute umsonst Verpflegungskarten, und es wird hierdurch mannigfacher Belästigung vorgebeugt. Ferner sollen arme Studirende und in besonderen Füllen sonstige Nothleidende soweit als möglich durch Gratis-Verabfolgung von Speisen unterstützt werden. Zur Erfüllung der hohen Aufgabe, die Noth unserer Armen zu lindern und sie in den Stand zu setzen, nachdem sie gesättigt sind, den Kampf ums Dasein wieder aufnehmen zu können, sind die größten Opfer erforderlich. Die Theuerung der Lebensmittel, die Zubereitung der Speisen nach jüdischem Ritus, namentlich der Fleischspeisen, verlangt größere Aufwendung als in den übrigen Volksküchen, während der sonst übliche Preis von 15 Pf. für Mittagessen und 6 bis 10 Pf. für Abendessen nicht überschritten werden darf. Deshalb ergeht an alle wohlmögende Glaubensgenossen die ergebene Bitte, zu diesem Werke echter Barmherzigkeit einen Jahresbeitrag zu zeichnen und so die Noth unserer darbenden Glaubensbrnder mildern §n wollen.' Daß diese Anstalt auch Andersgläubigen offen steht, wird sicherlich eines Jeden Zustimmung haben. Alljährlich wird ein revidirter Rechenschaftsbericht erscheinen und den Wohlthätern der Anstalt zugehen. Zeichnungen sind zu richten an Herrn Herrmann Abraham, Alte Jakobstr. 57/59. S*2 Berlin, 11. Dezember. Die Hilfskasse für Israelitische Kultus b eam te, deren Wittwen und Waisen in Deutschland, veranstaltet, wie schon kurz erwähnt, am Sonnabend den 2. Januar k. I. mit 8/2 Uhr Abends in der Philharmonie Bernburger Straße 22. wie alljährlich ein „Glite-Concert" mit darauf folgender Tanz-Reunion Da das Coneert humanen Zwecken dient, so haben erste Künstler und Künstlerinnen, u. A.: die Kgl. Hofopernsängerin Frl. Leisinger, der Kgl. Hofopernsänger Herr Nie. Rothmühl, Frau Theresina Geßner vom Deutschen Theater, Herr Otto Sommerstorff, Herr Kgl. Coneertmeister Fabian Rehfeld, Herr Klavier-Virtuose Jose Vianno do Motto und Andere mehr, ihre Theilnahme in liebenswürdigster Weise zugesagt. Das reichhaltigst ousgestattete Programm verspricht einen genußreichen Abend, welchen sich Jeder, der zu einen: wohlthätigen Werke beizutrngen gewillt ist, für den billigen Eintrittspreis von M. 2. — verschaffen sollte. — Billets sind vorher bei Herrn M. Göttinger, Kronprinzen-User 20, sowie Abends an der Kasse zu haben. * Berlin, 14. Dezember. Das Kuratorium der Zunz-St if t ung hat in seiner Sitzung vom 15. Dezember folgende Beschlüsse gefaßt. Mit der Lehranstalt si'rr die Wissenschaft des Judenthums wird die Aufbewahrung des Zunz-Nachlasfes und dessen Benützung in ihren Räumen vereinbart. Die Briefe -an Zunz werden katalogisirt. Der Beirath wird ersucht, geeignete Kräfte zur Herstellung einer Zunz-Biographie bis zu Zunz hundertjährigem Geburtstage vorzuschlagen. — Zunz „Gottesdienstliche Vorträge", 2. Auflage, bearbeitet von N. Brüll, Vorrede von Steinschneider, liegen vor. Der Verleger wird aufaefordert, in Zeitschriften um Nachträge behufs Herstellung eines Supplement- Bandes zu bitten. * Berlin, 14. Dezember. Am letzten Mittwoch hielt Herr Prof Di'. Steinthal den dritten der Vorträge für die vereinigten B. Logen und zwar über das Then:a: „der Juden tägliches Gebet." Der äußerst interessante Vortrag, der eine vollständige geschichtliche Entwickle lung unserer Gebete brachte, wird in einer der nächsten Nummern dieses Blattes zum Abdruck gelangen. Das zahlreich versammelte Auditorium brachte den geistvollen Ausführungen Steinthals das lebhafteste Interesse entgegen, das auch in begeisterten Beifallsbezeugungen an: Schluffe seinen Ausdruck fand. — An: darauffolgenden Tage hielt Herr Dr. Hirsch Hildesheimer im Verein „Esra" im Saale des Leipziger Gartens einen sehr instruktiven Vortrag: „Eine Wanderung durch Palästina", in welchem er das heilige Land i:: geographischer Beziehung so interessant und fesselnd zu schildern wußte, daß die Zuhörer de:n Vortrag mit gespannter Aufmerksamkeit bis zum Schluß folgten. [•, Berlin, 15. Dezember. Das Ministerialblatt für die gesanunte innere Verwaltung" veröffentlicht das Verzeichniß derjenigen deutschen Lehranstalten, welche gemäß 8 90 der Wehrordnung zur Ausstellung von Zeugnissen über die Befähigung für den einjährig-freiwilligen Militärdienst berechtigt sind. Es befinden sich darunter die nachfolgenden 5 Anstalten n:it konfessionell-israelitischen: Charakter: die Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. Main, die Realschule der israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. Main, die israelitische Bürgerschule des Dr. Samuel Dessau in Fürth, die Jakobson-Schule unter Leitung des Dr. Emil Philippson in Seesen a. Harz und die höhere Bürgerschule. der Talmud Tora unter Leitung des Dr. Joseph Goldschmidt in Hamburg. A Berlin, 11. November. Die Jubiläumsfeier des Chordlrigenten der alten Synagoge, des Kgl. Musikdirektors Isidor Rosenfeld, hat in würdigster Weise gestern Abend im Saale der „Vier Jahreszeiten" stattgefunden. Etwa 150 Personen, Damen und Herren, nahmen an den:

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.