Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-12-27 · Heft 52 (27.12.1895) · p. Seite 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 52 (27.12.1895)
Date
1895-12-27
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3228094-3228147--52467-3273262
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

4 orthodoxe Gemeinde eine Volksküche, mit deren Leitung der Frauenverein betraut wurde. In den Statuten befindet sich ein sonderbarer Punkt, laut welchem nur orthodoxe Damen Ehrenstellcn bekleiden dürfen. Amerika. c:. H. New - Hort, im Dezember. Am 18. November fand eine Versammlung der Shearith-Jsrael oder sogenannten portugiesischen Gemeinde, der ältesten Gemeinde New-Aorks statt. Diese Gemeinde muß, gleich allen andren Gemeinden, die aus den wohlhabenderen Kreisen zusammengesetzt sind, die Wanderung nach der oberen Stadt, dem New-Porker Westend, milmachen. Bei Gelegenheit des Neubaues wollten die liberal gesinnten Mitglieder die Aufhebung der Frauengalerie und die Einführung der Orgel durchsetzen, und als ihnen das nicht gelang, beantragten sie den Aufschub des Baues auf ein Jahr, da sie dann die Majorität in Händen zu haben hoffen Sie blieben jedoch mit 70 gegen 90 Stimmen in der Minorität. — Im Monat Oktober wurde die Hilfe der New-Iorker vereinigten Wohlthätigkeitsgesellschaft rnited Hebrew Gliarities. in 2507 Fällen in Anspruch genommen Die Einnahmen während des Monats betrugen 14,413. die Ausgaben 10,531 Dollars. — Die .lewish Girl's Vocation Society, welche es sich zur Aufgabe stellt, jüdischen Arbelterinnen gegen eine nur nominelle Zahlung einen Sommeraufenthalt an der Seelüste zu verschaffen, hat im letzten Sommer 135 Mädchen in ihrem auf Loug Island gelegenen Ferienheim Unterkunst gegeben. Dreißig Bewerberinnen mußten zurückgewiesen werden. Die Gesellschaft hofft, im nächsten Sommer alle Bewerberinnen aufnehmen zu können. — Der jüdische Frauen verein in New - Jork hat es sich zur Aufgabe gestellt, Mission Schods, d. i. Neligionsschulen, in bisher vernachlässigten Distrikten zu eröffnen Eine solche wurde im polnisch-jüdischen Viertel, eine andere im annektirten Stadttheil eröffnet. — Die antikatholische Gesellschaft, A. P. A, deren Streben es ist, keinen katholischen Bürger zu einem öffentlichen Amte zuzulassen, hat bei den letzten Wahlen eine große Rührigkeit entfaltet. Sie hat auch gelegentlich antijüdische Tendenzen gezeigt. So druckte sie in rothen Lettern auf den Stimmzettel in Louisville neben den Namen des Kandidaten Lee Cohn die Worte: Vergesset nicht Rabbi Moses' Angriffe auf die amerikanischen Bürger. Dr. Moses hatte sich den Unwillen der Herren zugezogen, weil er sich weigerte, bei einer Versammlung der antikatholischen Gesellschaft das Eröffnungsgebet zu sprechen. — Die jüdische Litteraturgesellschaft in Philadelphia schreibt einen Preis von 1000 Dollars für die beste jüdische Erzählung aus. Dieselbe muß in englischer Sprache bis zum 1. März k. I. eingeliefert sein. — Die Stadt New-Port hat folgende Subventionen für jüdische Institute ausgeworfen: Der Freibibliothek Aguilar free Library 14,000 Dollars; dem Hebrew Sanitarium 5000 Dollars, dem Waisenhause Hebrew Orplian Asylum 70,000 und dem Waisenhause Hebrexv Sheltering Guardian Society 80,000 Dollars. Das erstere b eherbergt mehr als 700, das letztere mehr als 800 Kinder, Das letztere nimmt nicht nur Waisen auf, sondern auch Kinder, die von den Eltern verlassen wurden oder von gerichtswegeu den Eltern wegen Vernachlässigung pflichtgemäßer Obsorge entzogen wurden. Das erstere wird gegenwärtig durch einen Zubau erweitert und wird einen Fassungsraum für 1200 Pfleglinge erhalten. — In dem Testamente der Frau Rosetta Barnett, die kürzlich in New-Pork starb, ist neben lokalen und russischen Wohlthätigkeitsanüalten auch der Oberrabbiner der polnychrussischen Gemeinde in Jerusalem, Samuel Salanter, mit 500 Dollars bedacht worden. - Dem Rabbiner William Fried mann in Denver- Colorado, wurde von der Unitariergemeinde dieser Stadt der Antrag gestellt, am Sonntag in ihrer Kirche zu predigen. Herr Friedmann, der öfter daselbst gepredigt hat, hat jedoch ein definitives Engagement abgelehnt. — Folgende wahre Anekdote macht durch alle Blätter die Runde: In Milwaukee wurde für einen neuangelegten jüdischen Friedhof ein Wächter gesucht. Unter den eingelaufenen Meldungen befand sich die eines Deutschen, der sein Gesuch mit folgenden Worten schloß: „Ich habe viele Verwandte am hiesigen Orte, und wenn ich die Stelle erhalten sollte, werde ich trachten, meine Verwandten zu Kunden des neuen Friedhofes zu machen!" — Die Sitte, Beerdigungen von der Synagoge aus zu veranstalten, wird hier immer allgemeiner, weil sich nur selten ein Haus findet, welches alle Trauergäste zu fassen vermag, und da die Friedhöfe zu entlegen sind, als daß alle Trauergäste dahin folgen könnten. Einen Beschluß, diese Feierlichkeiten in der Synagoge zu veranstalten, hat neulich die Gemeinde Wilmington, Nord-Carolina, gefaßt. — Der Mayor von San Francisco, Adolf Sutro, ist der Heilsarmee beigetreten, welche neulich durch das Auftreten der Frau Ballington Booth, Schwiegertochter des „Generals", in dieser Stadt große Erfolge errang. Herr Sutro ist der Neffe des bekannten Wortführers der Neu- Orthodoxie, Abraham Sutro, gestorben 1869 als Rabbiner von Münster. Dr. Joseph Stolz, Rabbiner in Chicago, ist zum Vorsitzenden des Kongresses der liberalen Religionen für den Staat Illinois erwählt worden. Außer einigen jüdischen Gemeinden sind in diesem Kongresse Unitarier und Universalisten vertreten. — Die Gemeinde in Denver, Colorado, will ein Hospital errichten, für dessen Erhaltung jährliche Beiträge im Gesammtbetrage von 200 Dollars gezeichnet wurden. Denver ist das amerikanische Meeran und wird wegen seiner geschützten Lage und trockenen Luft von Lungenleidenden aus allen Theilen des Landes aufgesucht. Die Gemeinde hofft deshalb auf Unterstützung von außerhalb. Von Nah und Fern. Dem „Hann. Kur." wird geschrieben: Wie wir aus Kreisen des Deutschbunds erfahren, wird der verantwortliche Herausgeber der „Tägl. Rundsch." in Berlin, Dr. Fr. Lange, mit dem 1. Januar 1896 von der Leitung dieses Blattes zurücktreten. Die „Tägl. Rundsch." soll zwar im antisemitischen Fahrwasser weiter segeln, aber in einem etwas gemäßigteren Tempo. — In musikalischen Kreisen erregt es allgemeine Heiterkeit, daß der Mustkschriststeller Paul Ertel sich gezwungen sah, seine Stellung als Mustkreferent der „Deutschen Tageszeitung" niederzulegen, weil dieses Blatt, das Organ des „Bundes der Landwirthe", den „Paulus", das Oratorium Mendelssohn-Bartholdy's, als das Werk eines Juden nicht genannt oder gar gelobt sehen wollte. — Die kaiserliche Leopoldinisch-Karolinische deutsche Akademie der Naturforscher in Halle hat als Mitglieder ausgenommen: Dr. Jadassohn, Primärarzt der dermatologischen Abtheilung des Allerheiligen-Hospitals in Breslau; Professor Dr. Fritz Straßmann, Direktor der Unterrichtsanstalt für Staatsarzneikunde an der Universität und Lehrer der gerichtlichen Medizin an der militärärztlichen Kaiser Wilhelms-Akademie in Berlin. — Die Herausgabe eines antisemitischen Adreßbuches in Mainz, das durch eieren gewissen Eugen Ledig verbreitet wird, veranlaßt eine Anzahl christlicher Firmen, ähnlich wie in Frankfurt, zu öffentlichen Erklärungen wegen Mißbrauchs ihres Namens. — In Chaux de Fonds (Schweiz) wird im Frühjahr die neue Synagoge eingeweiht, die mehr als 300 000 Franken kostet und darum auch ein Prachtgebäude der Stadt wird. Die Kosten tragen die hiesigen israelitischen Bürger. — Der am 24 d. Mts. verstorbene Kaufmann Hermann Konstadt in Lodz hat, wie das nunmehr eröffnete Testament besagt, nicht nur eine Million Rubel, sondern, einige Legate abgerechnet, sein gerammtes Vermögen zur Begründung jüdischer Wohlthätigkeits - Anstalten bestimmt. Das Kapital, welches unter die Verwaltung eines Kuratoriums gestellt ist, bleibt für ewige Zeiten ein eiserner Fonds und nur die Zinsen werden in der Weise verwendet, daß immer, wenn sich 150 000 Rubel angesammelt haben, ein neues humanitäres Institut gegründet wird. In erster Linie sind angeordnet: Der Ankauf eines Grundstücks und Bau eines Gebäudes für die Schulen, deren Kurator der Verewigte gewesen; die Errichtung eines Hospitals für jüdische Kinder und die Gründung eines Asyls für alte und arme jüdische Kaufleute. — Der Cincinnatier Distriktsverein der Deutschen evangelischprotestantischen Prediger von Nordamerika hat in seiner letzten Sitzung einen Ausschuß eingesetzt, welcher ein Memorial ausarbeiten soll, worin gegen die antisemitische Agitation des Antisemiten Ahlwardt in Amerika protestirt wird. — Bei den letzten amerikanischen Wahlen sind im Staate New - Aork Jacob Ca ntor und Heinrich Munzing er zu Senatoren, G. Adler zum Deputaten und Josef New bürg zum Richter gewählt worden; im Staate Ohio K. Fleisch mann zum Senator und Theodor Weyer zum Deputaten.— In Montreal ist der Präsident der Temple Em-Gemeinde, S. Davis, der Begründer der größten Tabak-Manufaktur in Kanada, am 30. v. Mts. gestorben und am 2. d. Mts. unter seltenen Ehren begraben worden. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantworllich für die Redaktion. Mar Bauchwitz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.