Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 59 (1895)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1895)
- Date
- 1895-12-27
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Misoellen Juden in der Marine. Dem Buche „Die Juden in Philadelphia" entnehmen wir noch folgende Einzelheiten über die Betheiligung der Juden an der Marine der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Uriah Philipps Levy, der Sohn eines jüdischen Offiziers, der den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen England mitgefochten, trat 1812 in die Marine ein, wurde Master auf der Brigg Argus und mit der Besatzung nach ehrenvollem Kampfe von den Engländern gefangen. Nach zweijähriger Gefangenschaft freigelassen, wurde er wegen bewiesener Bravour 1817 Lieutenant, dann 1837 Kommodore, zuletzt 1858 Kommandant eines Geschwaders. Dies war der höchste damals vorhandene Rang der nordamerikanischen Marine und er hatte ihn bis zu seinem Tode, 22. März 1862, inne. Sein Hauptverdienst, neben den Leistungen im Kriege, war die Abschaffung der Prügelstrafe in der Vereinigten Staaten Marine. — Joseph B. Nom diente als Midshipman und dann als Offizier seit 1812 auf der Fregatte Guerriere, bis er, infolge von Wunden, die er im Kampf mit algerischen Piraten erhalten, im Jahre 1822 seinen Abschied nehmen mußte. Im Ganzen dienten nicht weniger als 47 Juden nur aus Philadelphia in der Marine der Bereinigten Staaten in allen Rangstufen vom einfachen Matrosen bis zum Kommodore, eine sehr bemerkenswerthe Thatsache gegenüber den Angriffen, die gegen die Juden wegen mangelnder Kriegslust, und ganz besonders auch Furcht vor dem Dienst zur See, erhoben werden. * Eine alte antisemitische Lüge ist wieder aufgetaucht. Die Wiener Reichspost tischt eine angebliche Rede eines englischen Ober- Rabbiners John Readclif aus dem Jahre 1880 auf, welcher unter Anderem auch gesagt haben soll: „Wenn wir uns zu alleinigen Besitzern alles Goldes der Erde gemacht haben werden, wird die wirkliche Macht in unsere Hände übergehen, und dann werden sich die Verheißungen erfüllen, welche unserem Vater Abraham gemacht worden sind u. s. w." — Das ist die berüchtigte Rede, die ein Großrabbiner in dem sogenannten historischen Roman „Gaeta - Warschau-Düppel" von Sir John Retcliffe hält. Retcliffe ist bekanntlich der aus dem Waldeck-Prozesse bekannte Rechnungsrath Hermann Gödsche. Aus diesem Retcliffe hat das Wiener Antisemitenblatt einen „Oberrabbiner Readclif" gemacht! £ Eine Judenhetze mit komischem Ausgang hat sich in Genthin in den letzten Tagen abgespielt. Die Filiale eines Berliner Manufakturgeschäfts hatte eine Kinderbescheerung zum Christfest öffentlich in Aussicht gestellt. Inhaber von Konkurrenzgeschäften reizten in Inseraten gegen den „Berliner Juden" auf. Solche Kinder, die sich von einem Nichtchristen beschenken ließen, müßten von der Beschenkung ausgeschlossen werden, die in Genthin alljährlich durch allgemeine Wohlthätigkeit ins Leben gerufen wird. Auch der erste Herr Pastor des Städtchens prägte den Kindern in der Schule ein, daß sie nicht zu einem Nichtchristen gehen und sich bescheeren lassen sollten. Schließlich stellte es sich heraus, daß der wohlthätige Inhaber des Manufakturgeschäfts gar kein Jude, sondern ein guter Christ und in Berlin sogar Vorstandsmitglied der französischen Kirchengemeinde ist. Die Judenhetzer machen jetzt lange Gesichter, haben aber doch ihren Willen gehabt. Denn nun hat Genthin auch einmal eine Judenhetze erlebt, freilich ohne einen dazu dienlichen Juden. £ Lebensregel. Verwehrst Du dem Triebe sein boshaftes Muß, Dann wird selbst Enthaltsamkeit Dir ein Genuß. Entbehrst Du der Liebe oft wechselndes Glück, So wahrt doch die Treue Dein Lebensgeschick. Louis Schwartz. •f* * Die Nr. 51 der „Mittheilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" (Expedition Magdeburgerstraße 13, Zeitungsliste 4173) hat folgenden Inhalt: Weihnachten. — Parlamentarische Sitten in antisemitischen Versammlungen. Von Dr. G. Winter. — Herr Stöcker und der Erlaß des evangelischen Oberkirchenraths. — Der Schulchan Aruch in der zweiten badischen Kammer. — Antisemitische Weihnachtslügen. — Zur Abwehr. — Aus dem antisemitischen Lager. Geschäftliche Notizen. In dem Bestreben, dem biertrinkenden Publikum stets das Beste zu liefern, hat die hiesige Patzenhofer-Brauerei, der gegenwärtigen Geschmacksrichtung nach hellem Bier folgend, ein neues Pilsen helles Bier hergestellt, das sie unter dem Namen „Ceres-Bier" in den Handel bringt. Dieses „Ceres-Bier" von krp stall hellem Glanze vereinigt in sich die besten Eigenschaften an Geschmack und Bekömmlichkeit, und man kann ihm das Zeugniß aussprechen, daß es in brautechnischer Leistung ein Produkt größter Vollkommenheit ist. ZZ—~ .-WWW Flir die Saison der hiSfc Tiners. Soupers. Balle. Die Veranstalter eines derartigen Festes, welche oft in Verlegenheit sind, wie dasselbe am besten zu arrangiren ist, möchten wir auf ein reizendes Büchlein aufmerksam machen, welches in der originellsten Form allerlei praktische Winke giebt. Das soeben in zweiter verbesserter und vermehrter Auflage erschienene Werk „Das Diner" von Hoteldirektor Robert Stutzenbacher giebt erschöpfenden und fachmännischen Aufschluß über alle einschlägigen Fragen, z. B. „Wie deckt und servirt man ein Diner, ein Dejeuner, ein Pie-Nic? Wie arrangirt man ein Buffet, einen Ball? Wie behandelt man Wein, und in welcher Reihenfolge kommt derselbe zur Tafel? Wie viele Nahrungsmittel braucht man zu einem Diner per Kopf, von welcher Beschaffenheit müssen dieselben sein? Wie stellt man ein Menu zusammen?" rc. rc. Das Buch ist aber nicht etwa nur eine nüchterne Abhandlung über diese Dinge, sondern es enthält in der apartesten Ausstattung eine reiche Sammlung von hervorragenden historischen und launigen Original-Menus aus allen Welttheilen, von Diners fürstlicher Höfe und geselliger Vereinigungen, reicher Privatleute rc., wohlgeordnete Speise-Uebersetzungs-Tabellen, sowie interessante gastronomische Abhandlungen nebst vielem Andern. Der Preis des in elegantestem Rococo-Pracht-Band gebundenen, reizend ausgestatteten Werkes, das sich ebenso für jede Dame der Gesellschaft, wie jeden Gourmand zu einem reizenden Geschenk eignet, — für jeden Fachmann, Hotelier, Restaurateur, Koch, Oberkellner aber unentbehrlich ist — beträgt nur M. 4,—. Das Diner von Robert Stutzenbacher ist zu beziehen durch jede Buchhandlung oder gegen Einsendung des Betrages von M. 4,30 direkt von der Verlagsbuchhandlung Rudolf Mosse, Berlin SW., Jerusalemerstr. 48/49. H. Kleyen &Go., Silberwaaren-Fabrik, Berlin 8., Sebastianstrasse 20. Chanukaleuchter Thorablech Thorakrone sowie alle übrigen hebräischen Cultus-Artikel. Fernsprecher-Amt 4, 835. Emanuel Cohen Nnhrort a. Uh. ->02 Fleisch- & Wurstivaaren-Fabrik versendet in Ia. Qualität: 9 Pfund feinstes ansgeschmolzenes Uindrrfrtt in eleganter Blechdose Mk. a— PölirlZungen vr. Stück Mk. 3 — 4, Nauchznngen pr. Stück Mk. 3—5, sowie Preisliste sonstiger Fleisch- und Wurstwaaren gratis und franco. Fernsprecher Nr. 175 des niederrh.weftf. Fernsprechnetzes.