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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1895-12-27 · Heft 52 (27.12.1895) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
59 (1895)
Issue
Heft 52 (27.12.1895)
Date
1895-12-27
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Zeichen der Anerkennung zu geben, widmeten die Vereine eine Gabe, bestehend in einem silbernen Tafelaufsatz, Inschriften der Wohlthätigkeits- Anstalten enthaltend. Gegen 12 Uhr erschienen die Vertreter der Synagogengemeinde, der Vorstand, geführt vom Amtsgerichtsrath Lewy, und eine Abordnung der Repräsentantenversammlung, geführt vom Kommerzienrath Zerkowsky. Am Abend vereinigten sich die Verwandten zu einem Mahle. =t= Balbronn (Elsaß), int Dezember. Hier fand, wie die „Straßburger Post" berichtet, am 10. Dezember die Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. An der Feier betheiligten sich die Einwohner ohne Unterschied der Religion. Der Kreisdirektor Swiersen aus Molsheim betheiligte sich an dem Festzuge, der sich von der alten Synagoge nach der neuen bewegte, und öffnete die Pforte des neuen Gotteshauses. Der Oberrabbiner Weil aus Straßburg und zwei andere Rabbiner predigten. Aber auch der protestantische Pfarrer Kiefer sprach einige Worte, er hob hervor, daß, wenn es auch verschiedene Religionsbekenntnisse gebe, alle dennoch ein gemeinsames Ziel verfolgten, den Willen Gottes zu thun und denselben zu bethätigen suchen in den Werken der allgemeinen Nächstenliebe. Ergreifend schloß er seine in allen Herzen widerhallenden Worte mit der Bitte: „Vater unser, der Du bist im Himmel, Dein Name werde geheiligt." Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 23. Dezember. Wie weit der Größenwahn der Antisemiten bereits gediehen ist, hat sich abermals in einer Reichsrathssitzung der abgelaufenen Woche gezeigt; da sprach Lueger u. A. das gewichtige Wort: Ich habe Sie gelehrt, mich zu beachten (Lebhaftes Gelächter links), und ich sage Ihnen, meine Agitation überall wird zeigen, daß der Dr. Lueger mehr werth ist.. . (Erneutes Gelächter links) Ja, es wäre traurig, wenn ich nicht mehr werth wäre als die gesammte vereinigte Linke. — Bei einer Armenbetheilung sprach der Pfarrer Grünwald, welcher ausführte, daß die Nächstenliebe keinen Unterschied der Konfession und Nationalität kenne und daß alle Menschen in ihrer Armuth gleiche Unterstützung verdienen. — Der Universitätsdozent Dr. Julius Schnitzler wurde zum Vorstande einer chirurgischen Abtheilung der Wiener allgemeinen Poliklinik ernannt. An der Poliklinik wurde eine dritte chirurgische Abtheilung kreirt und zum Vorstande derselben Universitätsdozent Dr. Alexander Fraenkel ernannt. Schließlich wurde an Stelle des verstorbenen Professors Dr. Ludwig Mauthner dessen langjähriger Assistent Universitätsdozent Dr. Klein zum Vorstande einer Augenabtheilung der Poliklinik ernannt. — Der Minister für Kultus und Unterricht hat den Beschluß des Profefforenkollegiums der medizinischen Fakultät der Universität in Wien auf Zulassung des Dr. Hermann Schlesinger als Privatdozenten für interne Medizin an der genannten Fakultät bestätigt. — Dr. Siegfried Weiß wurde zum Direktor der Landesirrenanstalt in Mbs (Nieder-Oesterreich) ernannt. — Im Stadtbauamte wurde zum Ober-Ingenieur Herr Julius Steiner ernannt. — Am 16. d. M. ist hier eine der wohlthätigsten Frauen, Frau Regine Hildburghäusser, Präsidentin des israelitischen Frauen-Wohlthatigkeitsvereins, nach kurzem Leiden im 82. Lebensjahre verschieden. — In Thörl ist der Landtags-Abgeordnete Dr. Friedrich Fürst im 47. Lebensjahre gestorben. Dr. Fürst war ein treuer Anhänger der deutschliberalen Partei, ein entschiedener Gegner des Antisemitismus und ein Freund des Judenthumes; er war auch Mitglied der Leobener Handelskammer. o. Prag, im Dezember. Der seit langer Zeit hier bestehende „Verein zur Unterstützung von Studirenden der jüdischen Theologie, Ez hadaas", von Oberrabbiner Hirsch (gegenwärtig Oberrabbiner in Hamburg) begründet, hat in der jüngsten Zeit einen erfreulichen Zuwachs an Spenden erhalten und eine zielbewußte Wirksamkeit entfaltet, die es erhoffen läßt, daß die vom Verein beabsichtigte Gründung eines Proseminars für Rabbiner und Religionslehrer mit der Zeit doch zu Stande kommen wird. Ein aus der Mitte des Ausschusses eingesetztes Komitee, bestehend aus den Herren Dr. jur. S. Fischel, Gemeinde-Rabbiner Dr. Armand Kaminka und Landtags-Abgeordneten Dr. I. Za lud, soll der nächsten Generalversammlung des Vereins ein für eine zeitgemäße Fortentwickelung desselben günstiges revidirtes Statut vorlegen. Dem Verein steht gegenwärtig, durch die Munifizenz des Herrn Moses Lasch, eine eigene gemeinschaftliche Wohnung für die Zöglinge zur Verfügung, ferner gewährt der „Freitisch-Verein" den Studirenden unentgeltlich Mittagstisch und einige erhalten außerdem monatliche Stipendien. Die Studirenden der Theologie, die hier ohne Unterschied der Stufe ihres Wissens sofort „Rabbinats - Kandidaten" genannt werden, hören talmudische Vorträge bei Herrn Dr. N. Ehrenfeld und Vorträge über biblische Exegese, Religionsphilosophie und jüdische Geschichte bei Herrn Dr. A. Kaminka. Leider reichen die Mittel des Vereins nicht aus, um die zahlreichen bedürftigen Hörer wirksam zu unterstützen. (JD Essek, 18. Dezember. Unsere Gemeinde hat durch den Tod ihres Ober-Rabbiners, Dr. Samuel Spitzer, einen unersetzlichen Verlust erlitten. Der Heimgegangene, der fast 30 Jahre hindurch das Rabbineramt hier bekleidete, erfreute sich allgemeiner Beliebtheit und mit über die Grenzen unseres Landes hinaus großen Ansehens. Auch war er Mitglied vieler gelehrter Gesellschaften und Ritter des Franz Joseph- Ordens. Spitzer hat als Schriftsteller namentlich ein bisher sehr vernachlässigtes Gebiet mit Erfolg angebaut: Die Kulturgeschichte der Juden. Eine Reihe von gelehrten Monographien auf diesem Gebiete sichert seinem Namen ein gutes Andenken. Von seinen Schriften erwähnen wir die folgenden: Die jüdische Ehe (Essek 1869); Die Gemeindeordnung bei den alten Israeliten (ebendaselbst); Das Mahl bei den Hebräern (Preßburg 1877); Das Heer- und Wehrgesetz der alten Israeliten (Vinkosce 1879); Die Uhr, ein Beitrag zur Kulturgeschichte (ebendaselbst); Ueber Baden und Bäder bei den alten Völkern (Belovar 1883); Ueber Feste und Sitten der alten Völker (Budapest 1886); Das Jubiläum in seiner wörtlichen und historischen Bedeutung (Essek 1888); Der Brief bei den alten Hebräern (Budapest 1894), außerdem zahlreiche Predigten. (Auch wir widmen dem Verstorbenen, der ein treuer Freund unseres Blattes war und aus dessen Nachlaß wir demnächst noch einen interessanten Beitrag bringen werden, den Zoll dankbarer Erinnerung. Friede seinem Geiste, Ehre seinem Andenken! Die Red.) B. Budapest, 19. Dezember. Das Gesetz über die freie Ausübung der Religion, in das der ursprünglich in den Rezeptionsgesetzentwurf aufgenommene Uebertrittsparagraph eingeschaltet wurde, ist vergangene Woche sanktionirt und publizirt worden. Die Durchführungsverordnung wird in den nächsten Tagen erscheinen. — In einer Sitzung des Abgeordnetenhauses legte der Kultusminister Wlassies auf eine Anfrage des Abgeordneten Madarüsz folgende interessante Daten vor: In Ungarn sind in 531 Gemeindebezirken 97 Rabbiner (6,2 Prozent sämmtlicher nicht ungarisch sprechender Seelsorger) an gestellt, die der ungarischen Sprache nicht mächtig sind. Die Predigten werden in den Komitaten Csongrad und Udvarhely, so auch in den Städten Stuhlweißenburg, Hodmezövasarhely, Kecskemet, Fünfkirchen, Schemnitz, Szegedin, Temesvar und Zombor ausschließlich ungarisch, an manchen Orten abwechselnd ungarisch und deutsch und schließlich in den Komitaten Maramaros, Bereg, Ung. Szatmür u. s. w. in polnisch-jüdischem Jargon abgehalten. Die Matrikel werden überall, mit Ausnahme von 13 Bezirken, ungarisch geführt. — Antisemitische Hetzer haranguirten das Volk in Ferto Szt. Miklos, die Fenster der jüdischen Schule einzuschlagen, was auch bei helllichtem Tage während des Unterrichtes ausgeführt wurde. Die Exzedenten erbrachen die Thüren und zertrümmerten die Bänke. Lehrer und Schüler mußten eiligst die Flucht ergreifen, um weiteren Insulten zu entgehen. Nach vollführter That kamen die von Juden bewohnten Häuser an die Reihe, an denen die aufgehetzte Menge großen Schaden anrichtete. In ein Haus wurde sogar hineingeschossen. Die Untersuchung wurde eingeleitet. — Der israelitische Landes-Lehr erverein wird aus Anlaß der Millenniumsfeier eine Monographie der ungarländischen israelitischen Schulen herausgeben. Zahlreiche Gemeinden haben sich für die moralische und materielle Unterstützung des Werkes ausgesprochen. — Mit den Präsidialagenden der orthodoxen Durchführungskommission wurde der Rabbiner Lipschütz-Szanto betraut. — In Großwardein wurde bei den Ausgrabungen ein silberner Becher gefunden, auf dem die Inschrift: „Moses ben Sofer der Gemeinde 1450" zu lesen war. — In Lugos wurde Dr. Venetianer-Csurg's, in Nagy-Karoly Rabbiner Fr. Fürth- Hatvan zum Rabbiner gewählt. — Ignatz Schreiber-Raab wurde in Anerkennung seiner Verdienste auf dem Gebiete des Schulwesens zum zum königlichen Rath ernannt. — In Großwardein errichtete die

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